Schmerzensgeld & Weißer Hass
Posted: July 8, 2025 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
30. Juni – 6. Juli
Und der Wahnsinn nimmt kein Ende. Paramount zahlt Donald Trump 15 Millionen Dollar dafür, dass CBS in seiner Sendung 60 minutes ein Interview mit Kamala Harris geschnitten hat, und obwohl die Klage des amerikanischen Königs dagegen keinerlei Aussicht auf Erfolg gehabt hätte, wirft sich Mehrheitseignerin Shari Redstone vor ihm in den Staub, damit er den Deal durchwinkt, Paramount für mehrere Milliarden Dollar an Skydance zu verkaufen,
Damit reiht sich ein weiteres Medium in die Reihe opportunistischer Feiglinge von Disney bis Meta, die ebenfalls ohne Not Schweigegelder gezahlt haben. Aber gut, im Arschkriechen ist auch die EU-Kommission geübt. Wie gerade durchsickert, wird sie um den Gegenwert geringerer Strafzölle wohl die Regulierung von Hate Speech sozialer Netzwerke aufweichen und damit am Ende auch das von Compact fördern.
Die Nazi-Postille darf nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wie zu erwarten weiter erscheinen. Das Verbot durch Innenministerin Nancy Faeser war zwar juristisch ebenso wie moralisch zwingend geboten, aber vorschnell und stümperhaft exekutiert. Nun haben wir den braunen Salat. Und das alles, während ausgerechnet RTL zum größten deutschen Fernsehplayer aufsteigt, wenn es dem Vernehmen nach Sky Deutschland aufkauft, um Netflix Konkurrenz machen zu können.
Was beim Mutterkonzern, der sich schon G+J einverleibt und geschreddert hat, kaum zu sehen sein dürfte, ist Frauenfußball. Bei RLT läuft schließlich nichts, was etwas anderem als den niederen Instinkten des Massengeschmacks entspricht. Noch zumindest. Denn das deutsche Auftaktspiel der Frauenfußball-EM gegen Polen sahen stolze 8,2 Millionen ARD-Zuschauer und Zuschauerinnen, was fast schon Männerniveau erreicht.
Von dort noch schnell eine Anekdote: Die Tagesschau hat allen Ernstes den gebrochenen Fuß eines Bayern-Spielers bei der sportlich irrelevanten Club-WM in den USA vermeldet. Damit belegt das Erste aufs Neue, was es abseits relevanter Nachrichten seit jeher ist: eine der wichtigsten PR-Abteilungen des Serienmeisters aus München.
Die Frischwoche
7. – 13. Juli
Allein aus Protest dagegen ist diese Rubrik daher heute mal frei von ARD-Tipps. Das ZDF dagegen startet heute mit der Mediatheken-Doku #looksmaxxing, die den männlichen Schönheitswahn unter die Lupe nimmt. Und an gleicher Stelle startet Dienstag die US-Serie Bupkis, eine realfiktionale Sitcom des Stand-up-Comedians Pete Davidson, der acht Teile lang eine überspitzte Version seiner selbst spielt.
Dafür war lange Zeit auch Lena Dunham zuständig, die allerdings langsam hinter die Kamera rückt. Dort verantwortet sie als Showrunnerin ab Donnerstag die Netflix-Serie Too Much um ihr mehrgewichtiges Alter Ego Jessica (Megan Stalter), das von Unglück zu Unglück stolpert, also eigentlich Sympathieträgerin wäre – würde Dunham sie nicht auf entwaffnend komische Art unsympathisch darstellen. Für fiktionale Frauen noch immer ein ungewöhnlicher Zustand.
Bei Arte geht es zwischendurch ungleich ernster zu, wenn sich der deutsche Regisseur Dirk Laabs zwei Tage zuvor 170 Minuten auf die Spur des rechtsextremistischen Terrors begibt und im Dreiteiler World White Hate ein bedrückendes internationales Netzwerk offenlegt. Und das reicht nicht nur bis in die AfD, sondern islamistische Kreise, was echt irre ist. Aber irgendwie zur Sky-Doku 7. Juli – Terror in London passt, die das verheerendste Attentat nach 9/11 vor 20 Jahren skizziert.
Nochmals 30 Jahre älter ist Steven Spielbergs Der Weiße Hai, an den Disney+ Freitag in einer Dokumentation erinnert. Parallel dazu startet bei Apple die zweite Staffel der wuchtigen SciFi-Serie Foundation. Und Amazon Prime hat drei Serienstarts im Angebot, die wir hier einfach mal nur namentlich nennen und damit ein paar Rätsel aufgeben: Menem, Ballard und One Night in Idaho.
Fröhliches Rätselraten. Das beim Netflix-Film Brick unnötig ist, wenn Matthias Schweighöfer mitspielt. Der Twist einer schwarzen Mauer, die plötzlich sein Haus umringt, ist ab von Marlen Haushofers Die Wand, verfilmt mit Maria Gedeck, geklaut. Aber immerhin durfte Matze seine Liebste Ruby O. Fee in den Thriller einbauen. Family Business.