The Tick: Antihelden & Superinsekten

Superzecke vs. Pharaoman

Mitten im Superheldenhype der vergangenen Jahre, macht sich die Amazon-Serie The Tick nach dem Pilotfilm vor einem Jahr ab Freitag nun regelmäßig über die Flut der Rächer mit den ulkigen Outfits lustig, was oft genau das ist: ziemlich lustig.

Von Jan Freitag

Gary Larson hat es mal versucht: Aus Insekten Stars zu machen. In einem seiner beißend witzigen Strips zeigt der Großmeister des respektlosen Cartoons Krabbeltiere, die es über den Piloten hinaus nicht zur Serienreife gebracht haben: Zikaden, Moskitos, eher Schädlinge als Sympathieträger und daher völlig untauglich für jene Art absurd uniformierter Kämpfer fürs irgendwie Gute, die seit Jahren das Kino dominieren. Man muss sich daher kurz Gary Larsens Kurzcomic ins Gedächtnis rufen, um zu verstehen, was da ab heute bei Amazon Prime abgeht.

Die Streamingsparte vom Superschurken der Einzelhandelsbranche hat nämlich einen Superhelden erdacht, den man sich nicht unbedingt in seiner Nähe wünscht. Sie heißt „The Tick“, zu Deutsch: Die Zecke. Gepresst in ein lächerlich blaues Kostüm mit zappelnden Fühlern auf dem Kevlarhelm trifft das menschliche Insekt auf den nerdigen Außenseiter Arthur Everest und versucht mit ihm eine Stadt, die entfernt an New York erinnern soll, vor einem Superschurken zu retten, der nicht Amazon heißt, sondern The Terror.

Genau dem war Arthur, wie wir in einer Rückblende erfahren, als Kind begegnet, was den Jungen nachhaltig traumatisiert und zum Verschwörungstheoretiker gemacht hat. Als er nun 15 Jahre später gerade mal wieder auf der Suche nach Beweisen für die drohende Machtübernahme durch den Fiesling in Pharaonenmaske ist, läuft Arthur die Zecke über den Weg und macht ihn zu seinem Sidekick, wie sie es nennt. Das alles ist heillos überdreht, manchmal richtiggehend albern, für eingefleischte Fans des Genres als ziemlich unerträglich.

Doch in der Springflut seltsam ernst gemeinter Mutanten von Wolverine bis Wonder Woman, von Spider Man bis Dr. Strange, die allein in den vergangenen zwölf Monaten zu Kassenschlagern reanimiert wurden, ist The Tick genau deshalb endlich mal wieder ein augenzwinkernder Superheldenstoff. Was auch an den Darstellern liegt. Peter Serafinowicz zum Beispiel, selbst Insidern wohl allenfalls als Stimme vom Star Wars-Fiesling Darth Maul bekannt, spielt die Fernsehversion der gleichnamigen Comicreihe hingebungsvoll selbstverliebt. Unverwundbar und bärenstark, dazu tollkühn und idealistisch ist er dank seines notorischen Overactings vor allem eines nämlich nicht: sonderlich heroisch.

Das wiederum verbindet ihn mit dem untersetzten Underdog Arthur, dem der bestens gebuchte Episodennebendarsteller Griffin Newman (Vinyl) mit Hornbrille und Kurzarmhemd eine Unscheinbarkeit von angemessener Größe, also Winzigkeit verleiht. Die wird dann noch verstärkt durch seinen mausgrauen Antiheldenanzug, der im Erregungsanzug Mottenflügel erhält. Produziert vom Vorlagenzeichner Ben Edlund ist all dies unter der Regie von Wally Pfister natürlich fern von Tiefgang, gar Intellektualität. Was zählt ist quietschbunter, wohl kalkulierter, technisch versierter Schauwert, den besonders die wesensbösen Gegenspieler wie Miss Lint (Yara Martinez) im Stakkato liefern.

Trotzdem entwickelt das Gespann eines wohlmeinenden Großmauls mit seinem sozial benachteiligten Partner als Korrektiv durchaus eine gewisse Tragikomik, gepaart mit Selbstironie. Und die stünde ja auch den Kommerzgewächsen von Marvel bis DC, die das wachsende Bedürfnis nach Mackern mit Muckis, Macht und Durchsetzungsvermögen ohne jeden Anflug von Reflexion bedienen, gut zu Gesicht stünde. The Tick ist natürlich reines Eye Candy. Aber eben welches mit absurdem Charme. Gary Larsen wäre entzückt.

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Insecure: Issa Rae & black feminism

Doppeldiskriminierungshumor

Auch in der zweiten Staffel der hinreißend komischen HBO-Serie Insecure zeigt deren ebenso fantastische Show-Runnerin Issa Rae seit ein paar Tagen auf Sky, wie man sich mit viel Humor und großer Wahrhaftigkeit aus der Zwickmühle befreit, in Fernsehen und der Realität eine schwarze Frau, aber nicht heiß und devot zu sein.

Von Jan Freitag

Issa Rae dürfte es im Grunde gar nicht geben, zumindest nicht am Bildschirm, wo der Mainstream genannte Hauptstrom des berechenbaren Massengeschmacks die Fließrichtung dirigiert. Jo-Issa Rae Diop, wie die sie vor 32 Jahren in Los Angeles getauft wurde, ist nämlich eher derbe als lieblich, geschweige denn hiphopvideosexy. Sie ist zudem: wenig modebewusst, schwer zu handhaben, ziemlich burschikos, und sie ist dunkelhäutig, vulgo schwarz. Zusammengenommen bildet all das eine Kombination, die man im Fernsehen allenfalls auf den Nebenschauplätzen ulkiger Sitcoms mal trifft, aber praktisch nie an vorderster Front des Leitmediums, ob linear oder gestreamt.

Andererseits: Issa Rae gibt es genau dort sehr deutlich. Und zwar derart zum Niederknien, dass man ihr noch ein paar Tausend ähnlicher Hauptrollen wünscht wie die in der HBO-Serie Insecure. Es ist die Geschichte der akademisch gebildeten, aber beruflich unterforderten Volkshochschullehrerin Issa, die nicht ohne Grund so heißt wie ihre Darstellerin, Erfinderin, Autorin, Produzentin, Regisseurin. Ohne als explizit autobiografisch präsentiert zu werden, machte sich Issa Rae vor einem Jahr zum TV-Abbild ihrer selbst und kreierte damit einen Typus Fernsehfigur, den es bis dahin eigentlich nur einmal gab: Von, über und mit Issa Rae als Awkward Black Girl in der gleichnamigen YouTube-Serie, auf die Insecure lose aufbaut .

Übersetzbar mit „verunsichert“, aber auch „ohne Absicherung“ porträtiert die Fortsetzung ab heute (9. Oktober) bei Sky wieder zwei kalifornische Frauen am Rande der 30, von denen die eine (Issa Rae) in langjähriger Beziehung (Jay Ellis) nach der alltäglichen Erfüllung sucht und die andere (Yvonne Orji) als erfolgreiche Anwältin nach der emotionalen. In den ersten acht Folgen sorgte das Ende 2016 für ein hinreißend komisches, zugleich jedoch äußerst tiefgründiges Stück feministischer Emanzipation vor afroamerikanischem Hintergrund. Aber auch jetzt schaffen es Issa und Molly, fast alle Klischees schwarzer Lebensentwürfe im weißen Mehrheitsamerika gleichsam aufzutischen und abzuräumen.

Von der viel zitierten Körperlichkeit dunkelhäutiger Menschen über ihren Opferstatus im american way of life bis hin zum vermeintlichen Rhythmus im Blut, das bei Issas lausigen Rap-Versuchen vorm Badezimmerspiegel gerinnt – unter der tatkräftigen Mithilfe des versierten Fernsehautors Larry Wilmore (The Office) wird praktisch jedes Vorurteil lustvoll inszeniert, um sodann auf ebenso kluge wie unterhaltsame Art und Weise untergraben zu werden. Schließlich haben Issa und Molly stets alle Fäden in der Hand – gerade wenn erstere in der zweiten Staffel wieder solo ist und dank ihrer ewigen College-Freundin den Markt sondiert.

Denn dabei geht es keineswegs immer nur um Romanzenaspekte wie „Mr. Perfect“ und was frau dafür anstellen sollte, ihm zu genügen. Verhandelt wird grundsätzlich auch die Rolle der doppelten Diskriminierung als weiblich und nicht-weiß. Was die beiden Hauptdarstellerinnen allerdings mit einer so grandiosen Schnodderigkeit tun, dass von Larmoyanz keine Spur ist. So viel subtile Befreiungsprosa gab es – zumal im Comedyfach – bislang selten. Und aus diesem Bewusstsein heraus wird dann besonders Issa Rae das, was ihr im Grunde gar nicht so wichtig ist: ungemein sexy. Es ist allerdings eine Erotik von innen, aus Lebensfreude und Intelligenz, Spontanität und Selbstachtung. Viel Glück dabei, Issa! Mögest du noch viele Rollen wie diese schreiben, drehen, spielen.


Heinz Strunk: Mathias Halfpape & Jürgen Dose

Bescheuert und provinziell

Wie aus dem Nichts ist der frühere Kirmes-Musiker Heinz Strunk vor zehn Jahren zum wortgewaltigen Provinzchronisten geworden. Auch sein neuer Roman Jürgen (Foto: Georges Pauly/WDR) skizziert skurrile Figuren, die sich dort behaupten. Und das so wahrhaftig, dass ihn die ARD sofort verfilmt hat. Mit Strunk neben Charly Huber in der Hauptrolle.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Strunk – oder soll ich Sie Halfpape nennen?

Mathias Halfpape alias Heinz Strunk: Ganz, wie Sie wollen.

Also Strunk, das kennt man eher. Kann es sein, dass ihr frisch verfilmter Romanheld Jürgen Dose vor 23 Jahren der erste einer langen Reihe Figuren aus eher wenig privilegierter Unterschicht war?

Das stimmt.

Haben Sie damals ihr Faible für diesen Typus entwickelt?

Schon, weil ich selber ja dem entstamme, was man wohl untere Mittelschicht nennt. Aus meinem eigenen Elternhaus kenne ich jetzt nicht gerade echte Armut, aber durchaus ein Form von Elend der Verhältnisse. Umso wichtiger ist es mir, die unterprivilegierten Figuren meiner Geschichten nicht bloß zu stellen oder vorzuführen, sondern schlicht darzustellen, wie sie sind.

Welche Tricks wendet man denn an, nicht über ihn, sondern eher mit ihm zu lachen?

Wichtig ist immer, die Figuren auch und besonders dann ernst zu nehmen, wenn sie ein bisschen unterprivilegiert sind. Von meinem Telefonstreichen beim Studio Braun hab ich gelernt, besonders im Umgang mit solchen Leuten vorsichtig zu sein. Da gab es öfters mal die Situation, sich über jemanden lustig zu machen, der in seinem Leben ohnehin eher einsteckt als austeilt. Das war eine gute Schule fürs Schreiben. Richtige Tricks gibt es aber eigentlich nicht, im Grunde nicht mal eine besondere Technik. Nur Beobachtungsgabe und Empathie. Das fiel mir 1994, als ich die Figur entwickelt habe, sogar noch leichter, weil ich ihr damals noch deutlich näher stand als heute.

Und was privilegiert solche Figuren für den Humor?

Zunächst mal finde ich die Schicht der Reichen und Mächtigen aus humoristischer Sicht weit weniger spannend als die untere. Mitgefühl lautet die frohe Botschaft der Literatur. Eigentlich mache ich mir meine Zitate ja selber, aber das hier von Rainald Goetz. Ich bin leidenschaftlicher Zitate-Sammler. Auch Jürgen und Bernd werfen sich ja immer eher Redewendungen zu als Pointen zu reiße oder selbst der Gegenstand von welchen zu sein.

Zu welchem Typus Mann zählen denn der gefühlvolle Pförtner Jürgen und sein körperbehinderter Freund Bernd?

Seit Donald Trump mithilfe solcher Typen zum Präsidenten gewählt wurde, sind sie als White Trash bekannt. Bei uns könnte man sie vielleicht schweigende Mehrheit weißer Männer nennen, die sozial inkompetent, beruflich unzufrieden, leicht reizbar, voller Vorurteile, oftmals wütend und alles andere als stilvoll oder gar moderbewusst sind.

Wie ist es denn, sich so eine tendenziell unzufriedene Figur wie Jürgen selbst auf den Leib zu schreiben – mutet man dem eigenen Ego da womöglich mehr an Abgründen und Hässlichkeit zu als einen anderen Schauspieler?

Absolut. Es wäre für mich unvorstellbar gewesen, mir zum Beispiel einen Jürgen Vogel darin vorzustellen oder überhaupt irgendeinen Profi. Ich kann mir da selbst deutlich mehr zumuten als anderen.

So wie ein Schwarzer Nigger sagen darf, was man sich als Weißer besser verkneift?

Ganz genau.

Ist Jürgen trotz aller Nähe zu Ihrer eigenen Biografie dennoch eine Kunstfigur?

Nein. Es ist natürlich eine Verdichtung, aber keine Kunstfigur? Um das verstehen, empfehle ich jedem, mal in irgendeine beliebige Fußgängerzone ganz egal in welcher Provinz oder auch nur großstädtischen Peripherie zu gehen und sich die Leute darin genau anzusehen. Da wimmelt es nur so vor diesen Menschen.

Sind Sie selber eher Ihre Kunstfigur Heinz Strunk oder doch der reale Mathias Halfpape?

Heinz Strunk ist ja weniger Kunstfigur als Künstlername, den ich mir vor mehr als 20 Jahren zugelegt habe, weil das damals besser zu meinem Humor gepasst hat als Mathias Halfpape. Die gehen seither fließend ineinander über.

Wobei manch ein Rapper für den Namen Halfpape einen Finger geben würde.

Stimmt, heute klingt Halfpape cooler, obwohl es auch damals den Begriff Halfpipe schon gab. Ich denke heute auch manchmal, wie bescheuert und provinziell Heinz Strunk klingt. Aber als Autorenname passt er ganz gut zu Jürgen.

Geht es mit dem denn noch weiter?

Das wird die Einschaltquote zeigen. Wenn sie stimmt, könnte ich mir das gut vorstellen, so mit Charly Hübner und mir in fortlaufender Rolle mit ein paar Antagonisten. Lars Jessen hat sich das ja schon vor zehn Jahren als Serie vorgestellt.

Damals ging es grad steil bergauf oder?

Gar nicht unbedingt. Bevor ich 2004 „Fleisch ist mein Gemüse“ geschrieben habe, war ich eigentlich richtig im Arsch. Danach dachte ich dann, jetzt geht’s die ganze Zeit nur noch aufwärts, aber es kam völlig anders. Bis zum Goldenen Handschuh ging die Kurve eigentlich nur noch so leicht flach bergab – obwohl ich selbst Junge rettet Freund aus Teich drei Jahre vorher viel besser fand, das hab ich richtig gut geschrieben.

Bezeichnen Sie sich selbst eigentlich als Schriftsteller?

Schriftsteller, ich weiß nicht. Eher als variantenreich Kulturschaffender.

Und als Politiker?

Überhaupt nicht. Ich habe schon vor Jahren aufgehört, in Die Partei aktiv zu sein, das muss ich unbedingt mal aus Wikipedia löschen.


The Deuce: Straßenstrich & Pornosterne

Voll Porno

Seit die fabelhafte HBO-Serie The Deuce bei Sky läuft, erstehen die Siebzigerjahre fürs Fernsehen wieder auf. Dennoch ist der fiktionale Achtteiler um die Anfänge der amerikanischen Pornoindustrie am Beispiel zweier ungleicher Brüder mehr als ein Kostümfest.

Von Jan Freitag

Der amerikanische Traum ist seit jeher auch ein Albtraum für andere. Indianer, Sklaven, Linke, Bisons können ein Lied davon singen, was seine Verwirklichung bewirkt – und sei es für Amerikaner selbst. Man braucht da nur mal Martin Scorceses Einwanderungsdrama Gangs of New York zu sehen, jede Industrialisierungstragödie von Upton Sinclair oder brandneu: die Unterhaltungsserie The Deuce. Nach seiner brillanten Echtzeitdystopie The Wire sprengt HBO-Showrunner David Simon zurzeit auf allen Sky-Kanälen den Rest dessen, was Wirtschaftskrise und Vietnamkrieg vor 46 Jahren vom amerikanischen Traum übrig gelassen haben. Viel ist es nicht.

1971 herrscht rings um den Broadway Anarchie: ausgerechnet das Fernsehen hat dafür gesorgt, dass die Mittelklassekultur aus Theatern, Restaurants und Tanzläden am Times Square durch Stundenhotels, Fastfood und Tabledance ersetzt wurde. Es herrscht das Gesetz der Straße, also gar keines. Und genau hier leitet Vinnie Martino einen Treffpunkt für Halbweltbewohner jeder Art. Während sich Amerikas Traum vor der Tür in skrupelloser Triebabfuhr auflöst, bietet der leutselige Barkeeper dahinter einen Rückzugsort vom Höllenpfuhl da draußen.

Und er wird bereits vom nächsten Brandherd befeuert: Sexfilme. Kurz nach deren Legalisierung scheint die Pornoindustrie New Yorks Prostituierten zwar einen Weg aus der Gewaltspirale zu weisen; tatsächlich verwahrlost das Viertel nur noch mehr, bevor ihm Aids den Rest gibt. Und so endet auch Vinnies gut gemeinter Versuch, die Frauen aus dem Würgegriff der Zuhälter ins vermeintlich saubere Pornogeschäft zu holen, im Verderben. Dass man trotzdem gebannt zusieht, muss also andere Gründe haben als die Aussicht aufs Entertainment mit Happyend.

Da wäre zum einen James Franco. Teilweise unter eigener Regie erschafft der ausführende Produzent von The Deuce in seiner Doppelrolle als leutseliger Vinnie und dessen kleinkrimineller Bruder Frankie zutiefst verschiedene Antihelden, die stets allenfalls knapp dies- oder jenseits der Legalität ihr Glück suchen und dabei oft im Gegenteil landen. Zugleich sorgen Maggie Gyllenhaal als arme, aber selbstbestimmte Hure Candy oder Margarita Levievas Kiezkind aus gutem Hause Abby neben all den fiesen Freiern, noch fieseren Zuhältern und korrupten Bullen für etwas Optimismus im Desaster. Bedeutender aber ist wie so oft im Historytainment die Ausstattung.

Und da leisten die wechselnden Regisseure wechselnder Drehbuchautoren nach einer wahren Geschichte Erstaunliches. Anders als in zeitgeschichtlicher Fiktion aus Deutschland nämlich wirkt die Szenerie nie museal, sondern authentisch. Gut, manchmal sehen auch die US-Protagonisten aus wie Schaufensterpuppen, aber hey – im Zweifel sind es ja auch Pornostars, Gangster, Bordsteinschwalben, die ihre Fasanenfedern oder Glitzerstolas spazieren führen. In billiger Schlaghosenprosa wie der ZDF-Serie Zarah hingegen sehen auch Kanalarbeiter aus wie Kanarienvögel. Hierzulande käme daher kein Regisseur auf die Idee, einer Hauptfigur so furchtbares Haar zu verpassen wie Frankie oder seinem Bruder ein weißes Hemd, wo es doch so schön bunte gab.

Die Kulisse quietscht also nicht vor Nostalgie, sie wirkt wie ihre Ära: verstörend, grau, konfus. Sex wird in einer Serie über dessen Kommerzialisierung zwar durchaus explizit gezeigt; gleich zu Beginn etwa ist ein erigierter Penis beim sehr glaubhaften Blowjob zu sehen. Doch anders als im handelsüblichen Renaissance-Epos der Marke Borgia etwa dient das dauernde Kopulieren stets der Handlung, keinem Effekt. Und im Hintergrund laufen einfach Lieder statt Hits. Dank dieser sensorischen Zurückhaltung erinnert The Deuce weniger an das legendäre Studio 54, dem Mark Christopher 1998 ein glitzerndes Kinodenkmal gesetzt hat, sondern an Robert de Niros Taxi Driver, der 22 Jahre zuvor ungefähr dort mit dem Abschaum aufräumt, wo nun die Brüder Martino im Trüben fischen. Travis Bickle könnte daher jederzeit in Vinnies Bar auftauchen. Er fiele nicht weiter auf.


Zarah: Fernsehemanzen & Farbenpracht

Knalleffektplastefeminismus

Die ZDF-Serie Zarah will alles auf einmal: Nostalgie und Relevanz, Sex and Drugs, Politik und Glamour. Leider arbeitet sich die Serie um eine Feministin im Medienbetrieb der Siebzigerjahre so sehr an Äußerlichkeiten ab, dass all die bunten Polyesterklamotten am Ende staubiger wirken als jene Epoche, die damit kritisiert werden soll.

Von Jan Freitag

Präzise Beiläufigkeit – so kann man es natürlich auch nennen, wenn sich alles, wirklich alles an einer Fernsehserie um die Präzision der Kulisse dreht und nichts, wirklich nichts darin beiläufiger bleibt als die Handlung. Trotzdem ist es natürlich der Job eines Regisseurs, den Inhalt seines Produktes im Ringen mit dessen Optik zu verteidigen. Aber was Richard Huber bei der Vorabpremiere seiner sorgsam hochgekochten Journalismus-Serie Zarah mit „präzise Beiläufigkeit“ beschreibt, grenzt im besten Fall an Selbstverleugnung. Im schlechteren an Selbstaufgabe.

Dafür reicht ein Blick aufs Ergebnis, das fortan donnerstags nach der gelungenen Teeny-Komödie Das Pubertier im ZDF läuft. Noch besser eignet sich jedoch der Blick an einen Set, den die Produktionsfirma Bantry Bay Mitte April kurz für die Presse geöffnet hat. Damals gewährte ein verwaistes Bankgebäude in der Hamburger City dem sechsteiligen Prestigeobjekt 53 Drehtage lang Asyl im architektonischen Brutalismus seiner Zeit: 1973, dieses bewegte Jahr zwischen RAF- und Konsumterror lässt das Team um den preisgekrönten Macher vom Club der roten Bänder also wieder auferstehen.

Und wie.

Das akkurat nachgebaute Großraumbüro, wie es ältere Zuschauer womöglich vom seligen Lou Grant kennen, der vor 38 Jahren auch hierzulande das Bild vom Ameisenhaufen Zeitungsredaktion prägte, sieht aus wie ein gut sortierter Retroshop der grellen Siebziger. Wie bei Grants Los Angeles Tribune haben die Telefone auch beim Fantasiemagazin Relevant Wählscheiben. Auf dem Schreibtisch stehen Aschenbecher und Olivetti statt Café Latte und Flatscreen. Die Garderobe ist aus Polyester, das Mobiliar vogelwild, der Tonfall saftig. „Sie sehen ja hübsch aus“, flirtet Uwe Preuß als Verleger Olsen einer, pardon: Tippse zu, die „ich bin ja auch verliebt“ zurückkiekst, dass ihre Rüschenbluse vor Kichern zittert.

Wie wichtig dem ZDF die Ausstattung ist, zeigt sich aber erst richtig, als das Toptrio der Besetzungsliste im musealen Büro des Patriarchen zum Fotoshooting posiert. Links Claudia Eisingers Zarah in Stiefelchen unter grellen Hotpants, rechts Svenja Jungs Volontärin Jenny im grelleren Hosenanzug über Plateausohlen, dazwischen Torben Liebrechts Chefredakteur Kerckow im gedeckten Breitreversdreiteiler zum Schnauzer. Alle sehen aus wie im Quelle-Katalog ‘73 – wenn sich Hubers Team mal bloß so viel Mühe mit der Dramaturgie gegeben hätte wie mit dem Drumherum…

Als der Hosenschlag ebenso breit ist wie das Ego der Männer, wird die Bestsellerautorin Zarah Wolf von der fiktiven Relevant engagiert, um Leserinnen hinzuzugewinnen. Doch gleich nach ihrer Ankunft gerät die engagierte Feministin im Minirock so heftig zwischen die Herren der Schöpfung, dass sie bei ihrer Mission publizistischer Gleichberechtigung bereits am zweiten Arbeitstag eigenmächtig das frauenfeindliche Titelbild durch einen Männerhintern ersetzt. Dieses Tempo ist sicher dem Zeitplan geschuldet und wäre dramaturgisch durchaus vermittelbar. Dummerweise nutzt Richard Huber das Thema weiblicher Emanzipation vor allem zur Verdichtung aller Klischees jener Tage auf sechsmal Kaugummientertainment.

So bleibt vom Plan der ZDF-Fernsehfilmchefin Heike Hempel, „relevant und populär zu erzählen“ am Ende nicht mal letzteres übrig. Ausgerechnet Atmosphäre und Look wirken in den ersten zwei Folgen so bieder bis staubig, als sei hier der Lindenstraße das Geld ausgegangen. Gewiss, das Buch von Eva und Volker Zahn enthält auch Perlen. Als eine Sekretärin auf Zarahs Bemerkung im Fahrstuhl, sie habe nicht mit Olsen gebumst, „ich schon“ antwortet und auf die Bemerkung der emanzipierten Reporterin hin, das tue ihr Leid hinzufügt: „Mir auch“, da zeigt sich, dass der Stoff Potenzial zu leichtfüßiger Tiefe hat. Wenn man die denn suchte.

Das ZDF jedoch sucht vornehmlich nach Knalleffekten in Knallfarben. Deshalb reicht es nicht, dass Claudia Eisinger an große Vorbilder weiblicher Medienermächtigung von Wibke Bruns bis Peggy Parnass erinnert; sie muss auch noch was mit der bildhübschen Verlegertochter anfangen und ihr Blatt – das nicht zufällig an den mächtigen Stern jener Tage erinnert – parallel von Minute eins an aufmischen als sei Emanzipation Hochgeschwindigkeitswrestling, kein zähes Ringen um kleine Erfolge.

So zeigt das amerikanische dem deutschen, das binäre dem linearen Fernsehen also abermals, wie man Dekoration als Stilmittel, nicht als Wesenskern verwendet. Auch in der Amazon-Serie Good Girls Revolt geht es um Journalistinnen im Nahkampf mit schwanzgesteuerten Platzhirschen jener Epoche. Doch die Steckfrisuren und Kettenraucher darin dienen weit weniger der Optik als der Story und sind damit genau das, was sich Richard Huber auch für Zarah gewünscht hätte: beiläufig präzise.


ZDFneo: Horrornächte & Gruselgründe

Das ganz normale Grauen

Vier Samstage lang zeigt ZDFneo seit voriger Woche ab 22..10 Uhr bis zum Morgengrauen nahezu die gesamte Bandbreite des Horrorfilms. Und damit auch das, was sein Erfolg mit uns, dem Publikum, zu tun hat.

Von Jan Freitag

Seit Jahrtausenden, ach was – seit es Sprache gibt, neigt der Mensch in Fragen des Entertainments vermutlich zur Schizophrenie: Einerseits löst das Unbekannte, Unheimliche, Unerklärliche verlässlich Fluchtinstinkte aus. Zugleich aber hat sich Homo Sapiens schon immer gern Geschichten erzählt, die seine Ängste nicht bloß thematisieren, sondern fördern. Überliefert sind Gruselstorys jeder Art schließlich schon aus der Antike. Was den Sog des Abstoßenden betrifft, ist die Popkultur demnach wohl so alt wie das Lagerfeuer – nur fehlten ihr lange die Mittel, das Ganze übers blanke Wort hinaus angemessen zu inszenieren.

Doch als mit den Bildern auch die Furcht laufen lernte, begannen sich visuelle Medien zügig mit dem zu füllen, was erst „Grusel-“, dann „Horror-“, bald „Splatter-“ und “Slasher-“, zuletzt „Torture Porn“ genannt wurde: Zusehends fotorealistische Fiktionen unserer schlimmsten Albträume. Ein paar davon sind ab heute wieder bei ZDFneo zu sehen. Um 22.10 Uhr zeigt der Spartenkanal an vier Samstagen in Folge jeweils drei Filme, die uns vornehmlich aus nordamerikanischer Produktion mal mehr, mal weniger das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Den Auftakt bildeten vorige Woche zwei Deutschland-Premieren aus Dänemark und England. Erst variierte Bo Mikkelsons klaustrophobisches Seuchen-Szenario What We Become von 2015 das populäre Zombie-Thema mit Opfern eines unbekannten Erregers, der die Infizierten in einer beschaulichen Vorstadtsiedlung nicht zu Untoten, aber doch zur tödlichen Bedrohung macht. Danach kriegte es ein gut gefüllter Zug in Howl mit Monstern zu tun, die der Horror-Experte Paul Hyett adrett maskiert auf Fahrgäste hetzt. Und zum Schluss stiegen sechs Höhlenforscherinnen in den Abgrund des Grauens, wo sie peu à peu von menschenähnlichen Untergrundkreaturen dezimiert werden. Alles noch in der Mediathek zu sehen, alles eher hardcore.

Doch wenn diesen Samstag Zombies (Shaun of the Dead), Sadisten (Saw 1), Serienkiller (Chained) wüten und sieben Tage darauf zwei ulkige, aber blutige Persiflagen der Marke Scream laufen, bevor die Reihe am 9. September mit dem Mörderpuppen-Thema Dead Silence von 2007 endet, dann zeigt sich: Es geht der Neo-Redaktion nicht nur um die Steigerungslogik des maximal Grausamen, sondern auch um die Vielfalt eines Genres, das im Grunde bereits seit der frühen Stummfilmzeit notorisch unterschätzt wird.

Gewiss, hungrige Mutanten oder maskierte Psychokiller unzähliger B- Movies sind selten mit soziokultureller Reflexion befasst. Zugleich aber ging bereits die erste Verfilmung von Mary Shellys Frankenstein vor 107 Jahren weit über den reinen Schauwert hinaus und skizzierte die Vereinsamung einer fortschrittssüchtigen Gesellschaft mit drastischeren Methoden als das ebenso junge Sozialdrama. Ob Friedrich Murnaus isolierte Zivilisationsneurose Nosferatu (1922) oder Jack Arnolds Ergebnis Riesenspinne Tarantula (1955), das sexuell befreite Dracula-Motiv der Sechziger oder die parallel Wiedergeburt des Zombies als Opfer wie Täter der Moderne durch den unlängst verstorbenen Filmrevoluzzer George A. Romero: Zwischen Kunstblutfontänen und Schreckensschreien kommentiert das Genre die herrschenden Verhältnisse.

Natürlich geht es Konsumenten inszenierter Gräuel auch um die Auslotung der psychischen Belastbarkeit, ohne daran gleich physisch zu leiden; kaum ein Horrorfilmfan sucht den Thrill extremer Ängste ja allein im dunklen Wald voller Wölfe. Zugleich jedoch dürfte nur ein Teil der weltweit Abermillionen Zuschauer von The Walking Dead zur kleinen Gruppe jener Nerds zählen, denen kein Zombie krass genug glibbert. Erst die Tatsache, dass es vom stumpfen Gemetzel bis zur tiefgründigen Suspense, von der ultrabrutalen Allmachtphantasie Hostel bis zur verstörenden Alltagsallegorie Room 104 auch um die Frage der Abgründe unserer Zivilisation geht, hat den Horror demnach aus dem Bahnhofskino in den Mainstream geholt.

Die Dämonen am Bildschirm, das zeigte sich zuletzt in der famosen Achtzigerzeitreise Stranger Things auf Netflix, sind schließlich die Dämonen in uns selbst. Besser noch: aller anderen. Denn Horrorfilme dienen zwar – im Guten wie im Bösen – durchaus der Spiegelung menschlichen Verhaltens. Doch so wenig wie man sich mit Belehrungen zu Nachhaltigkeit, Konsumwahn oder Ungleichheit gern den sorglosen Alltag madig machen lässt, so wenig will man sich zur Entdeckung innerer Schweinehunde auf die Couch eines Psychiaters setzen. Da ist ein möglichst kluger Zombiefilm mit monströsen Platzhaltern unserer Selbstzerstörungskraft doch viel angenehmer. Und dabei sehr unterhaltsam.

  1. August

22.00 Uhr – Shaun of the Dead (GB 2014)

23.35 Uhr – Saw 1 (USA 2004)

01.20 Uhr – Chained (CAN 2012)

  1. September

22.00 Uhr Roter Drache ( USA 2001)

23.55 Uhr Scream 2 (USA 1997)

01.55 Uhr – Scream 3 (USA 2000)

  1. September

22.00 Uhr – The Raven (USA 2011)

23.40 Uhr – Re-Animator (USA 1985)

01.00 Uhr – Dead Silence – Ein Wort und du bist tot (USA 2007)


Ozark: Liliyhammer & Walther Soprano

Grüne Hölle

Etwas Walther White, etwas Tony Soprano: In der fabelhaften Netflix-Serie Ozark (Foto: Netflix) flieht ein Geldwäscher ab heute aus Chicago nach Missouri und zeigt dort, wie fies die Provinz sein kann. Und wie gut mutiges Fernsehen.

Von Jan Freitag

Das horizontal erzählte Fernsehen auf Kinoniveau spielt oft an den Rändern zweier Pole, die sich gern ineinander verkeilen: hier das biedere Bürgertum beim Abstecher in die kriminelle Subkultur, da Gesetzlose auf der Suche nach Behaglichkeit, ersteres verkörpert durch Breaking Bad, letzteres durch Tony Soprano. Wobei: das Gute im Bösen und umgekehrt ist mittlerweile ein so verbreiteter Handlungsstrang, dass er langsam schon wieder langweilig wird.

Da kommt Ozark gerade recht.

Was geografisch ein Plateau im Herzen Amerikas ist, betitelt fiktional eine Serie, die ab sofort auf Netflix den Drang zur gegenseitigen Durchdringung sozialer Randlagen unterläuft. Ihr Hauptdarsteller ist ja weder ein biederer Chemielehrer noch ein skrupelloser Mafioso auf Abwegen, sondern ein Finanzjongleur, der von seinem Drogenboss aus dem hyperkapitalistischen Chicago in die aufgestaute Seenlandschaft des Staates Missouri vertrieben wird.

Da bricht niemand aus, es bricht auch keiner ein. Dieser Marty Byrde zieht seine Frau nebst Kindern aus Geldgier in den Abgrund. Zehn Jahre hat er nicht nur mexikanisches Blutgeld gewaschen, sondern auch noch geduldet, dass sein Partner genug abzweigt, um in ein repräsentableres Büro umziehen zu können. Kurz zuvor jedoch kommt ihm sein Gangsterboss auf die Schliche, richtet Martys Geschäftspartner hin und gibt dem einzig Überlebenden eine letzte Chance: In den Ozark-Mountains soll er ein Vielfaches der bisherigen Geldmenge waschen.

Hier beginnt in Folge 2 die klassische Fish-out-of-water-Geschichte: Großstädter landet bei Provinzgewächsen, im Amerikanischen Hillibillies genannt. Was folgt, könnte also der branchenübliche Gesinnungscrash gegensätzlicher Charaktere sein, wie man es auf gleichem Kanal bereits bei der ebenso brutalen, aber oft brüllend komischen Flucht eines amerikanischen Mafia-Killers ins norwegische Lilyhammer gesehen hat. Hier jedoch gibt es nach dem Buch von Bill Dubuque (The Judge) zunächst zehn Folgen lang wenig zu lachen. Und verschiedene Mentalitäten prallen hier eigentlich auch nicht aufeinander. Denn die Landeier vor Ort, so zeigt sich rasch, haben es mindestens ebenso faustdick hinter den Ohren wie der zugezogene Bandenverbrecher.

So entspinnt sich unter der Regie von Hauptdarsteller Jason Bateman, der für Netflix bereits in der Sitcom Arrested Development dabei war, eine durch und durch spannende Story, die vor allem handwerklich gut gemacht ist und trotz einiger Standards derartiger Stoffe nie sonderlich klischeehaft gerät. Ständig ist man beim Zusehen sehnsüchtig auf der Suche nach Sympathieträgern und wird ebenso oft enttäuscht. Familie Byrde zum Beispiel mag anfangs ein recht normales Mittelstandsleben führen; beim der Finanzplanung für zwei arglose Kunden aber schaut Vater Marty ein Video, auf dem ihn seine Frau Charlotte (Laura Linney) mit ihrem Anwalt betrügt. Im Anschluss geht er auf den Straßenstrich. Die vermeintlich gottesfürchtigen Provinzbewohner im amerikanischen Bibelgürtel hingegen erweisen sich als mindestens genauso gottlos wie das organisierte Verbrechen aus der Großstadt. Kaum einer ist unschuldig, jeder verdächtig. Selten traf „Grüne Hölle“ ein landschaftliches Idyll demnach besser als in Ozark.

Und das weiß Jason Bateman nicht nur durch sein undurchschaubares Spiel in Szene zu setzen; als Regisseur und Produzent tut er es auch durch fehlendes Kunstlicht, das der Kulisse eine Aura permanenter Dämmerung verpasst. Zugleich wird fast jede Einstellung in geruhsamer Kamerafahrt durch eine einzelne Geige knapp unterm Schmerzpegel zersägt. Selten zuvor war eine Thriller-Handlung ohne Effekthascherei daher so zum Zerreißen gespannt wie diese. Und selten zuvor hatte eine Serie das Potenzial, sein Publikum schon in der Auftaktfolge, die üblicherweise noch mühsam Charaktere einführen muss, derart zu fesseln. Solch einen Grenzgang kann zurzeit vermutlich nur ein Streamingdienst mit seiner Möglichkeit zum Bingewatching gewährleisten. Wer hier nach der ersten Folge abbricht, ist beim alten Fernsehen vermutlich besser aufgehoben.