Papst Franziskus & Dietrich Kuhlbrodt

Die Gebrauchtwoche

21. – 27. April

Ein alter Mann ist gestorben. Ein greiser sogar. Gewählt wurde er von anderen greisen Männern, die Frauen nicht sonderlich mögen und auch mit Homosexuellen, Freizügigkeit, Demokratie und Moderne so ihre Probleme haben. Als dieser alte Mann Anfang voriger Woche gestorben ist, hat ihm das ZDF in seiner Hauptnachrichtensendung dennoch 18 von 20 Minuten Sendezeit gegeben und kein kritisches Wort über ihn verloren. In der Tagesschau widmete man ihm sogar mehr als die übliche Sendezeit, bevor das Wetter kam.

Nichts gegen Franziskus I.; für einen Papst war er fast schon liberal. Aber mit gutem Journalismus hat auch die öffentlich-rechtliche Berichterstattung darüber weit weniger zu tun als mit publizistischem Populismus. Davon abgesehen aber wünschen wir dem verstorbenen Pontifex, dass ihm ein Platz im Himmel vorbehalten wird, falls der existiert. Ein paar Stockwerke tiefer dürfte in diesem Fall Harvey Weinstein schmoren – unabhängig davon, ob ihn ein New Yorker Gericht wegen Formfehlern von mehreren Vergewaltigungsklagen freispricht.

Das Gute daran: zu 25 Jahren ist der sexuelle Gewalttäter rechtskräftig verurteilt, wird nach menschlichem Ermessen also in Haft sterben. Und falls er danach abwärtsfährt, trifft er ja vielleicht seine misogynen Gesinnungsgenossen Til Lindemann und Jerome Boateng, die für Frauen so viel Verachtung übrighaben, dass sie im Duett auf sie spucken, wie ein gemeinsamer Ostergruß belegt. Wie gut, dass es noch Männer wie Klaas Heufer-Umlauf gibt, der zwar keine Late-Night-Show mehr hat, aber auf ewig zu den Guten gehört und nun gar Experte für alles ist.

Die Frischwoche

28. April – 4. Mai

Die drollige DIY-Sendung ist seit voriger Woche bei ProSieben und joyn zu sehen, während es in dieser Woche wirklich nicht allzu viel Bedeutsames zu empfehlen gibt. Das Beste startet am Freitag in der ZDF-Mediathek: Die Dokumentation Nonkonform porträtiert den Hamburger Tausendsassa Dietrich Kuhlbrodt, der auch mit annähernd 90 Jahren überall in der Popkultur tiefe Stempel hinterlässt.

An gleicher Stelle wagt das Zweite am Mittwoch allerdings ein dubioses Experiment. Deepfake Diaries reanimiert fünf Teile lang historische Gestalten mit der umstrittenen KI-Technik, mit der bislang vor allem Revenge-Pornos erstellt werden. Das soll laut ZDF zwar ganz neue Möglichkeiten der Reanimation erschaffen, aber kleiner Tipp nach Mainz: Bislang haben Schauspieler und Schauspielerinnen das eigentlich ganz gut hinbekommen.

Gut, damit ist jetzt nicht die Bodyguard-Serie Paris has Fallen gemeint, ein stumpfer Action-Mumpitz, den man eigentlich eher bei Netflix erwarten würde. Dort also, wo die sehr, sehr schöne Jeanne Goursaud im Thriller Exterritorial eine Bundeswehr-Veteranin spielt, deren Sohn im amerikanischen Generalkonsulat von Frankfurt verschwindet. Weia… Ein wenig besser macht es dort parallel wohl die argentinische Mystery-Dystopie-Serie Eternauta. Interessant dürfte bei Apple TV+ zeitgleich Carême sein.

Das Biopic skizziert den gleichnamigen Starkoch im 19. Jahrhundert höchst originell – auch wenn Benjamin Voisin ihn acht Teile arg sexy spielt. Bei Netflix beginnt tags drauf das Serienremake des tragikomischen Ehedramas The Four Seasons von 1981. Gespannt sein darf man auf den Vierteiler Die Augenzeugen um zwei deutsche Teenager sein, die eine Hinrichtung beobachten und daraufhin ins Visier richtig fieser Krimineller geraten. Denn gespielt werden sie von den Newcomern Philipp Günsch und Marven Gabriel Suarez-Brinkert, die sich zwischen Stars wie Lucas Gregorowicz oder Nicolette Krebitz sehr gut schlagen.



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