Hello Forever, Nude Party, Aloe Blacc

Hello Forever

Es gibt ja bekanntlich komplizierte und, nun ja – weniger komplizierte Musik. Erstere wird Jazz genannt oder Mathrock, letztere firmiert unter Begriffen wie Easy Listening und etwas globaler betrachtet: Pop. Fragt sich also, ob es Hard Listening gibt, vielleicht sogar Mathpop und Jazzpop? Seit heute darf man mit Fug und Recht behaupten: Ja. Die kalifornische Band Hello Forever hat ihn erfunden. Wobei er besser mit Hard Listening Mathjazzpop beschrieben wäre.

In seine Einzelteile zerlegt, ist das Debütalbum Whatever It Is ein Mash-up von den Beach Boys über die Beatles bis We Are Scientists. Jede Sequenz für sich suppt geschmeidig ins Ohr wie eine Strandparty der Sixties. Weil das Kollektiv von Samuel Joseph die Soul-Samples und Rock-Schnipsel, Field-Recordings und Queen-Avancen per Stabmixer verrührt haben muss, döst man allerdings nicht in den Sonnenuntergang, sondern bleibt hellwach bis zum Schluss.

Hello Forever – Whatever It Is (Rough Trade)

Nude Party

Wo wir gerade beim etwas alternativeren Pop sind – der kann natürlich auch ganz leicht hörbar sein, wenn er zubereitet wird wie von Nude Party, die nicht umsonst ein bisschen so klingen wie The Strokes auf dem Grab von Velvet Underground. Mit einer sensationellen Mischung aus Rockabilly und Countryglam, Garagengeschrammel und etwas Punk, also dem echten, erinnern die sechs New Yorker an all das, was ihrer irren Stadt so entspringen kann.

Nicht nur, aber vor allem dank Patton Magees vorwitzigem Kneipengesang, reist man auf der zweiten Platte Midnight Manor durch die Bars der Umgebung, probiert in jeder davon einen anderen Schnaps, landet irgendwann wieder am Anfang und beginnt einfach von vorn. Zwölf Tracks wie zwölf Gelage mit Meat Loaf: voller Ausritte in einen Rock’n’Roll, der sogar “run, run, running wild” singen darf, ohne peinlich zu klingen.

Nude Party – Midnight Manor (New West Records)

Hype der Woche

Aloe Blacc

Eine der wichtigen Erkenntnisse im Musikzirkus lautet: Kreativität schützt vor Stumpfsinn nicht. Nehmen wir zum Beispiel Aloe Blacc, der den Soul Mitte des Jahrtausends Richtung Zukunft gepitcht hat. Dieser Tausendsassa der Transformation also singt auf seiner neuen Platte mit grandioser Schmusekratzstimme “My daddy told me how to fight / he said don’t beg down when you were right / my mama teached me how to love / she said always use your heart…” Weia. Wenn nach dieser Lektion in Geschlechterklischees auch noch die Nelly-Furtado-Erweckungshymne scheppert, könnte man All Love Everything (BMG) nach dem ersten Track getrost einstampfen. Muss aber nicht. Weil Aloe nunmal Blacc ist, schimmert unterm Stumpfsinn immer noch diese großartige Gefühl für Harmonie und Stil hindurch. Dennoch: irgendwie ein bisschen Eurodance für Connaisseure.


Yonder Boys, Aaron Taylor, Idles

Yonder Boys

Americana aus der Mark Brandenburg, das klingt ein bisschen wie TikTok made in Texas, also erstmal absurd, aber gut – wir haben komische Zeiten voll komischer Konstellationen, die früher mal unmöglich schienen, jetzt aber genauso realistisch sind wie ein Borderliner als US-Präsident oder wahlweise drei Männer aus Amerika, Chile, Australien, die sich im technoiden Berlin vereinigt haben, um nostalgischen Country-Punk zu machen.

Yonder Boys nennt sich das singende Gitarrenduo aus Jason Serious und David Stewart Ingleton, die der Tausendsassa Tomás Peralta um Kontrabass, Mandoline plus allerlei Schlagwerk ergänzt. Ihr Debütalbum klingt entsprechend nach Surf-Sound für die Prärie. Mit unbedingt lebensbehahender, sehr humorvoller Poesie reiten die Yonder Boys acht Stücke lang im Banjo-Stakkato durchs weite Land und zeigen damit, dass Herkunft nun wirklich nichts mit dem Leben von Menschen zu tun haben muss.

Yonder Boys – Acid Folk (Blue Whale Records)

Aaron Taylor

Während neu interpretierte Traditionals stets einem Konservatismus-Vorbehalt unterliegen, mäandert der Soul seit den Sechzigern so konsequent durch die Popmusik, dass niemand mehr zu sagen vermag, was daran neu ist und was alt. Ob Aaron Taylors Future-Funk also aus der Vergangenheit zu uns kommt oder der Zukunft – dem neuen Album des Londoners mit ghanaisch-karibischen Wurzeln ist das kaum  anzuhören.

Musikalisch zwischen André 3000 und Curtis Blow kratzt seine Schmuse-Gesang über retrospektive Motown-Harmonien, löst sie zwar gelegentlich im Säurebad schiefer Jazz-Sequenzen auf wie in Shooting Star feat. Benni Sings auf. Am Ende findet jeder der elf Tracks jedoch zurück in den hochsommerwarmen Mainstream dieses ubiquitärsten aller massentauglichen Sounds. Läuft gut rein, läuft gut raus, kriegt man irgendwie nie genug von.

Aaron Taylor – Icarus (Edenic Records)

Hype der Woche

Idles

Onomatopoesie ist die Versprachlichung bekannter Geräusche: Tiktak, Dingdong, Klippklapp, süß. Wobei die Wortbilder selbst dann oft arglos klingen, wenn sie wie Peng Schüsse vertonen. Die Onomatopoesie der Idles indes handelt nicht nur von Schießgewehren, sondern Krieg. Krieg auf den Straßen, Krieg in den Köpfen, Krieg überall. Wenn Joe Talbot “Clack clack clack a clang clang! That’s the sound of the gun going bang bang” oder “Tuka tuk tuk tuk tun tuka! That’s the sound of the drone button pusher” proklamiert und danach einfach bloß schreit, wissen wir also, dass sich nicht nur der Opener des dritten Albums im War befindet, sondern ganz Ultra Mono (Partisan Records). Seit ihrem Debüt Brutalism 2017 lässt kaum jemand die Wut über die Wut brachialer, aber auch bedächtiger, reflektierter, klüger raus als das Noise-Quintett aus Bristol. Permanent beschleunigt von Adam Devonshires Bass, geht’s bei aller Gewalt schließlich um Rassismus und Neoliberalismus, toxische Männlichkeit und Machtmissbrauch jeder Art. Großartig wie die Sleaford Mods mit Band. Bamm, Bamm, Bamm!

 


Yellow Days, Midlife, Whoiswelanski

Yellow Days

Wer Funk und Soul nicht auf den Straßen Detroits der Siebziger aufgesogen hat, steht rasch im Verdacht, beides nur auszuschlachten, weil Funk und Soul nun mal noch immer die Dance-Musik beeinflussen wie kaum ein zweites Genre. Für Zeitzeugenschaft ist George van den Broek allerdings viel zu jung und dann auch noch aus Manchester, nicht Michigan. Die nostalgischen Sounds des britischen Stimmwunders könnten also gut als kulturelle Aneignung durchgehen – klängen sie sie nicht so hinreißend nostalgisch wie zuletzt nur bei Anderson .Paak.

Mit einer ganzen Gang Kollaborateure von Kanye West über Raphael Saadiq oder Weldon Irvine bis Shirley Jones und Mac DeMarco schafft es sein neues Album so zu klingen, als bade er mit den Fun Lovin’ Criminals in Barry Whites Jacuzzi. Alles daran ist strikt gestrig, aber nie verstaubt. Porn-Pop mischt sich da ölig schön mit Future-Funk. Selbst dort, wo Yellow Days mit Bishop Nehru Crooner-HipHop macht, atmet A Day in a Yellow Beat eine Art Motown-Duft des Hybrid-Zeitalters. Das Album der Woche für Gestrige von Morgen.

Yellow Days – A Day in a Yellow Beat (Columbia)

Midlife

Nur eine Handvoll Jahre nach den Ursprüngen von Yellow Days, wurzeln auch Midlife im Blumenbeet musikalischer Zitierfreude längst vergangener, aber nie vergehender Zeiten. Als würde das australische Quartett seinen Sound wahllos aus einem schlecht sortierten Filmarchiv der Siebziger angeln, vermischt auch ihr zweites Album kosmisch flatternde Syntesizer mit krautigem Postrock, bis nichts mehr zusammenzupassen scheint. Konjunktiv. Im Indikativ ist Automatik die Quintessenz des strukturierten Found Footage zum Tanzen.

In Vapour zum Beispiel treibt der Klang einer fiebrigen Querflöte Kevin McDowells Gesang über elegischen Blödsinn repitiver Zeilen wie Everybody wants and needs vor sich her, bevor Tomas Shanahan das analog housige Downstream im Anschluss mit funkigem Bass beträufelt, der hier wie dort im Captain-Future-Gedächtnis-Soundtrack durchs All zu hopsen beginnt. Automatisch ist hier gar nichts, es regiert organische Künstlichkeit, ein warm besseelter Space-Jazz der allerfeinsten Sorte, Liebe zum Chaos in kosmischem Ausmaß.

Midlife – Automatic (Heavenly Records)

Whoiswelanski

Und wo wir schon in der Kategorie Retro sind: wenn der Ekklektizismus unserer zitierfreudigen Tage das Wesen des Pop bestimmt, treibt ihn die oberbayerische Band mit dem halbenglischen Namen Whoiswelanski auf die Spitze. Ihr Debütalbum TALK spricht nämlich gar nicht, es sabbelt unablässig vor sich hin und sondert dabei Klang- und Wortzeugs ab, das aufs erste Hören unzusammenhängend wirkt, aufs dritte, vierte hingegen so schlüssig wie ein Nudelsalat mit allem drin, was die Küche grad noch so hergibt für die WG-Party.

Im Grunde pampig, schmeckt der ja auch dann am besten, wenn man sich gegen Mitternacht in Stimmung gesoffen hat. Die elf elektronischen Tracks, von denen fünf nach den Anfangsbuchstaben des Plattentitels, also im Grunde gar nicht benannt sind, klingen mit beliebiger Alltagsprosa unterlegt wie ein geselliger Rausch, von dem die beidenn Schulfreunde Josef Pötzinger und Tobias Weber vermutlich alle seit der 8. Klasse gemeinsam erlebt haben. Kein Werk für die Ewigkeit, aber eines, das den Moment mit wattiertem Gagapop feiert.

Whoiswelanski – TALK (Popup Records)


Annie Taylor, All Them Witches, Tricky

Annie Taylor

Die Schweiz ist für so einiges bekannt, was seinen Ursprung fernab der Berge hat. Schokolade zum Beispiel, dessen Rohstoff eher selten auf Almwiesen wächst. Dazu Plebiszite altgriechischer und Finanzen amerikanischer Herkunft. Da sollte es also nicht überraschen, wenn das Land ohne Küsten kalifornischen Surf-Rock hervorbringt, der es auch ohne Copyright spielend mit dem Westküstenoriginal aufnehmen kann. Annie Taylor heißt die Züricher Band um Sängerin Gingi Jungi und nein, ihr Debütalbum klingt auch nicht innovativer als Schoki, Volksbefragung, Bankgeheimnis.

Dennoch hat Sweet Mortality einen Drive, der selbst im breitgetretenen Genre psychedelischer Krautpunk-Variationen selten ist. Mit fast schon funkigem Bass, treiben zwei hochverzerrte Gitarren ein Schlagzeug vor sich her oder umgekehrt, als hätten sich die Beach Boys mit Sleater Kinney und Warpaint am Strand verabredet, um die Trashmen aus dem Sand zu graben. Mal rotzig, mal tranig betet das Quartett mit One-Two-Three-Four-Akkorden die Sonne an, ohne sich im Tempo zu verlieren. Das ist nicht neu, es ist auch nicht perfekt. Aber gerade deshalb macht es ungeheuer Spaß.

Annie Taylor – Sweet Mortality (Taxi Gauche Records)

All Them Witches

Womit wir beim staubigen Pendant sandiger Musik wären: Stoner. Ob der Gitarrenbrei Spaß macht, kann man Hardcore-Fans beim effektreduzierten Headbangen durch die Wände ihrer Matten ja in der Regel nicht am Gesicht ablesen, aber der Mix aus sedierten Riffs und Vocals hinter meterdicken Walls of Sound ist schon auch für Außenstehende irgendwie ergreifend. Gerade, wenn sie von Virtuosen wie All Them Witches errichtet wird. Auch auf dem sechsten Album seit 2012 baut die Band aus Nashville ja Mauern ins Untergeschoss des Bewusstseins, ohne sich dahinter zu verschanzen.

Während sich Stücke wie Saturnine & Iron Jaw oder See You Next Fall anfangs wie ein Tinnitus durchs Gehirn sägen, nimmt Fast-Forward-Rock wie Enemy of my Enemy keine Umwege ins Großhirn, bevor es sich der Easy Listening Grunge Everest im Anschluss fast schon gemütlich macht. Zusammen schafft es Nothing as the Ideal acht Stücke lang, alle Zonen der Wahrnehmung mit verstörend düsteren Riffs zu durchforsten, bis daraus eines der vielleicht abwechslungsreichsten Alben dieses oft etwa monochromen Genres wird.

Alle Them Witches – Nothing as the Ideal (New West Records)

Hype der Woche

Tricky

Seltsamerweise ist man bei den Stichworten “monochrom” oder “Abwechsung”, “verstörend” und “düster” nicht allzu weit weg vom prominentesten Vertreter einer völlig anderen Stilrichtung, die dem Stoner dennoch irgendwie wesensverwandt ist, nur eben mit einer ganz anderen Dringlichkeit: Tricky. Seit mindestens 3000 Jahren schon macht der Brite aus Bristol eine Art TripHop, die das Gemüt durchkriecht wie flüssige Watte. Da ist es überaus bemerkenswert, dass sein neues, 13. Album Fall to Pieces (False Idols) mithilfe der Sängerin Marta Momente beschwinger Leichtigkeit ins getragene Breakbeatgerüst spinnt. Angeblich soll Adrian Nicholas Matthews Thaws bei der Produktion sogar erstmals in 51 Jahren gelacht haben. ist nur ein Gerücht und vermutlich Blödsinn. Aber seiner Platte hat es offenbar gut getan.


Sharik Khan & Viktor Marek, Pippa, Metallica

Khan & Marek

Mitte der Neunziger, Berlin hieß noch Bonn, durchwummerte ein Sound die Metropolen, der sich Oriental Dub nannte und es schaffte, exotisch zu klingen, ohne kolonialistisch zu sein. Zeitgenössischer Techno wurde darin so elegant mit dem Sound des Nahen und Fernen Ostens verwoben, dass die Hinterhof-Raves nur so schunkelten. Wenn man dem elektrophilen Grenzgänger Viktor Marek 25 Jahre später dabei zuhört, wie er die suprakulturelle Melange mit dem pakistanischen Sitar-Star Ashraf Sharif Khan verfeinert, wird diese Zeit wunderbar präsent.

Zehn Jahre lang hat der Hamburger Nischenkünstler und Mitbetreiber des Golden Pudel Club angeblich mit seinem Kollegen aus Lahore am Duo-Debüt Sufi Dub Brothers gearbeitet. Das Ergebnis ist eine Tanzmusik, der man die interkontinentale Brückenbildung zwar anhört. Die interkontinentale Soundsprache steht jedoch stets im Schatten einer Eigendynamik, die sich von jeder kulturellen Aneignung emanzipiert. Dass Khans pulsierende Sitar ein asiatisches Element ist, geht in den technoiden Vives von Marek so unter, als kämen beide ursprünglich von dort, wo sie vereinigt wurden. Einem kleinen Studio in Hamburg.

Ashraf Sharif Khan & Viktor Marek – Sufi Dub Brothers (Fun In The Church)

Pippa

Alles egal. Wer so etwas singt, könnte als prinzipienlose Nihilistin gelten. Und wenn ihr dann auch noch alles mit einer derart sedierten Stimme egal ist wie bei Pippa, verbirgt sich dahinter womöglich die Überzeugung der Generation Eurodance, im Grunde zählt nur der Moment und selbst das nur, wenn die Pillen wirken. Alles falsch! Denn die sehr junge, sehr hippe, sehr lässige Wienerin mag auf ihrer zweiten Platte zwar käsig nölen, “wer du bist, was du denkst, wo du stehst, das ist alles egal” – dahinter verbirgt sich ein musikalischer Geist von kolossaler Anteilnahme.

Auf Idiotenparadies versteckts sie die halt nur unterm musikalischen Mix des anything goes, in dem nicht nur das Vokabular scheinbar ziellos durchs Überall irrt. Mal mit radebrechenem Neunziger-HipHop versetzt, mal mit elektronischem Lala-Pop der Nuller, mal pianobetupft klassisch, mal zappelig technoid, pflegt Pippa zwar oberflächlich den Gestus der Prokrastination. In der Tiefe ihrer Kompositoinen aber glitzert purer Enthusiasmus – auch wenn er gelangweilt wirkt. “Läuft / ich pack mein Leben nicht / aber I love it / alles random hier”.

Pippa – Idiotenparadies (LasVegas Records)

Hype der Woche

Metallica

Wenn irgendwas im Pop hingegen nicht random ist, dann der Erfolg des Heavy Metal. Breiter Schritt, dickes Brett, orchestrales Pathos, heiliger Ernst – damit haben es auch Metallica zum Perpetuum Mobile ihrer Selbstreplikation gebracht. Seit gefühlt 500 Jahren macht die dänisch-amerikanische Zackengitarrenband, was sie mit mehr oder weniger langem Haar schon immer verlässlich auf Top-1-Kurs macht. Das dürfte also auch S&M2 (Blackened Recordings) widerfahren, mit dem James Hetfied und Lars Ulrich als Koproduzenten die Klassik-Version ihrer Hits mit dem 80-köpfigen San Francisco Symphony von 1999 fortsetzen. Dem Gesamtwerk fügen sie damit zwar nichts Neues hinzu, aber auch das knattert durchs Gehirn wie der zugehörige Konzertfilm von Regisseur Joe Hutching, der demnächst weltweit in 3.700 Kinos läuft. Für Fans unerlässlich, für alle andern, tja, irgendwie auch.


Elis Noa, Go Go Gazelle, Whitney

Elis Noa

Wenn der Opener eines Debütalbums beginnt wie eine vertonte Kunstinstallation auf der Documenta X., wenn Satzfragamente der Art von “How does it feel to be afraid” – Fiepdiedeldiziep – “to be my muse” darin Kreissägengeräusche durchbrechen, wenn ein Opener, der ja zum Verweilen einladen soll, so eklatant mit Hörgewohnheiten bricht wie die Wiener Band Elis Noa auf What Do You Desire?, dann erwartet man alles Mögliche, aber nicht den feinporigen Electropop, der sich die nächsten zehn Stücke ins Ohr ergießt wie ein Strom warmen Glücks.

Was wir begehren, fragt die verstörend schöne Keyboarderin Elisa Godino da mit oktavensprengender Kellerbarstimme zu Aaron Haders Synths, und wer sich seit Jahren schon über die Profanisierung des Charaktergenres R’n’B aufregt wie dieser Blog, antwortet da nach dem langsamen Erwachen aus diesem Tagtraum: genau so, wie diese eleganten Bigbeat-Minimalismen, oberflächig eingekremt, tiefgründig zerkratzt, ein irrsierend schönes Halbschattenensemble aus Harmonie und Dissonanz, so erhaben wie seit Jahren schon kein Album mehr aus dieser Ecke des Pop.

Elis Noa – What Do You Desire? (LasVegas Records)

Go Go Gazelle

Weil Harmonie und Dissonanz auch in weit weniger elganten Ecken populärer Musik prima miteinander klarkommen können, machen wir an dieser Stelle einen Schwenk in die Mainstreamversion dessen, was viel zu oft als Punk missdeutet wird. Die Augsburger Rockband Go Go Gazelle hat nach zwei EPs eine LP aus dem Studio geprügelt, die in ihrer eins-zwei-drei-vier-Abfahrt-Dynamik zwar nichts mit der nihilistischen Schule anno 1977 zu tun hat. Aber die unbedingte Bereitschaft des Trios zur Selbstüberholung mit Stil, macht halt einfach echt Spaß.

 

Gut, Refrains wie “Immer wenn es regnet / muss ich einen trinken” sind subtil wie geschrubbte D-Dur-Riffs, aber egal – wenn Ska-Gewitter hier mit voller Wucht auf Alternativefolk treffen und Captain Planet auf Knorkator, wenn in den diffizileren Momenten Turbostaat durch die Uptempo-Stücke blinzeln und auch in den Mitgrölpassagen ein fröhlicher Drang, niemandem gefallen zu wollen, wünscht man sich das Ende der Konzertsperre nur umso sehnlicher herbei. Flaschenpost an Morgen: Go Go Gazelle wären da der perfekte Festivalopener auf Bühne 4.

Go Go Gazelle – Falschenpost an Morgen (Gute Laune Entertainment)

Whitney

Über die begnadeten Westküstenrocker Whitney sollte man hier eigentlich gar nichts mehr sagen müssen außer: Kaufen, Hören, Glücklichsein. Dummerweise ist selbst ein so einschmeichelnder, butterbeschmierter Wohlfühlsound wie der des Minaturorchesters aus Chicago noch immer so nischenhaft, dass es nicht mal einen Eintrag bei der deutschen Wikipedia hat. Andererseits: Behalten anspruchsvollere Fans vom Mainstream dieses Juwel halt für sich und der Rest hört halt Passenger.

Dabei klingt das dritte Album der Band um Gittarist Max Kakacek und den singenden Drummer Julien Ehrlich – Hand aufs Herz – nur in Nuancen anders als die beiden Vorgänger. Mittelwestliche Slideguitars treffen da auf unbedingt lebensbejahenden Falsettgesang und saftige Sixties-Surf-Klaviaturen, dass die Beach Boys glücklich über die Düne blinzeln. Aber in seiner ultraharmonischen Arglosigkeit ist Candid halt schon deshalb was Besonderes, weil darauf zehn Evergreens wie Country Roads oder Strange Overtones gecovert werden. Ach ja – und liebe SZ: das Cover ist richtig grandios!

Whitney – Candid (Secretly Canadian)


SuzieStapleton.FriedemannWeise.AMorissette

Suzie Stapleton

Es ist immer wieder schön, wenngleich überaus selten und der reinen Musiklehre nach nahezu unmöglich, wenn im repetitiven Pop ein neues Genre entsteht, kein völlig neues natürlich – der Grundstock aller Klangkombinationen ist schließlich längst angelegt; aber was die australische Künstlerin Suzie Stapleton auf ihrem Debütalbum anbietet, klingt für unvorbereitete Ohren so ungewohnt, dass es dafür eines neuen Labels bedarf. Versuchen wir es also mal mit Opern-Noise.

Garniert mit tief verzerrter Gitarre, düsterem Bass und einer bisweilen fast hektischen Industrialfläche am Rande des Hörbaren, erinnert We Are The Plague gleich am Anfang an ein Kellerkonzert der Suuns mit Tom Waits, was auch daran liegt, dass Suzie Stapleton androgyner Bariton eher nach Rezitation als Gesang klingt und dennoch sinfonische Energie hat. Noiserock wie ein Rudel Wölfe im Staatstheater – fremd, sperrig, viril, gefährlich, aber in seiner grungigen Urgewalt auch einvernehmend und schön.

Suzie Stapleton – We Are The Plague (Negative Prophet Records)

Friedemann Weise

Schön bescheuert ist dagegen Friedemann Weise, no offense. Der rheinische Liedermacher macht Lieder, die bisweilen nach Gebrüder Blattschuss klingen, wo ein gewisser Karl Dall einst seine Karriere begann. Weises Texte sind oft sensationell dämlich, seine Arrangement dazu von beachtlicher Albernheit, fast alles daran erinnert an Fanny van Dannen und Peter Licht beim Rosenmontagsduett – und ist gerade deshalb so toll, dass man auch das neue, ungefähr fünfte Studioalbum durchhört und gleich noch mal anmacht.

Mit Titeln von Digital Detox in der Eifel über Samenstau auf der Pimmelparade bis Wenn 68er 68 werden, nimmt Das Weise Album jede Zentral- und Randgruppe der Multioptionsgesellschaft aufs Korn, vermischt es mit einem digitalanalogen Kuddelmuddel aus Powerfolk und LoFi-Rock, legt schräge Gesangssimulationen darüber und ist damit auf derart infantile Art komisch, dass sein selbstgewähltes Label Satirepop plötzlich Substanz kriegt. “Ich wär so gerne ein Song / von Elton John / ich wär zwar nicht mehr neu doch / du würdest dich freuen”. Alles gesagt.

Friedemann Weise – Das Weise Album (staatsakt)

Hype der Woche

Alanis Morissette

Alanis Morissette ist Alanis Morissette war zwar mal nur Alanis ohne Morissette und machte saftigen Teenagerpop, bleibt aber wieder mit Morissette auch ein Vierteljahrhundert nach ihrem weltweit gefeierten Debütalbum Jagged Little Pill das, was die Menschheit im Zeitalter des ungebremsten Optimismus von ihr erwartet und bekommen hatte: einen Folkpop von so überwältigender Lebensfreude, dass Melodramatik, Feminismus und Selbstbefreiung fast unbemerkt ins Hörer*innen*gehirn durchdringen und dort die Emanzipation befeuern. Das schafft, obwohl die Stimme spürber gereift und damit rauer ist, auch ihr elftes Album Such Pretty Forks In The Road (Sony), das aller Voraussicht nach nicht nur in ihrer kanadischen Heimat Nr. 1 werden dürfte. Ihre Mischung aus Kraft und Gefühl, Stärke und Zerbrechlichkeit, Indierock und Klavierballaden ist eben unverwüstlich.


Provinz, The Texas Gentleman, Giant Sand

Provinz

Melodramatik ist selten die beste Begleitung für guten Pop. Als kleine Schwester des großen Pathos ertränkt sie echte Emotionen im Überwältigungsgestus und nervt damit meist gehörig. Das gilt im Grunde auch fürs Ravensburger Überwältigungspathospopquartett Provinz, deren schöner Name darüber hinwegtäuscht, wie inbrünstig am Weltrad aufdringlicher Gefühle gedreht wird. Ständig weht auf dem Debütalbum Wir bauten uns Amerika schwarzes Haar in der Windmaschine aus Träumen, Liebe, Sturm und Drang, ständig öffnen vier junge Männer hier das größtmögliche Fass der eigenen Persönlichkeitsfindung.

Weil sich die Stimme von Sänger und Texter Vincent allerdings noch ein wenig rauer durch die Stationen seiner Persönlichkeitsfindung gräbt als die ähnlich veranlagten AnnenMayKantereit, weil der gefühlsduselige Folkpop dazu ein wenig fetter ist, ein wenig wuchtiger, ein wenig besser als ihre Fußgängerzonen-Vorbilder, weil die analog intonierte Melodramatik so leidenschaftlich scheppert, dass alles Pathos darin fast schon wieder glaubhaft klingt, sind die verhinderten Festival-Abräumer des abgesagten Sommers allerdings wirklich, nun ja, überwältigend.

Provinz – Wir bauen uns Amerika (Warner)

The Texas Gentleman

Bei Texas schrillen mit etwas räumlichem Abstand, also von Europa aus betrachtet, bleischwere Alarmglocken. Sie läuten den Choral aus Trump-Verehrung und Cowboy-Romantik, reaktionärer Musik und republikanischer Politik. Abseits der liberalen Enklave Austin scheint dieser besonders rückständige US-Staat jeden Anflug von Stil, Geschmack, Ironie im Wüstensand zu zermahlen. Fast jeden. Denn The Texas Gentleman blicken so stil- wie geschmackssicher daraus hervor und sezieren den ortsüblichen Countryrock mit einer Ironie, die jede Stealguitar erträglich macht.

Auf dem zweiten Album Floor it!!! wühlt sich das gastergänzte Kollektiv um Nik Lee, Daniel Creamer, Ryan Ake, Scott Edgar Lee, Aaron Haynes abermals durch vergangene Zeiten. Erneut klingt es dabei mal nach den Beatles, mal nach Calexico, erinnert hier an The Band, da an los Hermanos Patchekos, ist also die Quintessenz nostalgischen Mashups mit den Kernelementen Southern Rock, Seventies Funk und einer Riesenladung Bigband-Pop von heute, zu der man für ein paar Augenblicke vergisst, wie finster es um die Texas Gentleman herum zugeht.

The Texas Gentleman – Floor it!!! (New West Records)

Giant Sand

Da gilt natürlich gleichermaßen für den unermüdlichen Howe Gelb, der 1991 gegen ähnliche Windmühlen seiner stockkonservativen Umgebung anrockte wie es heute The Texas Gentleman tun. Wer damals wie seine Band Giant Sand den Country durch den Alternative-Kaokao zog, wurde daheim in Arizona ja noch geteert und gefedert. Weil er das alledings gut überstanden zu haben scheint, hat Fire Records das legendäre Album Ramp digital grundsaniert und daraus ein Reissue der Extraklasse gemacht.

Auf zwei Platten buchstabiert die wechselhaft große Formation mit diversen Gast-Musiker*inne*n dabei durch, wie viel Stadt im Land steckt und umgekehrt, wie nah sich der Ultraurbanist Lou Reed und das Tusconer Landei Howe Gelb atmosphärisch seinerzeit waren, wie viel befreiende Kraft das ehemals durch und durch reaktionäre Schlagergenre Made in USA entfalten konnte, wenn es von den Richtigen beritten wurde. Kleiner Tipp: auf Vinyl kaufen und kurz mal über den Teppich ziehen – ohne Knistern kein Erweckungserlebnis!

Giant Sand – Ramp (Fire Records)

 


Bananagun, Albrecht Schrader, Pottery

Bananagun

Etwas wirklich Neues zu kreieren, ist in der modernen Musik nahezu ausgeschlossen. Wenn der Sänger, Gitarrist und, Achtung, Flötist Nick van Bakel meint, seine Band Bananagun wolle “nicht das tun, was alle anderen bereits machen”, ist er da im besseren Fall naiv, im schlechteren ignorant, im Idealfall allerdings haben die sechs Australier einfach noch immer eine Ladung jener Dorgen intus, die bei der Aufnahme des Debütalbums mit dem deklamatorischen Titel The True Story of Bananagun von der Studiodecke gerieselt sein muss.

Von Beginn an nämlich scheinen Gilberto Gil und Jimi Hendrix darauf beim Schlammcatchen mit James Lasts Big Band Henry Mancini zu covern. Das Resultat ist eine Art melodiös berauschter Dschungel-Pop, bei dem sich krachende Krautrockgitarrengewitter überm Strand von Acapulco entladen, bis aus dem Sand Boxentürmgebirge sprießen. Alles daran klingt bestens bekannt, von Instrumenten bis Arrangements ist alles pure Nostalgie, aber selten war ein retrospektiver Sound derart futuristisch schön.

Bananagun – The True Story Of Bananagun (Full Time Hobby)

Albrecht Schrader

In ganz ähnliche Kerben schlägt der Schlagerist Albrecht Schrader. Drei Jahre nach seinem tollen Debütalbum Nichtsdestotrotzdem und zwischenzeitlichem Gastspiel als Bandleader von Jan Böhmermanns Rundfunkorchester Ehrenfeld im Neo Magazin Royale, kehrt der Kölner aus Hamburg mit Diese eine Stelle zurück und widmet seiner inneren Großstadt ein zehnteiliges Hassliebesgedicht, in dem heimatduseige Nostalgie im Richard-Clayderman-Gewand nur so wimmert. Doch Vorsicht: Alles Tarnung!

Denn wenn der studierte Musikwissenschaftler zu Klavierromantik über die noble Elbchaussee singt, zersägt ein repetetives “Fluglärmvonairbus” mit psychotischer Gitarrenbemalung das Wohlstandsidyll. Wenn Auf dem Golfplatz  “schöne Farben überall” leuchten, ist das nicht “der Ort, wo Hamburg brennt / Tränen fließen unverblümt in mein Polohemd”. Immer dann also, wenn Schraders Seifengesang den Caféhauspop dahinter noch etwas cremiger rührt, wird das Gehirn mit luzider Systemkritik überzuckert. Selten so tiefenentspannt in die Katastrophe geträumt.

Albrecht Schrader – Diese eine Stelle (Staatsakt)

Pottery

Mit Tiefenentspannung haben Paul Jacobs, Jacob Shepansky, Austin Boylan, Tom Gould, and Peter Baylis ungefähr so viel gemein wie Donald Trump, was zwar schon deshalb ein unfairer Vergleich ist, weil ihre Band aus Kanada kommt und mit Donald Trump wiederum so viel gemein hat wie Albrecht Schrader. Aber Pottery ist halt von einer impulsiven Hektik getrieben, die krasse Vergleiche förmlich ansaugt. Und wenn wir schon dabei sind: Ihr Debütalbum  klingt ein bisschen wie David Byrne auf Speed, ist aber natürlich ganz anders.

Von Anfang bis Ende wird Welcome to Bobby’s Motel von einem Speedfunkslapping beschleunigt, dass durch die Choräle übers Alltagsgeschehen im Leben gewöhnlicher Trump-Nachbarn nochmals hochpitcht. Bass, Drums, Gesang – alles an dieser furiosen Platte ist derart auf Tempo gebürstet, dass dabei manchmal fast untergeht, wie filigran die elf Stücke arrangiert wurden. Von daher war es richtig, die Band nach der kontemplativen Tätigkeit des Töpferns zu benennen. Wenn sie jetzt auch noch, sagen wir: Achtung, Spitfire, schnellschnell hieße, würde sie sich selbst überholen.

Pottery – Welcome to Bobby’s Motel (Partisan)


Drab City, Jules Ahoi, Sammy Brue

Drab City

Wenn ein Album von der ersten Sekunde an Kopfschmerzen bereitet, ab der zehnten ergänzt um bohrendes Zahnweh, was bis zur 87. in gesamtkörperliches Unwohlsein mündet, das auch der Beginn des zweiten Stücks bestenfalls mildert, wo befinden wir uns dann – auf Ibizia Ende Juli? Am Tor des Schlagerpurgatoriums? In Tom Waits’ Panic Room? Falsch, beim Plattendebüt von Drab City. Und es zeigt, selbst höllisches Leid kann himmlisch gut klingen.

Die beiden Berliner*innen Asia und Chris zeigen sich nämlich als Konfrontationstherapeutinnen musikalischer Schmerztherapien. Ihr wattierter Mix aus Dreampop, Psychobeat und dissonantem Krautwave verklebt zwar flugs den Kopf, befreit ihn aber sogleich mit einem Lösemittel aus irritierenden Gitarrensoli, Lofi-Punk und Asias bekifften Brigitte-Bardot-Gedächtnis-Gesang. Good Songs for Bad People – ein Fiebertraum zum Wohlfühlen.

Drab City – Good Songs for Bad People (Bella Union)

Jules Ahoi

Das Problem leicht larmoyanter weißer Singer/Songwriter allein mit ihren Lagerfeuergitarren auf Barhockern in riesigen Hallen ist ja bekanntlich, dass sie leicht larmoyante weiße Singer/Songwriter allein mit ihren Lagerfeuergitarren auf Barhockern in riesigen Hallen sind, also auf fremdschamheischende Art und Weise massenhaft bei sich. Dass der Niedersachse Jules Ahoi mal nicht aus UK kommt, ab und an Autotunes in seinen Folkpop rührt und auf Fotos schon mal mit Baseballschläger posiert, macht das nicht unbedingt besser. Dass er dabei klingt wie der Missing Link zwischen Passenger und Jamie T schon eher.

Sein neues Album Dear ____ ist nämlich zum Glück ein bisschen wuchtiger als die zwei vorherigen, ohne dabei schon im Orchestralen von Mumford & Sons zu landen. Er ist also immer noch sehr weiß, trotz Begleitband sehr allein, also sehr sehr bei sich. Und die 15 Songs über Liebe, Isolation, Andersartigkeit und so Sachen bemühen zwar ein Instrumentarium von Drums bis Piano und lassen die Gitarren schon mal elektrisch scheppern; sie sind aber doch überwiegend von einer androgynen Innerlichkeit, die seine Emotionen aufrichtig mitfühlen lässt.

Jules Ahoi – Dear ____ (Moon Blvd. Records)

Sammy Brue

All das gilt gewissermaßen auch für Sammy Brue, wenngleich mit völlig anderen Mitteln. Dem Folk nur noch am Rande artverwandt, macht der Singer/Songwriter aus dem Hipsterhotspot Portland eher Punk mit einer gehörigen Beimengung Country und Western, was in den lauteren Momenten fabelhaft nach Bands wie Giant Sand klingt. Besonders in den (eher wenigen) leiseren aber klingt es nach gar nichts Spezifischem außer seiner ulkigen Ausstrahlung. Mit Nerd-Brille, Beck-Aura und Westcoast-Slang ist sein zweites Album vor allem echt weird.

Weird im Sinne von unkonventionell und überraschend, nicht im Sinne von unzugänglich oder durcheinander. In seiner verstiegenen Klangfarbe zu singen – schön zerkratzt, aber durchaus vielschichtig – schimmert auf Crash Test Kids zwar permanent ein Anflug von Satire mit. Uptempo-Stücke wie Teenage Mayhem oder der fantastisch skurrile Bombast-Pop Skatepark Doomsday Blues allerdings sind dann doch instrumentell zu virtuos, um nur als verspielter Blödsinn durchzugehen. Da kann noch was draus werden, Sammy Brue.

Sammy Brue – Crash Test Kid (New West Records)