Das Format, Warhaus, Rogê

Das Format

Referenzen mögen ja Orientierung geben, womöglich gar schmeichelhaft sein – aber was bitte soll die Augsburger Gitartenkrach-Band Das Format mit Vergleichsgrößen wie Idles, Die Nerven, Fountaines DC anfangen, außer Messlatten höher zu legen als nötig. Dieses Format, ziemlich noisiger Alternativerock, dem Labels wie Postpunk auch nicht aus der schlechten Laune helfen, ist sein eigenes Referenzgrößen-Irgendwas.

Und das klingt nicht neu, aber schon individuell nach No-Future-Attitüde, wenn sich emotional ergriffene Schredder-Riffs von Sänger Bruno Teschert durch Liebesquälereien wie “Du bist wie Urlaub / Ich will in Ferien / Du hältst dich raus / und ich halte mich aus” drängeln. Bässe wie Bauchweh, stinksaure Drums, alles nicht Idles oder sonstwas, sondern das fatalistische (Über)Lebensgefühl der GenZ in trostloser Zeit.

Das Format – Das Format (paulpaulplatten)

Warhaus

So richtig gut gelaunt klingt auch Balthazar Maarten Devoldere zwei Jahre, nachdem das Solodebüt den Belgier als Warhaus in ein trübe flackerndes Rampenlicht brachte. Aber das täuscht. Wenn er im Opener des Nachfolgers Karaoke Moon von seiner Kindheit singt, klingen Zeilen wie “I can still remember the number they pinned to my shirt / it was a talent show for kids and I was an introvert” zwar bestenfalls melancholisch.

Das liegt allerdings eher an der Stimme als deren Aussage. Denn eigentlich darf der Mann aus Brügge, das man bekanntlich sieht und dann sterben möchte, bester Laune sein. Sein Gesang atmet zwar ein Art-Gainsbourg-Aura, mogelt sich aber so beschwingt unter den sixtieslastigen, elektronisch angehauchten LoFi-Pop hindurch, dass man sich dabei eher am Meer als am Trauern wähnt. Gute Laune muss ja nicht immer auf dicke Hose machen.

Warhaus – Karaoke Moon (Play it Again Sam)

Rogê

Und wem selbst das noch zu subtil amüsiert, kann sich schön auf die Seite unzweideutiger Offenherzigkeit schlagen und das neue Album des brasilianischen Sängers Rogê hören, der vor zwei Jahren die komische Idee hatte, vorm rechtsradikalen Irrsinn seiner Heimat in die USA zu fliehen, wo der rechtsradikale Wahnsinn nun expandiert. Wie gut, dass er sich (und uns) mit Samba-Interpretationen bei Laune hält.

Die Coverversionen seiner Ahnen João Donato and Caetano Veloso, denen er auf Curryman II die Ehre erweist, sind von einer intrinsischen Fröhlichkeit, die niemanden kalt lässt. Ihre Neubearbeitung mithilfe von Drummachine oder Synthesizer untergräbt sie allerdings mit einer eleganten Verschrobenheit, die ungleich tiefer geht als ihre Originale. Trotzdem gut zu tanzen natürlich. Samba eben.

Rogê – Curryman II (Cargo Records)



Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.