Doppelpässe & Rampensäue

Die Gebrauchtwoche

11. – 17. November

Wenn sich die Mächtigen vom Penthaus unter den Wolken ins soziale Tiefgeschoss begeben, empfindet der Pöbel das oft als Anteilnahme oder schlimmer noch: Ehrerbietung. Man konnte das gut am – na ja, relativ reichen, verglichen mit Bayern München aber bitterarmen Thomas Helmer sehen, als Uli Hoeneß beim Doppelpass auf Sport1 anrief, um mehr Respekt für den FCB einzufordern. Während seine Majestät Uli I. am Telefon teils namentlich die Talkrunde des Moderators beschimpfte, reagierte Helmer mit einer Zahnlosigkeit, die andere Speichelleckerei zum revolutionären Akt macht. Der Kotau gipfelte darin dass Hoeneß eine Einladung zur nächsten Sendung mit den Worten quittierte, das käme drauf an, „welche Qualität sonst noch eingeladen wird“, worauf der Ex-Bayer buckelte: „Wir sind bemüht und lernfähig.“

Obwohl er damit vor laufender Kamera seine eigenen Gäste beleidigte, ist von Eigenkritik des Senders nichts überliefert. Schöne neue feudale Welt des Sportjournalismus, in der es statt Gesprächs- nur noch Geschäftspartner gibt… Ob sich das ändert, wenn der Haushaltsausschuss des Bundestags ab 2020 die Zustellung von Tageszeitungen mit bis zu 40 Millionen Euro subventioniert, bleibt da ebenso abzuwarten wie die Folgen von Holger Friedrichs Stasi-Vergangenheit auf Inhalte der Berliner Zeitung, die der verlegerische Quereinsteiger kürzlich erworben hat. Tatsache aber ist, dass Medien, insbesondere am Bildschirm und nicht nur im Fußball, ein Problem mit Alphatieren haben.

Beispiel Pro7. Das Travestie-Casting Queen of Drags geht dort zwar weit verantwortungsvoller mit Diversität um als befürchtet, nicht aber Jurychefin Heidi Klum, der es auch in dieser Show um eins allein geht: ihren Kontostand.  Das teilt sie allerdings mit den ganz großen Unterhaltungs- und Techkonzernen, die nun auch im Streaming mitmischen. Wobei die erste AppleTV-Serie For All Mankind um sexy Astronautinnen im Space Race mit Russland fast noch flacher ist als die Schmonzette The Morning Show mit Jennifer Aniston und Reese Witherspoon an gleicher Stelle. Zumindest qualitativ dürfte das Platzhirschen wie Netflix also kein Kopfzerbrechen bereiten.

Die Frischwoche

18. – 24. November

Im Gegensatz dazu, was Vox abermals mit vergleichsweise wenig Geld, aber viel Chuzpe zustande bringt. Ab Mittwoch spielt Jasna Fritzi Bauer für die Kreativschmiede von RTL eine verkrachte Schauspielerin von 30 Jahren, die dank ihrer kindlichen Optik als Undercover-Cop in einer Schule eingesetzt wird. Rampensau ist von der ersten Minute an so hingebungsvoll inszeniert, gefilmt, vor allem aber gespielt, dass man von der vielschichtigen Geschichte um Männermacht und Frauenrevolte kaum genug kriegen kann.

Das Gegenteil gilt für die Agenten-Serie West of Liberty, in der Wotan Wilke Möhring ab Sonntag im ZDF sechs Folgen lang als verkrachter DDR-Spion ein Nachwendeleben als bester Gast seiner billigen Kneipe mit der Jagd nach einen Whistleblower (Lars Eidinger) auffrischt. Das ist auch dank der beiden Hauptdarsteller noch nicht mal schlecht gemacht, aber so konventionell, dass es vom Bildschirm staubt. Nichts anderes hätte man auch von der ARD-Reihe Bonusfamilie erwartet. Doch das Frauenteam um Regisseurin Jana Filip inszeniert ab Mittwoch nach schwedischem Vorbild eine Patchworksituation, die zwar sehr seifig beginnt, ein wenig klischeehaft bleibt, aber mit zunehmender Dauer Eigensinn und Würde der Figuren wahrt.

Wenn die ARD von beidem auch im Entertainment Restbestände hätte, würde sie sich die Übertragung des Bambi am Donnerstag sparen. So aber schenkt sie dem Regenbogenverlag Burda abermals drei Stunden Werbung in der werbefreien Zeit. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen Hermann Vaskes Doku Why we are creative ansehen, wo 3sat heute um 22.25 Uhr dem Antrieb künstlerischer Gestaltungskraft nachspürt. Ebenfalls sachlich sehenswert: Kleine Germanen, womit Arte tags drauf um 20.15 Uhr Kinder in der rechtsextremen Szene beobachtet, denen ein spezielles Comeback gewiss besser täte als Nazi-Propaganda: 28 Jahre nach der letzten Originalfolge und weitere 32 nach der ersten des Sandmännchens kehrt die DDR-Legende Pittiplatsch am Donnerstag in die Vorschulsendung zurück.

Ähnlich lang her ist die erste Wiederholung der Woche, wobei Joseph Vilsmaiers Versuch, die Schlacht um Stalingrad 1993 schonungslos nachzustellen, in einer dubiosen Wehrmachtsexkulpation endet, die man sich Dienstag (20.15 Uhr) irritiert auf Nitro ansehen kann. Noch älter ist die schwarzweiße Wiederholung Der Vagabund und das Kind, Charlie Chaplins erster Langfilm von 1921 (Mittwoch, 21.40 Uhr, Arte. Und der Tatort Ausgelöscht blendet Dienstag (20.15 Uhr, BR) ins Jahr 2011 zurück, als Bibi Fellner (Adele Neuhauser) noch die neue Assistentin von Kommissar Eisner (Harald Krassnitzer) war.


Influencer & Drag Queens

Die Gebrauchtwoche

5. – 11. November

Ob Youtube, Vimeo, Twitch inhaltlich irgendwann konkurrenzfähiges Fernsehprogramm im Kleinformat bieten oder doch nur vorwiegend belanglosen Zeitvertreib von und für junge Menschen mit verkürzter Aufmerksamkeitsspanne, lässt sich wohl erst in ein paar Jahren, wenn nicht Jahrzehnten abschätzen. Tatsache aber scheint es, dass mittlerweile selbst ein seriöses Wirtschaftsportal wie Kurzgesagt – In a Nutshell zehn Millionen Youtube-Abonnenten zählt. Und obwohl nur jede*r zehnte den reichweitenstärksten Online-Kanal aus Deutschland auch in Deutschland anklickt, ist das eine überaus heikle Situation für lineare Konkurrenten.

Die von ProSiebenSat1 konnten den Umsatz zwar grad neuerlich steigern – im abgelaufenen Quartal um vier Prozent auf 926 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte davon erwirtschaftet der Medienkonzern allerdings jenseits vom Fernsehen. Während die Erlöse mit TV-Reklame zugleich um weitere sechs Prozent gesunken sind, wuchs die Streamingplattform Joyn auf knapp fünf Millionen installierter Apps. Und wenn Netflix dem Shoppingkanal mit gelegentlicher Kinderprogrammunterbrechung (SuperRTL) parallel die Programmleiterin (Janine Weigold) abwirbt, zeigt sich, wie redundant traditionelle Medien langsam werden – zumindest aus dramaturgischer Sicht.

Arbeitsrechtlich dagegen herrscht dort verglichen mit Tech-Konzernen weiterhin das Paradies. Wie die Influencer-Gewerkschaft (ja, das gibt’s wirklich!) Youtuber Union in Kooperation mit der staubig alten IG Metall herausgefunden hat, fördert das weltgrößte Videoportal vor allem verlinktes Fernsehen wie Tonight-Shows, die verlässlich höhere P-Scores erzielen (mit denen die Werbewirksamkeit eingestellter Inhalte bewertet wird) als genuiner Content. Statt Talente zu fördern, setzt Youtube also auf Altbewährtes – und schlug zudem ein Gesprächsangebot mit Betroffenen über miese Arbeitsbedingungen aus. Schöne neue Welt.

Die Frischwoche

11. – 17. November

Aus der seit gestern Stephen Spielberg berichtet. Im Dokusechsteiler Warum wir hassen reist der Superregisseur als Superproduzent durch die weite Welt extremistischer Unerbittlichkeit. Und wer das nicht jeden Abend um 20.15 Uhr auf ZDFinfo sehen will, kriegt Dienstag zur gleichen Zeit im Zweiten ein 45-minütiges Konzentrat. Um Gewalt anderer Art geht es Mittwoch in der Michael Schumacher-Story mit anschließenden Top Ten der angeblich größten Momente mit dem Rennfahrer. Dass RTL 25 Jahre nach Schumis erstem Sieg auch nur einem Moment auf dessen Beitrag zu Klimawandel, Raserei oder Steuerflucht verwendet, darf allerdings ähnlich bezweifelt werden wie ein respektvoller Umgang von Heidi Klum mit ihrer neuen Castingzucht.

Tags drauf nämlich sucht Deutschlands zugkräftigste Antifeministin sechs Donnerstage lang die Queen of Drags. Angesichts der Menschenverachtung in Heidis Zirkus Maximus erschüttert die plumpe Kopie des US-Originals Ru Pauls Drag Race auf ProSieben im Vorfeld sogar große Teile der LGBTQ-Szene, die nicht zu Unrecht entwürdigende Zurschaustellung psychisch biegsamer Travestie-Künstler*innen erwarten. Dabei kann Fernsehen so schön sein. Etwa, wenn der WDR Dienstag um 23.40 Uhr Julia Kellers tolle Milieu-Studie der PR-Branche Jetzt. Nicht mit Godehard Giese als PR-Manager zeigt, der bis in die Tiefschlafphase alles dem Job unterordnet – bis ihn die plötzliche Kündigung aus der Bahn wirft.

Oder 20 Minuten später beim NDR: Die Verwandlung, Michael Harders Porträt von 20 mehr oder weniger bekannten Schauspielern wie Jörg Schüttauf, Ulrike Krumbiegel, Alexander Jovanovic und Franziska Petri. Vorm intimen Blick der Kamera gewähren sie allesamt tiefe Einblick ins Seelenleben unterschiedlichster Menschen, die zur Unterhaltung des Publikums kurz die eigene Persönlichkeit hintanstellen, gar verleugnen. Das könnte man auch vom Star der besten Historienserie unserer Zeit sagen: Queen Elizabeth II. Die 3. Staffel von The Crown wartet Sonntag auf Netflix mit neuer Königin (Olivia Colman), neuem Prinz (Tobias Menzies), neuer Margret (Helena Bonham Carter) auf und ist – zwei Folgen unter der Regie von Christian Schwochow – fast noch besser als die ersten zwei Staffeln.

Noch besser als viele der zahllosen Meisterwerke von Alfred Hitchcock war die farbige Wiederholung der Woche, heute um 22.15 Uhr: Der zerrissene Vorhang mit Paul Newman, der 1966 geheime Formeln von Ost nach West schmuggeln wollte. In einer Zeit, als der Weltkrieg nicht kalt, sondern heiß war, spielen die schwarzweißen Kanonen von Navarone (Donnerstag, 20.15 Uhr, Tele 5) mit Gregory Peck, David Niven, Anthony Quinn und überhaupt fast allem, was das Monumentalschlachtengenre vor 60 Jahren an Stars vor die Kamera lockte, um der Waffengewalt als Mittel gegen die Waffengewalt zu huldigen.


Tyrannenwerbung & Freiheitspreise

Die Gebrauchtwoche

28. Oktober – 3. November

Mark Zuckerberg macht gerade ernst mit dem öffentlich geleisteten Schwur, Demokratie und Pluralismus zu fördern. Nachdem Twitter-Chef Jack Dorsey medienwirksam angekündigt hat, fortan keine politische Werbung mehr zu schalten, hat der Facebook-Chef noch etwas lauter ins Netz geblasen, er werde dies auch weiterhin tun, weil es sich für Privatunternehmen nicht „geziemt, Politiker zu zensieren“. Klingt honorig. Doch indem es Steve Bannons rechtes Propagandaportal Breitbart in den Nachrichten-Feed News Tab aufnimmt, verschafft Facebook einer explizit antidemokratischen, antipluralistischen Stimme noch mehr Kraft.

Wenn Zuckerberg diesen Schritt nun mit Meinungsvielfalt erklärt, zeigt er damit allerdings nur eines: Faschismus offenbar für eine Meinung, kein Verbrechen zu halten. Aber gut – damit befindet er sich ja in Gesellschaft amtlicher Potentaten wie Jair Bolsonaro. Weil ihn Enthüllungen des TV-Senders El Globo mit dem Mord an einer Journalistin in Verbindung bringen, drohte Brasiliens rechtsextremistischer Präsident Medien, die gegen ihn recherchieren, in einer geifernden Videobotschaft ganz offen damit, ihnen nach der Wahl 2022 die Lizenz zu entziehen sofern er, Zitat, bis dahin nicht tot sei.

Weil ihm Medien, die überhaupt von irgendwas anderem als seiner unermesslichen Weisheit berichten, suspekt sind, hat Bolsonaros russischer Kollege Putin derweil die Errichtung eines nicht ganz so world Wide Webs namens Runet dekretiert. Womit er angeblich Hackerangriffe umgehen könne, eignet sich aber natürlich auch prima zur digitalen Kontrolle unliebsamer Äußerungen, also Menschen. So richtig weit entfernt von der real existierenden Tyrannei jener Zeiten, deren Ende vor 30 Jahren gerade senderauf, senderab gedacht wird, sind die wütenden weißen alten Männer damit also nicht mehr.

Die Frischwoche

4. – 10. November

Das ZDF etwa fiktionalisiert sie von heute bis Mittwoch mit dem Dreiteiler Preis der Freiheit, der interessanterweise von wütenden weißen jüngeren Frauen handelt. Nicolette Krebitz, Nadja Uhl und Barbara Auer spielen darin drei Schwestern, die auf unterschiedlichste Art ins Wirtschaftssystem der untergehenden DDR involviert sind. Das ist wie so oft im deutsch-deutschen Historytainment häufig arg moralisierend, dank des – auch männlicherseits – großartigen Ensembles aber auch sehr sehenswert.

Was die selbstherrliche Einverleibung des Ostens in den Westen angerichtet hat, lässt sich ja gerade gut an den Wahlerfolgen der AfD erleben. Wobei das Erste damit fiktional einen bemerkenswerten Umgang gefunden hat: Wenn der Erzgebirgskrimi am Samstag den überschwemmten Krimimarkt weiter flutet, suchen Stephan Luca und Lara Mandoki Tote im Stollen einer sächsischen Provinz, in der gierige Wessis eingeborene Bergmänner ausbeuten und die AfD schlichtweg nicht vorkommt. Einen selbstkritischeren Umgang mit dem Facettenreichtum regionaler Strukturen zeigt da der BR, dessen sensationelle Provinzpolitiksatire Hindafing ab Donnerstag auf Arte in zwei Dreifachfolgen weitergesponnen wird.

Überhaupt ist es die Woche der Sequels, Bootlegs, Spin-Offs. Am Mittwoch verlegt Fox das vielfach ausgewalzte SciFi-Drama Krieg der Welten erstaunlich zurückhaltend ins Smartphone-Zeitalter. Bereits heute zeigt Netflix die zweite Staffel der wunderbar absurden Pubertätserzählung The End of the F…ing World, was Sky parallel mit der Serienadaption der Graphic Novel Watchman garniert, bevor dort vier Tage später das halluzinogene Fantasygeschichtsepos Britannia fortgesetzt wird. Und während der Sorgentelefonist Domian nach drei Jahren Pause am Freitag (23.30 Uhr) – diesmal mit Livegästen vor Publikum – zum WDR zurückkehrt, beginnt Samstag die nächste ARD-Themenwoche, diesmal zur digitalen Bildung.

Einmalig ist die Partie der deutschen Fußballnationalspielerinnen, ab Freitag um 18.30 Uhr auf Eurosport vor der Rekordkulisse von 90.000 Fans im Wembley-Stadion. Das könnte auch die Zuschauerzahl der klugen Milieustudie Back for Good sein, mit der sich das Trash-TV Mittwoch (22 Uhr, SWR) selbst auf die Schippe nimmt. Die Wiederholungen der Woche handeln dagegen allesamt von Mördern: Sonntag (20.15 Uhr) treibt Die Filzlaus den Profikiller Lino Ventura (mit anschließendem Arte-Porträt) in den Wahnsinn. Heute zeigt der Kulturkanal Hitchcocks letzten Film Familiengrab um eine Hellseherin, die Erben sucht, aber Profikiller findet. Und zwei Stunden später sucht Manne Krug im herrlich staubigen Tatort Schmutzarbeit von 1989 beim RBB einen, genau: einen Profikiller.


RTLsieben & Check Shapira

Die Gebrauchtwoche

21. – 27. Oktober

Es gibt Momente der Wahrheit, in denen Absender und Adressat, Raum und Zeit, Subjekt und Objekt so auseinanderdriften, dass diese Wahrheit einen Moment lang den Anschein der Täuschung erweckt: Barbara Schöneberger hat ihrer zahlenden Kundschaft am Dienstag vor laufender Kamera geraten, Achtung: nichts von ihr zu kaufen, „weil ich seit Jahren immer nur das Gleiche mache, nur mit anderen Klamotten“. Das ist für die menschliche PR-Kampagne schon selbstreflexiv genug; das Ganze fand allerdings, Aachtung: in der Konsumgörensendung taff statt, die – Aaachtung: beim Konsumgörensender Pro7 läuft.

Unterdessen erhielt der artverwandte Konsumgörensender RTL2 von einer Kommission für die Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten Bestätigung. RTLzwei, wie man mittlerweile schreiben soll, hat seine Nachrichten zwar voriges Jahr konsequenterweise an externe Dienstleister ausgelagert und bietet auch sonst allenfalls die Karikatur gehaltvollen Fernsehens. Weil er nur (sic!) 29 statt 30 Prozent Reklame schaltet, darf er sich laut ZAK jedoch weiter Vollprogramm nennen. Das klingt ähnlich absurd, als würde man die Bild nicht als Propagandablatt, sondern Tageszeitung bezeichnen.

Schließlich hat deren Chefredakteur gerade den Anti-Medienpreis Goldene Kartoffel erhalten, mit dem der Verein Neue deutsche Medienmacher außergewöhnlich einseitige Berichterstattung „auszeichnet“. Wenn es um Ein- und Zuwanderung gehe, so die Begründung, stehe Bild für „für Unsachlichkeit, Vorurteile und Panikmache“, bei der laut NdM-Vorstand Sheila Mysorekar, „jeder Ausländer ein Messer in der Hand, in der andern einen Asylantrag“ habe, und „mit der dritten Hand geht er einer Blondine an die Wäsche“. Der Prämierte wies das natürlich weit von sich und warf den Verantwortlichen ihrerseits Rassismus vor. Das wiederum klingt ähnlich grotesk wie Claas Relotius, der allen Ernstes Juan Moreno wegen falscher Behauptungen in Tausend Zeilen Lügen klagt. Ohne „mit Menschen aus meinem näheren Umfeld gesprochen zu haben“, so Relotius zur Zeit, „konstruiert Moreno eine Figur“.

Die Frischwoche

28. Oktober – 3. November

Damit leitet der Figurenkonstrukteur schlechthin unfreiwillig zum frischen Fernsehangebot über. Darunter das angenehm schrullige Streaming-Kleinod Check Check, in dem ein anderer Klaas, nämlich Heufer-Umlauf, den Startup-Unternehmer Jan spielt, der seinen kranken Vater (Uwe Preuß) in der alten Heimat pflegen und die wenigen Passagiere eines Provinzflughafens kontrollieren muss. Unter der Regie von Ralf Husmann sind die ersten zwei Teile nach Ralf Husmanns Drehbuch auf Joyn nicht nur sehr kurzweilig, sondern bisweilen richtig wahrhaftig.

In neue, oft realistische, bisweilen aber heillos überdrehte Rollen schlüpft ab Dienstag um 23.15 Uhr (Neo) wieder Shahak Shapira Shapira, was hoffentlich ein wenig mehr an der Stellschraube des Klamauks dreht als zuvor. Positiv überrascht die neue ARD-Reihe Käthe und ich. Zum einen, weil das lockere Psychogramm eines leicht verwirrten Seelenklempners für Degeto-Verhältnisse erstaunlich seifenfrei inszeniert wurde. Zum anderen, da die Hauptfigur vom ziemlich unbekannten Christoph Schechinger gespielt wird.

Eine ähnlich gute Sendezeit hätte auch die Romantic Comedy Zwei im falschen Film verdient. So aber müssen Marc Hosemann und Laura Tonke Dienstag um 23.40 Uhr im WDR als routiniertes Paar um Liebe, Sinn und Leidenschaft kämpfen. Zeitgleich kämpft um 22.15 Uhr auf Nitro die 2. Staffel des Serien-Spinoffs von Tarantinos Horror-Legende From Dusk Till Dawn oder dem Batman-Spinoff Pennyworth auf Starzplay um Aufmerksamkeit, was der ersten Staffel einer anderen Neuinterpretation auf Netflix Freitag hierzulande etwas leichter fallen dürfte: Wir sind die Welle schickt den Jugendklassiker um ein schulisches Tyrannei-Experiment auf die Straße, wo vier Jugendliche ab Freitag zu einer idealistischen Scheinrevolte aufrufen.

Warum es in der Türkei trotz aller Repression zu keiner Revolte gegen das autokratische System Erdogans kommt, versucht Arte am selben Tag ab 20.15 Uhr mit drei Dokus zu erklären, in denen es um Väter der Türken oder Die freundlichen Islamisten der Gülen-Bewegung geht. Auch die erste Wiederholung der Woche befindet sich an der Schnittstelle von Religion und Politik: In Der Stellvertreter von 2002 spielt Ulrich Tukur Sonntag, 20.15 Uhr auf Arte den Zyklon-B-Erfinder Kurt Gerstein, der seine plötzlichen Zweifel am NS dem Papst mitteilt – und ignoriert wird. Ganz unpolitisch ist dagegen heute um Mitternacht im HR die grandiose Verfilmung von Haruki Murakamis polarisierendem Liebesroman Naokos Lächeln. Und der Tatort geht zwei Stunden früher im RBB zurück ins Jahr 1981, als ein gewisser Horst Schimanski seinen ersten Fall unter Duisburger Binnenschiffern löste.


Gewinnspielemissionen & Irland-Krimis

Die Gebrauchtwoche

14. – 20. Oktober

Dass dicke Autos und dauerndes Fernsehen die zwei Lieblingsbeschäftigungen des (seltener der) Durchschnittsdeutschen sind, ist hinlänglich bekannt. Aber wie eng dicke Autos und andauerndes Fernsehen miteinander zusammenhängen, zeigt sich erst so richtig, wenn es in letzterem um Gewinnspiele geht, bei denen nahezu ausschließlich erstere zu gewinnen sind. Das ist seit jeher irgendwie einfallslos, billig und plump, kriegt in Zeiten der Klimakrise allerdings von seiner ganz besonders deprimierenden Seite.

Während Pro7 zum Beispiel in der Green Seven Week auf die globale Verschmutzung durch Plastikmüll informiert und auch sonst immer mal wieder Betroffenheitsentertainment zum vermeintlichen Wohl der Umwelt zwischen die Massenkonsumwerbung quetscht, gibt es beim Duell von Joko & Klaas gegen den eigenen Sender einen BMW Z4 mit emissionsfreien 380 PS für den testosterongesättigten Klimawandelleugner zu gewinnen. Eine Art zynischer Doppelzüngigkeit, die nur das Erste noch toppt, indem es bei der Wahl zum Tor des Monats ein superfettes Wohnmobil für den hyperfossilen Urlaubsspaß verlost. Mal ein Elektro-Auto oder sagen wir: ökologisch verantwortungsbewussten Urlaub in der Region als Hauptpreis? Nicht mit den Massenmedien.

Die dafür allerdings auch weitaus weniger Energie pro Sendeeinheit verbrauchen als Streamingdienste, deren Stromverbrauch sich jährlich auf mittlerweile 200 Milliarden Kilowattstunden summiert – Tendenz steigend, sobald Anfang November die Portale von Disney und Apple auf Sendung gehen. Dem Platzhirsch Netflix bereitet das allerdings aus einem ganz anderen Grund Sorge, und der ist, wenig überraschend, finanzieller Natur. Denn nachdem die zuletzt stagnierenden Abos im vorigen Quartal um stolze 6,8 Millionen auf mittlerweile 158 gestiegen ist und der Umsatz im Jahresvergleich um 31 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar wuchs, könnte die neue Konkurrenz für eine Delle sorgen.

Die Frischwoche

21. – 27. Oktober

An dieser Stelle Video-on-Demand-Formate zu empfehlen, ist natürlich ebenfalls ein wenig, nun ja, hybrid. Aber entscheiden tut am Ende ja doch das Publikum, was es sehen will und was nicht, aus welchem Grund auch immer. Qualitativ jedenfalls ist am Vierteiler Catherine the Great mit Helen Mirren, die ab Donnerstag auf Sky vier Teile lang als russische Herrscherin brilliert, nichts auszusetzen – was mit Abstrichen auch für die Netflix-Serie Daybreak gilt, in der das Zombie-Thema zeitgleich zur Coming-of-Age-Geschichte erweitert.

Um weniger Profit und Kohlendioxid geht es dagegen bei der öffentlich-rechtlichen Fiktion dieser Woche. Zugleich sorgen geringere Budgets und Emissionen offenbar auch dafür, dass die öffentlich-rechtlichen Ergebnisse spürbar konventioneller sind. Extrem explizit gilt das für den Irland-Krimi, mit dem die ARD ab Donnerstag (20.15 Uhr) ihr Portfolio klischeehafter Auslandsermittler*innen aufbläht, was die Hauptdarstellerin Désirée Nosbusch als exildeutsche Kommissarin mit deprimierendem Privatleben nach ihrem zweiten Frühling in Bad Banks wieder auf den Boden der deutschen Durchschnittsunterhaltung zurückholt.

Immerhin ordentliche Durchschnittsunterhaltung ist der ARD-Mittwochsfilm Was wir wussten, um den Skandal gefährlicher Antibaby-Mikropillen für Teenager, der sich vor zehn Jahren tatsächlich ereignet hatte. Geradezu gelungene Durchschnittsunterhaltung gibt es an gleicher Stelle schon heute in Die Irrfahrt der St. Louis. Ulrich Noethen spielt darin den real existierenden Kapitän Gustav Schröder, der 1939 knapp 1000 jüdische Flüchtlinge auf seinem Luxusdampfer über den Atlantik und zurück in Sicherheit gebracht hatte. Dass unkonventionell nicht gleich anspruchsvoll ist, belegt aber Sascha Lobo Donnerstag um 23 Uhr auf Neo.

Eigentlich will der selbsternannte Digitalhipster mit dem Irokesen-Brandig in seinem Social Factual Radikalisiert ja über den Hass im Netz informieren; heraus kommt dabei jedoch nur eine Freak- und Horrorshow des herrschenden Wut- und Terrordiskurses. Letzteren gab es zur Drehzeit der Wiederholung der Woche nur bedingt, weshalb Bernhard Wickis schwarzweißes Meisterwerk Die Brücke (Samstag, 23.30 Uhr, RBB) ums kindliche Kanonenfutter des nationalsozialistischen Volkssturms 1959 in ein gewaltiges Schweigegebäude über deutsche Schuld und Sühne eindrang. Eines, das noch fünf Jahre später von Filmen wie Winnetou II und III tapeziert wurde, die der SWR drei Stunden früher zeigt. Guten Gebraucht-Tatort gibt es dieser Tage leider nicht


Döpfners Rechtsruck & Losers Optimierung

Die Frischwoche

7. – 13. Oktober

Als der außerparlamentarische Rechtsextremismus die parlamentarische Vorarbeit am Mittwoch in den antisemitischen Terroranschlag von Halle verwandelt hat, musste man unwillkürlich an einen Witz der heute-show denken. Dort jubelte die AfD über einen, der angeblich von Islamisten verübt worden war, bevor die Linke darüber frohlockte, dass der Täter doch ein Deutscher gewesen sein soll. Witzig. Und ähnlich entlarvend wie Oli Welkes Kollege Jan Böhmermann, der den Synagogen-Angreifer in den Kontext der Radikalisierung im Land stellte und twitterte: Alles Einzeltäter since 1933. Witzig. Und ganz schön boshaft.

Dabei war der mediale Grundton ansonsten eher nüchtern. Die Sondersendungen aller Kanäle waren selbst auf RTL erstaunlich ausgewogen, bei aller gebotenen Zurückhaltung aber auch fast schon defensiv in der Bewertung des offensichtlich rechen Hintergrunds mitsamt Tatgeständnis und -Video, das überdies dank wirksamer Schutzmechanismen so selten hochgeladen und verlinkt wurde, dass der schäbige Versuch eines Welt-Artikels von Springer-Chef Döpfner, die Verantwortung für Halle Willkommenskultur und Political Correctness, statt rechter Ideologie in die Schuhe zu schieben, aus dem Chor der Seriosität hervorstach wie ein Pickel auf reiner Haut.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Gesprächspartner im ZDF-Morgenmagazin zum Thema zwei Tage darauf ausgerechnet AfD-Sprecher Jörg Meuthen war, dessen Partei das versuchte Massaker theoretisch unterfüttern half. Wer übrigens bei allem glaubhaften Entsetzen ebenfalls einen Anflug von Erleichterung verspüren dürfte, ist die CDU/CSU, denen der Anschlag von Halle dazu verholfen hat, dass sich Öffentlichkeit und Medien ein paar Tage lang nicht dem politischen Totalversagen in Sachen Klimakrise widmen müssen. Einem Entertainer wie Disney ist all dies aber ohnehin völlig Wumpe.

Ganz im Gegenteil zum Konkurrenzkampf beim Streaming, den der weltgrößte Unterhaltungskonzern künftig mit einer eigenen Plattform forciert. Um dort möglichst bald die Alleinherrschaft zu übernehmen, verbannt er vorsorglich schon mal Werbung für den Mitbewerber Netflix von allen Disney-Kanälen. Wem das vermutlich mal gar nichts ausmachen wird, ist – Netflix. Dort bietet man nämlich einfach weiterhin Serien an, die Disney fortan vermutlich mit Superhelden, Superhelden und vielleicht noch ein paar Superhelden zu besiegen versucht.

Die Gebrauchtwoche

14. – 20. Oktober

Ab Freitag zum Beispiel Living with Yourself. Der ehemalige Ant-Man Paul Rudd spielt darin einen Loser, der nach einer mysteriösen Wellness-Therapie plötzlich auf die optimierte Version seiner selbst trifft und fortan mit dem Klon um die Deutungshoheit über sein verkorkstes Leben kämpft. Dass gute Serie auch öffentlich-rechtlich geht, zeigt heute das ZDF heute kurz nach Mitternacht mit der liebenswerten Urban-Young-Adult-Snippet-Show Fett und Fett um den altjungen Möchtegernhipster Jaksch von und mit Jakob Schreier, der sein Alkoholproblem zum Lifestyle-Gadget umdeutet und damit fünf Stunden am Stück lustige Großstadtsequenzen durchläuft.

Dazu muss man sagen, dass die Serie zuvor online gelaufen ist – wie die sensationelle Fortpflanzungsdystopie The Handmaid’s Tale auf der digitalen Plattform Hulu, bevor sie am Freitag um 22 Uhr – endlich – im Free-TV von Tele 5 landet. Apropos landen: Die dokumentarische Fiktionalisierung amerikanischer UFO-Sichtungen der früheren Nachkriegszeit von Zukunftsrückreiseexperten Robert Zemeckis läuft ab Dienstag auf der Basis offizieller Regierungsakten beim Videoportal TV Now. Beim Muttersender RTL geht dagegen tags drauf der sexistischste Populistenversteher im Fernsehland erneut auf Tauchtour durchs Wutbürgerbecken und macht sich in Mario Barth deckt auf unter anderen an die Ökobilanz von E-Autos, was gut zu seiner rettet-den-Diesel-Kampagne passt.

Fast noch schlimmer könnte da die lausige Idee von ZDFneo zu sein, ab heute, 18.35 Uhr, im Dinner Date Kuppel- und Kochshow miteinander zu kombinieren. Auweia. Wenden wir uns lieber den Spielfilmen zu. Zum Beispiel Danny Boyles herausragendes Biopic Steve Jobs mit Michael Fassbender als Digitalpionier. Warum es morgen erst zur Geisterstunde läuft, bleibt allerdings das Geheimnis des ZDF. Die ARD dagegen zeigt am Freitag auf dem Degeto-Sendeplatz nach der Tageschau Meine Nachbarn mit dem dicken Hund – ein erstaunlich feinsinniges reife-Frauen-am-Rande-des-Nervenzusammenbruchs-Porträt mit Johanna Gastorf und Katharina Maria Schubert, das allerdings auch nicht so innovativ ist, um nicht gut zu den Wiederholungen der Woche überleiten zu können.

Etwa Himmel ohne Sterne (Montag, 20.15 Uhr, Arte), Helmut Käutners deutschdeutsches Grenzdrama von 1955 in angemessen schwarzweißer Tristesse und wie bei Helmut Käutner üblich: trotz Melo und Drama ohne Pathos. Direkt gefolgt von der deutschdeutschen Grenzliebeskomödie Sonnenalle von 1998 mit unterhaltsam braunbunter Leichtigkeit und wie bei Leander Haußmann üblich präzise vorm Abgrund der Klamotte. Ohne Humor, aber mit soziokultureller Bedeutung bleibt der Tatort-Tipp Mord in der Ersten Liga mit Maria Furtwängler, die am Mittwoch (22 Uhr) im SWR zwischen Hooligans und schwulen Fußballern ermittelt, was 2011 leider nicht ungewohnter war als heute.


Leichtathletikstille & The Laundromat

Die Gebrauchtwoche

30. September – 6. Oktober

Und dann kam ein Moment bedrückender Stille, den nur die letzten Fernsehkameras erlebt haben. Hoch überm heruntergekühlten Stadion des Glutofens Doha betrat der Hochspringer Mutaz Essa Barshim die Siegerehrungstribüne, um seine frisch errungene Goldmedaille in Empfang nehmen – und wurde ungekrönt auf den Boden der Realität zurückgeholt: Das Stadion war sogar noch leerer als sonst bei einer Leichtathletik-WM, deren Übertragung sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen von solch sportfeindlichen Austragungsorten künftig zweimal überlegen sollte.

Wo sie aber nun mal schon in die Wüste sind, haben die ZDF-Reporter das Ganze sehr treffend als Farce bezeichnet und wie ihre ARD-Kollegen den Tonfall auch insgesamt angemessen angepisst gehalten. Kaum auszudenken, derlei Sportgroßereignisse würden wie die Olympischen Spiele wegen exorbitant steigender Übertragungspreise künftig nur noch bei den Privatsendern laufen. Denn bei denen würde kein Kommentator (Kommentatorinnen am Mikro sind dort abseits vom Fußball selten) würde auch nur ein abschätziges Wort übers eigene Werbepausenpremiumprodukt verlieren.

Rein journalistisch betrachtet, müsste man ProSiebenSat1 Media also nicht lange nachweinen, wenn sich die Gerüchte bestätigen, der frühere Dax-Konzern stecke wirtschaftlich in Schwierigkeiten. Medienpolitisch betrachtet allerdings bedeutet die Schieflage des jüngsten Platzhirsches am TV-Markt, der sich dank branchenfremder Vorstände zum Gemischtwarenladen verzettelt zu haben scheint, nichts Gutes für die Zukunft traditioneller Medien. Und das gilt umso mehr mit Blick auf das, was bei Axel Springer passiert. Der Mehrheitseigner KKR drillt den alten Pressekonzern gerade mit unerbittlich renditesüchtiger Strenge auf Wachstum und entlässt dafür nicht nur – vorerst – Hunderte von Mitarbeiter*inne*n, sondern kratzt auch an den Stammmarken Welt, gar Bild.

Die Frischwoche

7. – 13. Oktober

Aber gut, dem Qualitätsjournalismus wäre das gewiss eher förderlich als abträglich. Schließlich zeigt die Netflix-Produktion The Laundromat ab Freitag nach kurzer (oscarförderlicher) Kinoauswertung, wie wichtig seriöse Zeitungen fürs zivilisierte Miteinander sind. Steven Soderberghs brillante Aufarbeitung der Panama Papers mit Meryl Streep als resolutes Opfer der Reichenbereicherer Mossack/Fonseca, denen Gary Oldman und Antonio Banderas eine angemessen menschheitsverachtende Schmierigkeit verpassen, zeigt eindrücklich, was wachsame Medien wie die Süddeutsche Zeitung fürs Gemeinwohl leisten. Kleines Gadget am Rande: SZ-Reporter Bastian Obermayer hat einen kleinen Auftritt.

In der Fernsehunterhaltung jedoch sind es gerade eher neue Medien, die anspruchsvolles Programm bieten. Während das Erste sein Stammpublikum am Donnerstag um 20.15 Uhr abermals mit einer Krimireihe unterfordert, in der Lina Wendel als Die Füchsin eine Privatdetektivin mit Stasi-Vergangenheit spielt, und das Zweite am Sonntag ein Leipziger Quartett ins Meer der Ermittler wirft, liefern die Streamingdienste sehr viel besseres Entertainment. Netflix etwa Mittwoch mit der Castingshow Rhythm & Flow, in der HipHop-Stars wie Cardi B oder T.I. den nächsten Super-Rapper suchen. Oder zwei Tage später El Camino, ein Spielfilm-Spinoff von Breaking Bad, wo es um Walther Whites Partner Jesse Pinkman geht.

Die zehnte Staffel Walking Dead, ab heute auf Sky, hätte man sich zwar langsam mal sparen können. Nicht verpassen sollte man hingegen Prost Mortem, ab Mittwoch beim Spartenkanal 13th Street. Im Zentrum des deutsch-österreichischen Vierteilers steht Doris Kunstmann als Wirtin, die den mysteriösen Tod ihres Ehemanns dadurch aufklären will, alle Verdächtigen zum kollektiven Absturz in die eigene Kneipe einzuladen – und das ist dank des Ensembles von Janina Fautz bis Simon Schwarz mit viel schwarzem Humor in zwei Doppelfolgen echt sehenswert. Wenngleich auf andere Art als die Wiederholungen der Woche.

Bei denen nämlich ist Fritz Langs schwarzweißes Spätwerk Lebensgier, mit dem Fritz Lang Emile Zolas Roman Der Totschläger 1954 aus Frankreich in die USA verlegt hatte, wo Glenn Ford heute (21.45 Uhr) auf Arte zwischen die Fronten eines verfeindeten Ehepaars gerät. Zwischen ganz andere Fronten geraten Quentin Tarantinos Inglorious Basterds 15 Minuten später auf Nitro von 2009. Und der Tatort dieser Woche heißt Mein Revier (Donnerstag. 20.15 Uhr, WDR). Der zweite Fall vom misanthropischen Kommissar Faber (Jörg Hartmann) spielte 2012 im Dortmunder Zuhältermilieu.