Piers ProSieben & Rentnerdetektive
Posted: August 25, 2025 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
18. – 24. August
Weil Film- und Fernsehschaffende regelhaft sterblich sind, spielen Todesfälle bekannter TV-Figuren hier normalerweise nur Nebenrollen. Bei Rolf Seelmann-Eggebert machen wir allerdings mal eine Ausnahme. Jahrzehntelang Kopf und Stimme der öffentlich-rechtlichen Adelsberichterstattung, schaffte es der frühere Auslandskorrespondent, den Aberwitz aristokratischer Relikte im profanen Zeitalter mit exakt der richtigen Tonlage zu vermitteln.
Dafür gebührt dem Hamburger aus Berlin, der Freitag voriger Woche mit 88 Jahren von uns gegangen ist, ein kleiner Nachruf. Der Abschiedsgruß gilt schließlich auch einer Epoche berufsethischer Verbindlichkeit, die mit Journalisten wie ihm ins Grab gehen. Als Gegenbeweis könnte man jene Medienplayer anprangern, die Robert Habecks grünen Staatssekretär Patrick Graichen wochenlang öffentlich geschlachtet haben, über die Vetternwirtschaft der jetzigen Regierung aber höflich schweigen.
Oder man bohrt dickere Bretter und weist nochmal auf die anstehende Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Pier Berlusconis MFE hin. Schwer zu sagen, ob Silvios Sohn die umbenannte Mediaset glaubhaft zur Mitte führt, wie kürzlich angedeutet. Giorgia Melonis Regierung jedenfalls hält er für die „bestmögliche“. Um dem deutschen Fernseh-Konglomerat trotz stagnierender Umsätze und der Fusion von RTL mit Sky jährlich 400 Millionen Euro Gewinn abzutrotzen, droht da nicht nur ein radikaler Sparkurs, sondern der programmatische Rechtsruck.
Bessere Nachrichten gefällig? Der ZDF-Film In die Sonne schauen geht womöglich ins deutsche Oscar-Rennen. Und die ZDF Studios haben mit Disney+ eine Lizenzvereinbarung unterzeichnet, Tausende Stunden regional produzierter Serien und Filme von Nord Nord Mord bis Marie Brand aufs Streamingportal zu stellen. Ein Stock, der bis Ende des Jahres auf über 3.000 Episoden und Filme wachsen könnte. Warum das gut ist? Weil es Reichweite und Erträge generiert, um Streamern die Stirn zu bieten.
Die Frischwoche
25. – 31. August
Netflix vor allem. Für seine Krimikomödie Thursday Murder Club ab Donnerstag stand so ein gewaltiges Budget zur Verfügung, dass mit Helen Mirren, Pierce Brosnan, Ben Kingsley ein halbes Altersheim voller Stars die Romanverfilmung um greise Hobby-Detektive bevölkern. Auch deshalb: nicht der Rede wert, aber durchaus unterhaltsam. Was wohl auch für die spanische Mystey-Serie Zwei Gräber tags drauf an gleicher Stelle gilt.
Und etwas weniger vermutlich fürs Serien-Prequel des Agenten-Blockbusters The Terminal List, ab Mittwoch bei Prime Video. Bleibt noch extrem viel ARD-Material der Woche. Heute zum Beispiel macht Ingo Zamperoni den Auftakt mit seiner Primetime-Doku Merkels Erbe – 10 Jahre Wir schaffen das, inklusive Interview mit der Ex-Bundeskanzlerin. Dienstag gefolgt von der dreiteiligen Küblböck-Story, denen die Beetz Brothers zum Glück noch deren Transidentität Lana Kaiser im Titel anhängen.
Donnerstag zeigt die Mediathek des Ersten dann noch den originellen kleinen Dokumentarfilm Der talentierte Mr. Felinton um einen Regisseur, der zwei deutschen Kollegen Idee und Film geklaut und damit sogar Preise gewonnen hat. Freitag dann geht das Erste mit Zwei Frauen für alle Felle in Reihe, die – Achtung, Kalauer – Veterinärinnen sind. Und zu guter Letzt noch eine Sportdokumentation, die wirklich bemerkenswert ist.
In 13 Steps porträtiert der deutsche Autor Michael Wech nämlich die unfassbare Karriere des amerikanischen Hürdenläufers Edwin Moses. Und das ist annähernd zwei Stunden auf eine Art und Weise fesselnd, die sich wohltuend von den Lobhudeleien anderer Sportdokumentarfilmer*innen absetzt. Und zum Schluss ein Schmankerl: am Freitag startet in der ARD-Mediathek die norwegische Tragikomödie Below um eine Norwegerin, die sich nach einem Autounfall querschnittsgelähmt sechs Teile lang nicht in ihr Schicksal fügen will.