Michael Schanze: 70 Jahre & 1000×1,2oder3

Donnerwetterbombeng’scheit

Als das ZDF kürzlich die 1000.  Folge 1, 2 oder 3 gefeiert hat, hat einer nicht richtig mitgefeiert: Michael Schanze. Dabei war er es, der die Sendung 1977 erfand und damit auch ein bisschen das Fernsehen neu. Jetzt ist er 70 und die Sendung 40 – Zeit für jenes Interview, dass wir zur 500. Ausgabe vor zwölf Jahren mit ihm geführt hatten. Und darin ging es nicht nur ums Kinderprogramm, sondern auch um Vaterlosigkeit, Homoehe oder Harmoniesucht.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Schanze, haben Sie gerade etwas zu feiern?

Michael Schanze: Sollte ich?

Die 500. Sendung von 1, 2 oder 3 zum Beispiel.

Nein, eigentlich nicht. Sehen Sie, ich bin da vor vielen, vielen Jahren weggegangen und weiß gar nicht, wie viele Sendungen ich überhaupt gemacht habe. Ich glaube, das müssten so um die 60 rum gewesen sein. Oder waren’s 70? Ich weiß das gar nicht mehr so genau, aber es war ja insgesamt nur ein kleiner Teil. Und seitdem ist viel Wasser die Isar runtergelaufen.

Nichtsdestotrotz ist es Ihre Erfindung, sozusagen Ihr Kind.

Und es ist in einem Maße mein Kind; also ich war gerade über Weihnachten und Neujahr in Südamerika und auf dem Flug dort rüber ging eine Stewardess, ich saß irgendwo zweite Reihe, an mir vorbei und kommt auf einmal zurück, schaut mich an, ist total erstaunt, steckt den Finger in den Mund – und macht Plopp.

Das hätte vermutlich jeder Mensch in Deutschland zwischen 30 und 40 Jahren gemacht. Die sind doch allesamt mit der Sendung groß geworden.

Sehen Sie. So was passiert mir immer noch häufig. Neulich war ich, also was heißt neulich, vor einem Jahr war ich in meinem Lieblings-Live-Lokal in München, im Nachtcafé, es war eine Superstimmung, es standen alle, vor mir so eine Gruppe Mittdreißiger und als die Musik zu Ende war, haben die sich einen Spaß gemacht, springen plötzlich alle hoch, schauen in meine Richtung und fangen laut an zu singen (singt): Eins, Klingelingeling, zwei oder drei, du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei (verschluckt den Rest lachend).

Kein Wunder, gerade diese Generation steckt seit einiger Zeit mitten in der Retrowelle ihrer eigenen Jugend.

So ist es.

Schmeichelt Ihnen das auch ein wenig?

Aber natürlich. Erstens habe ich das gerne gemacht, wirklich irrsinnig gerne. Zweitens hat mir die Sendung ganz viel Glück gebracht. Und hat mir auch zu meiner schönsten Preisverleihung verholfen.

In Cannes. Damals übrigens als einziger deutscher Entertainer.

War das so? Nun, es gab einen europäischen Preis für den besten Kinderunterhalter in Europa und den habe ich gekriegt und es war insofern der schönste – ich meine, ich hab auch den Bambi oder die Goldene Kamera bekommen, aber da weiß man das vorher. Die Franzosen machen die Preisverleihung absolut Oscar-mäßig. Man sitzt da und dann werden die ganzen Nominierten aufgerufen, aus Spanien, aus Frankreich, aus Italien – Frankreich und Italien konnte ich damals sogar selber noch gucken, weil ich da noch in Monte Carlo gelebt habe. Und obwohl es Entertainer aus anderen Ländern gab, die ich echt spitze find, hieß es auf einmal: und der Sieger ist Mischael Schongze. Da bin ich aber auf die Bühne geschwebt, mei Liaber.

Das war kurz vor Ihrem Abtritt von 1, 2 oder 3, so gegen 1985…

Da war ich schon geboren? Gut, mir begegnet 1, 2 oder 3 auch heute noch ständig. Und das ist, wenn man es mal objektiv betrachtet, insofern was Besonderes, weil ich ja eigentlich relativ wenige Sendungen gemacht habe. Aber wir haben dem Fernsehen doch einen Stempel aufgedrückt, denn es gab ja bis dahin keine Show für Kinder und dazu noch eine Show, bei der man was gelernt hat.

Mittlerweile gehen Sie auf die 60 zu und machen weiterhin Fernsehen für Kinder wie zum Beispiel „Kinderquatsch mit Michael“. Wie lange geht das noch gut?

Ach, das kommt immer drauf an, was man tut mit den Kindern. Wenn Sie mich von 1,2 oder 3 kennen – ich hab ja heute nicht mehr den Ehrgeiz, mit den Kids durchs Studio zu turnen, sondern es findet eben was anderes statt, was Ruhigeres.

Die Frage ist, wie viel Jugendlichkeit nötig ist, um glaubwürdig mit Kindern im Fernsehen umgehen zu können?

Also Kinderquatsch mit Michael hatten wir ursprünglich für Erwachsene gedacht. Das viele Gerede in der Sendung ist ja nicht unbedingt ineressant für die Kleinen. Wir wissen aber heute, dass wir eine richtige Familiensendung sind. Die Kinder schauen zu, dann sehr viele junge Eltern bis hin zu den Großeltern. Dem tragen wir natürlich Rechnung, zum Beispiel bei der Auswahl der Music-Acts, denn die Teenies schauen auch Kinderquatsch. 1, 2 oder 3 dagegen war konzipiert für Neun- und Zehnjährige, für Viertklässler.

1977, bei ihrer ersten Sendung, waren Sie in einem Alter, das auch der große Bruder Ihrer Kandidaten hätte haben können.

Und mittlerweile könnte ich locker der Opa sein.

Da merkt man dann auch, dass man alt und älter wird.

Ich hatte, als ich ein kleiner Junge war, eine Anlaufstelle, einen alten Schuster, der wohnte in so einer kleinen Nebenstraße und zu dem bin ich gerne gegangen, wenn ich von der Schule nach Hause ging. Der war nicht 20 und nicht 30, sondern bestimmt über 50, aus meiner Sicht damals also uralt, so wie ich jetzt. Und trotzdem war ich da immer gerne. Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist eine Frage des Umgangs mit den Kindern, nicht des Alters. Wenn ein Mittfünfziger anfängt und meint: ich kann noch eine Hechtrolle machen, seht’s her – ich glaube, spätestens dann wird es peinlich. Also ich möchte jetzt keine Noten geben für andere Kollegen und bei der Gelegenheit gleich mal sagen, dass der Gregor das gut macht.

Gregor Steinbrenner, ihr Nachnachfolger. Der macht die Sendung völlig anders als Sie.

Gut so. Und da muss man natürlich noch etwas sagen: Wir hatten damals neun Fragen in 45 Minuten, heute haben die dagegen acht Fragen in 28 Minuten. Da sehen Sie, dass der Satz, Fernsehen spiegelt unsere Gesellschaft wieder, total stimmt. Es ist schneller geworden, alles. Neulich hat jemand zu mir gemeint: Michael, ich erinnere mich noch gut, wie Sie jemanden in den Arm genommen und gesagt haben, ich hab genau gesehen, du wolltest richtig springen, ich geb’ dir den Ball trotzdem, aber für die Klassenwertung zählt der nicht. Für solche kleinen menschlichen Dinge am Rande ist heute im Fernsehen kaum mehr Zeit. Alles geht ratzfatz durch. Schnell, schnell, schnell und Ende der Durchsage.

Da spricht der Showmaster alter Schule. Sie haben sich mal als Harmoniesüchtig bezeichnet.

Oh je, das ist ja alt. Uralt.

Sind Sie das etwa nicht mehr?

Grundsätzlich ist es mir lieber, wenn in meiner Umgebung ein gewisses Maß an Harmonie herrscht. Aber ich würde mich längst nicht mehr selber verbiegen, nur damit allerorten Harmonie herrscht. Das ist vorbei.

Täte dem Fernsehen aus Ihrer Sicht etwas mehr Harmonie gut?

Sehr wohl. Ich finde, dass wir in einer Zeit leben, in der im Fernsehen sehr oft zum Beispiel die Kandidaten nur benutzt werden für den Zweck der Show. Und einer heute vor eine Kamera tritt, kann er nicht mehr damit rechnen, dass auf seine „kleine Welt“ Rücksicht genommen wird. Da muss jeder schon selber wissen, wie weit er sich aus dem Fenster lehnt. Ziemlich traurig, diese Berühmtheit für ein paar Momente. Draufhauen als Wesenseigenschaft des Fernsehens sozusagen. Und dann wundern sich am Ende alle, wenn in der Jugend gewisse Dinge zu beobachten sind: von einfacher Unhöflichkeit bis hin zum Abziehen von irgendwelchen Markenjacken. Weil man einfach die Ellenbogen ausfährt und sagt: so, jetzt komm ich!

Und da kann Fernsehen etwas dran ändern?

(wartet lange) Ich mache mir da keine großen Hoffnungen. Ich glaube, wie gesagt, eher daran, dass unser Fernsehprogramm ein Spiegel der Gesellschaft ist; auf die erzieherische Funktion habe ich früher gehofft, heute glaube ich da nicht mehr dran.

Auch nicht im Kinderprogramm?

Ach, das ist ja aus den normalen Tagesprogrammen längst verschwunden. Wo wir früher noch Fury gesehen haben oder auch Bonanza, da laufen jetzt Fliege und Marienhof und all die vielen Talkshows. Für Kinder ist alles gebündelt im Kinderkanal. Ich finde es natürlich gut, dass es so was gibt. Aber die Gefahr, die ich darin sehe, ist so eine zusätzliche Vereinsamung. Ich habe in den vergangenen Jahren bei sehr vielen Symposien mitgemacht, wo ich unter anderem mit Lehrern gesprochen habe. Da wurde deutlich, dass die Eltern verstärkt sagen, okay, hier ist der Kinderkanal, den kannst du anmachen, ich geh dann mal. Das bedeutet, dass Kinder unkontrollierter fernsehen. Grundsätzlich aber sind neue Eindrücke, die Kinder – ich will jetzt mal gar nicht von Gewalt reden – bekommen, ungemein wichtig. Und da wäre es schon schön, wenn die Eltern davon ein bisschen was wüssten.

Und grad dadurch, dass die Privaten sich dieser Zielgruppe angenommen haben…

… laufen Kindersendungen oft zwischen den Werbeblöcken und sind eigentlich gar keine eigenständigen Produkte mehr, sondern nur noch dazu da, andere Produkte werbewirksam zu platzieren. Ich denke immer, so wie wir mit unseren Kindern umgehen, werden sie letztlich auch selber. Wir leben doch in einer Delegiergesellschaft. Wir delegieren ständig Verantwortung. Wir setzen Kinder in die Welt und die Erziehung wird so schnell wie möglich weitergegeben. Erst der Kindergarten, Grundschule, Verkehrserziehung macht dann die Polizei und so weiter. Aber es sind doch unsere Kinder und Eltern haben eine gewisse Sorgfaltspflicht. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit der wunderbaren Astrid Lindgren. Es ging um das Moment Spannung in ihrem tollen Buch Ronja, die Räubertochter.  Natürlich findet ein Kind einen Tatort spannend. Aber diese Form von Spannung, ist eben nicht kindgerecht und auch nicht für sie, sondern für Erwachsene gedacht. Ich will damit sagen: Was wir unseren Kindern zumuten, sollte auch eine gewisse Sorgfaltspflicht der Macher voraussetzen. Doch die Macher nehmen oft irgendwas, von dem sie annehmen, das kommt jetzt supergut an, und wenn die Eltern ihre Kinder das gucken lassen, dann sind sie ja selber schuld. Das heißt, da wird Verantwortung delegiert und redelegiert.

Ein klassischer Denkansatz – sie würden am liebsten die Familie in die Pflicht nehmen.

Stimmt schon. Wenn man ein Kind hat, das so ins Leben reinstartet, jeden Tag Neues kennenlernt, sollte man einfach wissen, womit es täglich konfrontiert wird. Natürlich ist das nicht immer leicht und erfordert Kraft. Ich bin froh, dass meine Jungs bereits ins Leben hinaus starten und selber entschaden, was sie für okay halten.

Die Einstellung passt zu Ihrem Image. Da sind Sie bei den Öffentlich-Rechtlichen auf Familie festgelegt. Ihre Kindersendungen…

Oder Flitterabend, ja.

Das wirkt wie ein großes Familienförderprogramm.

Ich habe das nie so auf meine Flaggen geschrieben, verkörpere es aber ganz bestimmt. Obwohl ich selbst ja in nicht-ehelichen Verhältnissen lebe.

Ich meine jetzt nicht die klassische Familie in ihrer Form als möglichst kinderreiche Ehe, sondern als Paarbeziehung mit Nachkommen.

Gut, dann haben wir uns ja verstanden. Also ich stehe schon für diesen Wert.

Liegt das auch daran, dass Sie bereits sehr früh Ihren Vater verloren haben?

Ja, womöglich. Aber als ich ein Kind war – Moment, das muss man jetzt behutsam formulieren; also, es ist ganz sicher so. Dieses Bloßgestelltfühlen, wie ich es als Kind empfunden habe, das wollte ich sicherlich später nicht mehr haben und habe deshalb um mich herum dieses Gebilde der Familie als Schutzwall besonders hoch aufgebaut. Dementsprechend war es für mich dann schwer wieder Tritt zu fassen, als das mal nicht mehr so war.

Sie mussten auch sehr früh, mit neun Jahren, sehr viel mehr Verantwortung übernehmen als Gleichaltrige.

So ist es. Ich war nach dem Tod meines Vaters erst mal zwei Jahre im Internat, bin dann zurückgekehrt nach Tutzing an den Starnberger See, meine Mutter war den ganzen Tag auf der Arbeit und so war ich schon sehr früh ihr Partner, was die Erziehung meines kleinen Bruders angeht. Objektiv gesehen, war das schon ein ganz schöner Batzen Verantwortung, den ich da tragen musste, subjektiv bin ich mir dessen damals natürlich nicht bewusst gewesen.

Was hat Ihre Mutter damals gemacht?

Sie war beim Bayerischen Rundfunk.

Wie kann man sich das vorstellen, in den Aufbaujahren nach dem Krieg – macht einen diese frühe Verantwortung härter, durchsetzungsfähiger, oder weicher, einfühlsamer?

Oh, das geht mir fast zu sehr ans Eingemachte, aber was ich dazu sagen kann (überlegt lange). Stellen wir die Frage mal zurück, da möcht ich gern noch drüber nachdenken, das ist mir jetzt zu flott.

Bezogen auf Ihre Fernsehkarriere sind Sie jedenfalls nicht zuständig für die knallharten Themen. Eher für leichte Unterhaltung. Oder ist das für Sie ein Schimpfwort?

Ich mag das Wort seicht nicht so gerne, das hört sich zu sehr nach dämlich an. Ich mache und stehe für leichte Unterhaltung. Und ich hatte da auch noch nie Schwierigkeiten mit. Trotzdem habe ich festgestellt, dass es in meiner Laufbahn eine Art Turning Point gab, den man an einer einzigen Sendung festmachen kann. Also: meine Meinung war immer, wenn die Menschen sich nach den in aller Regel ernsten Nachrichten für leichte Unterhaltung entscheiden, dann haben sie die auch verdient. Es ist ihre Entscheidung, und dann ist es nicht meine Aufgabe, ihnen gegen ihren Willen weiterhin Mord und Totschlag und Krieg und Gewalt um die Ohren zu schlagen. Ich habe ganz bewusst immer wieder einen Bogen drum herum gemacht, wenn es irgendwie zu kratzig wurde.

Und dann?

Kam die Zeit, ich war schon verheiratet, dass – also erst mal hab ich mich natürlich persönlich verändert – auch der Wunsch aufkam, Nachwuchs zu haben. Bis zu dem Zeitpunkt haben wir alles getan, um keinen zu kriegen, und auf einmal war alles völlig anders. Und dann kam es zu einem Flitterabend, bei dem ein prominentes Ehepaar zu Gast war, Angelika und Rollo Gebhardt, der Weltumsegler. Und das weiß ich noch ganz genau: der spätere Unterhaltungschef des WDR, Georg Habertheuer, hatte mir schon längst gelb gezeigt und rot schon in der Hand – das war unser abgemachtes Zeichen, spätestens jetzt das Gespräch zu beenden. Und zugeben, das Gespräch, das wir führen wollten – drum prüfe, wer sich ewig bindet – war seit Langem beendet und dann sagte der Rollo Gebhardt plötzlich etwas über dieses Abfischen der Thunfischbestände vor Nordamerika und wie da die Delfine jämmerlich in den Treibnetzen verenden.

In den frühen Neunzigern, als das Thema noch eine andere Aktualität hatte.

Es ist durch uns erst so richtig in die breite Öffentlichkeit getragen worden. Und da sind wir ja auch beim Thema: In den Jahren vorher hatte ich versucht, einen Bogen um diese Themen zu machen. An diesem Abend aber hatte ich plötzlich das Gefühl, das geht nicht mehr, ich kann dieses Thema nicht einfach abwürgen. Wir haben also noch mal drei, vier, fünf Minuten drangehängt, waren hoffnungslos zu lang, aber der Schanze, der so ein eigentlich ununterhaltungsmäßiges Thema einfach übergangen hätte, den gab es nicht mehr. Selber hatte ich es gar nicht gemerkt, aber ich hatte mich verändert. Und plötzlich sind auch in unserem Flitterabend Themen vorgekommen, die vorher nicht denkbar gewesen wären. Wir haben ein lesbisches Pärchen eingeladen als prominentes Ehepaar; also insofern prominent, als sie sich haben aushängen lassen in Köln im Standesamt. Das war weit vor der gleichgeschlechtlichen Ehe. Die waren sozusagen Vorläufer.

Als die Homo-Ehe noch eine reine Protestaktion war.

Genau. Da sind die beiden bei mir in der Sendung auftauchten, haben viele gesagt: Wie bitte? Muss das sein? Weil ja alle den rosaroten und himmelblauen Flitterabend gewöhnt waren, der auch seine Berechtigung hat. Denn unsere Paare waren ja, vor allen Dingen zu Beginn, in der Woche vor oder zumindest unmittelbar vor Flitterabend vorm Traualtar gestanden. Aber dann kam durch diese Delfingeschichte viel mehr Alltag in den Flitterabend, er wurde kritischer. Und die Einschaltquoten haben sich dadurch nicht verringert, sondern sind mit der Zeit immer größer geworden.

Das heißt, Sie hatten erstmals das persönliche Bedürfnis, härtere Themen anzupacken.

Ja sicher. Es wäre auch gar nicht mehr anders gegangen. Irgendwie hatte ich als junger Papa ein anderes Verhältnis zur Zukunft entwickelt. Kinder sind Zukunft zum Anfassen, habe ich immer gesagt, und für diese Zukunft hat man als Papa von drei Kindern eben auch Verantwortung übernommen. Jedenfalls war es damals vorbei mit – ich nehme jetzt mal Ihr Wort – seichter Unterhaltung. Ab diesem Zeitpunkt war es ganz normal, dass wir im Flitterabend auch andere Themen aufgegriffen haben. Ich erinnere mich noch gut. Können Sie sich an unsre Treppe erinnern? Zu Beginn der Sendung traten da immer unsere Brautpaare auf. Sieben, acht, zehn Stufen keine Ahnung, wie viele es waren. Eines Abends erscheint oben ein farbiges Brautpaar. Die beiden waren noch nicht unten auf der letzten Stufe angekommen, da liefen schon die ersten Anrufe beim Sender auf, ob man sich das bieten lassen muss, Farbige am Samstagabend in einer Unterhaltungssendung ansehen zu müssen.

Haben Sie das schon während der Sendung mitbekommen?

Jaaa, allerdings. Als das passiert ist, stand für uns fest, das Thema müssen wir noch mal zur Sprache bringen. Für die nächsten Sendungen haben wir dann immer wieder ganz gezielt „gemischte“ Brautpaare eingeladen, und das Problem der Mischehen zu thematisieren. Auf leisen Sohlen, zugegeben, aber das hatte wiederum mit dem Forum Unterhaltungssendung zu tun. An dieser Stelle eine Podiumsdiskussion zu starten, wäre sicher der verkehrte Weg gewesen. Ich komme noch mal auf  die Nummer mit dem lesbischen Pärchen zurück. Ich weiß noch genau, am nächsten Tag bin ich in Baden-Baden auf dem Rennplatz gewesen, zum ersten Mal in meinem Leben, und da kam eine großbehütete Dame auf mich zu, die leicht indigniert meinte: Na, da haben Sie uns aber gestern was serviert. Wir haben ganz kurz nur miteinander gesprochen, doch dann kam es: Am Ende des Gesprächs dreht sie sich noch mal über die Schulter zu mir um und meint: Aber eins muss ich Ihnen sagen, man hatte richtig das Gefühl, dass die zwei sich wirklich lieb gehabt haben. Da dachte ich, Mensch, das ist doch genau das, was wir transportieren wollten. An den Schreibtischen der Redaktion saßen einige Leute, die fast ein bisschen traurig waren, dass es nicht krachiger zugegangen ist, dass wir am Montag zum Beispiel keine Schlagzeile in der Bildzeitung hatten.

Wirklich nicht? Das wäre die nächste Frage gewesen: Hat die Öffentlichkeit Ihren Einstellungswechsel überhaupt wahrgenommen?

Das Publikum nimmt solche Veränderungen immer erst mit Verzögerung zur Kenntnis. Aber Alice Schwarzer ist in Köln auf mich zugekommen und hat gemeint, sie würde sich gern mal mit mir unterhalten, sie hätten sich alle so gewundert, wie ein Mann dieses Thema so behutsam transportieren kann. Ich will jetzt nicht in Honig baden, aber wir haben das schon ganz gut hinbekommen, eben auf eine Art und Weise, dass die Menschen gesagt haben: Warum eigentlich nicht? Ich bin fest davon überzeugt, dass wir der Sache damit mehr gedient haben, als mit einem reißerischen Herangehen. Für unseren Flitterabend wären Schlagzeilen sicher besser gewesen.

Haben Sie daraufhin auch ein wenig Blut geleckt, um noch weniger unterhaltende Themen aufzugreifen, um mal das Genre zu wechseln und wie Wolf von Lojewski auf ernsthafte Reportagereise zu gehen oder so?

Ach ich liebe das. Eigentlich müssten wir jetzt beide in den ersten Stock gehen, den Fernseher einschalten und was läuft da?

Kika?

Discovery Channel. Mein Lieblingsprogramm. Ich habe neulich mit dem Wolf von Lojewski kurz zusammengesessen und wir haben uns auch über dieses Thema unterhalten. Also: es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Es interessiert mich einfach, mich auch mal mit Dingen auseinander zu setzen, die über den Showtellerrand hinausreichen.

Das ist also keine Frage des Alters.

Ach ne. Ich diäte gerade wieder und werde mich gleich wieder superjung und frisch fühlen (lacht). Aber bevor wir Schluss machen, es gab doch vorhin noch eine Frage, die ich zurückgestellt hatte.

Genau, ob Sie Ihre Kindheit härter oder weicher gemacht hat.

Moment a mal (zögert wieder lang). Jetzt kommt eine schreckliche Gummiantwort: ich glaube, dass beides der Fall ist. Es hat mich einerseits härter gemacht, in Dingen die mir so wiederfahren sind, aber auch weicher im Umgang damit. Das Schicksal hat schon ziemlich früh meine Lebenshaut gegerbt, und dadurch ist sie sicher etwas dünner geworden. Davor, dass sie womöglich ganz brüchig wird, habe ich versucht mich später durch eine gewisse Härte zu schützen. Schauen Sie, mein Papa hat sich das Leben genommen, da war ich noch keine zehn. Jahre. Am Gymnasium war ich dann der Mülleimer schlechthin. Was hab ich mir Probleme anderer angehört. Also muss ich auf der einen Seite eine gewisse Weichheit gehabt haben. Nein, Weichheit ist vielleicht das falsche Wort; Verständnis, ich hab Verständnis mitgebracht, wenn es jemandem nicht gut gegangen ist. Gleichzeitig habe ich aber durch meine Erlebnisse auch ein wenig frühe Lebenserfahrung gewonnen. Obwohl, das geht mit 15, 16 noch gar nicht so recht, oder? Also jetzt schenken Sie mir doch mal ein Wort.

Vielleicht Reife.

Ja, eine gewisse Reife. Leider hat sich das nicht auf den mathematischen Bereich in der Schule ausgewirkt. Die Reifeprüfung war bestanden, aber mehr auch nicht. So donnerwetterbombeng’scheit bin ich erst ab dem Studium geworden.


Johnny Rotten: Sex Pistols & Fish’n’Chips

Freier Wille, das ist Punk!

Der diesjährige Summer of zum Thema britische Popkultur wird noch bis Mitte August auf Arte von einem ihrer krassesten Vertreter moderiert: Johnny Rotten (Foto: Martin Ehleben), einst Sänger der Sex Pistols, heute Maskottchen der früh verstorbenen Bewegung. Ein Gespräch über James Last und Britney Spears, Rebellion unter Nonnen und warum er seinen Frieden mit Deutschland gemacht hat.

Von Jan Freitag

Johnny Rotten: (auf Deutsch) Guten Morgen Hamburg.

freitagsmedien: Guten Morgen Miami, wie spricht man Sie am besten an – John, Johnny, Mr. Lydon, Mr. Rotten?

Also auf John reagiere ich manchmal ganz gut.

Bei der Vorstellung des Summer of Fish’n‘Chips hat Arte Sie als Herr Rotten angekündigt.

Mit hartem deutschen R? Großartig.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Deutschland?

Historisch betrachtet eher distanziert, aber meine Frau ist Deutsche, also doch recht eng.

Moderiert der vielleicht bekannteste lebende Punkrocker aus England deshalb eine deutsche Fernsehsendung?

Vielleicht. Aber erst in der Kombination „deutsch-französisch“ klingt es richtig gut. Ihr als Host zu dienen, empfinde ich gerade wegen dieser jahrhundertealten Feindschaft bis zum 2. Weltkrieg als angenehm europäisch. Da finde ich die Idee höchst unterhaltsam, ein wenig meines Wissens dabei zu teilen. Außerdem liebe ich visuelle Kunst.

Sie sehen also fern?

Ich höre praktisch nie damit auf! Soll ich Ihnen den die erste Erfahrung mit dem deutschem TV erzählen? Ein Auftritt von James Last und seinem Orchester vor ungefähr 45 Jahren, das mit geschwärzten Gesichtern New Orleans Jazz zu einer Art Umpaah-Techno parodiert hat. Entsetzlich! Ich habe gar nichts gegen ihn, er ist ein hervorragender Musiker, aber wenn es zu einem stilistischen Wettstreit mit der britischen Musik käme, James wäre last (lacht laut)…

Witzig. Sind Sie persönlich interessiert am Arte-Thema britischer Popkultur?

Sind Sie es?

Unbedingt.

Und was denken Sie, was das sein soll?

Musikalisch betrachtet der größtmögliche Einfluss auf alle anderen Popkulturen, größer selbst als der amerikanische.

Da bin ich mir nicht sicher. Pop heißt doch, das von allem etwas in allem steckt. Manchmal mag es da was vermeintlich Neues in einem Land früher geben als im nächsten, aber Popkultur hat weder visuell noch tonal eine Herkunft, allenfalls Orte gezielter Verdichtung. Britische Popkultur ist daher nichts als ein Label zum besseren Verständnis.

Wie fühlt es sich für Sie an, Teil davon zu sein?

Wenn man nie versucht hat, populär zu sein, sehr gut. Public Image Ltd. zum Beispiel…

Das Nachfolgeprojekt von den Sex Pistols, zugleich Firma und Band.

Der Ursprung von Pop ist doch immer die Kunst, allerdings nicht wie anderswo unterteilt in Bild, Wort oder Ton, sondern alles in einem. Wobei es mir dabei immer um Integrität ging; ich habe nie jemandem etwas vorgespielt, wie es der Pop oft tut.

Andererseits geht die Legende, die Sex Pistols seien eigentlich eine gecastete Boygroup gewesen.

Ach, der Neid ist und bleibt doch eines der mächtigsten Gefühle im Universum… Andererseits wäre die Sache mit der Boygroup ja ein wundervolles Kompliment an meinen Gesang, also danke dafür. Und als humorvoller Mensch akzeptiere ich sowieso jede Form der Herabsetzung. Vielleicht hat das was mit meiner Erziehung in einem katholischen Kloster zu tun. Sehr qualvoll, aber es hat mich duldsam gemacht.

Auch religiös?

Wenn man von einer Idee so indoktriniert wird wie ich damals, lehnt man sich entweder radikal dagegen auf oder fließt mit dem Strom. Und bei allem, was ich mir im Leben vorzuwerfen habe, gehört letzteres sicher nicht dazu. Aber die Nonnen haben es mir auch ziemlich leicht gemacht, gegen den Strom zu fließen. Weil Linkshänder wie ich seinerzeit als Gesandte Satans galten, wurde ich vom ersten Tag an misshandelt. Außerdem war ihnen verdächtig, dass ich schon mit vier lesen und schreiben konnte. Deshalb war ich wohl auch so ein schlechter Schüler.

Und schon frühzeitig ein Rebell?

Eher das, was ein Kind für rebellisch hält. Die Beatles zum Beispiel konnte ich anfangs musikalisch nicht leiden, was schon frühzeitig meinen Hang zur Anti-Musik gezeigt hat. Aber ihre Frisuren entsprachen exakt meiner Vorstellung von Aufsässigkeit. Und wo wir gerade davon sprachen: Ohne Deutschland, besonders Hamburg hätte es die Beatles nie gegeben und damit die wichtigste Band der Popkultur. So viel zur Bedeutung Englands.

Was halten Sie denn von den anderen Künstlern, die Sie im Summer of Fish’n‘Chips präsentieren?

Also die Rolling Stones hatten eine Reihe sehr inspirierender Platten, was ihre Karriere absolut rechtfertigt. Das Gleiche gilt für andere Bands, die bei Arte – und das sage ich nicht bloß, weil ich sie präsentiere: mit fantastischen Filmen gewürdigt werden. Depeche Mode zum Beispiel, und zwar schon wegen Personal Jesus. Für Opfer des Katholizismus ein saukomischer Song. Außerdem mag ich die Sleaford Mods mit ihrer rauen, verstörend unerbittlichen Art, die Verhältnisse zu kommentieren.

Sind Sie mit über 60 Jahren denn noch so politisch wie als junger Punk?

Selbst wenn ich versuchen würde, es nicht zu sein, würde mich die Tagespolitik schlicht überrollen. Nehmen Sie den Brexit, den ich anders als mal kolportiert wurde, nie unterstützt habe. Die Menschen wurden da so lange desinformiert, dass sie entweder dafür waren oder nicht abgestimmt haben. Furchtbar. Ich habe vom Leben gelernt, sich immer in politische Entscheidungen einzubringen. Schließlich diktieren sie deine eigene Zukunft.

Haben Sie als bekannter Teil der Popkultur da mehr politischen Einfluss als andere?

Da ich in den meisten Ländern der Welt schon mal Einreiseverbot hatte und vom Parlament als Hochverräter eingestuft wurde, wohl schon. Sehr ehrenvoll, aber auch gefährlich. Damals stand darauf in England ja noch die Todesstrafe. Umso wichtiger war es für mich, den Mächtigen dabei zuzusehen, wie sie sich aus purer Angst lächerlich machen. Das hat meine Empathie für die Entrechteten der Welt nur geschärft. Für sie stehe ich bis heute auf. Und das tun neue Bands wie die Sleaford Mods mit ihren Mitteln auch.

Was halten Sie von dem Label, das man denen gibt.

Ein Label? Die Armen! Welches denn?

Spoken Punk.

Oh Gott.

Wie finden sie Ihr eigenes als Urvater des Punk?

Ich bevorzuge King of Punk, dieser Titel wurde mir quasi verliehen und irgendwie habe ich ihn mir ja auch verdient.

Wodurch?

Integrität. Den Menschen nichts vorzumachen. Freier Wille – das ist Punk! Und sich nie unterkriegen zu lassen. Jeder hat nämlich das Recht auf eine Karriere. Britney Spears zum Beispiel mag nicht die intelligenteste Lebensform des Planeten sein, aber für die einen hat sie einfach tolle Musik gemacht, für andere sah sie heiß aus in ihrem Schulmädchen-Outfit; jeder kann sich da etwas rausziehen. Wer den ungeheuren Aufwand betreibt, Musik oder welche Kunstform auch immer zu machen und sich damit der Öffentlichkeit zu stellen, verdient für diesen Mut Anerkennung. Mehr verlange ich auch nicht für das, was ich mein Leben lang getan habe.

Machen Sie noch immer Musik?

Ja. Ich nenne es Throat-Whistle. Nur die Stimme, sonst nichts. Es ist mein Ehrgeiz, in Regionen zu singen, die für mich bislang unerreichbar waren. Nachdem ich die Geschichte der Musik studiert habe, wurde mir klar, dass sie nichts ist als Imitation der Natur. Das erste, was der Mensch vor Urzeiten hatte, sich künstlerlisch auszudrücken, war seine Stimme. Obwohl – ein Instrument ist mir noch wichtiger: mein Gehirn. Ich versuche bewusst, meine Gefühle durch seine Kraft in Worte zu verwandeln.


Senta Berger: Kir Royal & Eva Prohacek

Ich komme grad aus dem Garten

Senta Berger (Foto: ZDF) ist seit 60 Jahren im Filmgeschäft. Jetzt aber tritt sie ein bisschen kürzer – weshalb ihr neuer Terror-Fall (in der ZDF-Mediathek abrufbar) von Unter Verdacht der vorletzte sein soll. Ein Gespräch über Amtsmüdigkeit, Hierarchien, Heimatfilme und das Refugium Gartenarbeit.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Berger, gab’s das schon mal – Unter Verdacht als Zweiteiler?

Senta Berger: Nein, das war eine außerordentliche Idee. Sie wurde dadurch geboren, dass ich schon vor zwei Jahren gesagt habe, es wäre jetzt langsam mal an der Zeit, Eva Prohacek – die ja  Beamtin mit festgelegter Pensionsgrenze ist – in Rente gehen zu lassen. Wir wollten eine komplexe Geschichte erzählen. Das persönliche Schicksal der Prohacek mit der gegenwärtigen Situation in Deutschland verknüpfen. Dafür haben wir uns ein umfangreicheres Format gewünscht und vom Sender auch zugestanden bekommen.

Das ist also Ihr Abschied von der Reihe?

Nicht ganz. In der Zeit, in der das Drehbuch für Verlorene Sicherheit geschrieben wurde, liefen im Fernsehen zwei neue Folgen und mehrere Wiederholungen älterer Filme, die nicht nur mir, sondern dem Publikum offensichtlich großen Spaß bereitet haben. So haben wir uns alle auf eine letzte Folge einigen können und freuen uns auf die Dreharbeiten im Herbst.

Nichtsdestoweniger scheint sich die Figur in Verlorene Sicherheit von ihrer Rolle innerlich zu verabschieden.

Ist das so?

Sie wirkt psychisch, aber auch physisch angeschlagener als in den 25 Folgen zuvor.

Na – dann ist uns ja geglückt, was wir uns vorgenommen hatten, für Eva Prohacek ein neues Kapitel aufzuschlagen, einen Aufbruch – und sei es einer ins Ungewisse.

Ist es eher Amts- oder Altersmüdigkeit, die Eva Prohacek da erwischt?

Weder noch. Wir haben das Alter der Kriminalrätin immer unbestimmt gelassen. Dass ich zehn Jahre älter bin als die Prohacek im Staatsdienst eigentlich sein darf, weiß ja jeder, und ich finde, langsam sieht man es auch. Es geht mir um die Glaubwürdigkeit der Figur und damit auch um die Glaubwürdigkeit der Geschichten, die wir erzählen.

Gab es bei Ihnen selbst schon mal so etwas wie Amtsmüdigkeit, was diese Rolle betrifft?

Nein, gar nicht. Sie macht mir großen Spaß und wird mir unglaublich fehlen – nicht nur die Geschichten, sondern das Team, mit dem ich bis auf wenige Ausnahmen seit 2001 zusammen arbeite. Weil ich selber schon lange in der Produktion tätig bin, kenne ich auch die Bedingungen, die Notwendigkeiten hinter der Kamera gut und weiß, was die Menschen dort leisten, aber auch brauchen. Wenn man sich gut versteht, haben Dreharbeiten auch immer etwas vom Schulausflug einer Klasse, in der es verschiedene Temperamente und Aufgaben gibt, aber keine Hierarchien.

Entspricht das auch Ihrer Persönlichkeit, es mit Hierarchien nicht so zu haben?

Absolut, aber die gibt es schon seit Jahrzehnten nur selten am Set. Und falls doch, empfinde ich das immer als ein Zeichen von begrenzter sozialer Intelligenz. Ich werde öfter gefragt, wie sie denn so waren – diese großen Hollywoodstars, mit denen ich gearbeitet habe. Mein Eindruck: Je berühmter, desto bescheidener. Ich werde nie einen Film mit Marcello Mastroianni vergessen, der ganz unscheinbar auf einem Stühlchen in der Ecke saß, an dem ständig Leute vorbeiliefen und fragten, Marcello, was kann ich dir bringen, Marcello willst du noch einen Kaffee. Aber er wollte das alles nicht, er wollte nur arbeiten.

Umschwärmt man Sie nach 60 Jahren im Geschäft ähnlich?

Manchmal, aber man merkt dann schnell, dass es eher den Umschwärmenden schmücken soll als mich.

Sah man Sie darin nach Ihrer Rückkehr aus den USA hierzulande mit anderen Augen?

Ach wissen Sie, dieser Beruf folgt ja selten einer geraden Linie. Als ich aus Amerika zurückgekehrt bin, habe ich in Rom, in der Cinecitta weiter Kinofilme gedreht. Da gab es ja noch bis Anfang der 80er lange Schlangen vor den Kinos, in den Sälen durfte sogar geraucht werden. Das kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen, obwohl das Popcorn-Schmatzen eine ebensolche Pest ist. Aber in Deutschland galt Hollywood dem damaligen Autorenfilm als Feind und ich war seine Vertreterin. Ich habe also jahrelang in Deutschland keine Filme machen können. Aber ich habe Theater gespielt. Begonnen hat es bei den Salzburger Festspielen dass  ich, als erwachsene Frau meine eigene Sprache wieder entdeckt habe, das war sehr aufregend. Unsere Produktionsfirma Sentana-Film hat erste Erfolge gehabt, zum Beispiel mit Die Weiße Rose und ich habe – vielleicht das schönste Abenteuer meines Lebens – zwei Kinder bekommen. Es war also klar, dass ich mich entscheiden musste, wo ich leben und arbeiten wollte. Der Übergang nach Deutschland war also fließend, bevor ich dort die erste wichtige Arbeit hatte.

Nämlich?

Kir Royal, zumal das ausgestattet war wie ein Kinofilm, auf 35mm, pro 45-minütiger Folge 28 Drehtage.

Wann genau ist eine Arbeit inhaltlich wichtig für Sie?

Wenn es etwas ist, an das ich glaube und zugleich das Interesse anderer weckt. Ich bin in der Zeit dieser verlogenen Heimatfilme aufgewachsen, ein gebranntes Kind. In Österreich haben hervorragende Kabarettisten die schlimmsten Drehbücher geschrieben, weil sie glaubten, dem  Publikum sei die Wahrheit nicht zumutbar, die man auch durchaus humorvoll erzählen könnte. Das versteht der Zuschauer nicht – wie oft habe ich das gehört! Welch ein furchtbarer Irrtum! Den Zuschauern ist das Beste zumutbar, selbst wenn sie gar nicht wissen, was genau das ist. Nur ein gemeinsamer Anspruch macht Filme wichtig.

Ist das bei diesem hier aus Ihrer Sicht der Fall?

Ich denke und hoffe es.

Wobei man nicht weiß, was einem mehr Angst macht – der islamistische Terror oder ein Staat, der bei dessen Bekämpfung alle Regeln missachtet.

Weil es nur ein Krimi und kein Dokumentarfilm ist, ganz gewiss nicht letzterer. Dennoch erhebt der Film natürlich einen gewissen Wahrheitsanspruch. Und angesichts der Tatsache, dass seine Ausstrahlung wegen der Anschläge von Frankreich und Berlin verschoben wurde, offenbar auch zu recht. Aber es gibt ja viele Wirklichkeiten. Eine davon erzählt von einer türkischen Familie, die bis auf ein junges Mädchen, das auf der Suche ist, ohne noch  zu wissen, was es sucht, bestens integriert ist. So gesehen ist dieser Film in anderer Hinsicht wichtig.

Wenn Sie die Zeitspanne zurück zu Ihrem ersten im Jahr 1957 betrachten: ist das überhaupt noch derselbe Beruf?

Das ist schwer zu vergleichen. Vom technischen Standpunkt hat sich alles verändert. Was sich nicht geändert hat, ist das Bedürfnis Geschichten zu erzählen, hören, sehen, die die Menschen berühren – das war  immer so. Denken wir nur an Höhlenzeichnungen, das Antike Theater, an Shakespeare, Moliere, ans Kasperletheater…

Was bedeutet Ihnen an der Arbeit über diesen langen Zeitraum hinweg besonders viel?

Dass ich in keine Schublade gesteckt worden bin. Dazu gehört, dass ich nach der glamourösen Mona in Kir Royal sofort Die schnelle Gerdi spielen durfte.

Eine Taxi-Fahrerin.

Die mir als Kind der Wiener Vorstadt sehr vertraut ist. Und fragen sie mal meinen Mann; der kennt meinen Jähzorn nur zu gut, auch wenn er sich gebessert hat. Aber mir haben viele Arbeiten etwas bedeutet. Sie und Er zum Beispiel, der erste Westfilm von Frank Beyer mit der gesamten Schauspielelite des Ostens; so was ist im kollektiven Gedächtnis womöglich nicht mehr präsent, aber in meinem sehr. Das war eine sehr besondere Arbeit, wie Frau Böhm sagt Nein und Lilli Lottofee und… und… und eben die Eva Prohacek. Ich hatte oft Glück, das weiß ich, aber ich möchte mich nicht zu viel mit der Vergangenheit beschäftigen.

Warum?

So sehr ich stets mit ganzem Herzen bei meinem Beruf bin – ich habe auch noch ein anderes Leben. Jetzt grad komme ich aus dem Garten, um neue Pflanzen zu setzen. Nach zuletzt vier, fünf Filmen im Jahr genieße ich es, ein bisschen zuhause zu sein und mich mit meinem Mann wieder mehr aufeinander besinnen zu können. Das ist schön.


Kraftklub: Provokation & Mitgrölrock

Keine Psychopathen auf Koks

Vor sechs Jahren kannte man Kraftklub allenfalls daheim in Chemnitz, bald darauf waren die fünf Indierocker aus dem Osten schon Headliner großer Festivals und die ersten zwei Alben Nr. 1 in den Charts. Genau dort dürfte also auch Keine Nacht für niemand landen, das heute rauskommt. Frontmann Felix Brummer, verantwortlich für Texte und Gebrüll, erzählt im Interview, wie es dazu kommen konnte, was das aus den fünf Freunden gemacht hat und warum sie diesmal eher lässig als schnell sein wollen.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Felix, ist eure Starrummel-Hymne Band mit K gleich zum Auftakt eures neuen Albums eigentlich nur ironisch gemeint oder auch ein bisschen angenehm überrascht vom Erfolg?

Felix Brummer: Da ist der Interpretationsspielraum bewusst relativ weit gefasst. Wir inszenieren uns ja schon schamlos als Sektenführer, kritisieren aber auch den Kult um Stars inklusive der Youtuber-Szene, die jungen Menschen das Geld aus den Sparschweinen fingert. Andererseits kann man es auch einfach als lustige Überhöhung der Popkultur von außen hören. Denn in der Realität hält sich der Rummel bei uns selbst ja doch noch in Grenzen. Wir haben anders als ein paar unserer Kollegen noch keine campenden Fans vor den Wohnungen.

Wenn anders als im Song keine Schlüpfer fliegen – wie weit geht die Fan-Liebe?

Dass manche wirklich zu jedem einzelnen unserer Konzerte fahren. Das finde ich natürlich schon auch ein wenig verrückt, vor allem aber sehr sympathisch.

Trotzdem lief der Schritt vom kleinen Club auf die ganz große Bühne für euch in einem Tempo, das schon ein wenig Größenwahnsinn rechtfertigen würde oder?

Na ja, es gab 2012 schon eine Phase, wo es im Rückblick ziemlich schnell ging. In dem Jahr ist gefühlt alles auf einmal passiert, zwischen ganz klein, erster Platte und ganz groß haben wir noch eine Kolumbien-Tour gespielt. Ernsthaft! Trotzdem hat sich für uns immer alles natürlich angefühlt, wir haben keinen Schritt übersprungen. Bei Rock am Ring zum Beispiel haben wir erst auf dem Zeltplatz gespielt, im Jahr drauf auf der kleinsten Bühne, zwei Jahre später auf der Hauptbühne, aber um 18 Uhr, dann abends und zuletzt als Headliner. Das ist schon krass, aber eben eine fließende Entwicklung.

Hat sie euch als Band, Musiker und Menschen verändert?

Sicherlich, aber ich könnte gar nicht im Einzelnen aufzählen, was genau. Wir sind jedenfalls keine kokainsüchtigen Psychopathen geworden in den letzten sieben Jahren. Vielleicht aber auch deshalb, weil wir vor dem Album hier eine Pause eingelegt haben, um wieder normale Sachen zu machen, weil man sonst schnell das Leben der anderen verschwitzt. Wir hatten das Gefühl, unsere Freunde nur noch dann zu treffen, wenn wir sie auf unsere Konzerte einladen. Das ist auf Dauer einfach nicht geil.

Ihr habt euch also bewusst wieder ein bisschen geerdet?

Auf jeden Fall, das muss man manchmal. Es gibt bestimmt genügend Menschen, die es total geil finden, sich mit einem crazy Rockstar-Life von der Realität zu entfremden. Für uns war das alte Umfeld schon immer ein wichtiger Quell der Inspiration.

Und hat es etwas an eurer Musik verändert, dass dieser Quell zwischenzeitlich ein bisschen weiter weg war?

Inwiefern?

Das man mit wachsendem Publikum versucht, fetter zu produzieren, mehr Mitgrölsongs zu schreiben, um die Massen in Bewegung zu setzen zum Beispiel?

Nee, gar nicht. Wir lernen zwar mit jedem Auftritt dazu, sind aber bis heute nicht die großartigen Virtuosen an unseren Instrumenten. Ich als Frontmann kann ja im Grunde noch nicht mal richtig singen. Dennoch bleibt es dabei, dass wir jeden Song auch im Club spielen können müssen. Was wir machen, muss sich auch im Proberaum richtig anfühlen; erst wenn es das tut, funktioniert es auch auf der Bühne.

Aber zollt man dem wachsenden Moshpit vor der Bühne nicht dennoch insofern Tribut, als man ihm auch was bieten muss?

Weil wir uns immer sehr als Live-Band begriffen haben, waren die ersten zwei Alben genau dieser Ausgangslage geschuldet. Wir wollten auch im Studio, dass es permanent knallt. Immer schnell, immer ballern. Davon haben wir uns auf diesem Album verabschiedet. Aber eher weil wir das Gefühl hatten, dass das auserzählt ist. Das Ende der Fahnenstange war einfach erreicht, denn bei der Frage, wo es mit uns hingegen soll, wurde einfach deutlich, dass noch mehr Tempo keine Antwort ist.

Welche Antwort gäbe es dann?

Mehr Lässigkeit vielleicht und eine gewisse Antihaltung zu bestimmten Erwartungen einzunehmen. Wenn alle wollen, dass wir noch ein und noch ein Album im 16el-Beat durchhacken, müssen wir mal was anderes machen. Es ist ja schon schwer genug, sich unter fünf Bandmitgliedern auf eine Linie zu einigen; falls dann noch Meinungen und Ansprüche von außen hinzukommen, wird es richtig anstrengend. Wenn den Leuten das, was da dieses Mal rausgekommen ist, nicht gefällt – gut, dann ist es halt so…

Sind eure Einigungsprozesse im Übungsraum so kompliziert wie es jetzt klingt?

Ja, da knallen schon auch Egos aneinander. Aber das war schon immer so, ist also nicht erst mit dem Erfolg passiert. Wenn man zu jemandem sagt, der und der Part passe nicht, dann kommt das schnell so an, als meinte man eigentlich: du bist scheiße! Das ist die Grundschwierigkeit aller Gruppen.

Macht es die Tatsache, dass ihr nicht nur fünf Musiker, sondern fünf Freunde seid, schwieriger oder leichter, da einen Konsens zu finden?

Ich glaube, schwieriger. Der Bassist ist mein Bruder, den kenne ich, seit er auf der Welt ist; da kenne ich seine Stärken und Schwächen so genau, dass es leichter fällt, sich zu verletzen. Zugleich aber ist es eben auch einfach schöner, mit guten Freunden Sachen zu erreichen als mit Kollegen.

Politisch steht ihr dabei ehr links vom Mainstream oder ist das bloß Wunschdenken all jener, die sich freuen, endlich stehe ein unterhaltsame Band mal politisch auf der richtigen Seite?

Das ist insofern Wunschdenken als ich es total arrogant und herablassend finde, sich auf der richtigen Seite zu fühlen. Natürlich kommt, wenn fünf politisch denkende Typen Musik machen, am Ende auch irgendwie politische Musik heraus. Aber weil wir als Menschen alle links sind, heißt das nicht, dass wir irgendeine Agenda hätten, um die Welt da draußen mit Kraftklub-Songs zu retten. Wir lassen uns vor keinen Karren spannen. Aus dem Anspruch, die Wahrheit zu kennen, entsteht ja genau das Denken, gegen das wir draußen auf der Straße demonstrieren. Wir machen Dreieinhalbminutensongs. Wer komplexe Themen in so kurzer Zeit zu lösen vorgibt, dem sollte man grundsätzlich misstrauen.

Aber ein Song wie Fenster richtet sich doch ganz klar gegen Wutbürger von AfD bis Pegida.

Das tut er. Aber nicht, um Lösungen anzubieten, sondern Kommentare auf die Gegenwart.

Ist Dein Lied dann einer für vermeintliche Gutmenschen, die natürlich rote Ohren kriegen, wenn jemand seine Ex als „Du Hure“ beschimpft?

Nein, das ist keine bewusste Provokation, sondern der Versuch, die Perspektive eines verlassenen Freundes von verständnisvoll auf rachsüchtig kippen zu lassen. Und natürlich der Spaß, eine heftige Bildsprache zu benutzen, um heftige Emotionen zu beschreiben. Ich verstehe, dass das manchen zu krass ist – gerade aus unserem Mund, von der netten Indie-Band, nicht dem fiesen Gangsta-Rapper. Und stimmt ja: ich finde es furchtbar, wenn Frauen als Schlampen oder so bezeichnet werden. Aber wenn wir einen Song wie diesen schreiben, machen wir das aus Interesse an der Situation, dass so etwas nun mal existiert.

Ist so ein Song also gar nicht autobiografisch geprägt?

Ich erzähle eine Geschichte, die alle betreffen könnte und zwar möglichst authentisch. Wenn sie in der dritten Person geschrieben wäre, also „er sagt, du Hure!“, würde es niemanden berühren. Aber ich will unsere Songs auch nicht immer erklären. Darum muss ich halt damit leben, dass mich manche Leute wegen solcher Texte für ein sexistisches Schwein halten. Die meisten werden mich schon richtig verstehen…

Dahinter steckt kein Spaß an der Provokation?

Nee. Höchstens an der Reibung . Zumal Dein Song völlig anders ist als unsere anderen Sachen, keine fetten Riffs, sondern mit echtem Orchester. Da reibt sich dann vor allem die schöne Musik an der krassen Sprache.

Habt ihr live einen Satz Streicher dabei, wenn ihr den Song aufführt?

Genau deshalb wissen wir noch gar nicht so genau, ob wir ihn live spielen. Im Studio war das toll, aber wie sollen die alle auf die Bühne passen?

Gut, die sind ja mittlerweile groß genug bei euch.

Stimmt, raufpassen würden sie. Aber was für ein Aufwand! Weiß nicht, ob wir auf den Bock haben, so als Kraftklub.

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Wilson Gonzalez Ochsenknecht: Sohn & Kampf

Der Boulevard-Flüchtling

Komischer Name, exzentrische Eltern, wenig Talent? Wilson Gonzalez Ochsenknecht hat ein gehöriges Imageproblem. Dennoch schafft es der Schauspielersohnschauspieler längst in seriöse Filme wie das amerikanische Schwulendrama Stonewall oder den aktuellen Tatort. Erstaunliche Begegnung mit dem Opfer einer Branche, die ihn gleichermaßen groß und klein gemacht hat.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Wilson Gonzalez Ochsenknecht, was genau machen Sie eigentlich beruflich?

Wilson Gonzales Ochsenknecht: (lacht) Ich bin Schauspieler und Musiker, wobei – das ist ja eher so ein Hobby-Ding. Ich bin Schauspieler, mit Leib und Seele, obwohl ich da eher reingewachsen bin, als es von der Pieke auf gelernt zu haben.

Gar keine Ausbildung?

Mit 17 bin ich auf eine Filmschule gegangen, wo ich Schauspiel, Improvisation, Regie, Stand-up, Kamera, Beleuchtung, also alles ein bisschen gelernt hab. Eigentlich ist mir allerdings da erst wirklich bewusst geworden, wie wichtig es für mich ist, am Set zu sein. Ich wusste, dass es für ehemalige Kinderdarsteller ein harter Kampf ist, sich als Erwachsener durchzusetzen. Mir war klar, dass es kein einfacher Weg wird, aber Film hat schon damals alles bedeutet. Ich hab mich mit allem befasst, was damit zu tun hat, sogar Filmgeschichte. Bis heute schaue ich nach Feierabend zwei bis drei Filme am Tag und zwar alles von Hitchcock über Fassbinder und Herzog bis zu modernen Sachen.

Ist das cineastisches Interesse oder Fortbildung?

Beides, schon seit ich denken kann. Mich interessiert bei jedem Film immer auch die Entstehungsgeschichte; deshalb lese ich parallel Biografien der Beteiligten. Ich fress‘ das förmlich in mich rein und sauge die Fähigkeiten meiner Kollegen auf, ohne sie zu klauen. Gary Oldman zum Beispiel achtet darauf, in jedem Film einen anderen Akzent zu haben. Das hat mich dazu animiert, jedem meiner Charaktere eine Eigenheit zu geben und sei es eine Handhaltung.

Was wäre denn die Eigenheit Ihrer Figur in Level X?

Ihre Gier nach Aufmerksamkeit, die sich in ruckartigen Bewegungen und dem Zwang, ständig „Hey“ und „Yo“ zu brüllen, ausdrückt. Das musste ich mir als jemand ohne Internet-Präsenz erst aneignen, auch wenn mir das oft ziemlich seltsam vorkam.

Sie haben keinen eigenen Youtube-Channel?

Um Gottes willen, nein!

Der würde doch super laufen, Sie passen doch bestens in die Zielgruppe…

Nee, mit 27 bin ich dafür doch schon zu alt. Und inhaltlich interessiert sich von der Zielgruppe bestimmt kaum jemand für das, was mich interessiert. Ich krieg schon mit, was im Netz läuft, schaue mir aber lieber einen „Tatort“ an, als stundenlang zu surfen. Und wer 16, 17 ist, will von mir ganz sicher nichts über alte Filme sehen, sondern Schminktipps, wie meine kleine Schwester, Tutorials über Videospiele. Oder eben Pranks wie in diesem „Tatort“, was allerdings auch nichts anderes ist als Versteckte Kamera, nur dass die jetzt ein Smartphone ist und englisch benannt wird, weil alle immer schwer auf international machen.

Das klingt alles ziemlich analog; sind Sie überhaupt ein digital native?

Schon. Ich habe ein gutes Verhältnis zum Internet, zumal es mir meine Fernbeziehung nach Amerika enorm erleichtert und die Nähe zu meiner Familie und meinem Publikum. Wenn ich heutzutage in die 4. Klasse ginge, wo alle nix als ihr Smartphone im Kopf hätten, wäre mein Zugang zum Internet wohl ein anderer, so wie es zu meiner Zeit eben Tamagochi oder Star Wars war, was alle in den Bann gezogen hat. Aber so käme ich ganz gut ohne Internet klar.

So weit wie der Dezernatsleiter Schnabel, der fragt, ob nicht jemand das Internet wieder abschalten könne, würden Sie also nicht gehen?

Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen. Und es herrscht darin ja auch ein ständiger Kampf darum, die richtige Balance zu finden, Grenzen zu setzen, einen verantwortungsvollen Weg zu finden. Nehmen Sie die Musik; als ich angefangen hab, mich dafür zu interessieren, wurde sie überall illegal runtergeladen. Jetzt bezahlen die meisten ihre Downloads und parallel dazu fangen viele wieder an, sich Vinyl zu kaufen. Ich selbst ersetze grad nach und nach alte CDs durch Schallplatten. Daran sieht man: nach einer Phase der Anarchie reguliert sich auch das Internet. Sogar das Dark Web, in dem die Hälfte aller Aktivitäten kriminell ist, bietet Menschen in Diktaturen die Chance, miteinander zu kommunizieren.

Ist das Bild, das der Tatort vom Internet zeichnet, da nicht viel zu negativ? Seine Nutzer sind ja praktisch ausnahmslos durchgeknallte Egomanen oder konsumgeile Gören…

Das ist halt die Krimi-Story, aber gar nicht mal übertrieben. Denn ganz ehrlich: diese Pranks haben auch in er Realität manchmal drastische Konsequenzen. Es gibt sicher auch sehr lustige Streiche, aber die erfordern Feingefühl und Intelligenz, sonst kann man die Opfer echt schwer traumatisieren.

Apropos Trauma: Zu Beginn Ihrer Karriere war der Name Ochsenknecht unter tatkräftiger Hilfe des Vaters sicher ein großes Einfallstor in die Filmbranche. Ist er jetzt eher Hürde oder immer noch hilfreich?

Ach, beides. Mir war nach Wilde Kerle schnell klar, dass es als Erwachsener gewiss nicht einfacher wird, künstlerisch ernst genommen zu werden. Dieses Bewusstsein hat mir von Beginn an geholfen, Höhen und Tiefen richtig einzuordnen. Ich heiße halt nicht Müller. Mittlerweile kriege ich aber viel positives Feedback, gerade für etwas wie Tatort oder einen Punk-Film an der Seite von Tom Schilling.

Ihre erste Hauptrolle als Erwachsener.

Wobei mir Hauptrollen gar nicht so wichtig sind, weil danach ja irgendwann auch nichts mehr kommt. Deshalb kann ich gern noch ein paar Jahre auf den ganz großen Kinofilm warten, alles andere wäre auch arrogant.

Was bringt so eine Rolle als Junger Wilder auf dem Weg dorthin?

Weiß nicht. Einen zehn Jahre jüngeren im Tatort zu spielen ist schon was, aber eigentlich ist meine Rolle ja eher klein. Von daher ist es einfach erst mal ein Charakter mehr auf einem langen Weg vom Kinderstar zum reifen Schauspieler.

Durften Sie überhaupt je richtig Kind sein?

Voll sogar, meine Kindheit war super. Oft natürlich im Campingbus am Set, aber auch das war super. Und zuhause habe ich sowieso immer auf der Straße gespielt, bis ich mit 19 nach Berlin gezogen bin. Der Film hat mir nicht meine Kindheit geraubt, keine Sorte.

Hat er Sie denn frühzeitig erwachsener gemacht?

Das schon eher. Ich habe mich unter Erwachsenen vermutlich viel jünger wohl gefühlt als Gleichaltrige, das prägt. Außerdem hatte ich einfach coole Eltern. Hab ich immer noch.


Marteria/Marsimoto: Plattenbau & Punchlines

Ich war echt ein Alien

Mit 34 hat Marten Laciny einiges erlebt: aufgewachsen im Rostocker Plattenbau spielt der Fußballprofi für die Jugendnationalmannschaft, als ihn eine New Yorker Modelagentur entdeckt und zum Shooting um die halbe Welt schickt. Seit 2010 jedoch kennt man ihn hierzulande vor allem unter seinem HipHop-Namen Marteria. Er steht für Conscious-Rap mit Kampfkraft und Sprachwitz. Auch sein neues Album Roswell kommentiert den Irrsinn da draußen aus entspannt linker Perspektive. Ein Interview über Aliens im eigenen Land, politische Musik und was Lego einst aus ihm gemacht hat.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Marten, wer sich dein neues Albums anhört, könnte meinen, du glaubst an Außerirdische.

Marten/Marteria: Nein, ich bin eher Fan von Real Life als Science Fiction. Ein guter Indikator dafür ist zum Beispiel, was ich am Kind am liebsten aus Lego gebastelt hab. Damals gab es zwar noch nicht diese megakrassen Fantasiewelten von heute. Aber auf der riesigen Platte, die mein Vater mir gebaut hat, stand eine stinknormale Stadt mit Polizei, Feuerwehr, Wohnhäusern. Es gab sogar einen Vorort, wo man viel Fahrrad fuhr. Mein bester Freund hingegen, der damals schon diese komplizierten Sachen von Lego-Technics hatte, ist DJ geworden.

Lego hat aus dir den Rapper gemacht, der du bist?

Ein bisschen schon. Vermutlich kann man an jeder Biografie ablesen, von welchem Spielzeug sie in der Kindheit geprägt wurde. Und wenn mich jetzt Dinge mit einem Hauch von Science Fiction interessieren, sind sie wie E.T. voll in der Realität verwurzelt.

Wie kommt es dann, dass nicht nur der Albumtitel Roswell an die berühmte UFO-Sichtung vor 70 Jahren erinnert, sondern die ersten drei, vier Tracks alle von Aliens handeln?

Weil ich doppelte Böden mag. Im Englischen sind Aliens ja auch ganz allgemein Fremde oder wie ich es auf der Platte ausdrücken möchte: Außenseiter. Das kenne ich gut aus meiner eigenen Jugend in Rostock; als Teil einer HipHop-Szene wie ich da echt ein Alien, so wie man es als 17-jähriger Deutscher in New York war. Da geht es gar nicht um grundsätzliches Anderssein, sondern auch Andersfühlen.

Geschieht dir das heutzutage noch im vertrauten Umfeld oder nur in der Ferne?

Als krasser Außenseiter sehe ich mich eher selten, aber wenn ich international auf Reisen bin, bin ich das halbe Jahr lang ein Ausländer. Als ich im Dezember in Angola war, fast direkt vom Flugzeug aus auf einen Jeep gesprungen bin, um mit drei Einheimischen zu angeln, war das ein echter Alien-Moment. Da muss man sich akklimatisieren und wenn möglich verbrüdern, um nicht außen vor, sondern Teil von etwas zu sein. Auch darum geht es in Songs wie Roswell oder Scotty, beam mich hoch.

Macht es die dadurch zu politischen Songs?

Absolut. Ich finde Musik ohne Message langweilig. Jeder Mensch hat eine Meinung, und die kann man als Musiker selbst in tanzbaren Songs wie Alien unterbringen. Umgekehrt sollte man zu politischen Liedern aber auch ein bisschen abfeiern, sonst wird es schnell öde. So gesehen glaube ich, dass Rapper für junge Fans oft die besseren Politiker sind.

Wie vermeidet man da, belehrend zu werden?

Indem ich den Zeigefinger unten lasse und einfach aufschreibe, was ich empfindet, was meiner Situation entspricht. Das beste Beispiel ist Links. Das ist kein Song für Linke, sondern für solche, die den Weg dorthin suchen und glauben, es gebe da nur einen richtigen. Ich biete Optionen an. Mein Appell geht da eher an den gesunden Menschenverstand als irgendwelche Dogmen, denn auf jeder Seite gibt es welche, die Ahnung haben und es gibt die anderen.

Zu welcher Seite zählst du dich?

Schwer zu sagen (lacht). Ich komme aus dem Neubaublock eines Landes, aus dem man nicht raus durfte, jetzt reise ich viel und entdecke die Welt – das ist eine gute Voraussetzung, sich Ahnung zu verschaffen.

Hast du das Gefühl, der deutsche HipHop schafft sich durch Rapper wie Sookee, Disarstar oder dir eine Flanke von links, die es jenseits von Spaß und Gangsta nicht gab?

Ich möchte mich da mit niemandem in eine Reihe stellen, schon weil du politisch auf der richtigen Seite stehen und trotzdem unfassbar nervig sein kannst. Das ist halt auch Geschmackssache. Ich finde, Musik muss und sollte manchmal anstrengend sein, aber trotzdem immer cool bleiben. Was mich am meisten nervt, ist herum zu heulen.

Was ist dir, wenn du wählen müsstest, bei einem Song wichtiger: Die Lyrics oder der Sound?

Was glaubst du denn?

Die Lyrics.

Daran sieht man, dass der Zugang zu Musik immer auch eine Frage der persönlichen Betrachtungsweise ist. Für mich ist ein Marteria-Song stets eine komplette Symbiose von Beats und Text, wobei es auf der vorherigen Platte sogar textlastiger, deeper war. Das entsprach damals halt meiner Lebenssituation, die ich mithilfe der Musik auch abschließen konnte.

Wenn deine Musik derart Stimmungen wiedergibt – zu welcher Art von Musik dürfte deine derzeitige Laune führen?

(lacht) Wenn sich das so exakt benennen ließe, dürfte es eine stressige Platte werden.

Auch eine wütende – angesichts der weltpolitischen Situation, die uns gerade im Griff hat?

Kommt drauf an. Wut kann ganz schön peinlich werden, deshalb sollte man sie wohldosieren. Ich hatte auf der vorigen Platte mit Bengalische Tiger daher einen sehr wütenden Song, auf dieser ist es Elfenbein, ein echter Schlüsselsong fürs ganze Album. Mir ist vor allem eins wichtig: Nichts wiederholen.

Was dir noch besonders wichtig erscheint, sind griffige Punchlines oder?

Kann man so sagen.

Zeilen wie „Ich bin Julius C & A / ich kam, sah und kaufte“…

Gute Punchline!

… poppen die so auf und werden dann in den Rest des Textes integriert oder entwickeln die sich organisch aus dem Rest der Lyrics?

(lacht) Na ja – beides ein bisschen. Marteria-Musik steht seit 2010 auch dafür, Spaß dabei zu haben, mit Wörtern rumzuspielen. So ein bisschen ist das schon unser Branding. Das geht so weit, das die Hälfte meiner Punchlines keiner versteht. Vielleicht mache ich irgendwann mal eine Lesereise, wo ich sie erkläre.

Könnte das soweit gehen, dass du die Ebenen wechselst und Bücher schreibst?

Wenn man wie ich in erster Linie schreibt, ist der Horizont offen. Aber geplant ist da nix.

Der Text ist vorab beim MusikBlog erschienen

Maximilian Brückner: Mundart & Amigos

Ich vermeide Wohlfühlzonen

Maximilian Brückner sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Umso erstaunlicher ist, dass er ständig abgründige Rolle spielt wie Alfons Zischl, der sich als korrupter Bürgermeister des Provinznestes Hindafing mittwochs im BR und vollständig in der Mediathek abrufbar von Folge zu Folge näher an den Abgrund stößt. Ein Gespräch über Lokalpolitik, Heimatdialekt und die Schönheit des Scheiterns.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Brückner, wenn Sie wählen müssen – was wäre der bislang wichtigste und wegweisendste Film Ihrer Karriere?

Maximilian Brückner: Wenn man’s genau nimmt, war das 2003 mein erster: Männer wie wir. Ich kam damals frisch von der Schauspielschule, durfte sofort die Hauptrolle eines großen Kinofilms spielen – und dann auch noch einen schwulen Fußballer. Das war mein Entrée, ich hatte sofort einen Namen, eine Agentur. Ich war drin. Drin zu bleiben ist zwar manchmal schwieriger, als drin zu sein, aber der Start war schon mal perfekt – obwohl es oberflächlich betrachtet nur eine Komödie ist.

Welchen Stellenwert hat im Vergleich da Ihr Räuber Kneißl fünf Jahre später?

Warum der?

Weil Sie darin nicht nur einen Schurken mit reiner Seele spielen, sondern auch noch in Ihrer Mundart.

Stimmt schon; witzig, dass Sie das sagen. Zuletzt hatte ich mit Pregau eine ganz ähnliche Figur in der Gegenwart, die ohne es zu wollen immer tiefer in eine kriminelle Spirale gerät. Vorm Kneißl dagegen war ich tatsächlich viel öfter die Unschuld vom Lande. Trotzdem verlaufen auch Schauspielerleben in Phasen. Vorige Woche erst stand ich als Ibsens Baumeister Solness auf der Bühne, ein älterer Herr um die 60 mit schwerer Midlife  Crisis, den jetzt halt mal ein jüngerer wie ich spielt. Meine Rollenauswahl lässt sich vermutlich darauf reduzieren, dass ich Wohlfühlzonen vermeide.

Wie jetzt, in Hindafing.

Ganz genau. Wobei der Alfons Zischl zwar wie der Räuber Kneißl Mundart spricht, aber alles andere als eine reine Seele hat. Er ist zwar kein waschechtes Arschloch, aber es ist völlig offen, wohin es ihn im Strudel aus Korruption und Vetternwirtschaft in der Provinzpolitik treiben wird.

Die kennen Sie als Dorfbewohner ja auch aus eigener Erfahrung.

Grundsätzlich wird es die in viel schlimmerer Form geben. Es ist verglichen mit meiner eigenen realen Umgebung eine heillose Überspitzung.

In der Sie selbst sogar mal kommunalpolitisch aktiv waren.

Aber wirklich nur ganz kurz und ganz pragmatisch, weil ich die Leute dort halt kannte, wie es auf dem Dorf eben so ist.

Die berüchtigte Amigo-Wirtschaft der CSU haben Sie nicht erlebt?

Nein! Deshalb hat meine Realität da draußen mit der dieser Serie auch wirklich überhaupt nix zu tun. Zumal dieser Alfons Zischl im Grunde auch gar nicht am System scheitert, sondern an all den selbst gestellten Fallen, in die er permanent hineintappt. Fernsehen kann natürlich auch in aller Ruhe funktionieren, aber die permanente Eskalation einer heillos überforderten Figur finde ich fesselnd. Zumal man ihn ständig packen, durchschütteln und da raus holen möchte.

Sie empfinden scheinbar große Sympathie für diese Figur?

Es ist ja das Geheimnis jeder schlüssigen Filmfigur, dass das Publikum selbst dann Empathie empfindet, wenn sie abgründig ist. Nehmen Sie Francis Underwood in House of Cards, bei dem das Publikum mit fiebert, ob er es ganz nach oben schafft, obwohl das ein skrupelloser Zyniker ist, der für sein Ziel sogar tötet. Da ist es doch kein Wunder, wenn man den kleinen Zischlaus Hindafingmag. Wobei mir anders als Kevin Spacey bei dessen Figur auch wichtig war, das Menschliche an meiner herauszuarbeiten. Eigentlich will er das Gute, aber die Gier ist stärker und der Drang, aus dem Schatten des übermächtigen Vaters herauszutreten.

Kennen Sie das als ältestes von acht Geschwistern, sich behaupten zu müssen?

Nein. Wir sind zwar alles andere als stets harmonisch; das schafft man ja nicht mal in Zweierbeziehungen. Aber die Grundlage ist solide genug, um bei allen notwendigen Auseinandersetzungen am Ende immer gut miteinander klarzukommen.

Sie wohnen immer noch mit zwei Brüdern auf dem Bauernhof?

Brüder ja, Bauernhof klingt jetzt zu sehr nach Landwirtschaft. Wir haben ein bisschen Kleinvieh, das war’s.

Apropos Kleinvieh: Warum läuft Hindafing eigentlich im kleinen Dritten, nicht im großen Ersten Programm?

Weil es in seiner Besonderheit hervorragend auf diesen Sendeplatz passt. Am Anfang geht es ja noch gemächlich los, aber mit jeder weiteren Folge nimmt alles so absurd Fahrt auf, dass es für die ARD vielleicht etwas zu wild ist.

Suchen Sie als Hauptrollenschauspieler manchmal gezielt nach solchen Abseiten?

Ich suche weder das eine noch das andere, schließe aber auch nichts aus. Nachdem ich zum Beispiel Martin Luther gespielt habe, mache ich jetzt ein Low-Budget-Projekt fürs Kino. Dabei bin ich mir allerdings auch des riesigen Glückes bewusst, diese Wahl zu haben.

Nutzen Sie die auch, um Ihre Bandbreite zu erweitern?

Ich drehe jedenfalls ganz bestimmt keine schlecht geschriebene Komödie, weil ich jetzt grad was mit Humor zur Primetime brauche. Dann mach ich lieber weiter gute Krimis, danach besteht hierzulande ohnehin ständig Bedarf, gerade in meinem Alter. Oder ich spiele Theater, um mich wieder mehr der Gefahr auszusetzen, auf die Schnauze zu fallen. Das ist mir mal mit Schillers Die Räuber passiert, hat mich aber eher angestachelt, wieder aufzustehen und weiterzumachen. Solange dich die Niederlage nicht zerstört, macht sie dich im Gegensatz zum Erfolg nur stärker.

Lesen Sie Kritiken?

Manchmal ja, besonders die schlechten. Auch wenn mir Lob natürlich gut tut.