Sparkling, Duran Duran, Botticelli Baby

Sparkling

Größenwahn ist nicht die schlechteste Voraussetzung für großartige Musik, und wenn er dann noch unter der Dachzeile “Funkeln” läuft, sowieso. “We’re here to make you feel good / we’re here to make you feel bad” singt die Kölner Powerpop-Brigade Sparkling und fügt unbescheiden “we’re here to make you feel love / we’re here to make you feel sad” hinzu. Das kann man peinlich finden – oder einfach so grandios wie ihr neues Album.

We Are Here To Make You Feel heißt es zusammenfassend, nimmt sich Eighties-Bands wie Boytronic zum Vorbild, beschleunigt sie ein bisschen auf Twenties-Tempo und macht aus traditionellen Synth-Sounds Überwältigungswave der Gegenwart, der spielend Brücken baut und Gräben füllt. Wenn sich das deutsche Trio jetzt noch sein preußisch intoniertes Dictionary-Englisch verkneift, macht es richtig Spaß.

Sparkling We Are Here To Make You Feel (Moshi Moshi)

Duran Duran

Aber wenn wir hier schon in die 80er zurückkehren, dann bitte richtig. Mit einem der damaligen Abräumer schlechthin: Duran Duran. Wer die vier Briten seither etwas aus den Augen verloren hat: Sie machen seit jeher sporadisch, aber regelmäßig neue Platten, spielen noch immer und abermals in Originalbesetzung, garnieren ihr Werk auch auf der sechsten im neuen Jahrtausend damit, was die Birmingham-Boys groß gehalten hat.

Glam-Wave der eleganten Sorte, so schweißtreibend wie intellektuell. Auf Danse Macabre unterstützt von Fans wie Nile Rodgers, die gemeinsam mit den Old Romantics Simon Le Bon, Nick Rhodes, Rodger Taylor und trackweise dessen Namensvetter Andy Altes aufmöbeln, Neues auf alt machen und dafür auch mal Billie Eilish covern. Resolut: dunkel funkelnde Retronostalgie, die auch 2023 wenig von ihrer Anziehungskraft verliert.

Duran Duran – Danse Macabre (Tape Modern)

Botticelli Baby

Und damit zurück in die sogenannte Gegenwart, in der sich Botticelli Baby eher retrospektiv wohlfühlen und daher tief durch die sogenannte Vergangenheit auf der Suche nach Erlösung wühlen. Dass dieses Septett sinfonischer Virtuosen aus Essen stammt, liegt dabei zwar nicht unbedingt auf der Hand, zeugt aber davon, dass Jazz keine Grenzen kennt, wenn er sich genreübergreifend mit Punk, Funk, Balkan paart.

Und genau das tut aber tun Boticelli Baby mit ihrer wuchtigen Horn-Section überm Standardrock-Instrumentarium von Gitarre bis Keyboards. Der Gesang ist dabei durchaus ausbaufähig. Manchmal zu dünn für die raumgreifenden Arrangements, zu schüchtern fast. Im Gegensatz zum Albumtitel Boah, der perfekt zum Ausdruck bringt, was rappelvolle Clubs beim Durchdrehen vermutlich kollektiv brüllen.

Boticelli Baby – Boah (Unique Records)



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