Pressefreiheit & CumEx-Betrug

Die Gebrauchtwoche

10. – 16. März

Das mediale Netz fängt gerade unablässig Daten, die wohl einst als Wendepunkte einer anderen Welt betrachtet werden. Donald Trumps Rede war definitiv eine davon. Falls sich die USA, wie vielerorts befürchtet, wirklich auf dem Weg in eine Präsidial-Diktatur befinden, dürfte der vergangene Freitag das Tor weiter geöffnet haben. Denn sah er unbotmäßige Medien seit jeher als korrupte Fake News an, nannte Trump sie nun „illegal“.

Das war schon deshalb der öffentliche Auftakt eines exekutiven Großangriffs auf die Pressefreiheit, weil er ihn dort kundtat, wo US-Präsidenten normalerweise niemals reden: im Justizministerium. Dass der Angriff auf die Gewaltenteilung kurz vorm Beschluss erfolgte, dem US-Auslandsradio Voice of America sämtliche Mittel zu streichen und 1.300 Angestellte freizustellen, passt dabei ins Bild, das auch global gezeichnet wird.

Die öffentlich-rechtliche Plattform funk hat mal nachgerechnet und dabei auch die eigenen Auftraggeber von ARDZDF nicht unverschont gelassen: Zur Amokfahrt von Magdeburg gab es 4312 Berichte, zu der von München ganze 37 mehr, während das jüngste Ereignis in Mannheim nur gut auf die Hälfte der Texte und Beiträge kam. Tatverdächtig war halt nur ein Biodeutscher. Nicht so schlimm also…

Und klar würde man an dieser Stelle gern auch mal Fortschritte, also Positives darstellen. Aber wenn Prof. Thomas Hestermann von der Macromedia Hochschule im Interview mit Zeit-Online über seine Forschung zur Gewaltberichterstattung sagt, die Presse sei so weit von der AfD korrumpiert, dass sie deren Narrativ oft 1:1 übernimmt, ist aktuell eben wenig Gutes zu berichten. Es sei denn, auf dem Markt neuer Serien und Filme.

Die Frischwoche

17. – 23. März

Dort hat Netflix – wie fast immer, ohne Medien vorab darüber zu informieren – die großartige One-Shot-Drama-Serie Adoloscence über einen 13-Jährigen unter Mordverdacht gestartet. Was besonders der Hauptdarsteller Owen Cooper leistet, ist auf gespenstische Art ergreifend – und wirft ein fesselndes Schlaglicht auf digitales Mobbing und toxische Männlichkeit unserer enthemmten Gesellschaft.

Ansonsten ist das Angebot diese Woche relativ überschaubar. An gleicher Stelle geht Anna Maria Mühe ab Mittwoch als Totenfrau in die 2. Staffel – was durch den Aufstieg des Nebendarstellers Peter Kurth zur Hauptfigur nochmals gewinnt, aber jetzt auch nicht die Neuerfindung der Krimigroteske ist. Und ebenfalls bei Netflix gibt es mit The Residence Neues aus Shonda Rhimes Shondaland.

Uzo Aduba – bekannt als durchgeknallte Crazy Eyes in Orange is the New Black – soll darin ab Donnerstag acht Teile lang einen Mord im Weißen Haus auflösen und nebenbei verrückte Sachen machen, weil – Uzo Aduba eben… Bei Paramount+ kommt tags drauf dann Dennis Quaid als Serienmörder-Jäger in Happy Face zu seinem Seriendebüt, bevor am Samstag gleich zwei deutsche Prestigeprojekte im ZDF starten.

Erst holt Florian Lukas die Showlegende Hans Rosenthal für ein bubblegumbuntes Biopic aus den Siebzigern in die Mediathek – verpasst seiner Figur allerdings den nötigen Ernst eines Shoah-Überlebenden im Wirtschaftswunderland. Und parallel geht Die Affäre Cum-Ex online. Angemessen starbesetzt zeichnet der deutsch-dänische Achtteiler von Showrunner Jan Schomburg (Regie: Dustin Loose und Kaspar Munk) nach, wie Banken seit 20 Jahren Staaten plündern.

Das ist zwar manchmal ein bisschen didaktisch. Es zeigt jedoch mit einer Spur dokufiktionalen Humors, wie die Finanzindustrie mithilfe von Justiz und Politik der Demokratie den Garaus macht. Herausragend: Lisa Wagner als trotzig sachliche Staatsanwältin, deren entgeistertes Gesicht manchmal mehr über die Gier der Privilegierten – nahezu durchweg Männer – sagt als jeder noch so feine Dialog.



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