Kriegsopfer & Frauenwut

Die Gebrauchtwoche

TV

18. – 24. November

Das erste Opfer des Krieges, sagt man, ist die Wahrheit. Was aber, wenn sich diese Wahrheit selber im Krieg befindet? Wenn die Gegner keine feindlichen Mächte sind, sondern belegbare Fakten? Wenn es keine bewaffneten Gegner mehr gibt, sondern informationelle? Dann haben, da machen sich Vernunftbegabte langsam nichts mehr vor, die Populisten – meist rechte – mithilfe propagandistischer Medien von Fox bis X, von Compact bis Bild schon gewonnen. Beinahe zumindest.

Was seriöse Medien gegen die Wahrheitsverachtung ja noch immer in der Redaktionshand haben, ist ihre Beharrlichkeit, einfach weiterzumachen – und sei es mithilfe des Bundesverfassungsgerichts, vor das ARZDF vorigen Dienstag gezogen sind. Da selbst mittige Populisten wie Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff wegen 58 Cent das öffentlich-rechtliche System attackieren, wird die Empfehlung der KEF erneut in Karlsruhe entschieden. Und zwar, daran besteht kaum ein Zweifel, zugunsten der Beitragserhöhung.

Anderes Land, anderer Ansatz: Australien verbietet Jugendlichen unter 16 künftig die Benutzung sozialmedialer Plattformen und Messenger von TikTok bis Telegram. Das kann man als überspitzt empfinden, unzeitgemäß, realitätsblind; es ist allerdings auch ein (wenngleich schwer durchsetzbarer) Hilfeschrei, die informationelle Persönlichkeitsbildung junger Menschen nicht Algorithmen, sondern Menschen zu überlassen.

Idealerweise solchen, die nicht Elon Musk und Pawel Durow heißen oder wahlweise Bryan L. Roberts und Shay Segev, deren Konzerne Comcast und DAZN grad auf die Bundesliga-Rechte bieten, ohne auch nur das geringste Interesse an Sport oder Publikum zu haben. Wobei DFB und DFL womöglich die Sportschau opfern, um dem Fußball das Maximum abzupressen. Als Fan könnte man da durchdrehen. Wenn es nicht bessere Gründe für Wut und Empörung gäbe.

Die Frischwoche

0-Frischwoche

25. November – 1. Dezember

Gewalt gegen Frauen zum Beispiel, der RTL+ ab heute die buchstäblich aufregendste Serie 2024 widmet. In Angemessen angry kriegt das Zimmermädchen Amelie (Marie Bloching) nach einer Vergewaltigung die Superkraft, Männern anzusehen, ob sie sexuell übergriffig sind. Diesen Rachefeldzug inszeniert Elsa van Damke (mit Jana Forkel) als Mischung aus Drama und Groteske, die zwar nicht jeden Fernsehpreis abräumen dürfte, aber müsste.

Wie belanglos, öde, vulgär ist dagegen doch der Versuch, geistig schlichte Benzin-im-Blut-Hammel der Testosterondusche Motorsport zu feiern wie Ayrton Senna in der gleichnamigen Biopic-Lobhudelei, ab Freitag bei Netflix. Ähnlich viel überschüssiges Männerhormon fließt tags drauf auch aus dem Spionage-Thriller The Agency von Paramount+, während die Hauptfigur des vierteiligen Terror-Thrillers Operation Omerta, Montag in der ZDF-Mediathek, immerhin eine schwarze Finnin ist.

Aus dem Nachbarland Schweden kommen ab Donnerstag die sechs Folgen der deprimierenden Fünfzigerjahre-Internatsserie Evil auf Arte. Der Ursprung des dreiteiligen Biopics A Very Royal Scandal zeigt sich indes spätestens beim Verursacher: Es geht ab Sonntag bei Magenta TV um die sexuellen Exzesse von Prinz Andrew. Beischlaf als Business steht dagegen ab Sonntag im Mittelpunkt der ebenso erhellenden wie unterhaltsamen ARD-Doku Let’s talk about porn.

Ebenfalls bemerkenswert: Die eigene Show des Brachialkomikers Chris Tall Chris du das hin?, heute bei Pro7. Staffel  4 der Mockumentary Die Discounter bei Amazon Prime am Mittwoch, die sich leider nur noch um sich selber dreht. Dazu zwei Erinnerungsformate zum 20. Tsunami-Jahrestag, seit voriger Woche in der ZDF-Mediathek oder ab heute bei Disney+. Und nicht zuletzt die sechsteilige Real-Crime-Doku Warum verbrannte Oury Jalloh über den Tod einer PoC in Polizeigewahrsam, Mittwoch in der ARD-Mediathek.



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