DeepSeek & NearFuture
Posted: February 3, 2025 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
27. Januar – 2. Februar
Ganz egal, ob die in Teilen rechtsextreme AfD unter der Kuppel des in Teilen bundespolitisch genutzten Reichstags mit der in Teilen reaktionären CDU/CSU fürs sprachlich in Teilen völkische Zustrombegrenzungsgesetz zur in Teilen fremdenfeindlichen Säuberung des in Teilen arischen Landes verhilft: RTL, wo ein saftiger Skandal letztlich noch immer ein bisschen wichtiger ist als die Demokratie, will das Kanzler-Duell zum Vierer-Disput mit Alice Weidel ausbauen.
Damit sinkt der Kölner Senderkeller ins dritte Untergeschoss einer in Teilen boulevardesken Bild-Zeitung, die vorigen Mittwoch und Freitag alles auf den Fall bröckelnder Brandmauern setzte, indem sie Friedrich Merz bedingungslos für seine AfD-Wahlkampfhilfe unterstützte. Kurze Frage dazu an die KI DeepSeek: Wird der CDU-Kanzlerkandidat „definitiv niemals mit der AfD koalieren“? Antwort: „The server is busy. Please try again later“. Dann was leichteres: Ist Bild eine völkische Zeitung?
Dem entgegnet der chinesische Chatbot, „die Grenze zwischen populistischer Sensationsberichterstattung und völkischem Gedankengut ist fließend, weshalb die Debatte über ihre Rolle in der Gesellschaft weiterhin kontrovers geführt wird“. Was vermutlich auch fürs „Massaker am Tian’anmen-Platz vom 4. Juni 1989“ gilt. Aber da ist dann leider, leider der Server wieder überlastet. Der hat aber auch echt viel zu tun… Denn dass CNN-Urgestein Jim Acosta gekündigt hat, weil er nicht noch mal vier Jahre mit Donald Trump streiten will, hat DeepSeek ebenfalls noch nicht mitbekommen.
Zu Pressekonferenzen lädt sich der US-Präsident allerdings künftig tollen Ersatz ins Weiße Haus: Erstmals erhalten Podcaster, Youtuber, Influencer Akkreditierungen, was zwar grundsätzlich ihrer wachsenden Bedeutung entspricht, aber – na ja: Trump eben, den man sich nirgendwo sehnlicher wünscht als im Dschungelcamp, das RTL vorigen Donnerstag allen Ernstes parallel zum Euroleague-Spiel von Eintracht Frankfurt bei AS Rom übertragen hat.
Die Frischwoche
3. – 9. Februar
Sportlich wird es ohnehin auch in dieser Woche, wenn ARD und ZDF ab Dienstag jedes Rennen der alpinen Ski-WM übertragen. Dazu passen so ein ganz klein wenig Die Åre Morde, ab Donnerstag bei Netflix – schwedisches Neo Noir um eine suspendierte Polizistin auf Mörder-Jagd im Wintersportresort. Ohne Schnee kommt dagegen die Serienversion von Ian Rankins Krimi-Bestseller Rebus um einen schottischen Cop mit Motivationsstörung, ab Donnerstag bei Magenta TV, aus.
Nach realem Vorbild ermittelt Nina Kunzendorf tags drauf vier Teile lang in der ZDF-Serie Spuren, die sie als Kriminalrätin Barbara Kramer in der baden-württembergischen Provinz verfolgt, wo zwei Frauenmorde miteinander verbunden sind und abermals belegen: Nina Kunzendorf würde man vermutlich auch beim Schafe-Hüten gerne zusehen. Ob das Gleiche für Serie Máxima gilt, ein sechsteiliges Biopic (Dienstag, 21.45, Neo) über die holländische Prinzessin an der Seite von König Willem? Na, ja…
Was indes unbedingt empfehlenswert wäre, ist parallel dazu die Near-Future-Dystopie Cassandra. Ab Donnerstag zieht ein Ehepaar aus Hamburg mit Kind und Kegel in ein Smart Home der Siebzigerjahre. Als dessen KI in Gestalt eines vernetzten Haushaltsroboters (Lavinia Wilson) zum Leben erwacht, beginnt ein Sechsteiler, der zwar durchaus Fragen nach Fortschritts- und Technologiegläubigkeit stellt. Er legt allerdings spürbar mehr Wert auf Thriller-Elemente als Ethik-Debatten.
Macht aber nichts. Denn wie Showrunner Benjamin Gutsche beides ausbalanciert, ist für deutsche SciFi-Verhältnisse ausgesprochen pfiffig. Pfiffiger vermutlich als Freshtorges Reality-Persiflage Einsame Herzen, tags drauf in der ZDF-Mediathek. Mit ebenso vielen Klischees spielen zwei US-Formate: Bereits heute startet das zehnteilige FBI-Anime Common Side Effects um durchgeknallte Agenten bei Warner. Und ab Donnerstag struggelt ein Waschstraßen-Besitzer aus dem reaktionären Alabama in der Prime-Serie Clean Slate damit, dass sein Sohn als Trans-Person zurückkehrt.