Guido Marie Kretschmer: Shopping & Wedding

Erfahrung, Liebe, Energie

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Dank seiner endlosen Empathie ist der hilfsbereite Designer Guido Maria Kretschmer (Foto: Enver Hirsch/SpotOn) everybodys darling. In seiner Vox-Show Guidos Wedding Race hat er Linda nun Linda de Mols Traumhochzeit nun eine Frischzellenkur verpasst. Nach der ersten Folge wurde sie zwar vorübergehend abgesetzt, aber ein Interview (vorab auf DWDL) über Äußerlichkeiten, Geschlechtergerechtigkeit, Homophobie und wo selbst der 55-jährige Harmoniefan wütend wird, ist dennoch immer ein Fest.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Kretschmer, können Sie das Erfolgsgeheimnis Ihrer Fernsehkarriere in einem Satz zusammenfassen?f

Guido Maria Kretschmer: Eine schöne Verbindung aus Kreativität, Freude am Menschen und derjenigen, mit ihnen besondere Momente zu teilen. Was wäre denn Ihr Satz?

Ich kann Ihnen den meiner Frau nennen, ein großer Fan. Sie meint: Weil er uns, also Frauen, so aufrichtig liebt.

(lacht) Schön. Ich wurde ja vornehmlich von Frauen sozialisiert wie meinen äußerst speziellen Großmüttern – eine sehr intellektuell, eine sehr modeverdreht; sonst wäre ich heute ein anderer. Dass ich ihnen so viel zu verdanken habe, hängt aber auch damit zusammen, Frauen immer besonders zugehört zu haben. Das ging von meiner Schwester bis hin zu Lehrerinnen. Ich spürte einfach, dass von denen mehr zu holen war als von Männern.

Nämlich was genau?

Erfahrung, Liebe, Energie. Ich glaube bis heute, die Welt wäre ein entspannterer Ort, würden Männer Frauen mehr Raum lassen. Deshalb hat mir im Bundestagswahlkampf auch am meisten die Geschlechtergerechtigkeit gefehlt. Wir reden zwar viel übers Gendern, haben es aber noch immer nicht geschafft, für gleiche Arbeit gleiches Geld zu bezahlen. Dieser Irrsinn verleitet mich dazu, Frauen in meinen Sendungen viel mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Auch wenn ich Männer, wie Sie sich denken können, sehr mag, feiere ich die Frauen, wo ich kann.

Wobei Sie, so scheint es zumindest in Ihren Shopping-Shows, dabei vor allem das Äußere der der Frauen feiern, um nicht die Oberfläche zu sagen.

Na ja, die Oberfläche ist eben Teil meines Berufes als Designer, aber anders als manch andere Kollegen dringe ich vom Äußeren möglichst schnell ins Innere vor. Schließlich sage ich immer, Mode ist die Haut der Seele. Wer das nicht glaubhaft machen würde, könnte doch nicht erfolgreich das einzige Frauenmagazin mit einem Männernamen machen.

Guido!

Das ist ein wunderbares Vehikel, um Frauen das Handwerkszeug für echte Selbstachtung zu vermitteln. Ich versuche ja auch bei Shopping Queen nicht nur, das Äußere zu optimieren, sondern damit neues Selbstbewusstsein zu erzeugen, das auch andere spüren.

Können Sie das Innere eines Menschen über sein oder ihr Äußeres erkennen?

Ich glaube schon. An ihrem Auto zum Beispiel kann man sich sowohl anhand der Marke als auch der Aufkleber, des Nummernschilds oder dem Zeugs auf der Rückbank ein erstes Bild von Ihnen machen. Das Gleiche gilt fürs Zuhause, wo schon ein Blick durch den Flur reicht, um die Bewohner grob einschätzen zu können. Auch das gehört ja zum Beruf des Designers. Der ist nämlich idealerweise ein enger Vertrauter seiner Kundinnen – was mir als schwulem Designer nochmals leichter fällt. Wenn ich mit ihnen auf der Bettkante sitze, müssen sie sich keine Sorgen machen, dass ich mit ihnen hineinspringen will. So kann eine unvoreingenommene Art von Nähe entstehen. Für mich war Mode daher auch immer eine Möglichkeit, Menschen näher als andere zu kommen, fast wie ein Psychologe. Von daher bin ich im Grunde der letzte, der nur an Äußerlichkeiten interessiert wäre.

Bei Ihrer neuen Vox-Show Guidos Wedding Race geht es also auch ums Innere der Teilnehmer?

Natürlich ist so eine Show zunächst mal visuell; ich bin schließlich Fan von Linda de Mols Traumhochzeit aus den Neunzigern, an der sich das Wedding Race orientiert. Ich versuche darin besonders Frauen zu helfen, sich klarzumachen, was genau sie von Hochzeit und Ehe eigentlich wollen, warum sie ihre Auserwählten so lieben, dass sie es aller Welt mitteilen. Dafür blicke ich hinter die Kulissen, lerne ihre Verwandtschaft kennen, aber auch die Budgets – denn heutzutage verschulden sich viele für dieses besondere Ereignis im Leben.

Und darum kämpfen die Paare der Sendung daher im harten Wettstreit?

Eher Rennen als Wettstreit, daher der Name Wedding Race. Jeweils drei Paare fahren im E-Auto von Süd nach Nord und kriegen übers Navi Aufgaben zum Erledigen. Die Sieger erhalten gewissermaßen ihre Traumhochzeit 3.0, bei der ich dann die Traurede halte. Aber auch die Verlierer bekommen etwas. Von mir kreierte Eheringe zum Beispiel, das Brautkleid, auch nicht schlecht. Bei mir sind alle Gewinner.

Sie sind also wie immer auf der Seite von allen?

Absolut. Mein Anspruch ist, allen Paaren – so unterschiedlich sie auch sind – die Hochzeit zu ermöglichen, bei der ich gerne als Gast dabei wäre.

Wenn man betrachtet, wie Sie auch in dieser Sendung also auf Seiten aller sind: Können Sie eigentlich auch mal richtig konfrontativ und sauer werden?

Sauer schon, aber es ist nicht in meiner DNA kodiert, auf andere draufzuhauen. Aus meiner Sicht hat jeder Mensch das gleiche Recht, mit größtmöglichem Respekt behandelt zu werden. Versagen abzufeiern, liegt mir nicht. Ich bin als Christ stets darum bemüht, ein anständiger Mensch zu bleiben. Es gibt im Fernsehen viele, die provozieren wollen und das auf ihre Art auch sehr unterhaltsam tun. Die müssen sich dann aber auch fragen, was das bei den Menschen hinterlässt, die es abkriegen. Ich glaube ans Prinzip der Subsidiarität.

Inwiefern?

Wenn jemand Hilfe braucht, nehme ich ihn wie einen Vogel auf den Finger und füttere ihn durch.

Aber wann werden Sie denn dann mal richtig sauer?

Wenn Leute dumm, radikal, intolerant daherreden. Aber selbst da werde ich mit Anstand und Würde wütend. Ich würde auch keine Mitarbeiter zusammenstauchen und bin selbst im Straßenverkehr die Ruhe selbst.

Wie reagieren Sie denn zum Beispiel auf Homophobie?

Schon auch mal wütend, aber wenn mich Leute fragen, was die beste Reaktion ist, antworte ich gerne: Homosexualität ist kein Ausbildungsberuf. Den Umgang anderer damit muss jeder auf seine Art selber erlernen, mit dem Einmaleins des Lebens an sich.

Wie viel Homophobie erfahren Sie denn am eigenen Leib?

Wenig. Und ich habe in meinem Leben generell nie Ausgrenzung erlebt – vielleicht, weil ich mich noch nicht mal öffentlich outen musste und seit jeher offensiv damit umgehe, schwul zu sein, ohne andere damit zu verängstigen. Natürlich bekomme ich auch mal homophobe Post, aber die meiste beinhaltet eher Danksagungen von Leuten, denen mein Umgang mit Homosexualität Mut gemacht hat. Umso trauriger ist es natürlich, wie die Emanzipation in Ländern wie Polen oder Russland gerade zurückgedreht wird.

Macht der Grad an Prominenz, wie Sie ihn haben, anfälliger für Homophobie oder im Gegenteil gefeiter davor?

Gute Frage, ich glaube beides. Ich bin zwar exponierter, aber womöglich auch abwehrfähiger als weniger prominente Personen. Umso wichtiger ist es, mit Offenheit, Toleranz und Bildung für Normalität zu sorgen. Am Ende wär’s mir am liebsten, das Thema wäre viel zu gewöhnlich, um darüber ständig zu reden.

Wie wir jetzt.

Wie wir jetzt.


J.T. Kirks Allflug & H.C. Straches Abflug

Die Gebrauchtwoche

TV

11. – 17. Oktober

Das Fernsehen ist selbst im Bereich der prophetischen Science-Fiction nur so hellsichtig wie die Fantasie der Verantwortlichen, aber diesen Twist futuristischer Formate könnten sich auch die kreativsten Köpfe kaum ausdenken: 55 Jahre nach seinem Jungfernflug auf dem Raumschiff Enterprise ist Captain James T. Kirk tatsächlich ins Weltall geflogen, genauer: sein Darsteller William Shatner, den der Selbstdarsteller Jeff Bezos vorigen Mittwoch zum ältesten Astronauten der realen Welt machte.

So viel Weitblick wie dem legendären Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberry hingegen wünscht man dem südkoreanischen Filmemacher Hwang Dong-hyuk nicht. Seine Netflix-Serie Squid Game zeichnet schließlich das Bild einer dystopischen Gesellschaft, die verzweifelte Schuldner in Wettkämpfe lockt, deren Verlierer erst getötet und dann ausgeweidet werden. Die blutrünstige Brutalität des gewaltpornografischen Gemetzels allein ist allerdings noch nicht mal das Verstörendste. Wirklich verrückt wird es erst, weil Squid Game mit 111 Millionen Abo-Abrufen in vier Wochen der bislang erfolgreichste Netflix-Start war. Weit vor Blockbustern von Bridgerton bis The Crown.

Das könnte auch der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz als Beispiel dafür dienen, womit man heutzutage Quoten macht: je blutiger, desto bämmmm. ARD-Programmdirektorin Christine Strobl aber geht erstaunlicherweise doch den entgegengesetzten Weg und hat in ihrer großangekündigten Strukturreform gerade die Informationssparte gestärkt. Zyniker könnten da anmerken, die Wirklichkeit sei mittlerweile schließlich auch drastischer als selbst die derbste Fiktion.

Aber den legendären Weltspiegel, dessen noch viel legendärerer Erfinder Gerd Ruge gerade im biblischen Reporter-Alter von 94 Jahren gestorben ist und ab sofort von der schönsten Wolke im Journalismus-Himmel aus über uns wacht, sonntags vor der Tagesschau zu belassen und den Montag parallel mit Reportagen oder Dokus aufzuwerten – das ist mindestens so anachronistisch niveauvoll wie die angekündigte Rückkehr des auch sehr legendärer Jon Stewart bei Apple+, wo er demnächst eine Talkshow moderiert.

Die Frischwoche

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18. – 24. Oktober

Legendär – das trifft definitiv auch aufs grundlegende Ereignis vom Fernsehformat der kommenden Woche zu: Die Ibiza-Affäre. Nach dem gleichnamigen Sachbuch der investigativen SZ-Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier zeichnet Sky ab Donnerstag den größten Skandal des an Skandalen bekanntlich überreichen Österreichs nach und hat dafür mit Nicholas Ofczarek als schmierigem Privatdetektiv Julian H., der Andreas Lust als korruptem Vize-Premier Heinz-Christian Strache zur Strecke bringt, grandiose Darsteller gefunden.

Regisseur Christopher Schier bettet beide allerdings auch in ein höchst originelles Szenario zwischen dokumentarischer Präzision und übersteuerter Fiktion ein, dass es bei allem Entsetzen über die kriminelle Energie der politisch Verantwortlichen zum Fest aller Sinne wird, dem Vierteiler beizuwohnen. Ähnliches würde man nun gern auch über öffentlich-rechtliche Unterhaltung sagen. Die aber lässt doch wieder nur das Übliche vom Fließband laufen und sediert sein Stammpublikum über 66 ab Mittwoch mit dem Breisgau-Krimi im ZDF, bei dem es um chzpühhh…

Der bemerkenswerte Rest in stichwortartiger Kürze: bei Netflix kriegt der frühverrentete Youtuber Julien Bam eine eigene Sitcom namens Life’s A Glitch, in der es allem Anschein nach um Julien Bam beim Julien-Bam-Sein geht. Und mit Infiltration schießt uns Apple+ ab Freitag über zehn fett produzierte Folgen hinweg in eine sciencefiktionale Zukunft, deren Aliens erst heimlich, dann offen die Erde erobern wollen.


Bastis Rücktritt & Schüttes Kranitz

Die Gebrauchtwoche

TV

4 – 10. Oktober

Es ist zwar ein bisschen wohlfeil, auf Facebook rumzuhacken, aber die Gründe dafür werden halt Tag für Tag triftiger. Amoralisch und geldgeil, niederträchtig und korrupt, würdelos und dann auch noch zusehends irrelevant: die Gründe, sich über den sechsstündigen Blackout diverser Messenger-Dienste, Milliardenverlust inklusive, sind so mannigfaltig, dass selbst die Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen vorm US-Kongress kaum überraschen – daran kann auch die Sperrung der russischen Propaganda-Plattform RT Deutsch nichts mehr ändern.

Was allerdings viel ändern könnte, ist der Rücktritt von Sebastian Kurz. Perfider als sein rechtsradikaler Ex-Spezl Heinz-Christian Strache, hat der rechtspopulistischen Bundeskanzler versucht, die Pressefreiheit auszuhöhlen – für diese Erkenntnis muss ihm niemand Bestechlichkeit nachweisen, das ist Teil seiner neoliberal-völkischen Agenda, die er mit oder ohne Nazis als Vizekanzler verfolgt. Ach, wäre Volker Bruch doch Österreicher, er würde den Basti und seinen Geistesbruder HC gewiss wählen.

So aber muss der schauspielerisch begabte, menschlich talentfreie Querdenken-Superstar mit Geistesbrüdern wie Wotan Wilke Möhring eben hierzulande Demokratie und Rechtstaat mit verschwörungstheoretischem Bullshit wie #allesaufdentisch destabilisieren. Frage an die staatsvertraglich organisierte, immerhin gebührenfinanzierte ARD: wieso schmeißt ihr den QAnon Fan Xaver Naidoo eigentlich beim ESC raus, lasst seine Buddies Bruch und Möhring aber fröhlich Tatort oder Babylon Berlin für euch drehen?

Würde die schauspielerisch limitierte, menschlich qualifizierte Maria Furtwängler männliche Menschenverachtung ebenso hingebungsvoll anprangern wie weibliche Benachteiligung – öffentlich-rechtlich gäbe es für beide weit weniger zu verdienen. Dennoch war die neue Studie der Malisa-Stiftung zur Benachteiligung von Frauen im Fernsehen bedeutsam. Und bietet Anlass, die aktuellen TV-Tipps unterm Aspekt der Frauenpräsenz zu betrachten.

Die Frischwoche

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11. – 17. Oktober

In der deutschen Netflix-Serie The Billion Dollar Code um zwei realexistierende Hacker, die Anfang der 90er Jahre den Algorithmus des späteren Milliardenprogramms Google Earth programmiert haben, hat zum Beispiel gleich sieben Hauptdarsteller, während mit ihrer Film-Anwältin (Lavinia Wilson) nur ein Charakter doppelte X-Chromosomen trägt. Im etwas langen, aber famosen ARD-Porträt Kevin Kühnert und die SPD dagegen ist der Protagonist naturgemäß genetisch mutiert.

Wenn sich Daniel Cohn-Bendit ab heute (23.35 Uhr) in der Doku Wir sind alle deutsche Juden an gleicher Stelle in Frankreich und Israel auf die Suche nach Glaubensgenossen begibt, herrscht auch fast unvermeidlich Frauenmangel. Weniger unvermeidlich war es hingegen, dass der fesselnde Thriller Blackout ab Mittwoch Moritz Bleibtreu sechs Teile lang auf die Jagd nach den Ursachen eines europaweiten Stromausfalls bei Joyn+ schickt.

Der Rest ist abgesehen der neuen Sat1-Show Halbpension Schmitz ab Donnerstag allerdings paritätisch, was der deutsche Netflix-Partnertauschfilm Du, Sie, Er & Wir tags drauf sogar im Titel trägt. Gehen wir mal durch: das achtteilige Mädchenhandelsdrama Box 21 aus Schweden? Männer sind Schweine, Frauen wehrhaft. Die Influencerinnen-Nabelschau The D’Amelio Show ab Mittwoch bei Disney+? Sexistisch, aber immerhin von weiblicher Seite. Die dortige Coming-of-Age-Serie Reservation Dogs um fiktive native americans beim Großwerden? Nicht sexistisch, beiderseits.

Der Dänemark Krimi parallel im Ersten? Konventionell, aber gemischt. Die Sky-Mockumentary Wellington Paranormal ab morgen? Unkonventionell. Punkt. Die Neo-Milieustudie Wir um ein halbes Dutzend sinnsuchender Mitglieder der Generation Y im Berliner Speckgürtel? Aufdringlich, aber angenehm beiläufig divers. Der neue Geniestreich von und mit Jan Georg Schütte als Paartherapeut Kranitz, Donnerstag in der ARD-Mediathek? Sechsmal höchste Improvisationskunst für alle. Zu guter Letzt die britische Dramaserie The Drowning um eine Mutter, die neun Jahre nach dessen Verschwinden (Freitag, 13th Street) glaubt, ihren Sohn zu sehen und ihn zu stalken beginnt? Mutter, Sohn, Liebe – noch Fragen?


Ferienbreak

Die freitagsmedien machen mal Pause – Herbstferien! Am 18. Oktober geht es weiter mit dem montagsfernsehen.