Heidis Männer & Teddys Show

Die Gebrauchtwoche

TV

12. – 18. Februar

Gott ist das öde, einfallslos, berechenbar: Um die Verfassungsfeindlichkeit der AfD zu belegen, hat Maybrit Illner am Donnerstag allen Ernstes Alice Weidels „Kopftuchmädchen“ und „Messermänner“ aus der braunen Grube gezerrt. Deren Friedhofsgärtnerin Beatrix von Storch zeigte sich entsprechend „dankbar für diese Einspieler“ und konnte sich im weiteren Verlauf spöttisch lächelnd darauf verlassen, dass sie allenfalls von Kevin Kühnert mal mit substanzieller Kritik konfrontiert wurde.

Und das nebenbei einen Tag nach dem Abbruch des politischen Aschermittwochs der Grünen durch einen rechtsradikalen Bauernmob und einen Tag vor dem politischen Mord an Alexej Nawalny durch Putins Schergen. Letzterer dominiert seither weltweit die Medien. Zumindest außerhalb Russlands, wo es mit dem Segen der AfD längst schon kein freies Medium mehr gibt. Es sind halt dunkle Zeiten für Pressefreiheit und Pluralismus.

Einziges Licht am Horizon: Germanys Next Topmodel gibt’s jetzt – hipphipphurra – auch mit Männern. Ein wahrhaft herrlicher Quotenbringer. Wenngleich nicht auf dem Niveau der Super-Bowl-Übertragung, die RTL stolze 80 Prozent Marktanteil brachte. Wobei: was in aller Welt haben eigentlich die anderen 20 Prozent Montag um zwei Uhr früh gesehen? Was sie demnächst zur Primetime sehen, wird hingegen von einer anderen Entscheidung geprägt.

Nico Hofmann – einer der profiliertesten Fernsehmacher im Land – verlässt die Ufa und wechselt zu Jan Mojtos Beta, wo er wieder eigenständig Filme produzieren will. Ob sie ihr Jahrzehnt ähnlich prägen wie Frühwerke von Flucht bis Dresden Mitte der Nullerjahre sei mal dahingestellt, aber wo Hofmann drinsteckt, kommt Bedeutung raus. Wenigstens wenn die Etats gut gefüllt sind.

Genau das allerdings bezweifeln viele angesichts von Claudia Roths Reformvorhaben der Filmförderung. Bislang ein schwer durchschaubares Geflecht löchriger Gießkannen, soll sie künftig strukturierter werden und vor allem: deutsche Produktionen finanziell bevorzugen, die auch in Deutschland produziert werden. Damit ist Roths Branche natürlich keineswegs zufrieden. Aber gut – das ist halt der generelle Gemütszustand am Privilegienstandort D.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

19. – 25. Februar

Privilegien, die beim Anschauen einer fabelhaften Serie ab Mittwoch in der ZDF-Mediathek womöglich auf den Prüfstand gerät. Vorerst fünf Teile lang fährt eine Ukrainerin darin Landsleute In Her Car aus den Kriegsgebieten zur polnischen Grenze und kommt dabei mit ihnen ins Gespräch. Dieses Kammerspiel auf vier Rädern ist in jeder 30-minütigen Folge von einer brüllenden Stille, die zugleich fasziniert und verstört.

Damit wäre auch ein ganz und gar unpolitisches Format gut beschrieben. Der Moderator sagt zwar übers neue Unterhaltungsformat, seine Existenz als schwarzer Deutscher sei per se politisch. Die Teddy Teclebrhan Show allerdings ist in ihrer dadaistischen Sehgewohnheitsverachtung ab Dienstag so aberwitzig, dass einem dafür ohnehin keine Adjektive einfallen außer: Teddy. Ob seine Grenzgänge auch für drei neue Pro7-Shows gelten, von denen Mittwoch die erste startet?

Wer weiß. Auf andere Art überwältigend ist jedenfalls die Apple-Serie Constellation. Ein Mystery-Drama, das irgendwo zwischen Gravity und Dark bildgewaltig die Grenzen der Wahrnehmung auslotet. Noomi Rapace kehrt darin als ISS-Astronautin aus dem Orbit in ihre Kölner Gegenwart zurück, die der Vergangenheit nicht mehr richtig ähnelt. Von Regisseuren wie Oliver Hirschbiegel inszeniert, ist der Achtteiler somit zugleich auf realistische Art rätselhaft.

Nichts davon ist die Echtfilm-Variante der Zeichentrickserie Avatar um vier Elemente im Fantasy-Krieg, ab Donnerstag bei Netflix. Sie bestätigt aber die Erkenntnis, dass nicht jeder Hype ein Sequel rechtfertigt. Ansonsten läuft das irritierend gute Großstadtporträt Tokyo Vice ab Freitag in der ARD-Mediathek, während das ZDF zwei skandinavische Serien online stellt: Das dänische Elitesoldaten-Drama Oxen und die schwedische Paartherapie-Aufstellung Out of Touch.

Zum Schluss noch zwei Dokus: Aquaman Jason Momoa stellt ab Donnerstag in der Discovery-Reihe On the Roam originelle Handwerksberufe vor. Und zwei Tage zuvor erkundet die dreiteilige NDR-Doku Bin ich schön? auf dem ARD-Portal unseren Selbstoptimierungswahn.



Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.