Eingelocht: Arte & Minigolf
Posted: April 16, 2025 Filed under: 3 mittwochsporträt Leave a commentGernegroßes Kleinstvergnügen
Die bezaubernde kleine Arte-Serie Eingelocht handelt sechsmal 12-15 unscheinbar tiefgründige Minuten von einem Minigolfplatz irgendwo in Frankreich, auf dem wechselnde Figuren zwischen Loch 1 und 18 wahrhaftige Sorgen und Nöte der großen Gesellschaft im Kleinen durchspielen. Toll!
Von Jan Freitag
Und Größe zählt doch! Wer oder was warum auch immer geringere Abmessungen hat als andere, steht schließlich schnell im Ruf der Unvollkommenheit. Kleine Autos gelten als unfallgefährdet, kleine Ortschaften als provinziell, kleine Portionen als unzureichend, kleine Menschen als durchsetzungsschwach. Und da war noch nicht mal vom Minigolf die Rede. Verglichen mit Maxigolf auf kleinstadtgroßer Fläche, das muss sogar Marc einräumen, ist die Spielplatzversion „banal.“ Banal?
Welch ein Affront! Vor allem aber: welch ein Irrtum! Findet zumindest Chacha (Rosa Bursztein), die sich mit ihrem Mann (Nicolas Bernot) gerade auf der Tour de France de Minigolf zwischen Nordsee und Mittelmeer, Alpen und Atlantik befindet. Bislang 1486 Plätze in zwei Jahren, also zwei pro Tag. Bei Wind und Wetter. Dafür haben die zwei Finanzbeamten nicht nur unbezahlten Urlaub genommen, sondern praktisch „alles geopfert“, wie Chacha den Banalitätsvorwurf abbügelt. Und zwar aus gutem Grund.
Denn Minigolfplätze, erzählt sie dem Lokalreporter Hadrien (Édouard Sulpice) auf ihrer Schlussetappe, „sind wie Menschen“. Jeder sei anders. Auch Nummer 1487 also, auf den wir das Paar ab heute zu Beginn der Arte-Serie Eingelocht begleiten. Zwischen Bahn 1 und 18 einer grünen Betonoase irgendwo im Nirgendwo Frankreichs, erzählt es jedoch nicht nur vom gernegroßen Kleinstvernügen ganz gewöhnlicher Leute. Maximal knackige 15 Minuten pro Folge malen Maxime Chamoux und Sylvain Gouverneur ein Fernsehgemälde auf Kinoformat.
Vor vier Jahren haben die beiden Filmemacher ähnlich alltägliches Serienpersonal 50 erfolgreiche Episoden lang Tag für Tag für Tag Punkt 18:30 auf dem Heimweg vom Büro zur Bushaltestelle begleitet. Jetzt suchen sie erneut nach dem Ganzen im Halben und werden auf der leicht angejahrten Anlage von Managerin Sylvie (Jeanne Arènes) ebenso bezaubernd fündig. Zum Auftakt etwa bittet der Personalchef Gilles (Nicolas Lumbreras) die alleinerziehende Faïza (Saffiya Laabab) zum Bewerbungsgespräch, wo sie zwischen Abschlag und Loch zugleich Siegeswillen und Teamgeist beweisen soll.
Später lädt der unsichere Single Gautier (Théo Navarro-Mussy) seine alleinerziehende Internet-Bekanntschaft Claire (Agnès Miguras) zum ersten Date hierher und kriegt es nebenbei mit ihrem Sohn sowie einem Hund zu tun. Davor spielt Cécile (Chloé Stefani) gegen ihre Schwester (Bérengère McNeese) darum, wer von beiden dem kranken Bruder ein Organ spendet. Und wenn diverse Figuren im Staffelfinale nach Art einer Mockumentary erklären, warum der greise Jacques an jedem 14. Juli pausenlos Bahn 7 spielt, wird „Eingelocht“ endgültig zur federleichten Gesellschaftsstudie von fast philosophischer Tiefe.
Das Besondere an diesem Kleinod mikrosozialer TV-Unterhaltung besteht dabei darin, dass der Minigolfplatz nicht bloß ein drolliger Drehort ist, dem sechs Folgen lang wahllos Geschichten übergestülpt werden. Wie Amazon Primes Discounter im Hamburger Vorstadtsupermarkt, wie der Brandenburger Bäckereiwagen Tina Mobil, wie das Bestattungsinstitut von Six Feet Under oder zuletzt ein Marzahner Nagelstudio als Refugium widerstandsfähiger Wohlstandsverlierer: Auf Sylvies Minigolfplatz verbinden sich kleine bis große Dramen organisch mit dem Belag darunter und umgekehrt.
Alle sechs Episoden sind daher abgeschlossen, aber lose verzahnt. Die Hasenfigur aus Folge 6 schaut acht Zehntelsekunden aus dem Bildschirmrand von Folge 2 vorbei. In Folge 5 hört man die Schwestern aus Folge 2 streiten. Durch Folge 4 fliegt ein Gegenstand aus Folge 3. Alles ganz lustig, alles zu unscheinbar, um dem Wesen echter Probleme wahrhaftiger Menschen Aufmerksamkeit zu entziehen. Denn wenn der blinde Domi (Guillaume Muller) beim Einlochen ohne Sicht auch seinen Liebeskummer zu besiegen, könnte es in billigen Slapstick münden. Tut es aber nicht.
Dafür sorgen schon fabelhafte Darstellerinnen und Darsteller, denen man ihre Figuren jederzeit abkauft. Was wiederum an Drehbüchern liegt, in denen Chamoux und Gouverneur eine Komödiengrundregel beherzigen: Nimm die Handlung und ihre Pointen nicht wichtiger als die Figuren und ihre Persönlichkeiten. Eingelocht ist daher mal lustig, mal traurig, meist beides in einem, aber selten selbstgefällig, gar berechnend. Faïzas angehender Arbeitgeber ist folglich ein Paradebeispiel des toxischen Mannes, der sich für unwiderstehlich hält und davon selbst dann noch redet, wenn ihm seine Inkompetenz um die Ohren fliegt.
Trotz des lächerlichen Profioutfits inklusive Golftasche und Handschuh, führen ihn die beiden Regisseure aber nicht vor, sondern lassen ihn in aller Seelenruhe an seiner Selbstüberschätzung scheitern. Dafür brauchen sie keine schnellen Schnitte, lustigen Twists oder gefährlichen Querschläger. Es reicht, Individuen dabei zuzusehen, Anspruch und Wirklichkeit ihrer Existenzen bei einer kindlichen Freizeitbeschäftigung in Einklang zu bringen, die einfach aussieht, aber so kompliziert ist wie das Leben. Auf dem Minigolfplatz kommt es erst richtig zur Geltung. Banal ist das nie. Aber sehr amüsant.
„Eingelocht“, 6 x 12-15 Minuten, ab 8. April bei Arte.tv
The Handmaid’s Tale: Fiction & Reality
Posted: April 11, 2025 Filed under: 3 mittwochsporträt Leave a commentSchlussstrich unters Horrorszenario
Mit der sechsten Staffel in fast acht Jahren endet die verstörende Zukunftsdystopie The Handmaid’s Tale bei MagentaTV. Und zwar ausgerechnet in einer Zeit, wo ihre Fiktion Realität zu werden droht. Fazit einer Serie, die anfangs zu schrecklich war, um wahr zu sein. Lange her…
Von Jan Freitag
Kanada ist, wer würde dies bestreiten, eine topografisch spektakuläre, international geachtete, politisch selbstbewusste, allem Anschein nach standhafte Nation. Sie lässt sich daher von niemandem so leicht unterkriegen. Auch nicht unterm Druck der weltgrößten Militär- und Wirtschaftsmacht, die das Rückgrat des zweitgrößten Landes grad einem Belastungstest aussetzt, dem beileibe nicht jedes widerstehen würde. Wer ihm dabei aus sicherer Entfernung zusieht, hält es da durchaus für denkbar, wie Kanada sich ab heute zum letzten Mal bei MagentaTV zeigt.
Als Hort liberaler Ideale nämlich, der dem aufkeimenden Faschismus im Süden trotzt. Und nein, damit ist nicht Donald Trumps Zoll-Regime gemeint. Es geht um Gilead. Benannt nach einem Reich biblischen Ursprungs, haben christliche Fundamentalisten die USA in dieses postapokalyptische Patriarchat verwandelt, das den letzten Rest fruchtbarer Frauen zu Gebärmaschinen degradiert. Ein misogynes Horrorszenario, das bei der Premiere 2017 ähnlich undenkbar schien wie die Rückkehr der Taliban oder fünf Jahre später Trumps Rückkehr.
Wenn The Handmaid’s Tale nun mit Staffel 6 endet, zeigt sich also das prophetische Potenzial der Hauptverantwortlichen dieser aufsehenerregenden Serie. Kurz, nachdem Margaret Atwood 1985 den zugehörigen Roman geschrieben hatte, versprach Francis Fukuyama im Licht des Mauerfalls das Ende der Geschichte und meinte damit auch Gegner von Liberalismus, Marktwirtschaft, Demokratie. Als Bruce Miller den Besteller dann 2016 zur Serie aufbereiten ließ, schien der schwarze US-Präsident Barack Obama dem Showrunner trotz aller Finanz- und Staatskrisen sogar Recht zu geben.
Leider hat sich dieser Optimismus vorm Start der letzten acht von 68 Folgen in Luft auflöst. Schließlich wird nicht nur das Gilead-Territorium gerade von einer Clique antipluralistischer Frauenfeinde regiert. In aller Welt befinden sich die Errungenschaften jahrhundertelanger Befreiungskämpfe auf dem Rückzug. Nur Teile Europas halten dem rechtspopulistischen Sturm noch Stand. Und Kanada, versteht sich, das nächstgelegene Refugium. Dorthin zog es folglich auch die Hauptfigur June (Elisabeth Moss), nachdem sie ihr Dasein zwei Staffeln lang als lebender Brutkasten gefristet hatte.
Nach furchtbarer Irrfahrt durch Herrenhäuser und Frauenkäfige Gileads, verhalf sie 86 Kindern zur Flucht ins gelobte Land nordwärts. Mehr noch: mit Ehemann Luke (Olatunde Fagbenle), der Verbündeten Moira (Samira Wiley) und dem Kollaborateur Tuello (Sam Jaeger) baute June in Kanada eine Form feministischer Widerstandsbewegung entflohener Mägde gegen das alttestamentarische Regime im Süden auf. Ein Gottesstaat, dessen Religiosität nur als Feigenblatt männlicher Machtgelüste dient. Doch zu Beginn der finalen Staffel ist auch dieser Rückzugsort bedroht.
Da Kanada Flüchtlinge wie sie wieder ausweist, sitzt June mit Baby und gebrochenem Arm plötzlich neben der verhassten Witwe (Yvonne Strahovski) ihres alten Besitzers im Zug nach Süden, wo der Kampf gegen die Unterdrückung weitergeht. Wie genau, wird hier nicht verraten. Was die Serie in den ersten vier Staffeln allerdings faszinierend machte, findet auch jetzt seine Fortsetzung. Denn abgesehen von der grundbösen Aufseherin Lydia (Anne Dowd), leiden Opfer und Täter, Sklavinnen wie Halter gleichermaßen an der retrofuturistischen Steinzeittyrannei.
Selbst Profiteuren gewährt sie wenig Freude an ihrer schönen neuen Welt. Und genau darin besteht die Faszination einer zeitlosen Near-Future-Serie, deren Ästhetik zugleich anzieht und abstößt. Beides perfekt verkörpert von Elisabeth Moss, die Junes Achterbahnfahrt von untertäniger Demut über aufkeimende Renitenz bis zur entfesselten, aber kontrollierten Wut mit ihrer Mimik allein Ausdruck verleihen kann wie kaum eine Schauspielerin sonst. Wenn ihr Ringen um Selbstbehauptung für sich und ihre Schicksalsgenossinnen im Rachefeldzug gipfelt, haben sich einige der Eskalationsspiralen zwar abgenutzt.
Sie entfalten allerdings auch weiterhin einen Sog, dem man sich anders als bei der auserzählten Referenzgröße The Walking Dead schwer entziehen kann. Das liegt wohl auch an der bedrückenden Atmosphäre und ihrer fabelhaften Ausstattung. Zwischen Darth Vaders tiefschwarzem Helm (Star Wars) und Uma Thurmans dottergelbem Overall (Kill Bill) zieren die blutroten Kutten unter schneeweißen Hauben schließlich längst das Museum ikonischer Filmaccessoires. Ihre Wirkung lässt sich bestens im Showdown von Handmaid’s Tale bestaunen.
Wenn die unverwüstliche Hauptfigur darin mit ihrer kleinen Armee aufsässiger Mägde während einer hochherrschaftlichen Hochzeit in retrofuturistischer Cyberpunk-Ästhetik aufmarschiert und dabei „lieber Gott, gib uns die Kraft diese gottverdammten Motherfucker zu töten“ zischt, schaltet das Format ein letztes Mal in jenen Überwältigungsmodus, der es so unvergleichlich macht. Und zieht – was zusehends kritische Bewertungen auf Portalen wie Metacritics oder Rotten Tomatos unterstreichen – rechtzeitig einen Schlussstrich. Möge er den machtversessenen Missbrauch der Religion bei aller guten Unterhaltung niemals so weit kommen lassen wie in dieser wegweisenden Serie.
Das zweite Attentat: Bushs Lügen & ARDs Serie
Posted: April 4, 2025 Filed under: 3 mittwochsporträt Leave a commentFototapetenverschwörung
Die Story des deutschen Ingenieurs arabischer Herkunft, der George W. Bushs Irak-Invasion mit einer Reihe von Lügen über Saddams Giftgaslabore herbeiführen half, ist schlicht zu gut, um daraus kein Historytainment zu machen. Leider wurde es Das zweite Attentat (Foto: ARD Degeto/Thomas Kost) im Ersten.
Von Jan Freitag
Die größten Skandale eignen sich naturgemäß auch für großes Historytainment. NSU-Morde, Gladbeck-Drama, RAF-Terror, Wirecard-Pleite, das CumEx-System krimineller Banken – alles teilweise mehrfach fiktionalisiert, gern mit den Klarnamen zentraler Figuren wie Zschäpe, Rösner, Meinhof, Marsalek, Olaf Scholz und jetzt bereits zum zweiten Mal: Rafid Ahmed Alwan. Nie gehört? Na, dann vielleicht sein Pseudonym. Als Curveball wurde der deutsche Ingenieur irakischen Ursprungs schließlich 2017 ein bisschen weltberühmt.
Damals kam raus, dass er den BND so beharrlich mit Falschformationen über Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen gefüttert hatte, bis George W. Bush wider besseres Wissen einen Angriffskrieg begann, der zum Flächenbrand wuchs. Wahnsinnige Wissenschaftler und angriffslustige Präsidenten, alternative Fakten und intrigante Agenten – es war eine Frage der Zeit, bis die Räuberpistole als Reenactment im Fernsehen landet. Dumm nur, dass es das deutsche ist…
Während sich Johannes Naber (Der Albaner) in seiner bitterbösen Satire Curveball – Wir machen die Wahrheit bereits 2020 über den Stoff lustig gemacht hatte, versuchen es Barbara Eder und Philipp Osthus nun auf die ernste Tour. Gute Idee eigentlich. Und bestens besetzt. Die Hauptrolle des ARD-Sechsteilers Das zweite Attentat spielt der talentierte Noah Saavedra. 20 Jahre, nachdem er den Racheakt serbischer Nationalisten an seinem Vater knapp überlebt hatte, lebt sein Sohn des Elitesoldaten Frank Jaromin als Fotograf Patrick Schneider im Athener Zeugenschutzprogramm.
Dann aber stirbt dessen Mutter und hinterlässt ihm seltsame Bilder, auf denen er Papas Mörder entdeckt. Damit werden verblasste Erinnerungen wach und bringen Franks Filius auf die Spur einer Verschwörung verschiedener Geheimdienste, die eher mit dem Irak-, als dem Bosnien-Krieg zu tun haben: In Mamas Nachlass befindet sich nämlich eine CD mit Informationen, die Curveballs Giftgaslabor-Lüge widerlegen und damit die Basis für Bushs Angriff.
Sie enthalten also das, was man politischen Sprengstoff nennt. Zu Schade, dass der erfahrene Schriftsteller Oliver Bottini die Lunte legt. Als Drehbuchautor ein Anfänger, verzapft sein Writers Room nämlich Skripte, aus denen Barbara Eder das macht, was sie in Serien wie Concordia oder Barbaren und besonders der missratenen Adaption von Frank Schätzings Schwarm angedroht hatte: oberflächlich reizvolle, inhaltlich kraftlose Fiktionen, deren Dramaturgie Fragen aufwirft, was schlimmer ist: die Effekthascherei, ihre Küchenpsychologie, deren Didaktik?
Eine Antwort erfolgt wie immer entlang individueller Geschmacksgrenzen und Erwartungshaltungen, die sich jeder Wertung entziehen. Während für verschwörungsaffine Actionfans mit Faible für bildhübsche, vorgestanzte, exaltierte Figuren reichlich Eye-Candy enthalten ist, werden differenzierungsfreudige Dialogkinofans mit Schwäche für lebensechte, ambivalente, gewöhnliche Figuren eher unterversorgt. Beides hat seine Existenzberechtigung, beides kann auf unterschiedliche Art gut unterhalten. Falls die Verantwortlichen ihre Story ernstnehmen.
Handwerklich kann Das zweite Attentat da durchaus überzeugen. Sein Sounddesign ist weniger aufdringlich als im Thriller-Genre üblich, die ständigen Zeitsprünge von 2023 bis 2003 und zurück wirken nicht überinszeniert und wirken besonders im arabischen Raum verblüffend authentisch. Leider sind der Homeland-Kopie, die den Faden verbündeter Agenten im Kampf gegeneinander von Zero Dark Thirty bis The Looming Tower zum Irak-Krieg knüpft, dramaturgische Befindlichkeiten herzlich egal. Hauptsache, Schwarzweißcharaktere triggern vor Fototapeten gut erreichbare Hirnareale.
Wenn der moralisch makellose Sympathieträger des nebenamtlichen Models Saavedra die (natürlich) bildhübsche Frauenrechtsaktivistin Simin (Delaila Piasko) trifft, blicken sie daher (natürlich) auf die Akropolis, weil – Athen eben. Ein Strippenzieher des Bösen muss seine Bosheit damit belegen, dass er zu Mozarts Requiem im Kimono rotbeleuchtet Bonsaibäume gießt, bevor sein noch fieserer BND-Kollege (Jakob Diehl) missliebige Akten verbrennt. Ihre Auftragskiller können sich Eikon Media und Deal Productions im Degeto-Auftrag derweil nur im Cyberpunk-Blutrausch à la Luc Besson vorstellen.
Wieso der Grundschüler Alex bis heute zwar deutlich sichtbar zum Endzwanziger Patrick reifen durfte, Desirée Nosbuschs BKA-Agentin Lay die 20 Jahre seit 2003 dagegen ohne jeden Alterungsprozess durchlaufen hat, bleibt da das Geheimnis einer Serie, die viel Energie auf Optik, Action, Attraktivität verwendet, aber wenig auf Logik, Tiefgang, Originalität. Autobiografische Flashbacks handlungsrelevanter Charaktere zeugen deshalb – wie Zeitreisen oder Amnesie – von erzählerischer Faulheit. Weshalb sie ihre Funktion auch ständig verlautbaren.
„Ihr Vater war als Soldat für die Bundeswehr für Auslandseinsätze zuständig“, sagt Patricks Psychologin bei der geschätzt 306. Therapiesitzung. „Ja“, bestätigt ihr Patient. „Beim Einsatz in Bosnien hat er einen Kriegsverbrecher erschießen müssen, und seine Anhänger haben sich dafür gerächt“, worauf sie ihm (also uns) erklärt: „Es waren keine Deutschen, es waren Serben, deswegen sind Sie auch im Zeugenschutzprogramm“. Gut, dass wir mal drüber geredet haben. Weniger gut jedenfalls als die Serie und ihr öliges Happyend mit Fortsetzungspotenzial im Ganzen. Zumindest für Fans feinsinniger Spionagethriller.

