Harrys Snape & Burbachs Parallelwelt

Die Gebrauchtwoche

14. – 20. April

Nein, es war wieder keine allzu gute Woche für Pressefreiheit, Pluralismus, kulturelle Vielfalt. Vollendete Diktaturen wie China verbannen im Zollstreit mit Trump Hollywoods Filme aus ihren Kinos und bringen die Branche damit ins Schlingern. Fortgeschrittene Tyranneien wie die Türkei schicken weiter Journalist*innen dafür ins Gefängnis, dass sie ihre Arbeit machen. Entstehende Autokratien wie die USA schneiden seriöse Medien vom exekutiven Informationsfluss ab, auch wenn der Supreme Court nun den Zugang der Nachrichtenagentur AP ins Weiße Haus höchstrichterlich angeordnet hat.

Und gestresste Demokratien wie Deutschland? Schärfen ihre Schwerter mit billigem Papier. Bild und B.Z. müssen wegen ihrer Rufmordkampagne gegen eine Berliner Polizisten, der sie ohne jeden Beleg über Wochen hinweg sexuellen Missbrauch betäubter Kollegen vorwarfen, am Donnerstag titelblattgroße Gegenanzeigen abdrucken. Aber selbst wenn Chefredakteurin Marion Horn kleinlaut einräumt, die Redaktion habe „versagt. Punkt“, tut sie die Lügen ihrer Redaktion als Betriebsunfälle ab, statt als das, was sie sind: Strukturprinzip des deutschen Boulevardjournalismus.

Ob der deutsche Qualitätsjournalismus gegen seine Finanz- und Meinungsmacht bestehen kann, wird sich zeigen. Im schwarz-roten Koalitionsvertrag wird immerhin angekündigt, das Urheberrecht zu stärken, den Medienstandort zu schützen und digitale Plattformen zu kontrollieren. Die Abschaffung, pardon: Reform des Informationsfreiheitsgesetztes ist dagegen glücklicherweise vom Tisch einer Unionsfraktion, der kritische Medien naturgemäß Dornen im konservativen Auge ist.

Dornen im Auge von Harry-Potter-Ultras ist demgegenüber das SerienRemake der legendären Filmreihe von HBO. Noch dieses Jahr beginnen die Dreharbeiten. Und als kürzlich erste Besetzungen publik geworden sind, hagelte es gleich mal Kritik am schwarzen Severus Snape, weil – tja. Veränderungen sind halt nicht so das Ding von Besitzstandsbewahrern. Umso mehr ist zu begrüßen, dass Elton seine Fernsehbühnenzeit mal radikal reduziert.

Die Frischwoche

21. – 27. April

Am Samstag verabschiedet er sich nach zehn Jahren von Wer weiß denn so was? im Ersten. Und das kann man angesichts vom eingeschränkten Unterhaltungsrepertoire des sicher sehr, sehr netten ARD-Maskottchens nur begrüßen. Zurückkehrt dagegen der gecancelte Maskendealer Fynn Kliemann, wenn er im Porträt Ich hoffe, ihr vermisst mich (ARD-Mediathek) 60 Minuten um Aufmerksamkeit für sich und seine Musik bettelt. Und nachträglich heißen wir zwei Neustarts der Vorwoche willkommen.

Die Glaskuppel bei Netflix, eine Skandi-Noir-Serie der düstersten, aber nicht schlechtesten Art um verschwundene Kinder im schwedischen Winter. Und natürlich die Fortsetzung von Last of Us bei Sky, in der wir uns – seit Game of Thrones nicht ungewöhnlich – von zentralem Personal verabschieden. Und da es die Woche neuer Staffeln ist, noch folgende: Stranger Things geht ab Dienstag ins Finale, so heißt es bei Netflix. Und Disney+ setzt zeitgleich den Star-Wars-Ableger Andor fort

Ganz neu im Programm: Am Mittwoch wagt sich die ZDF-Mediathek in morbides Gewässer und macht Edin Hasanović zum Bestatter der sehr anrührenden Tragikomödie Sterben für Beginner. Samstag dann startet bei Paramount+ die vorerst letzte Serie aus deutscher Produktion. Leider. Die Mystery-Serie Parallel Me ist ein absolut hinreißendes Gedankenexperiment darüber, was passieren könnte, wenn m/w/d sich mit magischer Hilfe in Alternativexistenzen beamen könnte.

Der Achtteiler ist nämlich nicht nur dank Jana Burbachs (Bad Banks) herausragendem Drehbuch so sehenswert, sondern weil sie mit Malaya Stern Takeda und Larissa Sirah Herden zwei Hauptdarstellerinnen zum Niederknien für ihre Multioptionsstudie gefunden hat. Unbedingt streamen! Das gilt trotz niederträchtig schlechter Synchronisation auf für die bosnische Drama-Serie I know Your Soul um eine Staatsanwältin, die ab Mittwoch in der Arte-Mediathek im kriegstraumatisierten Sarajewo um Gerechtigkeit und ihren kriminellen Sohn kämpft. Und zugleich auf ganz andere Art empfehlenswert: Georg Restles ARD-Doku Volk in Angst um die Verzerrungen der Polizeilichen Kriminalstatistik.



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