Elias Nerlich: Eligella & Millionen Follower

Sieben, acht Jahre mach ich noch so weiter

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Millionen Fans sehen Elias Nerlich alias Eligella zu, wie er zockt oder das Zocken anderer kommentiert. In Berlin hat der Youtuber jetzt zum dritten Mal ein Fußballturnier voller Ex-Profis und Influencern veranstaltet – vor 16.000 Hallengästen und Hunderttausenden im joyn-Stream. Der Versuch, mit ihm das eigene Phänomen zu ergründen.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Elias Nerlich, als Eligella hast du Millionen Follower und Followerinnen in einem Bereich, der für viele eher Freizeit ist. Wie erklärst du dir dieses Phänomen selber?

Elias Nerlich alias Eligella: Das ist echt ‘ne gute Frage, die ich mir abends manchmal selber im Bett stelle, aber keine richtig gute Antwort finde. Viele Leute folgen mir, glaube ich, weil wir sehr authentisch sind und nicht aufgesetzt wirken. Bei Fußballern ist diese Bindung einfacher zu erklären, weil sie über ihre Außenwirkung hinaus auch noch gut kicken. Aber dass wir, ohne sie persönlich zu kennen, eine Verbindung zu den Leuten herstellen, die aufrichtig wirkt und ist, weil wir das, was wir machen, wirklich ernst meinen – ich glaube, darum geht es.

Was ist dir als Follower von anderen wichtig?

Das Mindset vor allem. Ich bin zum Beispiel ein extremer Fan von Cristiano Ronaldo, weil er einerseits so gut Fußball spielt, aber eben auch, weil er mich abseits davon inspiriert und motiviert. Sein Denken, sein Handeln – das hat großen Einfluss auf mich.

Apropos Einfluss: Wie lautet eigentlich deine Eigenbezeichnung – Influencer?

Das kommt echt auf die Situation. Jüngeren gegenüber bezeichne ich mich in der Regel als Streamer oder Youtuber, damit kann jeder was anfangen. Älteren erkläre ich mich eher als Unternehmer, weil die es womöglich gar nicht verstehen, dass ich mich dabei filme, Playstation zu spielen oder zu kommentieren.

Was sagt deine Oma denn, wenn sie von deinem Beruf spricht?

Das war anfangs schwierig (lacht). Ich habe versucht, es ihr so zu erklären, dass ich quasi meine eigene Fernsehshow im Internet mache.

Welche Rolle spielt so ein Event wie dein „Real Life Eligella Cup III“ in einer so riesigen Halle dabei?

Eine wichtige.

Ist das eher ein sportliches Event oder doch ein PR-Instrument?

Beides, auf jeden Fall. Für die Vermarktung ist das super, eine der größten Hallen in Deutschland voll zu kriegen. Das darf aber nicht davon ablenken, dass es hier auch schon um richtigen Sport geht, den die Spieler alle sehr, sehr ernst nehmen. Das sind schließlich aktuelle Regionalligisten, teilweise Ex-Profis oder Jugendbundesligisten. Das in Kombination mit Influencern ist zwar lustig, aber auch ernst gemeint.

Auch für die ist das aber ein Marketing-Tool.

Klar, das ist auch legitim. Die machen hier eigenen Content oder sind in meinen Streams zu sehen, wollen aber alle gewinnen.

Also trifft hier eSport gewissermaßen auf aSport, also Konsole auf Rasen?

Das ist zumindest ein Teilaspekt. Da treffen zwar zwei Welten aufeinander, aber ich habe ja auch lange eSport gemacht, die Grenzen verschwimmen da seit langem. Das Publikum mag es jedenfalls gern, ihre Streamer beim echten Fußball zuzusehen.

Und gegebenenfalls beim Scheitern?

Auch das kommt immer gut an, klar (lacht).

Was bedeutet es, dass ein Sender wie Joyn als Streamingplattform eines linearen Senders wie ProSieben den „Real Life Eligella Cup III“ live streamt?

Eine Menge. Es ist nicht mein erstes Event mit Joyn und sorgt dafür, dass wir uns über die Verbindung zum Fernsehen neue Zielgruppen auch in Richtung alter Medien, also des Fernsehens erschließen. Das ist eine win-win-Situation für beide Seiten, denn die profitieren ja ebenso von uns.

Aber wer profitiert aktuell noch mehr vom anderen?

Bei der Vermarktung kann eSports definitiv noch vom richtigen Sport lernen. Umgekehrt komme ich aus dem eSport, habe aber mit Delay Sport einen eigenen Verein in Berlin gegründet, der mehr Follower hat als Union und Hertha zusammen. Was Social Media betrifft, kann der richtige Fußball also schon was vom Digitalen lernen, ist aber in Sachen Professionalität und Business noch meilenweit voraus. Beide Seiten lernen voneinander.

Wird das Lernen so weit gehen, dass eSport aSport irgendwann überholt?

Glaube ich nicht, und das ist auch cool so. Richtiger Fußball und Sport im Allgemeinen werden immer die Nr. 1 sein.

Es gibt die Legende, dass junge Fußballer und Fußballerinnen viele ihrer Tricks heute an der Playstation lernen und dann auf dem Rasen anwenden. Ist da was dran?

Na ja, man kann sich da schon was abgucken, nicht nur was Tricks, sondern auch das Spielverständnis betrifft. Aber keinem Spieler gelingt ein Move, nur weil er ihn im Videospiel beherrscht. Rasen ist schon noch mal was anderes.

Wo warst du denn besser?

Im Virtuellen, auf jeden Fall.

Du bist jetzt Mitte 20. Wie lange kannst, wie lange willst du noch auf Plattformen aktiv sein, die ja eher Teil einer Jugendkultur sind?

In diesem Ausmaß? Schwer zu sagen, da können ja auch immer Schicksalsschläge dazwischenkommen oder die Familienplanung. Wenn ich mal ein, zwei, drei Kinder habe, ist dieser Aufwand nicht mehr zu schaffen. Ich würde mal sagen: sieben, acht Jahre mache ich noch weiter und dann bisschen piano.

Klingt ziemlich konkret nach Masterplan?

Da ist was dran.



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