Rohrbomben & Freiheitsaufbruch

Die Gebrauchtwoche

22. – 28. Oktober

Mimimi. Als sich Kai Gniffke und Peter Frey aufs Podium einer AfD-Diskussion in Dresden zum Thema Medien gesetzt haben, war von vorneherein klar, dass die zwei Informationsverantwortlichen von ARD und ZDF keinerlei Verständnis vom Publikum erwarten durften. Ihren Hinweis darauf, dass deren Reporter auf Pegida-Demos bedrängt, gestoßen, ja attackiert wurden, mit dem lautmalerischen Begriff für „nun stellt euch mal nicht so an“ zu beantworten und dafür kein Widerwort der Veranstalter zu ernten, zeigte allerdings, wie sinnlos es scheint, mit Rechten über Grundrechte wie die Pressefreiheit zu reden.

Mimimi. Das war auch der Tonfall, den Donald Trump kurz nach ein paar verlogenen Tweets der Anteilnahme für die Opfer mehrerer Rohrbombenbriefe auf seine politischen Gegner inklusive des liberalen Networks CNN anschlug. Denn gleich danach schaltete der Populist im Präsidentenamt wieder auf Angriff und machte die Medien selbst verantwortlich. Eigentlich wäre „Mimimi“ zumindest intern aber auch die übliche Reaktion deutscher Sicherheitsbehörden auf den grotesken Mord am regimekritischen Zeitungskolumnisten Jamal Kashoggi gewesen. Schließlich verhindern selbst die schlimmsten Menschenrechtsverstöße des saudischen Regimes keinen noch so heiklen Waffenverkauf.

Es ist also, das zeigte sich vorige Woche wieder sehr anschaulich, insgesamt keine allzu gute Zeit für Anstand, Diskurse, Kompromissbereitschaft, wenn deren erklärter Feind die Zerstörung aller Werte des demokratischen Miteinanders zum Inhalt der politischen Kommunikation macht. Wir befinden uns da scheinbar auf dem Rückweg in eine Ära, die Netflix als eine von gleich fünf deutschen Serien fiktionalisieren will: In Die Barbaren kämpft das Römische Reich 2019 vergeblich gegen Germanen im Norden. Darüber hinaus geht es beim Streamingdienst um junge Online-Drogendealer und eine Zukunftsdystopie, was jetzt auch alles nicht so hoffnungsfroh auf morgen blicken lässt.

Die Frischwoche

29. Oktober – 4. November

Blicken wir also auf heute, wo das ZDF um 20.15 Uhr nach gestern sieht, genauer: ins Jahr 1971, als der berühmte stern-Titel Frauen zeigte, die – damals noch illegal – abgetrieben haben. Nach dem Drehbuch dreier Autorinnen fiktionalisiert Isabel Kleefelds Emanzipationsmelodram Aufbruch in die Freiheit eine davon, die der Enge ihrer dörflichen Heimat Richtung Großstadt entflieht und von dort aus um Gleichberechtigung kämpft. Klingt nach öffentlich-rechtlicher Wohlfühlsülze, ist dank Anna Schudt in der Hauptrolle jedoch ein gelungenes Beispiel, wie man Emanzipation ohne Peinlichkeit nachstellen kann.

Nicht ganz so emanzipiert, aber vielfach peinlich ist dagegen ein Filmformat, das am Dienstag 25. Geburtstag im ZDF feiert: Rosamunde Pilcher. Jenseits aller Emanzipationsfragen, aber so peinlich, dass es längst lächerlich ist, agiert morgen zur besten Sendezeit mal wieder die ARD, indem sie das sportlich irrelevante Pokalspiel des FC Bayern gegen einen Tiefstligisten überträgt und damit weiter schön das Festgeldkonto der öffentlich-rechtlichen Cashcow mästet. Als Kontrastprogramm bietet sich tags zuvor die Nitro-Serie FC Arbeitslos an, die sechsmal Profifußballer auf Jobsuche zeigen.

Derweil macht sich RTL lächerlich, weil es am Mittwoch ausgerechnet den berlinernden Blondinenwitz Mario Barth Die Wahrheit über Mann und Frau erkunden lässt, während die US-Serie 9-1-1 zeitgleich auf Pro7 unfreiwillig komisch andeutet, dass amerikanische Sicherheitskräfte vorwiegend wunderschön, völlig selbstlos und wahnsinnig emotional sind. Und wo wir beim Thema Peinlichkeiten sind: Ab Donnerstag begibt sich das Zweite abermals ins Gebirgspanorama und macht unterm Titel Team Alpin irgendwas mit lieb und nett und denkt euch doch mal was Neues aus.

Tut also, das was Jan Böhmermann tut, wenn er das Fernsehen immer wieder mal mit kreativem Entertainment bereichert. Und Donnerstag lässt es das ZDF sogar aus seiner Neo-Nische ins Hauptprogramm, wenn dort um 23 Uhr die Entblößungsshow Prism is a Dancer startet, in der er die Facebook-Profile seiner Zuschauer hackt. Ansonsten noch empfehlenswert: Sylvester Groth und Sunnyi Melles als Wilhelm Zwo nebst Gattin im Historiendrama Kaisersturz (Mittwoch, 20.15 Uhr, ZDF). Auch der Gruselthriller Jenseits des Spiegels im NDR kann sich tags drauf um 22 Uhr sehen lassen. Und was Video-Portale freitags in Serie schicken, neigt ohnehin oft zur Güte. In Homecoming etwa behandelt Julia Roberts als Psychotherapeutin Kriegsheimkehrer bei Amazon Prime, auf Sky geht House of Cards dann ohne Kevin Spacey ins Finale.

Kolumnenfinale: Die Wiederholungen der Woche. Als Tatort im Angebot: Bomben für Ehrlicher, (Montag, 20.15 Uhr, MDR), wo Peter Sodann 1996 ins Fadenkreuz eines Bankraubs geriet. Ebenfalls heute um 23.35 Uhr auf Arte, allerdings in Schwarzweiß: Shooting Stars, eine digital grundüberholte Dreiecksgeschichte von 1928. Etwas farbiger drei Stunden zuvor auf gleichem Kanal: Michael Douglas in einer seiner ersten Hauptrollen als Kameramann im Atomkatastrophen-Klassiker Das China-Syndrom von 1979. Ein Jahr älter und geradezu quietschebunt am Samstag um 20.15 Uhr auf SuperRTL: John Travoltas zweiter Streich als tanzender Frauenheld im Kinomusical Grease.


Barbara Morgenstern: Nostalgie & Zukunft

Ihr sollt schon bisschen rätseln

Mit gut einem Dutzend teils hochgelobter Platten in verschiedenen Zusammenhängen hat sich Barbara Morgenstern zu einer der wichtigsten Indie-Musikerinnen im Land gemausert. Selbst das Goethe-Institut hat sie dafür schon mal auf Welttournee geschickt. Ihr neues Album zeigt dabei aufs Neue, warum sich die 47-Jährige Autodidaktin aus Hagen nach ihrem Gründungsbeitrag zur Hamburger Schule fast zwei Drittel ihres Lebens am Puls des Pop befindet: Selten zuvor sind Nostalgie und Moderne so elegant verschmelzen wie auf Unschuld und Verwüstung.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Barbara, gibt es aus deiner Sicht so etwas wie zeitgenössische Musik?

Barbara Morgenstern: Oha, das ist ja mal ‘ne Steilvorlage in die Metaebene. Inwiefern zeitgenössisch?

Insofern, ob Musik eine Art zeitlichen, also historischen Kontext hat, von dem sie sich nicht abkoppeln lässt.

Aus der Gegenwart betrachtet, gibt es da bestimmt zeitgenössische Musik. Wenn ich mir Hayti anhöre oder diese ganzen Trap-Geschichten, gehören die schon rein technisch exakt in den Kontext der Epoche. Aber jede Zeit hat zugleich Musik, die sie überdauert.

Hat deine Musik das Potenzial, sich vom Kontext ihres Entstehens zu lösen?

Ich hoffe, würde sie aber diesbezüglich als Hybrid bezeichnen. Ich mache mir über den Klang eines Albums sehr lang Gedanken und bin immer bereit, die vorhandene Technik dafür so auszureizen, dass alles relativ modern und zeitgenössisch klingt. Dazwischen aber gibt es immer auch Stücke mit Piano oder Akkordeon, die sich davon abkoppeln und zeitlos werden.

Ist es also gewollt, dass deine Alben meist zugleich nostalgisch und futuristisch klingen?

Schon, klar. Mein Sound ist zwar zu kleinteilig und die Stimme zu brüchig für die Ewigkeit, aber wer Musik macht, hat immer das Bedürfnis, Songs zu schreiben, die bleiben und zugleich die Gegenwart zu spiegeln. Ich überlege mir bei jedem Album, welche Art Keyboard im Vordergrund stehen soll. Wenn die Wahl wie bei Unschuld und Verwüstung auf Harmonium oder Piano fällt, deckt es naturgemäß eng gefasste Musikepochen ab, was durch das orchestrale Element eines Saxofons noch verstärkt wird. Die Elektronik hingegen ist voll im Hier und Jetzt, da ist es mit dem abgenutzten Begriff Neoklassik also nicht getan.

Hast du dafür irgendwelche Referenzgrößen, vielleicht gar Vorbilder?

Nee, da bin ich schon ganz bei mir selbst. Deshalb höre ich im Entstehungsprozess auch möglichst wenig Musik von anderen.

Ist es daher Zufall, dass die Platte an Christoph Schreuf erinnert, Die Heiterkeit oder Kante?

Dass Kante bei mir einfließt, ist sicher kein Zufall, so viel wie ich die gehört habe. Ich fühle mich allein schon deren Harmonik verbunden, dem Opulenten, Orchestralen. Und natürlich beeinflusst mich auch ein Christof Schreuf, aber weder gewollt noch geplant.

Was beide mit dir verbindet, ist in jedem Fall die manchmal verschrobene Poesie der Texte. Lassen sich die dechiffrieren oder wollen sie gar nicht wirklich verstanden werden?

Also ich könnte dir jeden Text erklären, jede Zeile hat eine konkrete Bedeutung.

Nehmen wir zum Beispiel Angel’s Whisper – ich habe versucht dahinter den tieferen Sinn zu entdecken, bin aber gescheitert.

Angel’s Whisper heißt ein Wein, den ein Freund bei einer Weinprobe getrunken hat und danach gestorben ist.

Krass! Aber nicht am Wein?!

Man weiß nicht, warum. Im Song Revue lasse ich Revue passieren, was das Ereignis mit mir zu tun hat, mit meiner Tochter, mit ihm und erhoffe mir somit einen Zugang zum eigenen Umgang damit.

Aber schon so verrätselt, dass es Hörern nicht sofort klar wird, worum es geht?

Ihr sollt schon ein bisschen rätseln und im Idealfall sogar eigene Deutungen des Liedes finden. Ich erlebe es oft, dass Leute mich mit ihrer Interpretation eines Songs überraschen. Bei Teil 1 oder Teil 2 zum Beispiel kam jemand nach dem Konzert zu mir und meinte, da ginge es doch um Beziehung. Das tut es nicht, aber die Interpretation ist absolut denkbar.

Kann es sogar sein, dass die Interpretation anderer auch dir selbst neue Perspektiven auf deine Songs und ihre ursprüngliche Bedeutung ermöglicht?

Kann sein und ist jedesmal toll!

Geht es denn in Brainfuck tatsächlich um Depression?

Es geht zumindest ums Gedankenkarussell, in dem man nachts sitzt, wenn man nicht aufhören kann, zu grübeln.

Man oder du?

In diesem Fall singe ich tatsächlich von mir, auch wenn Texte oft Freunde vor Augen haben. Aber grundsätzlich sind meine Texte immer autobiografisch; ohne Bezug zur Person, die sie singt, fällt es Musik aus meiner Sicht schwer, wirklich zu berühren. Wenn man es gut zu lesen versteht, kann man mir durch meine Songs schon sehr nahe kommen.

Führst du am Ende Therapiegespräche mit deinem Publikum?

So weit würde ich nicht gehen. Die Leute sollen an meine Gedanken andocken können und sich im Bestfall darin wiederfinden, Therapie klingt so nach Dienstleistung. Als meine Tochter neulich fragte, wann ein Musikstück eigentlich gut sei, meinte Gudrun Gut, wenn es von mir erzählt. Dem ist nichts hinzuzufügen, so musiziere ich mein Leben lang – zunächst unbewusst, später bewusst.

Was treibt dich an, dieses Mitteilungsbedürfnis mittlerweile mehr als die Hälfte deines Lebens in Musik zu gießen?

Abwechslungsreichtum. Außerdem entwickelt sich meine Persönlichkeit weiter und setzt dabei einerseits neue Themen. Andererseits ist es mir wichtig, die Stufen dieser Entwicklung sichtbar zu machen. Wenn mir jemand mit 50 erzählt, wie toll seine Partys sind, finde ich das uninteressanter als seinen reflexiven Umgang mit diesem Lebensabschnitt. Deshalb stehe ich auf Joni Mitchell, deren Lieder von ihrem Leben in der Zeit erzählen, in der sie es lebt.

Also keine Wunschvorstellungen oder Sehnsüchte.

Genau. Da geht es zurück zur Eingangsfrage nach den Schnittmengen von Nostalgie und Gegenwart, immer vermittelt durch eine gewisse Art Sprache, die mir am Herzen liegt.

Zum Beispiel?

Etwa, dass ich in Wortschatz die Verrohung öffentlicher Diskurse beklage, in denen Begriffe wie „Volksverräter“ oder „Asyltourismus“ plötzlich sagbar sind, das aber nicht offen ausspreche, sondern singe: „Und der Wortschatz verlässt den Salon / schlägt sich an den Kopf und verliert die Fasson“.

Könntest du entlang deiner Alben eine Art Autobiografie schreiben, die sämtliche Stationen deiner Entwicklung beinhaltet?

Natürlich.

Aber entsteht bei so viel Bedeutsamkeit nicht manchmal das Bedürfnis, ganz belanglosen Trallalla-Punkrock zu machen, ohne Tiefgang, einfach Spaß?

Ach, ich mache ja genügend Sachen abseits der Solo-Platten, wie meinen Chor in Berlin, Kindertheater, Tausend Kollaborationen, konkret plane ich ein Instrumental-Album mit meinem Saxofonisten – alles natürlich auch, um mal ein Stück weit von mir wegzutreten, aber nicht aus irgendeiner Not heraus, sondern weil es mir ein Freudenquell ist.

Du hast also nachts keinen Brainfuck, weil du mit dir und deinem Leben nicht im Reinen bist?

Im Gegenteil. Mein Kopf ist manchmal einfach so voller Ideen, dass tagsüber nicht genug Zeit bleibt, ihn auszuleeren. Mir geht’s gut.


Jürgen Vogel: Blochin & The Team II

Sonst stirbt das Gefühl ab

Die internationale Koproduktion The Team (Foto: Quellenangabe: ZDF/Miklos Szabo) geht derzeit auf Arte und im ZDF in die 2. Staffel. Und wieder ist der vierteilige Thriller furchtbar missraten – daran kann auch Jürgen Vogel bei aller Mühe nichts ändern. Ein Gespräch über seine Sehnsucht nach Zuschauern, die Synchronisation der eigenen Figur, Tatort-Pläne und was The Team 2 mit Pilcher zu tun hat.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Jürgen Vogel, wissen Sie wer nächste Woche 25. Geburtstagstag feiert?

Jürgen Vogel: Nee, wer denn?

Die Rosamunde-Pilcher-Reihe im ZDF!

[lacht] Echt, so lang gibt’s die schon?

Seit 1993. Irgendwelche Geburtstagsgrüße nach Mainz und Cornwall?

Dafür weiß ich zu wenig darüber, aber wie kommen Sie jetzt auf Pilcher?

Weil ich Sie fragen wollte, was The Team II wohl mit einer Pilcher-Verfilmung zu tun haben könnte.

Außer, dass wir auf dem gleichen Sender laufen nicht allzu viel, hoffe ich.

Wo auch immer sich die Figuren beider Reihen in der Welt aufhalten – alle sprechen dort absolut akzentfreies Hochdeutsch miteinander…

Na, das macht die Frage jetzt doch mal interessant. Ich musste mich selbst ja für die deutsche Fassung synchronisieren und habe mir da wirklich große Mühe gegeben, ein bisschen weniger künstlich zu klingen und nicht immer alles ganz klar zu prononcieren. Sonst stirbt das Gefühl ab. Trotzdem finde ich es insgesamt furchtbar, alles zu übersetzen. Es läuft in Belgien in Originalfassung…

Also Französisch, Englisch, Deutsch, Dänisch.

Es läuft in Dänemark in Originalfassung. Es läuft zum Glück – bitte schreiben Sie das auf – in der Mediathek in Originalfassung. Wo es nicht in Originalfassung läuft, ist im Zweiten. Dazu muss man allerdings wissen, dass das ZDF zu keinem Thema mehr böse Leserbriefe kriegt als bei schwer verständlichem Ton. Weil das Stammpublikum schon etwas älter ist und daher oft nicht mehr ganz so gut hört, beklagt es sich sehr laut darüber, wenn der Sound nicht supersteril und deutlich ist. Das finde ich okay, aber überhaupt nicht zeitgemäß. Weil es meinen Geschmack nicht trifft, empfehle ich wärmstens die Online-Version mit deutschen Untertiteln.

Vor Ihrer Titelrolle Blochin meinten Sie, der Weltmeister in Sachen Filme zu sein, die gut sind, aber keiner sieht. Sind das dann so die Kompromisse eines Schauspielers, der auch mal von einem Millionenpublikum erlebt werden will?

Ach, jeder macht doch gerne mal was fürs breite Publikum, sofern die Bücher gut sind. Und diese hier sind es, das Thema Kunsthandel und Terrorismus ist spannend, meine Figur darin auch, sämtliche Kollegen inklusive der beiden Hauptdarstellerinnen waren supernett und absolut professionell – all das hatte ich zuvor nicht nur geahnt, sondern gehofft, und wirkte sehr überzeugend auf mich. Es war zwar manchmal harte Arbeit, die Drehbuchsprache so anzupassen, dass sie nicht nach Papier und (lacht) Pilcher klingt, aber sie hat sich gelohnt.

Kannten Sie die erste Staffel denn schon, bevor sie zur zweiten gebeten wurden?

Klar, zumal mit Miriam Stein eine sehr gute Freundin mitgespielt hat. Abgesehen vom Sound fand ich das auch richtig geil. Zum einen wegen der internationalen Koproduktion, zum anderen weil ich diesen „Nordic Noir“ skandinavischer Krimis sehr mag, an denen sich die Reihe orientiert. Aber machen wir uns nichts vor: Das Arthaus-Kino ist komplett im Arsch. Nichts gegen Romantic Comedies von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer; die sind toll. Aber weil zusehends Monokultur herrscht, wandern tiefgründig erzählte Figuren von der Leinwand ins Serienfernsehen ab. Nur dort ist noch Kreativität und Vielfalt möglich – scheißegal, ob bei Netflix, Neo, Amazon oder Arte.

Das klingt jetzt eher trotzig als traurig.

Bislang sind die vielschichtigen Charaktere aus Skandinavien, England den USA hierzulande zwar noch selten, weil ARD und ZDF manchmal Angst vor der eigenen Chuzpe haben. Aber in zehn Jahren haben wir das aufgeholt. Und den Weg dahin ebnen – wie zuvor mit „Die Brücke“ – Koproduktionen, in denen das deutsche vom internationalen Fernsehen lernt. Ich sehe das als Chance. Auch für mich.

Ihre Rolle im Team ähnelt Blochin dabei ja insofern, als beide zwar ziemlich physisch und tough sind, zugleich aber äußerst empathisch und familiär.

Wobei letzterer da ständig an seinem Anspruch scheitert, während erstere höchstens ein bisschen in ihrer Patchwork-Situation festhängt.

Aber das Körperliche bleibt Ihren Rollen zueigen. Nutzt sich das nicht irgendwann ab?

Nö, ich bringe das als Typ mit und mag auch als Zuschauer ein paar Actionelemente gern.

Suchen Sie danach gezielt oder freuen sich bloß, wenn sich da was anbietet?

Suchen nicht. In meinem Beruf ist praktisch jeder grundsätzlich daran interessiert, möglichst verschiedenartige Figuren zu spielen. Zugleich hat aber jeder Schauspieler Seiten, die ihm besonders liegen und an ihm gesucht werden. Bei mir ist das neben der körperlichen Ebene eben der Humor, weshalb ich beides ein wenig mehr auslebe als alles andere.

Gibt es einen Charakter, der bislang noch gar nicht dabei war und jetzt endlich mal dran wäre?

Mich interessiert gute, intelligente Comedy, aber da bin ich mir noch nicht so ganz klar, wie ich das unterbringen kann. Ich denke da von Projekt zu Projekt.

Bleibt The Team in diesem Denken eine vierteilige Episode oder ist das auf eine Fortsetzung angelegt?

Ich fände das super und wäre sofort dabei, schon wegen der Möglichkeit, auf Englisch zu drehen. Aber momentan deutet sich da noch nichts an, die Produzenten müssen erstmal schauen, wie es sich international verkauft.

Mit dem Regisseur Matthias Glasner betreiben Sie nebenbei noch die Filmproduktionsfirma Schwarzweiß. Arbeiten Sie selber gerade daran, Ihr Portfolio zu erweitern?

Das haben wir ja mit Blochin versucht, aber wenn man sieht, wie das ZDF abgesprungen ist, zeigt sich: so richtig leicht ist es nicht, das Fernsehen zu verändern. Aber ich entwickle gerade mit Oliver Berben von der Contanstin etwas für die Zukunft.

In Kooperation mit einem Streamingdienst womöglich?

Verraten wird da noch nix.

Wenn man sich die neue deutsche Fernsehvergangenheit ansieht, wo Serien wie KDD oder Im Angesicht des Verbrechens von der Kritik gefeiert, aber vom Publikum verschmäht wurden – wie bringt man Qualität und Quantität denn bloß in Einklang?

Schwer zu sagen, denn selbst die besten US-Serien laufen auf kleinen Sendern wie Vox am Publikum vorbei. Das hat natürlich mit den starren Sendezeiten zu tun, denen die Menschen einfach nicht mehr folgen. Die Zukunft ist daher die Mediathek, wo man so gucken kann, wie es das eigene Zeitbudget erlaubt, nicht die Programmplanung. Darum muss die Einschaltquote auch dringend online gemessen werden.

Zwei Möglichkeiten gäbe es noch, im linearen Programm richtig Quote zu machen.

Na?

Fußball-Profi zu werden oder Tatort-Kommissar. Der erste Zug ist abgefahren, wie ist es mit dem zweiten?

Da gab es immer mal Anfragen, aber die waren mir bislang zu wässrig. Wenn ich den Tatort-Kommissar machen würde, müsste die Figur nach 35 Jahren im Geschäft, wo ich eher für interessante Randfiguren stehe, definitiv besonders sein. Und da rede ich jetzt gar nicht von explodierenden Autos.

Tendenz also eher Verdeckter Ermittler in Hamburg als Currywurstbude in Köln?

Zu ersterem gibt es in der Tat schon Ideen, aber die erzählen wir ein andermal…


Nordlichter: Horror & Hallervorden

Heizkessel mit Hexe

Nach zwei Liebesschwerpunkten verlegt sich die NDR-Debütfilmreihe Nordlichter aufs Gruseln und macht das drei Donnerstage lang ab 22.50 Uhr sogar (meistens) sehr gut. Selbst der dramaturgisch holprige Auftakt Tian hat heute echten Mehrwert: Der Gothic-Horror aus St. Pauli thematisiert die Räumung des Chinesenviertel auf St. Pauli durch die Nazis, was sogar für die Schulbildung taugt.

Von Jan Freitag

Manchmal muss man ganz schön weit reisen, um die eigene Nachbarschaft ein bisschen besser kennenzulernen. Damian Schipporeit zum Beispiel ist erst bei einem Besuch in Shanghai aufs Chinesen-Viertel seiner Wahlheimat Hamburg gestoßen und sofort hellhörig geworden. Zurück in St. Pauli machte sich der Regisseur mit dem befreundeten Drehbuchautor Georg Tiefenbach auf die Suche nach der fernöstliche Enklave im hanseatischen Rotlichtbezirk, wurde ums Eck der Großen Freiheit fündig und bastelte daraus sein Langfilmdebüt. Genau hier nun könnte die Geschichte zu handelsüblichem Historytainment des Unterhaltungsfernsehens verflachen. Einer deutsch-asiatischen Lovestory zum Beispiel mit exotischem Flair am fotogenen Handelsplatz Hamburg.

Sehr hübsch.

Das ortsansässige Duo aber hatte etwas völlig anderes im Sinn: Einen Grusel-Thriller. Und es fand sogar einen Fernsehsender zur Realisierung: Den NDR. Dort nämlich hatte der zuständige Abteilungsleiter Christian Ganderath grad beschlossen, die Debütfilmreihe „Nordlichter“ nach zwei Liebesschwerpunkten mal zu mystifizieren. Obwohl Fiktion zum Gruseln meist aus Amerika importiert wird, erzählt Ganderath beim Pressetermin im Horror-Museum Hamburg Dungeon, reichen ihre deutschen Wurzeln „bis tief in den expressionistischen Stummfilm hinein“. Und so wurde Tian, wie Schipporeits Erstlingswerk heißt, zum Auftakt schauriger Eigenproduktionen, die ab heute donnerstags im Dritten laufen.

Der Bauingenieur Michael (Stephan Kampwirth) zieht darin mit Frau und Tochter in die real existierende Schmuckstraße, wo die Gestapo 74 Jahre zuvor das missliebige, weil „unarische“ Chinesenviertel geräumt hat. Im verwitterten Altbau wohnt allerdings nicht nur Michaels Schwiegervater Heinrich (Hermann Beyer), sondern auch eine Schar Geister der getöteten Opfer, mit denen besonders die psychisch labile Friederike (Katharina Schüttler) zu kämpfen hat. Tian, zu Deutsch: Himmel ist klassischer Gothic-Horror im Poltergeisterhaus, was die Netflix-Serie The Haunting of Hill House gerade dezent schaurig zur Perfektion führt. Im NDR jedoch werden Suspense und Tiefgang ein wenig zu oft durch dräuende Musik und zischende Heizkessel ersetzt, weshalb das zweite Nordlicht am 1. November weitaus sehenswerter ist.

In Jenseits des Spiegels zieht Julia mit Mann und Sohn auf den abgelegenen Hof ihrer verstorbenen Schwester Jette, die nach dem vermeintlichen Suizid offenbar noch immer durchs verwunschene Anwesen spukt – oder tut sie es nur im Kopf der schönen Neubewohnerin? Anders als „Tian“ gelingt es dem Hannoveraner Regisseur Nils Loofs zweiter Spielfilm nach dem Drehbuch von Ingo Lechner und Jens Pantring, die rätselhafte Atmosphäre (fast) frei von Effekthascherei aufzuladen. Julia Hartmann und Bernhard Piesk gelingt es zudem als – fürs Provinzleben etwas arg urbanes – Paar Normalität im Wahnsinn zu bewahren. Ähnliches gilt dann auch für den dritten Film der Reihe namens Wo kein Schatten fällt.

Das Debütprojekt des Kreativteams „Das Kind mit der goldene Jacke“ um Regisseurin Esther Bialas ist eine Art Coming-of-Age-Story der jungen Hanna (Valerie Stoll) die im Moor ihrer Ahnen erkennt, dass sie eine Art Hexe ist. Mit Godehard Giese, Rick Okon und Sascha Alexander Geršak bis in die Nebenrollen hinein prominent besetzt, beschränken sich die 95 Minuten allerdings nicht auf die mythologischen Aspekte moderner Magie, sondern verknüpfen sie – manchmal etwas bemüht popmodern, aber gehaltvoll – mit Themen wie der Unterdrückung weiblicher Emanzipation, die mit der Hexenverfolgung ja keinesfalls ihr Ende nahm.

Würde der NDR die Reihe am 15. November nicht absurderweise mit der völlig unmysteriösen Dieter-Hallervorden-Komödie Friesisch für Anfänger vollenden – allein die Vielfalt der Gruselstoffe wären ein gutes Argument, auch hierzulande öfters mal aufs Boomfach Mystery zu setzen. Schließlich taugt es anscheinend sogar zur Erziehung. Tian nämlich, frohlocken die Macher, wird von Drehbeginn an medienpädagogisch begleitet und demnächst an Hamburger Schulen als Teil stadtsoziologischer Bildungsprojekte eingesetzt. Horror als Hauptfach mit Film plus Exkursionen – kein schlechtes Konzept, um die fernsehferne Jugend wieder ein bisschen ans alte Leitmedium zu binden.


Bayern-Tyrannei & Bodyguard-Serie

Die Gebrauchtwoche

15. – 21. Oktober

Wäre George Orwalls Animal Farm ein Freistaat, dort hieße es vermutlich, alle Menschen seien gleich, einige davon aber doch a bisserl gleicher. So dachten einst die Könige Ludwig und Strauß, so denken ihre Thronfolger von Söder bis Seehofer, so halten es zwei weitere Regenten von Bavarias Gnaden: Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. In einer denkwürdigen Pressekonferenz vom vorigen Freitag forderten sie zwar die Achtung der Menschenwürde und zitierten dafür gar das Grundgesetz. Allerdings nur, um sodann zu dekretieren, es gelte natürlich ausschließlich für Aktive des FC Bayern München, an denen weder Passive des FC Bayern München noch die Presse Kritik zu üben haben.

Amen, Sakradi!

Recht fordern, Willkür säen, Sündenböcke suchen, Gegner einschüchtern – was Despoten halt so machen, wenn sie ihre Despotiebedroht sehen. Das mag man angesichts der notorischen Würdeverletzung anderer (Özil oder Bernat)durch „große Demokraten“ (Hoeneß über Hoeneß) als realsatirischen Anflug altersstarrsinniger Unzurechnungsfähigkeit ansehen – würde dieser Angriff in Zeiten, da die Pressefreiheit überall unter Beschuss gerät und missliebige Reporter in Botschaften ermordet werden, nicht so erschreckend an populistische Potentaten wie Orbán oder Putin erinnern.

In dem Licht darf man daher durchaus auch die Forderung der Medienstaatssekretäre von Brandenburg und Schleswig-Holstein sehen, öffentlich-rechtliche Medien müssten „Profil gewinnen, sich stärker auf Information, Bildung, Beratung sowie Kultur fokussieren“. Es gebe schließlich keine Legitimation dafür, „mit dem Geld der Beitragszahler die Preisspirale der Übertragungsrechte im Profisport, insbesondere im Fußball, in schwindelerregende Höhen zu treiben“, schrieben Thomas Kralinski und Dirk Schrödter im Vorfeld der Tagung der Rundfunkkommission am Mittwoch. Sowas treibt dem vorbestraften Wurstmillionär aus Ulm zwar nicht die gleiche Zornesröte ins Gesicht wie vier sieglose Partien. Aber an Hoeneß‘ Allmachtanspruch kratzt es schon.

Am Allmachtanspruch analoger Medien alter Schule kratzt derweil Monat für Monat für Monat der Digitalrevoluzzer Netflix, dem im vergangenen Quartal sieben Millionen neue Nutzer zuteilwurden – ein Drittel mehr als kalkuliert. Und obwohl der betriebswirtschaftlich verschwiegene Konzern offenbar dennoch rote Zahlen schreibt, investiert er damit weiterhin fleißig in Content, vornehmlich Serien.

Die Frischwoche

22. – 28. Oktober

Ab Mittwoch zum Beispiel verlegt Bodyguard Whitney Houstons Bewachung durch Kevin Kostner ins britische Politik-Milieu, also dorthin, wo Personenschutz mehr ist als Eheanbahnung mit Actionelementen. Die Fortsetzung von Babylon Berlin beweist zwar am Donnerstag im Ersten, dass Serien auch aus deutscher Produktion gehaltvoller sein können als parallel dazu Lena Lorenz im ZDF. Dort allerdings setzt man am Ende doch immer noch am liebsten auf Heino Ferchs monolithische Fünfzigerjahre-Mimik, mit der er den Montagskrimi Ein Kind wird vermisst verödet. Oder auf den neuen Samstagskrimi Schwartz & Schwartz um zwei – hey! – grundverschiedene Ermittler, von denen der junge Golo Euler immerhin die Rolle mit dem arrivierten Devid Striesow tauscht und den biederen Familienvater im Clinch mit seinem flatterhaften Bruder spielt.

Das erste feiert tags zuvor zum 750. Geburtstag der Filmreihe derweil die lange In-aller-Freundschaft-Nacht und liefert damit ein neuerliches Argument, doch lieber das Internet in Erwägung zu ziehen, wo funk ab Mittwoch seine drollige Sitcom Klicknapped um zwei getrennte Youtuber zeigt, die ein Fan durch Entführung wieder zusammenbringen will. Unterhaltsam lehrreich ist derweil das heutige ARD-Dokudrama Die Aldi-Brüder, obwohl Aufstieg und Zerwürfnis der zwei Multimilliardäre, gespielt von Arnd Klawitter und Christoph Bach, weit mehr thematisiert werden als Lohndumping, Verpackungswahn, Preiskrieg oder die Verödung der Innenstädte durchs Discounter-Imperium. Alles Dinge, die auch bei der Hessischen Landtagswahl am Sonntag eine Rolle spielen sollten, ginge es live im Ersten und Zweiten (die Privatsender sind, hüstel, jetzt nicht sooo interessiert an Faktenfernsehen) nicht vor allem um die Berliner Groko und Flüchtlinge allüberall…

So bleibt als einzig ansehnliches Format des linearen Programms die Debütfilmreihe Nordlichter. Ab Donnerstag um 22.45 Uhr zeigt der NDR drei eigenproduzierte Horrorfilme junger Regisseure. Den Auftakt bildet Damian Schipporeits Erstlingswerk Tian über ein mystisches Geheimnis im ehemaligen Chinesen-Viertel von St. Pauli. Das Besondere: der Film ist Teil einer medienpädagogischen Initiative zur Stadtteilkultur und wird an Hamburger Schulen gezeigt – was tatsächlich helfen könnte, junge Zuschauer ans alte Medium zu binden. Das dürfte mit den Wiederholungen der Woche eher nicht so gut gelingen. Sehenswert sind sie dennoch.

Etwa John Frankenheimers Schwarzweiß-Klassiker Der Mann, der zweimal lebte von 1965 mit Rock Hudson als Banker, der seine Midlife-Crisis für viel Geld mit einer komplett neuen Identität bekämpft (Montag, 22.05 Uhr, Arte). In Farbe läuft vier Tage später auf gleichem Kanal um 23.10 Uhr Wes Cravens Horror-Frühwerk Hügel der blutigen Augen, in dem es eine Familie 1977 mit den Opfern amerikanischer Atomwaffenversuche in der Wüste Kaliforniens zu tun kriegt. Der Tatort-Tipp Jetzt und alles stammt heute (20.15 Uhr) im MDR aus dem Jahr 1994, als der Fall verunglückter Crash-Kids, in dem die Ost-Kommissare Kain & Ehrlicher ermitteln, gerade bundesweit den Boulevard erzürnte.


Nico Hofmann: Amazon & Deutschland 86

Mir geht’s um den Brennmoment

Seit er vor 20 Jahren erst als Regisseur, dann als Produzent das deutsche Fernsehen von Autorenkino auf Eventmehrteiler gekrempelt hat, beeinflusst Nico Hofmann (Foto: Ufa/RTL) sein Medium mehr als jeder andere in Fernsehland. Für die Fortsetzung der RTL-Serie Deutschland 83 hat er nun Amazon ins Boot geholt, wo sie ab heute ins Jahr 1986 verlegt wird. Ein Gespräch mit dem 58-jährigen UFA-Chef über globale Zusammenarbeit und dramaturgische Herzensangelegenheiten.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Nico Hofmann, wenn heute Abend die Fortsetzung von Deutschland 86 startet – sieht man der Serie an, dass es nicht vom deutschen Fernsehsener RTL, sondern dem amerikanischen Streamingdienst Amazon verantwortet wird?

Nico Hofmann: Ob man es an der Ästhetik sieht, weiß ich nicht. Aber es ist ganz sicher so, dass es im Rahmen der erzählerischen Konzeption von Anna und Jörg Winger mit ihrer Verlagerung des Geschehens nach Südafrika und Libyen, mit mehr politischer und dramaturgischer Radikalität, mit dieser spielerischen, fast tarantinohaften Persiflage von Actionelementen vom Auftraggeber eine Art von Freiheit erfordert, die Amazon wahrscheinlich eher gewährt als lineare Fernsehsender. Ich erinnere mich gut ans „Macht mal!“ von Prime-Chef Christoph Schneider. Das war ein toller Moment für uns als UFA und mich als alter Hase.

Zugleich beinhaltet des „Macht mal!“ offenbar die Erlaubnis, ruhige Handlungsstränge von Deutschland 83 drei Jahre später mit allerlei Bombast zu füllen. Ist das die Steigerungslogik internationaler Koproduktionen, um weltweit zu funktionieren?

Nein. Zu Beginn, in Afrika, mag es vielleicht mehr Action geben, aber das ist ganz klar der Dramaturgie geschuldet. Sicherlich wird das Meinungsspektrum durch die Fangemeinde dieses Formats in fast aller Welt enorm erweitert. Weil die Autorin Anna Winger nicht vom ZDF-Hauptabend, sondern vom amerikanischen Serienfernsehen kommt, ist der Look natürlich international. Dennoch gibt es keine Steigerungslogik, im Gegenteil: Das serielle Überangebot sorgt für eine immer rigidere Eingrenzung der Themen und ihrer Darstellungen. Als Zuschauer breche ich selbst ja nach einer Folge ab, wenn sie mittelmäßig und durchschnittlich unterhalten will. Die weltweite Konkurrenz sorgt daher verglichen mit dem engeren deutschen Markt dafür, dass man hervorstechen muss. Aber da hat sich dadurch auch schon vieles geändert.

Dummerweise hat das besonders der enge deutsche Markt mit miesen Einschaltquoten für Deutschland 83 honoriert.

Offenbar gibt es bei uns ein Verständnis davon, wie historische Fiktion auszusehen hat – was bestimmt auch durch unsere Produktionen geprägt wurde. Mit Die Flucht hat Deutschland 86 nichts zu tun, und Anna Winger findet vieles von dem, was ich einst öffentlich-rechtlich gemacht habe, eher konservativ. Für jemanden, der Geschichte im Fernsehen wie das deutsche Publikum, sehr didaktisch kennt, ist die Serie eher außergewöhnlich – meine Eltern inklusive. Im Ausland dagegen ist Deutschland 83 sensationell gelaufen. Als erste deutschsprachige Serie überhaupt lief die erste Staffel zuerst auf einem US-Kabelsender und erzielte bei Sundance überragende Marktanteile, auf Channel 4 in Großbritannien war es das stärkste nichtenglische Format seit Jahren. Aus dem Ausland  kamen deshalb früh Signale, das Format fortsetzen zu wollen.

Ist Amazon demnach auf die UFA zugekommen?

Die Initiative ging von der UFA aus, aber eigentlich sind beide gemeinsam aufeinander zugekommen. Wir haben ja auch in den Jahren zuvor – wie andere Produzenten – viel gepitcht bei Prime-Video. Als Anna und Jörg dann ihr Fortsetzungskonzept entworfen haben, war relativ schnell klar, dass dessen Radikalität für ein deutsches Privatprogramm allein nicht machbar war – zumal die neue Staffel deutlich teurer ist als die erste. Umso schöner war die Begeisterung von Christoph Schneider, das gemeinsam mit Fremantle, RTL und der UFA zu machen.

Kann man sich die Verhandlungen der vier dann als runden Tisch vorstellen, an dem jeder seine Wünsche und Vorstellungen geäußert hat?

Natürlich gab es Treffen, aber auch zahlreiche Telefonate und Mails.

Die eher dem ökonomischen oder künstlerischen Bedarf nach einem Mitspieler wie Amazon entsprangen?

Insofern beides, als das Programm einzig in dieser Konstellation weitergeführt werden konnte. Wir wollten immer drei Staffeln; ohne Amazon wäre nach der ersten Schluss gewesen.

Ist diese Partnerschaft demnach der Ausnahmefall oder Teil einer größeren Strategie?

Wenn’s nach mir ginge, unbedingt letzteres; ich finde die Partnerschaft ungemein spannend. Zugleich aber werden solche Kooperationen eher schwieriger, weil alle Anbieter am Markt im Moment die Stärkung ihrer eigenen Plattformen betreiben – das gilt für die Mediatheken von ARD und ZDF genauso wie für Amazon oder RTL.

Zugleich wächst der Hang zur internationalen Koproduktion ja schon deshalb, weil sich aufwändige Formate allein kaum noch finanzieren lassen. Wie sorgt man da für Exklusivität?

Jeder Sender nimmt sehr genaue Analysen vor, was prioritär ins eigene Hauptabendprogramm passt. Und da hat RTL rasch entschieden, dass Deutschland 86 zwar ein tolles Angebot, aber kein typisches signature product ist. Genau davon hängt auch ab, welches Budget ein Sender in die Hand nimmt.

Vielleicht haben Sie das deutsche Publikum mit Teamworx und UFA aber auch schlicht zu lang mit deutsch-deutscher Geschichte unterhalten, um es noch damit zu erreichen…

Das glaube ich nicht. National wie international ist das Interesse an historischer Unterhaltung nach wie vor ungebrochen. Besonders die jüngere DDR-Geschichte ist ganz gewiss noch lange nicht auserzählt, inklusive der unmittelbaren Wende-Jahre. Dennoch bin ich weniger denn je auf Geschichte festgelegt.

Haben aber immer noch Lust darauf?

Schon, ich schaue aber sehr viel mehr auf die Erzählart. Mein nächstes großes Thema ist etwa deutsche Kriegsgefangenschaft am Beispiel von Stalingrad, wobei mich die Verzahnung mit der Nachkriegszeit weit mehr interessiert als die Schlacht selbst. Meine Lust auf historische Produktionen lässt da keineswegs nach. Im Gegenteil.

Gibt es dabei denn noch so eine Herzensangelegenheit wie Unsere Mütter, unsere Väter, mit der Sie ja auch die Biografie der eigenen Eltern verfilmt haben?

Klar, etwa Siegfried und Roy mit Philipp Stölzl und Jan Berger. Es ist eine große Kraftanstrengung, das Leben der beiden filmisch in eine adäquate mehrteilige Form zu bringen. Aber was mich dabei immer wieder antreibt, ist die Leidenschaft für zwei Menschen, die Unglaubliches geschaffen haben. Mit beiden bin ich mittlerweile gut befreundet. Das elektrisiert mich ebenso wie Stefan Austs Familienbiografie der Porsches, wobei mich hier die Zeitgeschichte weniger interessiert als die Familiengeschichte. Mir geht es um den inneren Brennmoment.

Der bei Ihnen also nicht autobiografisch verlinkt sein muss?

Nein. Es reicht ein Faszinosum.

Wie lange lässt sich das denn noch im linearen Fernsehen erzählen, bevor es vom liberalen Streaming gefressen wird?

Ich bin mehr denn je überzeugt, dass das Free-TV noch sehr lang überleben wird. Das hat mit der freien Empfangbarkeit zu tun, also dem demokratischen Faktor, nicht wie in Amerika üblich bis zu 150 Dollar im Monat für seine Lieblingsportale auszugeben. Wenn Netflix nicht acht, sondern 25 Euro im Monat kostet, werden die Leute das Abo genauso hinterfragen wie bei der Tageszeitung. Mein Eindruck ist, dass sich die Plattformen eher untereinander als mit Fernsehsendern Konkurrenz machen – die allerdings ihrerseits eigene Mediatheken massiv ausbauen, was zu unglaublich viel In- und Output führen dürfte. Wir erwarten da eine unglaubliche Leistungsschau. Für uns Produzenten ist das natürlich eine tolle Sache.

Mit permanent steigender Qualität?

Das wird garantiert auf die Qualität einzahlen, aber nicht nur. Es wird eher einen Wettbewerb um Talente geben, wie man an der Verpflichtung der Showrunner von Netflix sieht. Nur: im Gegensatz zum Sendeplatz sind Talente begrenzt.


Spuk in Hill House: Horror & Familienepos

Retrogruselperfektion

Die unfassbar fesselnde Netflix-Serie Spuk in Hill House zeigt, was Streaming-Dienste der linearen Konkurrenz noch immer voraus haben: Horror darf, muss aber nicht unerträglich krass sein, um Nerds wie Normalos zu bedienen. Im Zehnteiler führt das zu einer fesselnden Mischung aus Familiendrama und Gothic-Grusel.

Von Jan Freitag

Der perfekte Moment des Horrorfilms geht aus Sicht des Altmeisters John Carpenter ungefähr so: Wenn man das Grauen besonders erwartet, lässt es garantiert solange auf sich warten, bis eine Entspannung eintritt, die dann umso brutaler zuzuschlagen wird. Den perfekten Moment des Horrorfilms kostet daher kaum jemand so aus wie Sheryl, wenn die Bestatterin der Netlix-Serie The Haunting of Hill House, zu deutsch etwas weniger unheimlich Spuk in Hill House ab heute einen Leichnam fürs Begräbnis im offenen Sarg zurechtmacht.

Sein Gesicht ist aschfahl, das Kellerlicht kühl. Kein Laut durchdringt die Stille, in der Sheryl allein mit sich, ihrer Schwester und der bohrenden Erinnerung ans verfluchte Elternhaus verbringt, das dem Nesthäkchen Nelly am Ende doch das Leben gekostet hat. Dank präziser Rückblenden wissen aufmerksame Zuschauer dieser unfassbar fesselnden Gruselserie nämlich längst: Shelly und Nelly sind zwei von fünf Geschwistern, die das transsylvanisch anmutende Vorstadtchalet der Architektenfamilie Crane einst so derart gespenstisch traumatisiert hat, dass die jüngste Tochter 20 Jahre später nach erfolgreichem Suizid auf dem Einbalsamierungstisch der ältesten liegt.

Gemäß den Regeln des Genres müsste nun also folgendes passieren: die Lebende pinselt an der Toten herum, letztere reißt schlagartig die Augen auf, woraufhin erstere wie am Spieß schreit und entweder den Monsteropfertod stirbt oder schweißgebadet im eigenen Bett erwacht. Doch es geschieht: Nichts. Zwischendurch kriecht zwar ein Käfer aus Nellys Mund, den Sheryl rasch als Trugbild entlarvt. Ansonsten aber dehnt John Carpenters äußerst erfolgreicher Epigone Mike Flanagan (Ouija) den perfekten Moment des Horrorfilms so in die Länge, bis er das Blut gefrieren lässt: Denn auf dem Seziertisch nebenan sitzt plötzlich Sheryls Mutter. Klar, dass die seit Jahren tot ist.

Es sind Szenen wie diese, die das Publikum von Spuk in Hill House genüsslich an den Rand des Erträglichen treiben, ohne es ganz darüber hinweg zu stoßen. Relativ frei nach Shirley Jacksons gleichnamigem, mehrfach adaptiertem Romanschocker von 1959 flößt der Zehnteiler schließlich weder mit der impulsiven Effekthascherei billiger Slasher-Movies noch virtuoser Splatter-Maskeraden zeitgenössischer Zombieserien Furcht ein. Dem Regisseur und Autor Flanagan reichen dafür nadelstichartige Andeutungen einer verborgenen Macht, die das schaurig-schöne Herrenhaus in Gestalt einer geisterhaften Frau besetzt und ihre Bewohner zu psychischen Wrack verschiedenster Art gemacht hat.

Während es die Bestatterin Sheryl (Elizabeth Reaser) ebenso wie ihre bindungsunfähige, aber lebensfrohe Schwester Theo (Kate Siegel) und den erfolgreichen Schriftsteller Steve (Michael Huisman), der für seine Spukgeschichten echte Horrorstorys einsammelt, allerdings noch recht gut getroffen hat, landen die zwei Nesthäkchen wahrhaftig im Wahnsinn. Luke (Oliver Jackson-Cohen) wird zum drogensüchtigen Loser, seine Zwillingsschwester Nelly (Victoria Pedretti) zerbricht gar vollends an der geisterhaften Erscheinung, die ihr einst am eindrücklichsten im Traum erschienen ist.

All dies macht Spuk in Hill House zu weit mehr als nur versiertem Gothic-Horror im Retro-Stil. Dank eines Casts, der bis in die virtuos verkörperten Kindercharaktere viel Erfahrung mit dem Genre hat, erschafft Mike Flanagan dazu noch ein ergreifendes Familienepos, das auch diesseits des Übernatürlichen bestens funktioniert. Da das Drama umgekehrt nicht den Zweck erfüllt, Gruseleffekte zu verkleben, erinnert die Eigenproduktion von Netflix an die besseren Momente von American Horrorstory. Von beidem kommt man kaum los – wie brutal das Grauen auch zuschlägt.


Presseopfer & Onlineserien

Die Gebrauchtwoche

8. – 14. Oktober

Am Jahrestag des Mordes an der maltesischen Bloggerin Daphne Caruana Galizia, die aller Wahrscheinlichkeit nach wie der slowakische Journalist Ján Kuciak wegen ihrer Recherchen bis in die höchsten Regierungskreise das Leben verloren hat, wurde die bulgarische Fernsehreporterin Viktoria Marinowa furchtbar entstellt in einem Gebüsch gefunden. Ob sie einer Recherche zum Opfer fiel, ist bislang zwar offen; allein der Umstand aber, dass diese Möglichkeit selbst in europäischen Demokratien längst als naheliegend gilt, macht Angst.

Und die wird kaum dadurch geringer, dass sich ein versierter Antidemokrat zum Vorkämpfer der Pressefreiheit aufspielt: Ausgerechnet Reccep Tayyip Erdogan, unter dessen Willkürherrschaft mehr Journalisten inhaftiert sind als in jedem anderen Land, bemüht sich gerade um einen Reporter namens Kashoggi, der angeblich in Istanbuls saudischer Botschaft verschwunden ist. Ein Medienhasser als Medienretter? Wäre es nicht so bitter – man könnte sich köstlich über den Irrsinn dieser völlig durchgedrehten Welt amüsieren.

So oder so sind es demnach gute Zeiten für politischen Humor. Theoretisch. Praktisch allerdings gingen die wichtigsten Trophäen beim Deutschen Comedy-Preis wie immer an allerlei Schreihälse mit der Bissigkeit einer Samstagabendshow im ZDF. Caroline Kebekus zum Beispiel, die trotz ihrer femizisitischen Attitüde jedes Inhaltsloch mit Lautstärke verfüllt, was auch für Luke Mockridge und Mirja Boes gilt. Weil das RTL-Gewächs die RTL-Show dummerweise auf RTL moderiert hat, muss sie sich den RTL-Lorbeer mit anderen teilen, die teilweise – Obacht! – nicht von RTL kamen.

Wenn man sich einen größeren Witz gedankenloser Selbstbeweihräucherung ausdenken wollte, käme einem eigentlich nur noch in den Sinn, den reichsbürgerlichen Schmusesänger Xavier Naidoo zum Juror eines großen Musik-Castings zu machen, aber das traut sich ja vermutlich nicht mal RTL. Obwohl… Ach, es ist alles so unappetitlich – wenden wir uns lieber einer vergleichsweise leckeren Mediennachricht zu: Das Konzept der ARD, die herausragende Zeitreise Babylon Berlin erst beim Koproduzenten Sky und dann auch noch parallel zur eigenen Ausstrahlung in die Mediathek zu zeigen, ist voll aufgegangen. Fast Vier Millionen Videoabrufen stehen Einschaltquoten weit über Senderschnitt gegenüber.

Die Frischwoche

15. – 21. Oktober

Zurzeit sorgen zwar Online-Formate wie die dezent nervenzerreißende Grusel-Adaption Spuk in Hill House (Netflix), die historisierende Dramenreihe The Romanoffs (Amazon), die Fortsetzung von 4 Blocks (TNT) oder ab Dienstag auf Sky Lena Dunhams neue HBO-Sensation Camping (Sky) für Aufsehen; doch schon Donnerstag geht der Siegeszug des Kölner Sittenpolizisten Gereon Rath im hedonistisch verlotterten Zwischenkriegs-Berlin mit Doppelfolgen weiter. Ob die andere Zusammenarbeit dieser Tage ähnlichen Erfolg hat, darf man indes bezweifeln. Nachdem der Vorwendethriller Deutschland 83 hierzulande durchgefallen war, hat RTL die Fortsetzung an Amazon verhökert, wo Jonas Nay als Doppelagent drei Jahre später in aller Welt süß aussehen darf.

Dramaturgisch weit hollywoodaffiner könnte das Konzept aufgehen. Sehenswert, gar soziokulturell relevant ist die Aneinanderreihung von Actionsequenzen ab Freitag indes nicht mehr so recht. Das Gleiche gilt für die 2. Staffel der Koproduktion The Team ab Donnerstag auf Arte und drei Tage später im ZDF. Nahezu alles an dieser dänisch-deutsch-belgischen Jagd auf Kunsträuber zur Terrorfinanzierung ist klischeehaft, platt und so mies synchronisiert, dass selbst Jürgen Vogel vergebens gegen die öffentlich-rechtliche Kahlrasur allen Eigensinns annuschelt.

Da dürfte sogar die 14. Auflage von Bauer sucht Frau ab heute auf RTL gehaltvoller sein. Oder auch Eltons neue Samstagsshow namens Alle gegen einen um, tja, irgendwas mit Quiz auf ProSieben. Auch das mehrteilige Dokudrama Mars: Novo Mundo verspricht Elon Musks ressourcenfressend elitäres Weltraumtourismusprojekt SpaceX ab Dienstag um 20.05 Uhr auf dem Zeitungsableger Welt unterhaltsamer anzupreisen. Und wer vom kommerziellen Blick auf die Realität noch immer nicht genug hat: Ab Donnerstag zeigt RTL2 in Reeperbahn Privat! angeblich Das wahre Leben auf dem Kiez. Na gut – wer echten Realismus will, wird Samstag von der ZDF-Fiktion Die Protokollantin mit Iris Berben als Mutter eines verschwundenen Kindes, die einen Racheplan gegen die Vergangenheit fasst doch etwas besser versorgt. Und mit den Wiederholungen der Woche sowieso.

Heute zeigt Arte zur Primetime das US-Biopic Meister des Lichts von 2014 mit Timothy Spall als Industrialisierungsmaler Mr. Turner, der seine Epoche geprägt hat wie vor ihm Van Gogh (Mittwoch, 20.15 Uhr, Arte), den Bernhard Le Coq bereits 1991 beispielhaft verkörperte. Der alte Tatort hingegen ist neueren Datums, aber zeitlos toll: Borowski und der Himmel über Kiel bildete 2014 schließlich den Durchbruch von Elisa Schlott, die darin am Donnerstag um 20.15 Uhr im WDR als Crystal-Junkie brilliert, wie ihn nie zuvor jemand ergreifender gespielt hat.


Neonschwarz, Th. Shitstorm, Hallouminati

Neonschwarz

Fette Bläser – darunter sollte es fetter Sound mit fetter Botschaft heutzutage besser nicht machen, um im HipHop Aufmerksamkeit zu erregen. Bisschen Toasting obendrauf, etwas Autotune, na klar, dazu die übliche Selbstbeweihräucherung des eigenen Namens im Titel: Wäre N.E.O.N. der Opener irgendeines Crossover-Rap-Acts mit Mehrzweckhallenpotenzial und vier, fünf “e” im Namen, Kenner nähmen das zugehörige Album wohl eher schulterzuckend zur Kenntnis. Hieße das Kollektiv dahinter nicht Neonschwarz und wäre gemeinsam mit ähnlich gepolten Bands wie K.I.Z. die Stimme lässiger Vernunft im deutschen Sprechgesang, zu der man trotzdem prima abgehen kann, ja muss!

Clash heißt die dritte Platte von Captain Gips, Marie Curry und Johnny aus Hamburg, wo sie gemeinsam mit dem DJ Spion Y seit fünf, sechs Jahren wuchtig und verspielt gegen Nazis, Kapital, die Gemütlichkeit der Mitte anrappen und damit das unterhaltsamste Sprachrohr einer zusehends selbstgerechten Poplinken sind – musikalisch Betonung auf Pop, textlich Betonung auf den Rest. Die Raps sind nämlich bei aller poetischen Schärfe wie üblich eher Oldschool und die Reime nicht immer so ganz auf den Punkt. Aber was Neonschwarz unvergleichlich, unersetzlich, unwiderstehlich macht ist ohnehin die Kraft der Freude, in der das Quartett gegen die Dummheit vor der Haustür anfeiert.

Neonschwarz – Clash (Audiolith)

Theodor Shitstorm

Dietrich Brüggemann ist ein echtes Inszenierungsgenie. Mit 3 Zimmer/Küche/Bad hat er der Generation X/Y eine Liebeserklärung von entlarvender Leichtigkeit gemacht, das Glaubensdrama Kreuzweg eroberte 2014 gar die Berlinale und dem alten Tatort verlieh sein Stuttgarter Fall im Stau zuletzt neuen Glanz. Da überrascht es kaum, dass dieser Wirklichkeitsdichter die Gründungsstory seiner Band als verkorksten Roadtrip auf den Balkan erzählt. Mit der Songwriterin Desiree Klaeukens, so geht die Legende, bringt er dabei ein Baby namens Theodor Shitstorm zur Welt, das fortan den vielleicht besten Laber-Pop seit den Lassie Singers liefert.

Begleitet von Bass und Drums schildert Sie werden dich lieben das Leben unserer mulitoptional beengten Zeit mit beißendem, nie zynischem Spott, der unter die Haut durchs Zwerchfell zu Herzen geht. Wenn sie den Alltag ihrer Peergroup beschreiben, in dem Madenkolonien unterm Bett wohnen, Sex ein qualvolles Chaos ist und der Drogenmix sowieso, fragen Theodor Shitstorm daher süffisant: „Fühlst du dich so wohl?“, und antworten: „Du sagst Rock’n’Roll.“ Falls sich Thirtysomethings darin wiedererkennen: kein Wunder! Hier singt das neue Sprachrohr dieser verwirrten Alterskohorte.

Theodor Shitstorm – Sie werden dich lieben (staatsakt)

Hallouminati

Wer Bouzouki hört, hat vermutlich entweder Volksmusik aus dem letzten Korfu-Urlaub oder – bei älteren Semestern – womöglich Cindy & Bert im Kopf, aber nichts, das auch nur im Entferntesten an Hallouminati erinnern dürfte. Die Band von Emilios Georgiou-Pavli mag das Saiteninstrument seiner griechischen Herkunft schließlich als Nuance ihres multikulturellen Orchesterfolks nutzen; insgesamt aber stecken schlicht zu viele Einflüsse im Sextett aus London, um es auf den attischen Sound zu reduzieren. Reggea und Ska sind darin ebenso fest verwurzelt wie Afro-Beat, Balkan-Brass und jede Menge Funk.

Besonders letzterem ist es dabei zu verdanken, dass die Mischung vor acht Jahren aus der Nische des Ethnopops in die Clubs der Metropole befördert und dort zum schweißtreibenden Geheimtipp wurde. Nun erscheint ihr erstes Album Tonight, Is Heavy!, und weder wirkt daran alles neu noch makellos; dafür ist – wie so oft im Partyrocksegment – die Männerstimme bei einem Frauenanteil von 16,6 Prozent ein bisschen zu testosteronhaltig. Dennoch schaffen es Hallouminati, die Dynamik ihrer Konzerte ohne Energieverlust auf Platte zu bringen. Live sind sie trotzdem besser. Nehmen wir Tonight, Is Heavy! als Teaser…

Hallouminati – Tonight, Is Heavy! (Batov Records)


Ali von Wangenheim: SPD-PR & Politiksprache

Wir sind immer im Kampfmodus

Ausgerechnet am Tag der Strafbeförderung von Verfassungsschutz-Chef Maaßen findet Albrecht von Wangenheim Zeit für ein Interview über seine Arbeit als Leiter der SPD-Pressestelle, in der er seit 18 Jahren arbeitet. Eine aufreibende, aber erbauliche Tätigkeit – sagt Ali, wie ihn im politischen Berlin alle nur nennen, im Gespräch mit dem Medienmagazin journalist, das freitagsmedien hier in voller Länge dokumentieren. Nach dem Interview musste der auffallend weißhaarige Kommunikationsprofi übrigens sofort ins Kanzleramt, um das bislang größte PR-Desaster der GroKo zu präsentieren.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Herr von Wangenheim, stimmt es, dass sie im politischen Berlin nur „Der weiße Ali“ genannt werden?

Ali von Wangenheim: (lacht) Hab ich auch so gehört, aber ehrlich gesagt, nein. Die Rheinische Post hat mal einen Artikel veröffentlicht, in dem das behauptet wurde. Im politischen Berlin nennt mich eigentlich jeder nur Ali.

Macht so ein Spitzname den Pressesprecher, der sich berufsbedingt ja hinter dem Objekt seiner Vermittlungstätigkeit auflösen sollte, nicht zu einer etwas exponierten Person?

Grundsätzlich stimmt das. Wir stehen naturgemäß im Hintergrund. Und ich versuche es über diesen Spitznamen hinaus auch tunlichst zu vermeiden, allzu sehr in den Fokus zu geraten. In meiner Position ist es natürlich nicht immer vermeidbar, auch mal in die Kamera zu blicken, aber wir sind dafür da, die Politiker und ihre Inhalte nach vorne zu bringen, nicht die eigene Person.

Entspricht dieses Zurücknehmen Ihrer Mentalität oder fällt es Ihnen manchmal schwer, sich in die zweite Reihe zu stellen?

Nein, nein – ich bin so und arbeite gerne genauso dort, wo ich seit Jahren bin und arbeite.

Was kennzeichnet diese Arbeit im Berliner Politikbetrieb, was muss ein Pressesprecher mitbringen, um darin erfolgreich zu sein?

Weil er Hintergründe erklären, Vordergründe vermitteln, Informationen verbreiten muss, sollte er zunächst unbedingt Vertrauen bei Journalisten, also der Presse genießen. Wenn ihm nicht geglaubt wird, hat jeder Pressesprecher ein Problem. Und sich dieses Vertrauen zu erarbeiten, funktioniert am besten über Erfahrung, also die Zeit.

Vertrauensvorschüsse gibt es nicht?

Selten. Außerdem ist es sinnvoll, so gut mit Sprache umgehen zu können, dass man komplexe Sachverhalte in verständlichen Worten ausdrücken kann, ohne die Komplexität dahinter zu simplifizieren. Dazu gehört, auch wenn viele wie ich selbst das nicht so gern hören, eine gewisse Verkaufsmentalität. Und da ist es in der Parteienkommunikation weit mehr noch als in der Unternehmenskommunikation günstig, wenn man für das, worüber man spricht, wirklich brennt. Parteisprecher brauchen daher dringend politische Überzeugungen.

Hat sich an diesem Bedarf in den 18 Jahren, die Sie mittlerweile für die SPD-Pressestelle tätig sind, etwas geändert?

Formell nicht. Weil der Zeitungsmarkt jedoch langsam, aber stetig abstirbt, während die Vielfalt neuer Medien gleichzeitig zunimmt, erhöht sich das Tempo der Branche enorm. Und die massive Digitalisierung beschleunigt dadurch auch unsere Arbeit massiv.

Das wären die technischen Gründe der Veränderung. Wie ist es mit dramaturgischen, also inhaltlichen Vermittlungsmechanismen?

Die haben sich fast im Gleichschritt verändert. Quantitativ treten wir über die neuen Medien viel öfter direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern in Verbindung, ohne dass die alten Medien als Vermittlerinnen hintergründiger Inhalte wegfielen. Und qualitativ zeigt sich, dass wir den Journalisten klassischer Medien unsere Politik noch immer deutlich häufiger im Hintergrund, also weniger oberflächlich erklären. Gleichzeitig gleichen sie sich der Kürze sozialer Medien im Kampf um die knappe Ressource Aufmerksamkeit zusehends an. Und das empfinde ich als ungemein problematisch. Viele Ihrer Kollegen können sich schon aus Zeitgründen intensivere Recherchen kaum noch erlauben und sind darauf angewiesen, Sachverhalte in immer kürzeren Sätzen nahezubringen. Das verändert definitiv nicht nur die Medienlandschaft, sondern auch unsere Sprache als Pressesprecher.

Heißt das, auch Sie haben Ihre Art, zu kommunizieren, angepasst?

Durch meine langjährige Erfahrung womöglich ein bisschen weniger als junge Kollegen. Man lernt es, knapper zu formulieren, kürzer, prägnanter als früher. Im Kern ist meine Arbeitsweise aber absolut vergleichbar mit der des Jahres 2000, als ich aus der Fraktion in die Presseabteilung gekommen bin.

Damals stellte die SPD den Bundeskanzler und lag bei rund 40 Prozent. Heute hat sich dieser Wert mehr als halbiert und die Kanzlerschaft scheint unerreichbar. Wie vermittelt man den schleichenden Niedergang als Parteisprecher glaubhaft, aber mit Würde?

Na ja, Erfolg ist nicht nur eine Frage der Personalien und Wahlergebnisse, sondern auch der inhaltlichen Durchsetzung. Und nüchtern betrachtet, geht das mit dem schleichende Niedergang ja nicht nur uns, sondern auch der anderen Volkspartei so. Zumal der Bedeutungsverlust der SPD keinesfalls erst nach 1998, geschweige denn nach 1989, sondern bereits Ende der Siebzigerjahre eingesetzt hat, als sie den Kuchen der Meinungsvielfalt zunächst mit der Umwelt- und Friedensbewegung, dann den Grünen und der FDP, später der Linken und den Piraten, zuletzt sogar mit der AfD teilen musste, an die auch wir Wähler verloren haben. Wir waren schlicht prädestiniert dafür, kleiner zu werden.

Aber nochmals die Frage: wie vermittelt man schlechte Nachrichten als Pressesprecher über die Medien ans Wahlvolk?

Indem wir die Komplexität der Politik in Abgrenzung zu den genannten Parteien, die die ihre auf einzelne Probleme und Sachverhalte zuspitzen, gut wahrnehmbar und verständlich machen. Wenn uns das gelingt, wahren wir Würde und Glaubhaftigkeit in einem. Nehmen wir mal den Kohleausstieg, der gerade nicht nur wegen der Räumung des Hambacher Forstes heftig diskutiert wird: Die Grünen dürfen es sich da relativ einfach machen, wenn sie schlicht den schnellen Ausstieg fordern. Wir hingegen müssen uns auch noch um gesellschaftliche Folgen wie Stromversorgung oder Arbeitsplätze kümmern. Politik, hab ich mal in einem schlauen Artikel gelesen, beginnt dort, wo es um Ausgleich geht. Alles andere ist Lobbyismus. Und weil ich kein Lobbyist, sondern Pressesprecher sein will, bin ich dafür zuständig, den Ausgleich der Interessen angemessen zu kommunizieren.

Was allerdings im Angesicht populistischer Verkürzungen der politischen Wirklichkeit zusehends schwieriger wird oder?

Absolut. Die Verkürzung politischer Botschaften auf einen Post bei Facebook oder erst 140, jetzt 280 Zeichen lange Tweets, lässt kaum noch inhaltlichen Raum, diesen Interessenausgleich in den sozialen Medien zu verankern. Daran müssen wir also arbeiten, das ist die Herausforderung des Populismus. Es macht unsere Arbeit aber auch so spannend.

Sind politisch wie gesellschaftlich zerrüttete Zeiten wie diese für Pressesprecher demnach bessere Zeiten als solche, in denen die Politik mehr so vor sich hin dümpelt?

Also ich habe in all den Jahren meiner Tätigkeit noch nie Zeiten erlebt, in denen das anders war oder die Politik sogar mehr so vor sich hin gedümpelt ist. Phasen völliger Langeweile, glauben Sie mir, habe ich nicht einen Monat, ja nicht mal eine Woche am Stück erlebt.

Wissen Sie denn von Ihren Vorgängern, ob es mal ruhigere Zeiten gegeben hat?

Nein, das ist eine Illusion. Entscheidend ist aber ohnehin, dass man die innere Ruhe behält, um die verschiedenen Phasen der Unruhe im jeweiligen Kontext zu bewältigen.

Würden Sie den Job nochmal machen?

Jederzeit! Ich bin ein begeisterter Pressesprecher!

Woher rührt diese Begeisterung?

Ich habe bereits während meines Volkswirtschaftsstudiums für die SPD-Fraktion gearbeitet und wollte schon damals Journalist werden oder wie man es später ausdrückte: Irgendwas mit Medien machen. Weil ich einfach Spaß habe, mit Menschen und Sprache zu arbeiten, führte das dann irgendwie fast zwangsläufig in die Pressestelle der SPD. So habe ich gelernt, beide Seiten der Berichterstattung zu verstehen und eine Art vertrauensvoller Zusammenarbeit aufzubauen, von der alle etwas haben, obwohl man ja eigentlich auf verschiedenen Seiten steht.

Das klingt, als empfänden Sie sich eher als Mediator denn Interessenvertreter?

Da ist was dran. Ohne unseren Job zu überhöhen, empfinde ich mich wie Journalisten als integraler Teil der Medienlandschaft.

Allerdings ohne die gebotene Neutralität und Objektivität journalistischer Berichterstattung…

Da ich am Ende des Tages die Interessen meines Arbeitgebers vertreten muss und will, würde ich mich nie objektiv, gar neutral nennen. Andererseits kann ich mich gut genug in Journalisten hineinversetzen, um auch deren Interessen gegenüber meinem Arbeitgeber zu vermitteln. Insofern ist mir eher der Ausgleich zwischen beiden Anliegen durchaus wichtig, und das ist in der Branche, glaube ich, auch bekannt.

Und führt abgesehen vom „weißen Ali“ zu der verbreiteten Einschätzung, sie seien korrekt, verbindlich, gut vernetzt. Sehen Sie das ähnlich?

Letzteres bei aller Bescheidenheit auf jeden Fall, die anderen zwei Adjektive sollen lieber andere bewerten.

Sind „korrekt, verbindlich, gut vernetzt“ denn Grundvoraussetzungen, um diesen Beruf glaub- und gewissenhaft ausführen zu können?

Da gibt es ziemlich unterschiedliche Auffassungen vom Pressesprecher. In der Politik jedenfalls ist das Vertrauen noch wichtiger als in der Unternehmenskommunikation – wo ich auch deshalb nie tätig war. Da ist der Verkaufsaspekt höher, es geht ehrlicherweise um Reklame. Letztlich betreibe auch ich die für meinen Arbeitgeber. Würde ich aber zusätzlich nicht auch vieles erklären, fiele sowohl die Glaub- als auch die Gewissenhaftigkeit schwer. Trotzdem wünschte ich mir manchmal, ich würde den Aspekt des Verkaufens ein wenig besser beherrschen.

Welche Voraussetzungen braucht ein Pressesprecher sonst noch – Belastbarkeit?

Unbedingt, sowohl psychisch als auch physisch. Und das hat sich in den vergangenen Jahren, seit ich die Pressestelle leite, nochmals erhöht.

Sollte das Ego dafür eher groß oder klein sein?

Ich weiß, dass der eine oder die andere in meiner Branche mit einem durchaus großen Ego ausgestattet, aber bei mir spielt es eher eine untergeordnete Rolle. Den Kameras muss ich persönlich jedenfalls nicht unbedingt stellen.

Sie steht es mit Prinzipientreue?

Ja. Aber nur möglichst wenige Prinzipien, die man dafür umso treuer verfolgt.

Und Nibelungentreue?

So verschieden die Persönlichkeiten sind, für die ich gearbeitet habe, hatte ich stets das Glück, es mit viel Spaß und Überzeugung zu tun. Es gibt daher nicht einen einzigen Fall, in dem ich froh gewesen wäre, nicht mehr für sie tätig zu sein. Im Gegenteil. Die Vertrauensverhältnisse waren stets so gut, dass es zwar theoretisch in Richtung einer Art Nibelungentreue hätte gehen können. Ich bin allerdings nie in die Situation gekommen, das austesten zu müssen.

Ist Ihr Ethos, die eigene Sicht der Dinge jemals so mit denen der Partei kollidiert, dass es zu einem inneren, gar äußeren Zerwürfnis kam?

Nein, solch ein Zerwürfnis hatte ich eigentlich nie, also insofern, als ich etwas entgegen meiner eigenen Überzeugung vertreten musste. In Kleinigkeiten bin ich längst nicht immer einverstanden mit dem, was meine Partei oder die Fraktion macht. Aber alles war und ist nach meinem Dafürhalten bislang irgendwie erklärbar. Und sobald es das ist, kann ich es in meiner Funktion nicht rundweg ablehnen. Am Ende zählen auch für mich die besseren Argumente.

Sie sind jetzt auf dem Sprung zur Pressekonferenz, auf der die Zukunft von Hans-Georg Maaßen verkündet wird, dessen Absetzung als Verfassungsschutzchef die SPD gefordert hat. Schalten Sie angesichts dieses Erfolgs bei zwei Prozent Zuwachs der vorigen Sonntagsfrage in einen höheren Kampfmodus?

Wir sind eigentlich immer im Kampfmodus, aber sein Umfang entscheidet sich selten an Einzelereignissen; dafür sind unsere Aufgaben als Pressestelle zu vielschichtig und die Wahlumfragen zu variabel.

Haben Sie sich angesichts dieser dauernden Habachtstellung je gewünscht, dass Politik insbesondere für eine Partei wie die SPD bisweilen ein wenig langweiliger wäre?

Oh ja, ganz häufig! Unter der permanenten Anspannung bei stetig wachsender Geschwindigkeit kommunikativer Prozesse leidet nämlich definitiv das ruhige Nachdenken. Diese Zeit zur besonnenen Ausführlichkeit fehlt mir verglichen mit früher enorm. Wann lese ich schon mal die Seite 3 einer Tageszeitung? Aber das betrifft ja nicht nur den Beruf des Pressesprechers, sondern die Gesellschaft im Ganzen und die Politik im Besonderen.

Sie sagten eingangs, kein Lobbyist zu sein.

Ganz genau.

Weil Interessenvertretung dennoch gern über einen Kamm geschoren wird – hatten Sie je das Gefühl, ihr Beruf würde gesellschaftlich zu wenig anerkannt?

Nein, nie. Eben weil ich kein Lobbyist bin, sondern Sprecher einer Partei, zu der ich vollumfänglich stehen kann.