Django Django, Anadol, QOTSA

Django Django

Die – fragile – Daseinsberechtigung der EP besteht in ihrer Brückentechnologie von der Single zum Album, ein halbvoller Zwischenraum ohne kommerziellen Mehrwert und auch künstlerisch umstritten. Dass die englische Discorockband Django Django in zehn Jahren bei 23 Kurz- gerade mal vier Langspielplatten produziert hat, mag da für einen Schwebezustand fortwährender Unentschlossenheit stehen. Aber der ist jetzt ja zu Ende.

Nr. 5 Off Planet ist eine LP aus vier EPs, die alle Sphären des Quartetts umfassen, also bündeln, was ihr eklektisches Werk so kennzeichnet: Nostalgischen Rave aus der Happy-Mondays-Ära, gepaart mit dystopischem Südlondoner Soul, dem Produzent und Drummer David Maclean von Minimal House über Wavepunk bis Powerpop, gar Eurodance alles beimengen, was digital-analoge Grauzonen so hergeben.

Django Django – Off Planet (Because Music)

Anadol

Was Gözen Atila wem beimischt, worin genau das Ergebnis besteht und ob es dafür irgendein originelles Etikett geben könnte – da hinterlässt eine*n auch das neue Album Hatıralar seltsam ratlos – schon weil der Name nur muttersprachlich kundigen Vaterlandsleuten geläufig sein dürfte. Hatıralar ist Türkisch für “Erinnerungen”, von denen die Keyboarderin allerdings keine im eigenen Gedächtnis gesammelt haben dürfte.

Anadols zwölf Instrumentalstücke sind schließlich Versuche, Orient und Okzident so zu vereinigen, dass ihre Lebensmittelpunkte Berlin und Istanbul mithilfe windschiefer Orgeln gleichermaßen nostalgisch und futuristisch klingen. Ein bisschen in der Art drittklassiger James-Bond-Kopie-Soundtracks quetschen sich dadaistische Krautrockfragmente da durch psychedelische Flächen und kommen als sämiger Quatsch mit Soße für Pop-Gourmets wieder raus. Lecker.

Anadol Hatıralar – (Morr Music)

Queens of the Stone Age

Queens of the Stone Age dagegen, vor 25 Jahren aus der düsteren Gruft von Grunge und Stoner, Kyuss und Screaming Trees, schmeckt für moderne Geschmäcker gewiss abgestanden nach breitbeinger Rock-Pose und Gitarrensolo-Onanie. Aber mal ehrlich? Pfeif drauf! Denn das Quintett ums letztverbliebene Gründungsmitglied – Sänger und Distortion-Nerd Josh Homme – hat abgerüstet, ohne gleich wehrlos dazustehen.

Die Stimme gewohnt pathossatt, versuchen QOTSA anders als auf einigen der sieben Vorgänger-Alben nicht mehr ständig, sich im mathematischen Grenzbereich ihrer Fähigkeiten selbst zu überholen/überbieten/überhöhen, was zwar meistens virtuos war, aber bisweilen auch anstrengend. In Times New Roman dagegen ist reduzierter, waviger, bisschen mehr Franz Ferdinand als Nietenlederjacke wenn man so will und damit auch für Rockkostverächter durchaus nahrhaft.

Queens of the Stone Age – In Times New Roman (Matador)



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