Klings Appell & Wilsons Späti
Posted: March 31, 2025 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
31. März – 6. April
Es war zuletzt, wie ja eigentlich unablässig, die Zeit der Abschiede. Vergleichsweise leicht zu verkraften ist da zum Beispiel der von Elton nach zehn Jahren Wer weiß denn sowas. Ein wenig schwerer fällt dagegen jener von Klaas Heufer-Umlauf im siebten Jahr seiner Late Night Show bei Pro7. Kaum zu ertragen ist demgegenüber das endgültige Aus der türkischen Demokratie – zumal die Verhaftung von Recep Erdoğans Gegner Ekrem İmamoğlu mit einer ungeklärten Zahl weggesperrter Journalist*innen und Fernsehkanäle einhergeht.
Wovon wir uns wohl ebenfalls verabschieden müssen, ist das vielbesungene Vertrauen in die Checks and Balances der amerikanischen Demokratie. Nachdem Donald Trumps sogenannter Sicherheitsstab inklusive mehrerer Ressortchefs hochsensible Informationen über Angriffspläne auf die Huthi-Miliz nicht nur auf einem leicht zugänglichen Messengerdienst ausgetauscht haben, sondern den Chefredakteur des Atlantic-Magazins Jeffrey Goldberg eingeladen, wurde es wirklich haarig.
Denn auch, wenn Signal-Gate tagelang in nahezu aller Munde war: Harte Konsequenzen wird es kaum geben. Dafür müsste die Trump-Administration nämlich Gerichte respektieren, kommunikative Mindeststandards einhalten und zumindest grob einräumen, etwas falsch gemacht zu haben. Bei allem allerdings: Fehlanzeige. Und so gewinnt ein deutscher Appell medial involvierter Menschen mit oder ohne erhöhten Bekanntheitsgrad weiter an Gewicht.
Auf Initiative des Känguru-Flüsterers Mark Uwe Kling plädierten mehr als 100 Erstunterzeichnende von Bulli Herbig bis Karoline Herfurth dafür, Deep Fakes nicht nur einzudämmen, sondern ganz zu verbieten. Mithin eine Manipulationstechnik, die das Vertrauen in Bild und Ton, Fakten und Wahrheit unterminierten hilft. Also genau das tut, was den Rechtslibertären bei der Machtübernahme hilft. Die Konsequenz kann man aktuell in der ARD-Mediathek bestaunen.
Die Frischwoche
25. – 31. März
Dort läuft Volker Heises Langzeit-Analyse Masterplan, die 90 Minuten lang den völkischen Plan zur Remigration eines gehörigen Teils zugewanderter Menschen mit und ohne deutschen Pass beleuchtet. Als Beistellstück gewissermaßen eignet sich da die Aufbereitung Trump – Ein US-Präsident vor Gericht, ab Dienstag bei Sky und Wow. Ansonsten aber steht die Woche ganz im Zeichen eines Dreivierteljahrhunderts Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland.
Wie sich die ARD – präsentiert von Susanne Daubner – heute zur besten Sendezeit mit der zeithistorischen Doku 75 Jahre. Fürs Erste! feiert, ist mit 60 Minuten zwar viel zu kurz und überdies nur bedingt lustig; es eröffnet allerdings Feiertage, die eine Jubiläumsshow am Samstagabend mit – wem sonst! – Kai Pflaume krönt. Was die ARD so schrecklich und schön zugleich macht, kann man aber auch am Mittwoch schon begutachten.
Dann nämlich startet Barbara Eders Agententhriller Das zweite Attentat in der Mediathek. Ein sechstteiliges Raunen über die Beteiligung des deutsch-irakischen Whistleblowers „Curveball“ an George W. Bushs herbeigelogenem Überfall auf den Irak 2003. Optisch absolut ansehnlich, ist die Geschichte ein so kruder Mix verschwörungstheoretischer Stereotypen, dass man allenfalls eingefleischten Actionfans dazu raten kann. Für eingefleischte Promifans ist hingegen die ZDF-Serie Späti gedacht.
Der Creative Producer Wilson Gonzalez Ochsenknecht besetzt sich darin selbst als Kiosk-Verkäufer im Sog der Gentrifizierung. Und zumindest sich das hätte er uns besser erspart. Denn der Rest ist ganz okay. Was ungefähr auch für ein Sequel der unerwarteten Art gilt. Sky schickt den Wiedergänger von Bud Spencers Plattfuß der Siebziger zurück auf Neapels Straßen – diesmal ohne ständige Kneipen-Keilereien, dafür mit Salvatore Esposito (Gomrrha), viel Ernst und einem Abstecher nach Hamburg.
Der Rest in Stichworten: Apple schickt ab Dienstag Seth Rogan zehn Teile lang in die komödiantische Hollywood-Nabelschau The Studio. Parallel begleitet der Sechsteiler Dead Still einen Fotografen des 19. Jahrhunderts durch Mordsfälle bei Sky. Bei Prime Video feiert Kevin Bacon sein Seriendebüt als The Bondsman. Disney+ überrascht sein Publikum mit der achtteiligen Tragikomödie Dying vor Sex um eine krebskranke Frau, die es vorm Exitus noch mal krachen lässt. Und als Goodie für Nostalgiker stellt der BR Monaco Franze in die ARD-Mediathek.