Bombino, Captain Planet, Fieh

Bombino

Schwer zu sagen, was an – einst eurozentristisch als Weltmusik etikettiertem – Ethnosounds aus nordwestlicher Sicht interessanter ist: wenn sie auf vertraute Art fremd klingen, auf fremde Art vertraut oder vielleicht weder fremd noch vertraut, sondern einfach nur irritierend eingängig, ohne aufzuklären, warum. Exakt so vereinigt Bombino aus Niger die Klangwurzeln seiner Heimat mit globalem Rock.

Und wie! Inhaltlich ist Sahel für Menschen ohne deren Sprachkenntnisse zwar ebenso unverständlich wie der arabische Albumtitel ساحل. Klanglich hingegen erschließt sich der krautige Soul sofort. Ein treibender African Folk, der überall und nirgendwo zuhause ist, obwohl der Gitarrenvirtuose mehrheitlich von den Belangen der Tuareg am Wüstenrand erzählt. Das allerdings mit einer Herzenswärme, die eklektisch überwältigt.

Bombino – Sahel (Partisan Records)

Captain Planet

Wenn allerdings irgendwer irgendwas von herzenswarmer Überwältigung im Rockspektrum weiß, dann die Hamburger Emopunk-Band Captain Planet. Seit ihrem, nun ja, Durchbruch mit dem Wechsel zum Label Zeitstrafe und der fabelhaften Großstadtstudie Treibeis, schreit niemand so melodisch schief über die Einsamkeit unter Leuten wie Gitarrist Jan Arne von Twistern. Jetzt ist das fünfte Album raus. Und es macht alles wie immer, nur besser.

Come on, Cat versteht es spielend, Gefühle zu beschleunigen, bis sie in sich ruhen und komplett bei sich bleiben. Die Snare gehetzt, die Vocals gerotzt, die Riffs gescheppert, liefern Captain Planet für alle, die sich – wie es im ergreifenden Halley heißt – “auch nicht mehr ertragen”, weil “wir alle sind doch angezählt seit Jahren”, seelische Erbauung im Moshpit-Modus. Sie belagert das Gemüt wie ein richtig guter Liebesfilm ohne Happyend.

Captain Planet – Come on, Cat (Zeitstrafe)

Fieh

Weil Überwältigung aber kein Selbstzweck ist und Understatement am Ende doch nachhaltiger, wollen wir an dieser Stelle mal eine Band feiern, die beides miteinander verbindet wie jahrelang getrennte Zwillinge. Fieh heißt sie, stammt aus Norwegen und wildert musikalisch in Gehegen, die zwar seltener Menschen aus Skandinavien beherbergen, aber wer den Isländer Junius Meyvant kennt weiß, wie egal das ist.

Auf dem dritten Album stromert das Oktett um Sängerin Sofie Tollefsbøl durch Käfige von HipHop über Jazz bis Psychobeat, kabbelt sich darin mit Anderson .Paak und Todd Terje um den Zugang zur Gittertür und bricht sie mit so wenig Respekt vor den Wächtern abgeriegelter Genres auf, dass der Schlüssel Future-Funk auch wieder eines dieser Quatsch-Label ist, das III zwar nicht gerecht wird. Aber das gilt ja für jede Umschreibung. Fieh sind Fieh und machen auf lässige Art glücklich.

Fieh – III (Jansen Records)



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