Pachyman, Pressyes, Pan Amsterdam
Posted: May 23, 2025 | Author: Jan Freitag | Filed under: 5 freitagsmusik |1 CommentPachyman
Dub, Reggae, Dancehall, Offbeat – für Onbeat-Fans generell ein schwieriges Terrain. Es sei denn, man beackert es so kreativ, ja experimentell wie Pachy Garcia. Unterm Nom de Guerre Pachyman lotet der gebürtige Puerto Ricaner seit Jahren schon in Los Angelos die Grenzen seiner karibischen Klangwelten aus und durchlöchert sie mit Soul, Jazz, Kraut, Rock, Drum‘n‘Bass, bis daraus etwas ganz Eigenes wird.
Auf das fünfte Album Another Place zum Beispiel eine Art sedativen Südsee-House, der mithilfe fließender Gitarren und halluzinogener Orgeln durchs warme Meer fließt wie Pilze durch Blutbahnen. Viel Percussion, wenig Akkorde, keine Vocals ständiges Mäandern am Rand der Disharmonie: Das macht die Platte zu einer sinnlichen Grenzerfahrung des alternativen Flowerpowers. Und selbst für Offbeat-Allergiker hörbar.
Pachyman – Another Place (May 23)
Pressyes
Noch ein, zwei Schippen Humus drauf ins äquatoriale Blumenbeet schippt René Mühlberger. Der Wiener Gitarrist, einst strikt dem Sixties-Sound verhaftet, reitet auf seiner dritten Platte Sundrops! einmal mehr die Wellen des Golf von Mexiko (Mexiko!). Seine Surfboards: Tiefenentspannte Family-of-the-Year-Gesänge, Marimbas und Steeldrums, dazu mal krautig verworrene, mal gallertartig zähe Gitarren und sehr wenig Anstrengung.
Das ist in der Regel dieser 14 neuen Songs eher selten was für Math-Rocker und Akkorde-Rechner; seine Sundrops! wollen genau so sein wie die Single-Auskopplung Waves of Joy: Sonnenstühle, auf denen die Komplexität der Gegenwart zerfließt wie Sonnenöl im Sand. Umso origineller, dass er die simplizistische Androgynität hin und wieder mit breitbeiniger Macker-Pose aufmotzt. Als Gesamtpaket: wie ein Yoga-Retreat im Probekeller.
Pressyes – Sundrops! (Kitsuné Records)
Pan American
Und bitte – als wäre heut karibische Nacht: Wie lässig kann denn bitte hochpolitischer HipHop nach Strandausflug klingen?! Bei Leron Thomas aka Pan Amsterdam vollumfänglich. Wenn der texanische New Yorker auf seiner neuen Platte rappt: “Livin more vicariously than a white girl through her mixed baby / Don’t believe in scarcity so don’t try to under pay me / Tell an Uncle Tom chicken and gravy / For the team so don’t try to trade me”, steckt darin mehr PoC-Realität als sein Flow verrät.
Aufgewachsen im Trump-Territorium Houston, mixt er wie gewohnt elegante Jazztrompeten und eiernden Laid-Back-Pop unter seine sanft zerwühlten Raps voller KKK und N****z, dass man beides nur mit etwas Mühe zusammenkriegt. Dann aber entfaltet Confines, was die ersten vier Alben gezeigt haben: leibhaftig instrumentierten Producer-HipHop, der schwer nach Band klingt und damit weiter ausholt als im Genre üblich.
Pan Amsterdam – Confines (Heavenly Recordings)
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One Comment on “Pachyman, Pressyes, Pan Amsterdam”
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Diese 14 neuen Songs haben etwas von Leichtigkeit und kalkulierter Pose. Wirklich ein Album wie ein Yoga Retreat, spirituell, schweisstreibend und angenehm unperfekt.