Haluk Bilginer: der türkische Weltstar

Alles sehr kompliziert

Haluk Bilginer ist einer der wenigen türkischen Schauspieler von Weltruhm. In der sehenswerten Krimi-Serie Ein guter Mensch spielt er auf Magenta TV einen dementen Racheengel – und ist damit allen Ernstes Hauptdarsteller des ersten türkischsprachigen Formates im deutschen Fernsehen

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Haluk Bilginer, Sie sind Mitte sechzig – wie gut ist da noch Ihr Gedächtnis?

Haluk Bilginer: Mein Gedächtnis funktioniert noch einwandfrei. Aber was war noch mal die Frage? (lacht laut). Sie fragen bestimmt, weil Agâh Bey in Ein guter Mensch an Alzheimer erkrankt ist…

Genau. Was würden Sie tun, wenn Ihre Erinnerungen wie bei ihm zu verschwinden drohen?

Ich hoffe zwar inständig, dass das niemals geschehen wird. Aber sollte es traurigerweise doch soweit kommen, werden mich meine Liebsten hoffentlich jeden einzelnen Tag daran erinnern, wer ich bin und vor allem: wer sie sind.

Haben Sie wie ihre Serienfigur darüber hinaus denn irgendwelche Abrechnungen oder Rachefeldzüge, die dringend noch zu erledigen wären?

Nein, bislang hat es zum Glück noch niemand so weit kommen lassen. Und ich bin auch alles andere als ein rachsüchtiger Typ. Aber wenn es mal jemand drauf anlegt, würde ich vieles daransetzen, die Sache noch bei klarem Verstand und bester Gesundheit zu regeln – wenn auch nicht so gewaltsam wie Agâh Bey.

Ist Ein guter Mensch überhaupt eine Fiktion über jemanden, der die letzten Dinge regelt, oder eher eine Kontemplation über die Bedeutung von Erinnerung allgemein?

Rache und Alzheimer sind dabei definitiv nur Metaphern für den Gedächtnisschwund unserer Gesellschaft im Allgemeinen, diese Geschichtsvergessenheit ist schmerzhaft und gefährlich zugleich. In diesem Sinne handelt die Serie vom ungeheuer wichtigen Versuch, sich der eigenen Vergangenheit, des eigenen Handelns ständig bewusst zu sein, sonst machen wir die gleichen Fehler immer und immer wieder.

Wollen Sie als Schauspieler generell Unterhaltung machen, die das Publikum zum Nachdenken, womöglich gar Lernen anregt?

Unbedingt. Die Kunst – auch das sollten wir nie vergessen – ist zwar stets auch Zerstreuung, also Entertainment und umgekehrt. Aber während wir die Leute unterhalten, sollten wir uns stets bemühen, Dinge über die menschliche Natur oder Gesellschaften zu erzählen, an die sie sich auch erinnern. Etwas, da sie mit zu sich ins Haus ihres Herzens nehmen und dort aufbewahren. Auch, wenn das natürlich nicht mit jeder Serie, jedem Film gelingen kann.

Kennen sie irgendwelche deutschen Filme oder Serien?

Nicht allzu viele, leider. Aber ich kenne Dark und erinnere mich noch gut an Türkisch für Anfänger, diese Comdey aus den Nullern. Ich sehe zwar nicht allzu viel fern, aber generell läuft dort kaum deutsches Fernsehen. Wenn ich etwas davon sehen will, brauche ich also Netflix.

Haben Sie denn gehört, dass „Ein guter Mensch“ trotz der großen Anzahl türkischstämmiger Menschen in Deutschland das allererste Fernsehformat ist, das bei uns im regulären Programm läuft?

Nein. Wirklich? Das hätte ich nicht gedacht. Es sollten definitiv mehr sein. Nicht nur wegen der vielen Türken, die in Deutschland zuhause sind.

Sie reisen seit Jahrzehnen zwischen London und Istanbul hin und her. Können Sie sagen, welches der beiden Ländern nach so langer mehr Ihr Zuhause ist?

Nun ja, die Türkei ist und bleibt natürlich für immer mein Mutterland. Aber ich lebe schon so lange in London, dass es schon ziemlich merkwürdig wäre, wenn ich England nicht zumindest als meine zweite Heimat betrachten würde.

Wie ist gerade für einen Künstler, dessen erste Heimat von einem Mann wie Reccep Tayyip Erdogan regiert wird?

Oh je, wenn wir jetzt anfangen, über Politik zu diskutieren, bräuchten Sie vermutlich eine Sonderausgabe Ihrer Zeitung. Das ist alles sehr kompliziert.

Ich hätte nur gern gewusst, ob Sie sich als Künstler vom zunehmend repressiven System der Türkei beeinträchtigt fühlen und falls ja, wie Sie damit umgehen?

Bitte, lassen Sie uns doch bei Ein guter Mensch bleiben, das bietet doch schon genügend Stoff zum Reden.

Gut, was ist so besonders am türkischen Fernsehen wie diesem, dass davon auch in Deutschland mehr zu sehen sein sollte?

Es gab eine Zeit, da waren türkische Filme durchaus populär in der globalen Kunst- und Alternative-Szene. Nuri Bilge Ceylan zum Beispiel, hat in aller Welt gesammelt.

Die Goldene Palme von Cannes zum Beispiel, 2014 für seinen Film „Winterschlaf“.

Genau. Und ich hatte das Glück, darin die Hauptrolle zu spielen. Daran werde ich mich garantiert für immer erinnern.


Ärztethemen & Hausenhorror

Die Gebrauchtwoche

19. – 25.  Oktober

Nicht die dümmste Idee der Tagesthemen, ihre Freitagsausgabe live von der jugendaffin gereiften Punkband Die Ärzte anrocken zu lassen. Noch klügere Idee des Spiegel, mit Veronika Hackenbroch und Rafaela von Bredow zwei Frauen ins Interview mit der Virologin Sandra Ciesek zu schicken, um misogyne Fragen reflektierter klingen zu lassen. Weniger gute Idee von der Süddeutschen Zeitung, nach einer – zugegeben arg missratenen – Polemik gegen Igor Levit per Entschuldigung zurückzurudern. Geradezu schäbige Idee dagegen, wie ausgerechnet Ulf Poschardt darin einen Verrat am Qualitätsjournalismus erkennt.

Aber gut, Männer mit dunklem Porsche, grauem Haar und weißer Haut wie der Welt-Chef empfinden die Fähigkeit zur Selbstkritik nun mal als sozialistische Schwanzlosigkeit. Nicht nur darin ähnelt Poschardt also Donald Trump, der sich im letzten TV-Duell mit Joe Biden zwar vergleichsweise zahm zeigte, zuvor aber ein Interview mit der CBS-Moderatorin Lesley Stahl abgebrochen hatte, weil sie ihm doof, ergo: kritisch kam. Sollte er am Dienstag nächster Woche doch gewinnen, wird er diese Art Majestätsbeleidigung aber ohnehin verbieten lassen. Und damit auch Filme wie Borat Subsequent Moviefilm.

Überm Untertitel Delivery of Prodigious Bribe to American Regime for Make Benefit Once Glorious Nation of Kazakhstan schafft es Sasha Baron Cohen schließlich exklusiv auf (kauft nicht bei) Amazon Prime, Trumps Schießhund Rudy Giuliani als depperten Sexprotz zu entlarven. Ein anderer Streamingdienst macht derweil andere Schlagzeilen: Nach nur sechs Monaten macht die mobile Video-Plattform Quibi trotz milliardenschwerer Sponsoren mangels Kundschaft schon wieder dicht und hinterlässt, nein, keine Lücke.

Die Frischwoche

26. Oktober – 1. November

Keine zumindest, die der Portalbestand nicht füllen könnte. Ab heute zeigt Universal die Anwaltsserie Burdon of Truth, Freitag folgt der ulkige Superantiheldentrash Utopia bei Prime, zwei Tag später geht dort Nick Frosts Gruselcomedy Truth Seekers in Reihe und zwischendurch die 2. Staffel vom Mandalorian bei Disney+. Alles solide, alles seriös, alles aber nicht halb so laut angekündigt wie die Enttäuschung der Woche: Hausen.

Mit der ersten deutschen Horrorfilmserie will Netflix eigentlich das Genre aufmischen. Dafür hätte den Verantwortlichen des achtteiligen Plattenbau-Grusels allerdings jemand sagen müssen, dass die Dunkelheit gelegentlich der Helligkeit bedarf, um zu schockieren, und selbst Charly Hübner nicht jedes vergeigte Drehbuch adelt. Umso erstaunlicher ist es, wie sehenswert die alte ARD am Dienstag im digitalen Wald wildert. Exit heißt eine hochinteressante Dystopie über Avatare verstorbener Menschen und auch sonst alles, was die nähere Zukunft glaubhaft beängstigend macht.

Das ZDF beschreitet derweil ausgesprochen souverän bekanntes Terrain und zeigt ab Freitag den vierteiligen Nachkriegskrimithriller Shadowplay mit Nina Hoss im zerbombten Berlin von 1946, während Neo ab Donnerstag um 22.15 Uhr eine Late Night mit Ariane Alter startet, was unfreiwillig auf eine info-Doku am Sonntag verweist: 2000er – Jahrzehnt der Spaltung, in dem auch auch die frühere MTV-Moderatorin bekannt wurde und übrigens auch der Mordfall Peggy ereignete, dem Sat1 heute um 20.15 Uhr eine Prime-Time Doku mit dem Untertitel Der Täter ist noch unter uns widmet.

Weil das Gerichtsverfahren fast 20 Jahre nach der ungeklärten Tat am Donnerstag eingestellt wurde, zieht Sat1 den Film vor – und macht ihn so zu einer Art Vorholung der Woche, als Kontrast zu den Wiederholungen der Woche wie Don Camillo und Peppone sowie Don Camillos Rückkehr von 1952/53 (Samstag, 22 Uhr, BR) und tags drauf (20.15 Uhr, Arte) Dead Zone, furiose Steven King-Verfilmung (1983) mit Christopher Walken als Hellseher, der den Atomkrieg verhindern kann.


Anja Reschke: Katastrophen & Talkshows

Ich wäre bereit!

In der dokumentarischen Talkshow Die Narbe schildert Anja Reschke mittwochs um 21 Uhr im NDR große Katastrophen und spricht danach mit Zeitzeugen. Die versierte Journalistin aus München (Foto: NDR) über Endlichkeit, Traumata und ob sie Lust auf eine Talkshow hat.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Reschke, warum bewegen uns die großen, Unglücke so sehr, während uns weit größere, aber schleichende wie Klimawandel und Rassismus seltsam kalt lassen?

Anja Reschke: Weil uns die großen Unglücke, bei denen Menschen zu Schaden kommen, sogar sterben, auf einen Schlag die eigene Verletzlichkeit vor Augen führen, dass wir alle jederzeit sterben können, also endlich sind. Jeder von uns hätte schließlich in die Karambolage auf der A19 geraten, jeder im Zug durch Eschede sitzen, jeder in Ramstein gewesen sein können.

So gesehen würde aber doch jeder plötzliche Todesfall im Haushalt, bei der Arbeit, unterwegs zur Spitzenmeldung taugen?

Wenn er in einer Ausnahmesituation geschieht, tut er das ja auch. Allerdings eher auf regionaler Ebene, wo das Einzelschicksal bedeutsamer ist. Nehmen Sie Radfahrende, denen abbiegende Lkws im Stadtverkehr mit fatalen Folgen die Vorfahrt nehmen; das ist immer wieder Teil der Lokalnachrichten. Unsere Endlichkeit wirkt darin sogar noch unmittelbarer.

Lassen Sie sich als professionelle Berichterstatterin emotional von Ereignissen jeder Art beeinflussen?

Als Mensch berühren sie mich wie alle anderen auch. Angesichts der Fülle von Katastrophen besteht natürlich die Gefahr, dass man ein wenig abstumpft. Aber ich bin ja keine Polizeireporterin, die jeden Tag mit dem Tod zu tun hat. Außerdem gibt es kaum etwas Individuelleres als Traumata, die jeder auf eigene Art verarbeitet. Das zeigt sich auch sehr eindrucksvoll in den Dokumentationen, die wir über das Zugunglück von Eschede, die Flugschaukatastrophe von Ramstein und den Sandsturm auf der A19 gemacht haben.

Entsprechend zentral sind Traumata in den drei ersten Folgen von Die Narbe. Wichtig erscheint jedoch auch das Thema Schuld. Warum?

Weil der Mensch bei einem Unglück instinktiv nach einem Verantwortlichen, einem Schuldigen sucht. Das Problem ist, dass es den einen Schuldigen bei solchen Unglücksfällen meist nicht gibt. Bei Eschede war das zum Beispiel ein großes Thema, oder auch bei dem Love Parade-Prozess, der ja unlängst eingestellt wurde. Auch so etwas hinterlässt bei den Betroffenen Narben…

Wobei die Klärung der Schuldfrage auch niemanden mehr lebendig macht…

Das stimmt, aber sie kann ein Gefühl von Ausgleich und Gerechtigkeit schaffen. Ich glaube, die Frage nach der Schuld ist sehr wichtig für den Menschen. Manchmal frage ich mich, ob das auch ein Grund sein kann, warum manche Menschen jetzt während der Corona-Pandemie so zweifeln. Es ist vielleicht leichter, die Schuld auf die Regierung oder Virologen oder Bill Gates zu schieben als auf ein Virus.

Stellen Sie selber als Journalistin und Mensch frühzeitig die Schuldfrage oder bleibt erstmal Zeit für Betroffenheit und Mitgefühl?

Als Mensch fühlt man natürlich zunächst einmal mit den Hinterbliebenen und ist erschrocken, was da Schreckliches passiert ist. Aber die Frage, wie es zu so einem Unglück kommen konnte, stellt sich ja meist recht schnell. Man will das Unbegreifliche begreiflich machen. Und damit kommt man schnell auf die Frage nach dem Warum. Da sollten Journalistinnen und Journalisten aber wirklich aufpassen.  

Inwiefern?

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine zum Beispiel hagelte es – und zwar völlig zu Recht – Kritik, wir hätten zu schnell zu viel über Ursachen gemutmaßt, und in der Tat: da hätten wir zurückhaltender sein müssen. Andererseits dient unsere Berichterstattung am Ende ja dem Informationsbedürfnis des Publikums. Das kennen wir alle auch aus dem Privaten. Wenn einen die Freundin anruft und zum Beispiel erzählt, irgendwer habe sich von irgendwem getrennt, reicht einem diese Tatsache allein auch nicht, dann will man wissen, wann, warum und wie es jetzt weitergeht. Je näher einem das Unvorhergesehene ist, desto größer die Neugierde.

Haben Sie die ersten drei Unglücksfälle von Die Narbe ausgewählt, weil sie Ihnen auch persönlich nahe waren?

Nein, die wurden von der Redaktion, den Autorinnen und Autoren ausgesucht, die ja auch die Dokumentationen gemacht haben. Ich persönlich hatte zum Beispiel Ramstein gar nicht mehr so präsent.

1988 gingen Sie ja auch noch in München zur Schule.

Aber als ich die Bilder vom Feuerball sah, kam trotzdem alles wieder hoch.

Welches Ereignis ist für Sie persönlich besonders in Erinnerung?

Ich glaube, das sind immer Schiffsunglücke.

Warum?

Keine Ahnung, aber der Untergang der Estonia hat mich zum Beispiel sehr erschüttert. Diese Vorstellung, da im Bauch eines Schiffes eingeschlossen zu sein und in diesem eiskalten Wasser unterzugehen, fand ich fürchterlich. Da waren ja auch Schulklassen dabei. Und als die Estonia unterging, war ich selbst noch in der Schule.

Hat Sie das Narben hinterlassen?

Ja, das wirkt bei mir so nach, dass ich bis heute nur sehr ungern auf Fähren fahre. Eine Kreuzfahrt käme für mich auch nicht in Frage. Vielleicht habe ich auch zu viel über den Untergang der Titanic gelesen.

Die Narbe ist ein Hybrid aus Doku und Talk. Warum liegt der Gesprächsanteil nur bei gut einem Viertel der Zeit?

Anfangs dachte ich auch, er müsste länger sein, beim Ansehen fand ich es dann aber richtig. Wir probieren jetzt erstmal aus, ob die Leute sich überhaupt auf diese Mischformat einlassen. Das ist ein Experiment.

Haben Sie sich in der Talkhost-Rolle wohlgefühlt?

Ihre Frage klingt jetzt, als hätte es nicht so gewirkt (lacht).

Doch, doch. Aber obwohl Sie viele Interviews führen, ist die Rolle doch neu für Sie.

Nicht wirklich. Fragen stellen, sich über ein Thema unterhalten ist doch eigentlich journalistische Grunddisziplin. Außerdem habe ich ja grad mehr als 30 Folgen des After Corona Club gemacht. Ein Gesprächsformat, in dem ich mich mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der unterschiedlichsten Disziplinen darüber unterhalten habe, was aus der Corona-Krise entstehen und welche Folgen sie haben könnte. Das hat mir großen Spaß gemacht. 

Heißt das, Sie würden dieses Standbein gern mehr bespielen?

Wenn Sie mich so fragen, lautet die Antwort ja. Mir fehlen im Fernsehen diese Eins-zu-eins-Gespräche früherer Tage, also keine Talkrunden, sondern richtige Unterhaltungen. In Podcasts erleben die gerade eine Renaissance. Wenn sich dieser Trend im Fernsehen fortsetzt – ich wäre bereit!


Verrückte Onkel & deutsche Barbaren

Die Gebrauchtwoche

12. – 18. Oktober

Vermeintliche Fake News können ganz schön gut recherchiert sein. Savannah Guthrie, promovierte Juristin in Diensten von NBC, wies Donald Trump beim Distanzduell gegen Joe Biden am Donnerstag nicht nur jede seiner Lügen nach, sie hatte dafür auch stets die passenden Dokumente parat, um den Kernsatz ihrer Moderation zu unterfüttern: „Sie sind der Präsident, und nicht irgendein verrückter Onkel, der jeden Schwachsinn retweeten kann.“ Das ist er natürlich doch und könnte damit sogar die Wahl gewinnen. Trotzdem lieferte Guthries Dialektik einen Beleg dafür, wie wichtig seriöse Medien in Zeiten des Wahnsinns sind.

Das haben zum Glück auch die Menschen in Deutschland begriffen und danken es besonders dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit gestiegenem Vertrauen von aktuell 80 Prozent, während immerhin zwei Drittel einer Umfrage den Medien generell Verlässlichkeit attestieren. Wenn Mark Zuckerberg wie angekündigt ernst macht und Antisemitismus nach jahrelanger Bigotterie endlich verbannt, könnten selbst Internet-Portale demnächst einen Glaubwürdigkeitsvorschuss erhalten.

Dass Facebook und zwischendurch auch Twitter einen tendenziös (un)recherchierten Text der konservativen New York Post über Joe Bidens angeblichen Amtsmissbrauch zugunsten seines Sohnes Hunter in der Ukraine blockiert haben, mag Donald Trump zwar schrecklich finden; nüchtern betrachet, steht es für einen Sinneswandel profitorientierter Plattformen zugunsten des Journalismus. Dass dem auch bei Privatsendern mittlerweile Bedeutung beigemessen wird, belegte am Mittwoch übrigens der Bayerische Fernsehpreis an Thilo Mischkes Reportage Deutschee an der ISIS-Front. Vom Rest der Preisträger hingegen wollen wir – Stichwort Club der singenden Metzger lieber schweigen.

Die Frischwoche

12. – 18. Oktober

Und uns den Kandidaten der Verleihung 2021 zuwenden – von denen diese Woche abgesehen von der 3. (und besten) Staffel Babylon Berlin nichts dabei sein dürfte. Stattdessen glänzt das Streaming-Geschäft mit Serien wie I May Destroy You, einer zwölfteiligen Milieustudie der Generation Tinder, die Regisseurin Michaela Coel als Hauptfigur des eigenen Drehbuchs ab heute auf Sky dabei beobachtet, wie sie Opfer und Täter sexueller Gewalt zugleich werden kann. Brillant!

Gleiches gilt zwar nicht unbedingt für Barbaren. Weil Netflix den germanischen Aufstand gegen Rom vor 2000 Jahren ab Freitag allerdings historisch flexibel, aber dramaturgisch spannend inszeniert, ist die aufwändige Geschichtsserie zumindest sehr unterhaltsam – was in etwa auch für die Fortsetzung von The Alienist an gleicher Stelle gilt oder auch die 3. Staffel von Masked Singer, ab morgen auf ProSieben. Ganz im Gegenteil zum neuen Sonntagsimportkrimi im Zweiten McDonald und Dodds, der zu stereotyp ist, um näher darauf einzugehen.

Deshalb ein Tipp aus der Nische: in Totally Under Control nimmt Hulu ab Dienstag das Corona-Krisenmanagement der USA unter die Lupe und fördert furchtbares Versagen zu Tage. Was auf einer weit weniger fatalen Ebene auch für den Bau-Report Murks in Germany gilt, in dem ZDFinfo das Scheitern deutscher Großprojekte von Stuttgart 21 bis zum BER seziert. Die Wiederholungen der Woche dürfen dagegen diesmal so richtig albern werden – mit einem MDR-Abend am Samstag rund um Adriano Celentano. Erst Der gezähmte Widerspenstige, dann Gib dem Affen Zucker, beide aus den Achtzigern wie der Tatort-Tipp Zweierlei Blut (Dienstag, 23.40 Uhr, WDR) mit, klar, Schimanski.


Feuerstein & Mannomänner

Die Gebrauchtwoche

5. – 11. Oktober

Die Woche, die war, war trotz rasant steigender Infektionszahlen eine Woche der Verlustmeldungen. Herbert Feuerstein zum Beispiel, der große kleine Mann anarchistischer Fernsehunterhaltung, ist gestorben und hinterlässt ein hybrides Erbe aus mehr und weniger Wagemut zugleich. Nicht ab-, aber zurückgetreten ist dagegen Dieter Thoma, der sich über Jahre hinweg einen Überbietungswettbewerb mit Matthias Opdenhövel im Ersten bot, wer von beiden sportpatriotischer übers Skispringen giggelte.

Nur im Wunschdenken zynischer Politikfatalist*inn*en tot und verendet ist dagegen Donald Trump nach seiner Covid19-Diagnose. Stattdessen hat sich das ziemlich stabile Genie als unsterblich erwiesen und seine (vermeintliche) Infektion so gut weggesteckt, dass er zehn Tage später schon wieder Wahlkamp im Weißen Haus macht, also da, wo er mutmaßlich auch seinen Presseschießhund Kayleight McEnany und mehrere Dutzend Angestellte jeder Position angesteckt hatte. Ausdrücklich nicht darunter: Die Fliege auf dem Kopf von Mike Pence, der dem Vize-Duell einen Moment spürbarer Endlichkeit verliehen hat – schließlich liegt die Lebenserwartung von Musca domestica nur bei 28 Tagen.

Damit wird sie nur unwesentlich älter als der Typ Mädchen ist, mit dem Ballermann Michael Wendler seine Profilneurosen kompensiert. Dass er sich jetzt auch noch als Atilla Hildmanns Verschwörungspudel geoutet und dafür umgehend aller Ertragsquellen von DSDS bis PR entledigt hat, erklärt da einiges – und lässt hoffen, dass sich auch Dieter Nuhr endlich bald auch offiziell als Querdenker outet. Bis dahin lässt ihn die ARD aber gut gelaunt am demokratischen Grundgerüst sägen, indem er auf dort alles eindrischt, was aus seiner Sicht politisch korrekt, also volksverräterisch ist.

Die vorerst letzte, vom Umfang her größte Leiche ist allerdings Cineworld. Nach der Verschiebung des neuen 007, schließt der weltweit zweitgrößte Multiplex-Betreiber sämtliche Kinosäle in den USA und UK. Was für Kreativität und Niveau durchaus positiv klingen könnte, hat jedoch massive Auswirkungen auf den Fernsehmarkt, der auf Koproduktionen und Zweitverwertungen aus der Massenfilmhaltung angewiesen ist. Einen Sender wie Pro7 zum Beispiel kann man sich ohne Hollywood-Blockbuster kaum vorstellen.

Die Frischwoche

12. – 18. Oktober

Dessen Stammpublikum wird heute quasi in Mannomann porträtiert. Um 22.50 Uhr fragt die ARD-Doku Moderne Männer, wo seid ihr? und stößt dabei auch auf ewig Gestrige, die James Bonds Lizenz zum Töten für ein offizielles Dokument halten und The Fast and the Furious für Reportagen. Dass die RTL-Plattform TV Now parallel 20 schwule Männer zur Datingshow Prince Charming bittet, kann man da nur als Realsatire verstehen.

Bastionen männlicher Macht sind normalerweise auch deutsche Mehrteiler aus dem Milieu wirtschaftlicher Dynastien. Nicht nur, weil Breaking Even dieses Konstrukt unterhaltsam kollabieren lässt, ist der Sechsteiler ab Mittwoch auf Neo so sehenswert. Bei aller Melodramatik sorgen dafür nämlich zwei weibliche Hauptfiguren, deren Darstellung mehrere Klischees des Mainstreamfernsehen angreift. Klassisch inszeniert, aber doch gelungen ist hingegen Lars Kraumes exzellent besetztes Geschichtsdrama Das schweigende Klassenzimmer (Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF), in dem DDR-Schüler 1956 Zivilcourage zeigen. Zu dumm, dass der Film gegen ein Fußballländerspiel im Ersten programmiert wurde.

Tags probiert Anja Reschke ein informationelles Mischformat aus. In Die Narbe werden eindrückliche Katastrophen wie Eschede oder Ramstein erst aus menschlicher Sicht aufgearbeitet, dann mit Zeitzeugen diskutiert. Und während Netflix die französische La Révolution am Freitag zum Schauplatz einer Horrorverschwörung verballhornt, bringt (kauft nicht bei) Amazon Prime das hochpolitische Broadway-Musical What the constitution means to me auf den Bildschirm und versucht sich zugleich mit Inside Flensburg Handewitt an der nächsten Sportdoku. Die Wiederholungen der Woche sind indes unpolitisch: im schwarzweißen Cowboy-Klassiker Red River von 1947 geht John Wayne mit Montgomery Clift (Freitag, 22.45 Uhr, BR) ins Duell, Dienstag zeigt K1 (22.30 Uhr) Der Exorzist von 1973 im Director’s Cut. Eine Stunde später taucht Schimi beim WDR ins Kielwasser eines Ökokrimis von 1984.


Ausreden & Rumspuken

Die Gebrauchtwoche

5. – 11. Oktober

Es war ein denkwürdiger Satz, den Chris Wallace da am vorigen Mittwoch um drei Uhr früh MEZ am Bildschirm aussprach: „Ich denke, es würde unserem Land mehr nützen, wenn Sie sich ausreden ließen“, mahnte er seine zwei Gäste, als ihm die presidential debate zu entgleiten drohte. Besser konnte der Moderator nicht zum Ausdruck bringen, wie entwürdigend das politische Schauspiel vor gut 100 Millionen US-Amerikanern und einer ähnlich hohen Zahl in aller Welt kaum zum Ausdruck bringen.

Als der Moderator explizit an Donald Trumps Adresse „besonders Sie, Sir“ hinzufügte, wurde aber auch deutlich, wie erschöpft selbst Gesinnungsgenossen des US-Präsidenten mittlerweile vom US-Präsidenten sind. Chris Wallace nämlich stammt keinesfalls von Medien, die der Amtsinhaber als „Feinde des Volkes“ beschimpft, sondern ist Anchor seines Hofberichterstatters Fox News – weshab Trump wie ein Kleinkind im Sandkasten „er aber auch“ zurücknölte. Vielleicht ist das die beruhigendste Nachricht dieser grässlichen Nacht: Selbst in Trumps Umfeld existiert noch immer so etwas wie Expertise, Vernunft und Ethos.

Was das an der Präsidentschaftswahl ändern wird, bleibt zwar abzuwarten; die Gräben im Land jedenfalls scheinen zu tief für Kompromisse beiderseits der Fronten. Doch wie wichtig guter Journalismus fürs gesellschaftliche Miteinander ist, hat ein Profiteur der Diskursverrohung begriffen und lässt ihn sich sogar was kosten. Gut, drei Milliarden Dollar, die Google News Showcase über drei Jahre hinweg als Gegenleistung für Einkünfte aus journalistischem Content zahlen will, investiert der Mutterkonzern Alphabet vermutlich auch für kostenlose Softdrinks in Mountain View – aber es ist ein Anfang.

Die Frischwoche

12. – 18. Oktober

Ein Ende der Karriere von Millie Bobby Brown dagegen ist bislang völlig außer Sichtweite. Mit gerade mal 16 Jahren hat die Hauptdarstellerin von Stranger Things das nächste Netflix-Format eigenhändig produziert. In Enola Holmes spielt sie die Schwester des berühmtesten aller Detektive und macht das mit Helena Bonham Carter als feministische Mutter herausragend. Am Freitag startet der Marktführer dann Spuk in Bly Manor, setzt damit denselben in Hill House fort und macht die Woche endgültig zur Horrorshow.

Parallel setzt Sky in Swamp Thing die Tradition unheimlicher Sumpfmonster fort, bereits heute zeigt Amazon World Beyond, ein Spin-Off der Endlosserie Walking Dead. Horror ohne Geister liefert dagegen das ZDF um 22.15 Uhr in der südafrikanischen Serie Trackers um den verheerenden Blutdurst des Kapitalismus. Und wenn Magenta TV ab Donnerstag mit Ein guter Mensch die allererste Fiktion aus der Türkei in Deutschland zeigt, geht es beim Rachefeldzug eines pensionierten Gerichtsschreibers ebenfalls blutrünstig (und sehr, sehr ansehnlich) zur Sache.

Was sonst noch läuft: ab morgen (22.50 Uhr) im Ersten die komödiantische Talkshow Club 1, in der Gastgeber Hannes Ringlstetter seine Gäste erst zu Beginn der Sendung kennenlernt. Gut zwei Stunden früher startet bei One die EU-Komödie Parlament, in dem Christiane Paul mit den Mühen europäischer Bürokratie zu tun hat. Zwei Tage später zieht TNT in die lustige Patchwork-WG Close Enough ein, während die dänische Thriller-Serie Killing Mike dem Genre ab Freitag (23.30 Uhr, Neo) nichts Neues hinzufügt, aber schon auch spannend ist.

Dass die dritte Staffel Babylon Berlin ab Sonntag nun auch im Ersten läuft, klingt da schon ein wenig nach Wiederholungen der Woche. Was allerdings erst jene zwölf Klassiker der Weimarer Republik von Doktor Mabuse über M und Metropolis bis hin zu der Der Blaue Engel vollenden, die zeitgleich dazu in der ARD-Mediathek stehen. Bliebe also noch der Tatort, und weil er zeitlos toll ist, nehmen wir doch einfach Schimansiks Miriam von 1983, morgen um 22.15 Uhr im WDR.


Hello Forever, Nude Party, Aloe Blacc

Hello Forever

Es gibt ja bekanntlich komplizierte und, nun ja – weniger komplizierte Musik. Erstere wird Jazz genannt oder Mathrock, letztere firmiert unter Begriffen wie Easy Listening und etwas globaler betrachtet: Pop. Fragt sich also, ob es Hard Listening gibt, vielleicht sogar Mathpop und Jazzpop? Seit heute darf man mit Fug und Recht behaupten: Ja. Die kalifornische Band Hello Forever hat ihn erfunden. Wobei er besser mit Hard Listening Mathjazzpop beschrieben wäre.

In seine Einzelteile zerlegt, ist das Debütalbum Whatever It Is ein Mash-up von den Beach Boys über die Beatles bis We Are Scientists. Jede Sequenz für sich suppt geschmeidig ins Ohr wie eine Strandparty der Sixties. Weil das Kollektiv von Samuel Joseph die Soul-Samples und Rock-Schnipsel, Field-Recordings und Queen-Avancen per Stabmixer verrührt haben muss, döst man allerdings nicht in den Sonnenuntergang, sondern bleibt hellwach bis zum Schluss.

Hello Forever – Whatever It Is (Rough Trade)

Nude Party

Wo wir gerade beim etwas alternativeren Pop sind – der kann natürlich auch ganz leicht hörbar sein, wenn er zubereitet wird wie von Nude Party, die nicht umsonst ein bisschen so klingen wie The Strokes auf dem Grab von Velvet Underground. Mit einer sensationellen Mischung aus Rockabilly und Countryglam, Garagengeschrammel und etwas Punk, also dem echten, erinnern die sechs New Yorker an all das, was ihrer irren Stadt so entspringen kann.

Nicht nur, aber vor allem dank Patton Magees vorwitzigem Kneipengesang, reist man auf der zweiten Platte Midnight Manor durch die Bars der Umgebung, probiert in jeder davon einen anderen Schnaps, landet irgendwann wieder am Anfang und beginnt einfach von vorn. Zwölf Tracks wie zwölf Gelage mit Meat Loaf: voller Ausritte in einen Rock’n’Roll, der sogar “run, run, running wild” singen darf, ohne peinlich zu klingen.

Nude Party – Midnight Manor (New West Records)

Hype der Woche

Aloe Blacc

Eine der wichtigen Erkenntnisse im Musikzirkus lautet: Kreativität schützt vor Stumpfsinn nicht. Nehmen wir zum Beispiel Aloe Blacc, der den Soul Mitte des Jahrtausends Richtung Zukunft gepitcht hat. Dieser Tausendsassa der Transformation also singt auf seiner neuen Platte mit grandioser Schmusekratzstimme “My daddy told me how to fight / he said don’t beg down when you were right / my mama teached me how to love / she said always use your heart…” Weia. Wenn nach dieser Lektion in Geschlechterklischees auch noch die Nelly-Furtado-Erweckungshymne scheppert, könnte man All Love Everything (BMG) nach dem ersten Track getrost einstampfen. Muss aber nicht. Weil Aloe nunmal Blacc ist, schimmert unterm Stumpfsinn immer noch diese großartige Gefühl für Harmonie und Stil hindurch. Dennoch: irgendwie ein bisschen Eurodance für Connaisseure.


Tanja Wedhorn: Melodram & Rückgrat

Antwort gestrichen

Mit den Stars öffentlich-rechtlicher Leichtigkeit zu sprechen, ist immer heikel. Viele wünschen sich Anerkennung im Feuilleton, wollen aber ihr Stammpublikum nicht mit Realität überfrachten. Ein Paradebeispiel, wie Anspruch und Wirklichkeit kollidieren, liefert Tanja Wedhorn. Nachdem die talentierte Theaterschauspielerin 2004 als Bianca den Telenovela-Boom entfachte, bekam sie vor allem leichtere Rollen im Gefühlsfach. Bis die 48-Jährige endlich ihre Traumrolle als krebskranke Fritzie bekam, die ab morgen im ZDF gekonnt zwischen Gefühl und Wahrhaftigkeit wechselt. Es wäre ein Anlass gewesen, mit ein paar Klischees aufzuräumen. Im Gespräch war Wedhorn auch respektvoll und offen – bis sie das Transkript ihrer Aussagen las und fast nichts davon gesagt haben wollte. Nicht nur das: Sie verweigerte auch jeden Dialog darüber, ließ diverse Deadlines verstreichen und sorgte so dafür, dass drei Auftraggeber leer ausgingen, vom Interviewer ganz zu schweigen. Protokoll einer Rückgratlosigkeit.

Von Jan Freitag

Frau Wedhorn, wie lange haben Sie sich nach dieser Serie gesehnt?

Tanja Wedhorn: Lange. Und wie. Na klar.

Warum?

Wegen der Bandbreite der Figur, in deren Leben durch die Krebsdiagnose nichts mehr ist wie vorher. Egal ob sie zum Geburtstag ihres Sohnes einen Kuchen backt oder einkaufen geht – unter allem liegt die Diagnose und lässt den alltäglichsten Dingen eine neue Bedeutung zukommen. Ich hatte im Vorfeld durchaus Angst, dieser Diagnose Herausforderung nicht gerecht zu werden. Das hat mich fast in die Knie gezwungen.

Und wie sind Sie stehengeblieben?

Dank der Erzählung einer Bekannten, deren Schwester, Mutter und beste Freundin Brustkrebs hatten und damit jeweils sehr unterschiedlich umgegangen sind. Das zeigte mir: es gibt nicht den einen, womöglich gar richtigen Ansatz, dieses Schicksal darzustellen.

Haben Sie sich in Vorbereitung auf Fritzie die Frage gestellt, wie Sie selbst auf die Diagnose reagiert hätten?

Klar.

Und?

Im Gegensatz zu Fritzie würde ich zwar auch kämpfen wie eine Irre, aber erst mal zusammenbrechen. Und ich würde wohl sofort mit jemandem darüber reden, den oder die ich liebe.

Persönlich neigen Sie also nicht zum Verdrängen wie ihre Filmfigur?

In einem so lebensbedrohlichen Fall sicher nicht, nein. Bei harmlosen Dingen bin ich eine Vermeiderin: ich öffne Zuhause nur sehr ungern meine Post. Rechnungen und Bürokratiekram hasse ich. Erst wenn der Stapel bedrohlich hoch ist und ich einen guten Tag hab, gehe ich das dann an.

Florian interpretiert Fritzis Verdrängungskunst an einer Stelle falsch als Harmoniesucht. Sind sie selber eher harmonie- oder streitsüchtig?

Totale Harmoniesucht, ganz schrecklich. Nein, gar nicht schrecklich. Ich streite mich einfach nicht so gerne.

Kann man sich mit Ihnen trotzdem über die Qualität des Fernsehens streiten?

Jetzt? Das ist genau der Moment, in welchem ich lieber die Post öffne.

 

An dieser Stelle ging das Interview noch 20 Minuten weiter. Es lief gut, es lief fröhlich, es lief nicht nur harmonisch, aber so interessant, dass Tanja Wedhorn am Ende des Gesprächs sagte, wie nett sie es fand, auch mal härter gefragt zu werden. Ihre wahre Antwort auf die vorige Frage lautet also: 

Jetzt in diesem Moment würde ich zwar lieber die Post öffnen, aber Sie haben ja offenbar was auf dem Herzen, also schießen Sie los!

Klingt es aus Ihrer Sicht positiv oder negativ, wenn ich Sie als vielleicht beste Schauspielerin des vielleicht schlechtesten Fernsehens bezeichne?

ANTWORT GESTRICHEN

Nein, das nicht. Aber beim Rest, nun ja…

ANTWORT GESTRICHEN

Kalkulierendes, stereotypes Fernsehen, das niemandem wehtun will wie das Traumschiff, auf dem sie ja auch schon gefahren sind.

ANTWORT GESTRICHEN

Klingt da jetzt durch, dass Ihnen seit Bianca, vor der Sie erfolgreich am Theater gespielt haben, nicht so richtig gute Bücher geschickt werden?

ANTWORT GESTRICHEN

Da wartet man vielleicht für immer…

ANTWORT GESTRICHEN

Dafür sind Sie es ein bisschen bis heute!

ANTWORT GESTRICHEN

Sie haben also nichts zu bereuen?

ANTWORT GESTRICHEN

Meinen Sie denn, Fritzi könnte einen Meilenstein dorthin bilden?

ANTWORT GESTRICHEN

Mit dem Potenzial der Fortsetzung?

ANTWORT GESTRICHEN