Trumps Endspiel & Emmerichs Rom

Die Gebrauchtwoche

TV

8. – 14. Juli

Fußball. EM. Finale. Toll. Wobei – eigentlich gab es am Wochenende zwei medial begleitete Endspiele zugleich. Das erste gewann Spanien gegen England. Das andere fing 27 Stunden zuvor an und hat den Präsidentschaftswahlkampf wohl für den blutenden Berserker Donald Trump entschieden, weil der sich nun noch mehr als Opfer dunkler Mächte stilisieren darf – und im Rückenwind demokratischer Selbstdemontage segelt.

Um ihn zu drehen, singt die Film- und Fernsehprominenz mit im Chor ernstzunehmender Medien, die wenig mehr interessiert als das Alter des aktuell einzig wählbaren Bewerbers. Der Großspender (und Netflix-Chef) Reed Hastings zum Beispiel fordert zusammen mit dem Großspendensammler (und Schauspieler) George Clooney Joe Bidens Rücktritt, während der Lost-Erfinder David Lindelof nur dazu aufruft kein Geld mehr für einen Wahlkampf ohne Erfolgsgarantie zu spenden.

Aber wie gesagt – womöglich alles bisschen egal, weil Donald Trump eh alle Fakten ignorieren und mit dem Attentat Wahlkampf machen wird in einem Land, das allen Ernstes einen Schauspieler dafür angeklagt hat, mit einer versehentlich geladenen Requisite eine Kamerafrau erschossen zu haben. Wegen Mordes! Gut, dass die Klage gegen Alec Baldwin fallen gelassen wurde. Und damit zurück zum Fußball.

Der nämlich war für vier Wochen nah dran am völkerverständigenden Ausgleich, den sportlicher Wettkampf seit der Antike auszuüben versucht. Dass er oft ziemlich unterhaltsam vermittelt wurde, lag übrigens nicht am wohlfeilen Bahn-Bashing, das zumindest seriöse Medien besser mal mit einem Auto-Bashing flankiert hätten. Woran es definitiv lag, war die hiesige Studioberichterstattung.

Die Bolzplatzgefechte von Schweinsteiger/Bommes im Ersten, das Odd-Couple Mertesacker/Kramer im Zweiten. Lothar Matthaus‘ selbstlose RTL-Altenpflegerin Laura Papendick und Laura Wontorras Ergotherapie für Michael Ballack bei Magenta TV – sie alle lieferten drollige Fernsehunterhaltung über den Fußball hinaus und zeigten, wie gut investiert Gebühren- und Werbemillionen ins Lieblingsspielzeug der Deutschen ist. Hoffentlich bleibt das so, wenn in absehbarer Zeit die KI übernimmt.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

15. – 21. Juli

So wie ein Roboter namens Sunny, den Rashida Jones als Witwe eines KI-Entwicklers gerade bei AppleTV+ erbt und als künstlicher Gatten-Ersatz natürlich nichts Gutes im Schilde führt. Auch das Fernsehen hat seinen fortschrittsfreudigen Optimismus ja spätestens mit Klimawandel und 9/11 eingebüßt. Wie schön ist es da, ein problembehaftetes Themas in einer solchen Leichtigkeit zu erleben wie in Simple.

Der spanische Fünfteiler begleitet Dienstag bei Neo und in der ZDF-Mediathek vier mental retardierte, vulgo: geistig behinderte Frauen nach Barcelona, wo sie eine fiktive WG bilden. Und das Tolle daran: Die Serie lässt ihnen alle Freiheiten, verschweigt dabei aber nicht, wie kompliziert es für Menschen jenseits der leistungsoptimierten Norm ist, den Alltag zu bewältigen. Zum Trotzheulen schön!

Zum Fremdschämen ist dagegen das teuerste Format der Woche: Those About to Die. Roland Emmerich lässt darin die Gladiatoren des alten Roms wiederauferstehen, und damit ist eigentlich alles gesagt übers zehnteilige Reenactment für läppische 140 Millionen Euro. Es knallt. Es scheppert. Es lärmt, es blutet, es dröhnt, es tötet, quält, vernichtet. Ab Freitag bei Amazon Prime ist beim schwäbischen Bombastkönig also alles wie eh und je und damit scheußlich.

Dann doch lieber Staffel 2 der originellen SyFy-Serie Resident Alien um sesshafte Außerirdische ab Donnerstag. Oder die thailändische Mystery Master of the House um einen Erbschaftsstreit an exklusivem Ort ab Freitag bei Netflix. Oder zeitgleich Omnivore, eine Apple-Doku-Reihe übers dänische Koch-Genie René Redzepi.



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