Weißer Papst & Murderbot

Die Gebrauchtwoche

5. – 11. Mai

Huch, es ist ein weißer, alter, heterosexueller Mann geworden! Da drängt sich doch glatt der Verdacht auf, auch sonst – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich – gäben die Geschlechtsgenossen des neuen Papstes den Ton an. Doch kaum, dass man Pius XIV. auf seinen Konservatismus hin durchleuchtet, werden nicht nur trumpkritische Tweets des amerikanischen Stellvertreter Gottes publik. Auf seiner ersten Pressekonferenz kämpft er auch vehement für die journalistische und Rede-Freiheit in aller Welt.

Ein guter Start also für den Hirten der 1,5 Milliarden Katholiken und Katholikinnen abseits der MAGA-Blase und Faschofanclubs. Für ARD und ZDF, aber auch Privatsender und Streamingdienste, stellt sich derweil die Frage: Mit Nazis reden oder nicht? Auch nach der Entscheidung des Verfassungsschutzes, die AfD zwar rechtsextrem einzuordnen, aber nicht mehr offiziell zu nennen, wird das Zweite die Präsenz ihrer Funktionäre im Programm „überdenken“.

Das Erste dagegen will „an geeigneter Stelle“ auf deren Gesinnung hinweisen, ihre Partei aber weiterhin „abbilden“. Für ProSiebenSat.1-Chefredakteur Sven Pietsch indes ändere die Einstufung „nichts an unserer journalistischen Grundhaltung“, während RTL den Umgang mit der AfD „nicht abschließend geklärt“ habe. Gut, vorerst haben beide rein informationell ja auch genug mit der Verarbeitung des plötzlichen Todes von Naddel el-Faraq zu tun. Gibt halt wichtigeres als Faschismusgefahren.

Sofern dafür noch genügend Personal vorhanden ist. Denn ProSiebenSat1 streicht, wie unlängst publik wurde, 430 Stellen und plant Sparziele von 80 Millionen Euro – ein knallharter, vermutlich allerdings schwer vermeidbarer Einschnitt angesichts stetig sinkender Werbeeinnahmen. Aber gut Joko & Klaas gegen ProSieben (Mittwoch) oder Germany’s Next Topmodel (Donnerstag) bleiben ja Reklame-Cashcows.

Die Frischwoche

12. – 18. Mai

Ansonsten ist aus dem Süden nichts neues im Angebot der Woche zu finden. Das füllen also andere. Amazon Prime zum Beispiel mit der bemerkenswerten College-Serie Overcompensating, die ab Donnerstag oberflächlich an Highschool-Klamauk der Nullerjahre andockt. Dank einer schwulen Hauptfigur beim Überkompensieren fehlender Heterosexualität aber deutlich diverser und damit gehaltvoller ist als alle Folgen American Pie zusammen.

Ebenfalls in der Tradition vergleichbarer Fiktionen steht die Apple-Serie Murderbot tags drauf. Analog zu SciFi wie Westworld oder I, Robot spielt Alexander Skarsgård darin einen Sicherheits-Cyborg, der ein Bewusstsein entwickelt, das aber mal besser für sich behält, um nicht recycelt zu werden. Klingt drollig, ist pfiffig, vor allem aber sehr philosophisch und damit sehenswert. Wie die joyn-Mockumentary Messiah.

Florian Lukas spielt darin zeitgleich einen Ballermann-Barden, der Jahre nach seinem One-Hit-Wonder zurück ins Rampenlicht will und es dabei komplett an Selbstreflexion mangeln lässt. Schon witzig, wenngleich deutlich unterm Kotzbrocken-Niveau von Stromberg. Richtig großartig ist demgegenüber der Netflix-Sechsteiler Das Reservat um eine Kopenhagener Gated Communitiy, in der ein philippinisches Hausmädchen verschwindet und Abgründe der oberen Zehntausend Dänemarks zutage fördert.

Parallel dazu stellt die ARD das Dokudrama Stammheim in ihre Mediathek. Genau 50 Jahre nach dem Beginn der dortigen RAF-Prozesse, zeigt es ungeheuer eindringlich, wie die Gefangenen im Hochsicherheitsgefängnis agiert haben. Auf der radikal anderen Seite ideologischer Gräben blickt Sky am Donnerstag drei Teile lang aufs Nazi-Kartell, in dem der NS-Verbrecher Klaus Barbie nach seiner Flucht einen südamerikanischen Narco-Staat gründen half.

Weniger diktatorisch, aber keineswegs demokratisch geht es in der ZDF-Mediatheken-Doku Trophy Men über die Gründung der Champions League zu. Und als Abbinder für Nostalgiefans: Samstag kehrt der legendäre Anwalt Matlock mit weiblicher Besetzung 19 Folgen lang bei Sky zurück. Schon weil sie von der Oscar-Preisträgerin Kathy Bates gespielt wird, könnte das aber auch etwas für die Generationen Y bis Z sein.



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