Merzens Anstand & Ronja Räubertochter

Die Gebrauchtwoche

TV

9. – 15. Dezember

Für 38 Cent kriegt man vielleicht noch ein Ei, aber längst schon kein Appel mehr. Dennoch verwenden konservative Politiker, die Mietpreisbremsen und Bürgergeld als Stalinismus verteufeln, enorme Energie darauf, sie dem ÖRR mit dem Hinweis zu versagen, ein Drittel Euro stürze Deutschland ins Chaos. Weshalb unionsgeführte Länder gegen die Anhebung gestimmt haben und der Ministerpräsidentenkonferenz in derlei Fragen das Widerspruchs-, statt Mehrheitsprinzip verordnet.

Klingt clever, ist ein Feigenblatt, das weiterhin jede KEF-Empfehlung verlässlich vors Verfassungsgericht delegiert, wo ihr dann ebenso verlässlich stattgegeben wird. Kein Wunder, dass Friedrich Merz seine fünf Minuten, die ihm Joko & Klaas am Mittwoch wie Robert Habeck und Olaf Scholz für ein Statement zum Thema Anstand gewährte, mit „Sie werden überrascht sein, mich hier zu sehen“ eingeleitet hat.

Aber es war ohnehin nicht wirklich die Woche anständiger Aktionen. Der stinkreiche FC Bayern zum Beispiel streitet verbissen um höhere Rationen aus dem Fernsehgeldtopf, damit die Bundesliga noch öder wird als ohnehin. Parallel wurde publik, dass ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke Anfang November eine Sendung des ZDF Magazin Royale verhindert haben soll, in der es um Verschwörungstheorien ging.

Parallel dazu schob Gianni Infantino dem absolutistischen Folter-Regime Saudi-Arabien mit willfähriger DFB-Unterstützung die WM 2034 zu. Und dann haben sich nicht nur angeblich bürgerliche Parteien, sondern auch ihre Begleitmedien mit Forderungen überboten, nach Assads Sturz müssten nun aber wirklich sofort alle, alle, alle Geflüchteten zurück nach Syrien, aka Remigration. Dabei sind ohnehin erstmals seit zehn Jahren mehr Menschen nach als aus Syrien eingereist, wobei eine Berufsgruppe besonders hervorstach: Journalist*innen.

Die Frischwochen

0-Frischwoche

16. – 29. Dezember

Und damit in aller Kürze dazu, was im Jahresfinale neues am Flatscreen läuft, nämlich echt nicht viel. Heute (Montag) beginnt in der ZDF-Mediathek der hochatmosphärische Verschwörungsthriller Gletschergrab aus Island. Und das, kein Scherz, ist wirklich der einzig empfehlenswerte Neustart vor Heiligabend. Gleich danach zeigt die ARD Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter als fünfteiliges Fantasy-Serie ohne allzu viel Modernsierungsfirlefanz.

Am 2. Weihnachtsfeiertag nutzt Netflix die besinnliche Stimmung für die zweite Staffel der Gewaltorgie Squid Game. Am Freitag drauf feiern die Pfefferkörner 25. Geburtstag mit einer Reihe Jubiläumszeug in der Mediathek. Und am 28. Dezember steigt die gefeierte Liebes Kind-Hauptdarstellerin Kim Riedle in die ARD-Krimireihe Kommissar van der Valk ein, was ihr vermutlich nicht schaden dürfte.

Außerdem im Festtagsprogramm: Ein Abend zum 90. Geburtstag von UDO! Jürgens am 21. Dezember (linear: 23.12.) mit ausgiebigem Psychogramm und reichlich Found Footage. Und zwischendurch, ebenfalls im Ersten, eine wirklich hochinteressante, in den Doku-Teilen lustig besetzte Hassliebeserklärung an die Lebensader Autobahn (22. Dezember, 18.30 Uhr)



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