Faesers Compact & Haase Kleo

Die Gebrauchtwoche

TV

15. – 21. Juli

Zensur! Das brüllen aktuell alle, die für ihre Meinungen keine bedingungslose Zustimmung ernten. Zensur brüllen jetzt also auch jene, die Nancy Faesers Verbot von Jürgen Elsässers AfD-Fanzine (und das der Polizei Jena) Compact kritisieren. Weil es sich um staatliches Handeln handelt, ist der Begriff dabei nicht mal grundlegend falsch, aber Teil jener Selbstzensur, die rechte Publizistik inhaltlich betreibt. Gut zu beobachten in den USA.

Dort wurde übers Attentat auf Donald Trump nur in einer Handvoll Medien objektiv berichtet. Fox zum Beispiel hat vornehmlich jene 15 Dollar thematisiert, die der Attentäter einer liberalen Wahlinitiative als Teenager überwiesen hatte. Seine Registrierung als Republikaner blieb dagegen unerwähnt. So ging es oft zu in einer Öffentlichkeit, der Trumps gereckte Faust das ikonischste Politiker-Bild seit Bushs Blick ins Leere 9/11 schenkte. Da konnte ein Elon Musk natürlich nicht stillsitzen.

Der hat sich nun auch offiziell auf Trumps Seite geschlagen und das Verbot der Compact auch deshalb – siehe oben – als staatliche Zensur verurteilt. Was den X-Populisten allerdings nicht daran hindert, staatliche Zensur von Sebastian Hotz zu fordern. Unabhängig von der ethischen Frage, ob angehende Tyrannen wirklich dieselbe Pietät verdienen wie, sagen wir, ukrainische Kriegsopfer, legen El Hotzos unappetitlichen Trump-Tweets den Finger in die Wunde öffentlich-rechtlicher Scheinheiligkeit.

Denn dass der rbb den Komiker rausgeworfen hat, wirft die Frage auf, warum Dieter Nuhr beim selben Sender unlängst ungestraft vorschlagen durfte, Messerattentäter – in seiner Welt Muslime – einzuschläfern. Der Stern hat dazu eine Liste all jener ARD-Promis erstellt, die gern rassistisch, sexistisch, völkisch und/oder antisemitisch agitieren, ohne dafür gecancelt zu werden. Wäre Jan Böhmermann nicht in der Sommerpause, hätte er dazu sicher etwas zu sagen.

Ebenso wie zum Landgericht Dresden, das dem sächsischen Imker Rico Heinzig erlaubt, Böhmermanns Konterfei weiter auf Honiggläser zu drucken. Oder zum Kollaps globaler Kommunikationsnetze infolge eines schadhaften Updates. Oder den FX-Fernsehserien The Bear und Shogun, die zusammen sensationelle 46-mal für Disney+ bei den Emmys nominiert sind.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

22. – 28. Juli

Wer vermutlich völlig zu Unrecht wieder leer ausgeht, ist dagegen Kleo. In der zweiten Staffel erreicht Jella Haase als unverdauliche Doppelt- bis Dreifachagentin in eigener Sache zwischen den Wiedervereinigungsstühlen zwar nicht ganz das Niveau der ersten. Aber auch die Fortsetzung stellt ab Donnerstag bei Netflix diverse Regeln des Spionage-Action-Genres so lässig auf den Kopf, dass jede Minute davon – abermals vor allem wegen Dimitrij Schaad gewaltigen Spaß bereitet.

Gleiches gilt überraschend auch fürs Remake von Terry Gilliams Time Bandits. Mit sich selbst als Gut/Gott und Böse/Teufel haben die beiden Showrunner Taika Waititi (Reservation Dogs) und Jemaine Clement (Flight of the Conchords) den Fantasy-Film von 1981 in ein achtteiliges Feuerwerk der Absurditäten verwandelt, das ab Mittwoch bei Apple TV+ sogar ein paar seiner damaligen Makel verliert

Übrigens auch, weil die Titelfiguren keine Kleinwüchsigen sind, die mithilfe des kleinen Kevin auf Raubzug durch Raum und Zeit reisen. Tags drauf bedient sich auch Netflix bei Monty Python. The Decameron macht die Pest anno 1348 zum Thema einer Serien-Groteske, in der buchstäblich keine Gefangenen gemacht werden, aber reichlich Witze auf Kosten Schwächerer. Mal sehen, ob das funktioniert.

Letzteres beweist heute im Ersten der Eberhoferkrimi. Natürlich muss man den bayerischen Mundart-Humor mögen. Aber auch Rehragout-Rendezvous glänzt durch schlagfertige Lässigkeit, also: gute Bücher. Die sechsteilige Bushido-Huldigung Back on Track finden dagegen ab Dienstag bei FreeVee vermutlich nur Fans erträglich. Ebenso wie die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele am Freitag.



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