Friedrichs Stadtbild & LINDAS Wehrkunde

Die Gebrauchtwoche

20. – 26. Oktober

Gibt es eigentlich auch Erwachsenen- oder nur Jugendwörter des Jahres? So oder so jedenfalls wäre Stadtbild ein adultes das crazy 2025. Oben rechts im Eck zeigt Google bei entsprechender Eingabe zwar noch Postkarten deutscher Fachwerkensembles. Darunter jedoch scrollt man sich seitenlang durch die politische Umdeutung eines eigentlich harmlosen Begriffes, den ausgerechnet das ZDF weiter zum rechtspopulistischen Popanz aufbläst.

Laut einer Umfrage des hauseigenen Politbarometers, stimmen annähernd zwei Drittel der Befragten zu, dass Flüchtlinge im Stadtbild stören. Dumm nur, dass die Erhebung gar nicht nach der rassismusanfälligen Stadtbild-Aussage des Bundeskanzlers, pardon: CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz gefragt hatte, sondern dessen Konkretisierung, er habe doch nur arbeitslose Migranten ohne Aufenthaltsstatus gemeint, also nur böse Ausländer.

Wer das angeordnet hat? Karoline Leavitt würde darauf „deine Mudder“ antworten. Also mit jener Floskel, die man in den USA gibt, wenn jemand unliebsame Fragen nach individueller Schuld stellt. Vorige Woche bügelte Donald Trumps Chefpropagandistin die Frage nach den Verantwortlichen für Ungarn als Standort eines Gipfeltreffens mit Wladimir Putin mit „Your Mother“ ab. Und was ihr daraufhin mehrere Minister nachmachten, zeigt eindrücklich, was die US-Regierung von der freien Presse hält.

Ungefähr so viel wie Pier Silvio Berlusconi. Nur Wochen nach der feindlichen Übernahme von ProSiebenSat1 hat der Chef des neuen Mutterkonzerns MFE den halben Vorstand entlassen – darunter CEO Bert Habets. Nicht, dass der ein großer Fan journalistischer Inhalte gewesen wäre. Mit seiner Entscheidung nach Gutsherrenart zeigt der älteste Sohn des neofeudalen Demokratieverächters Silvio B. allerdings schon früh, wie sehr er seinem Vater nachzueifern gedenkt.

Aber gut, darin ähnelt er Markus Söder, dem Lavinia Wilson beim Blauen Panther fka Bayerischer Fernsehpreis öffentlich die Leviten las. „Wir brauchen keine starken Männer und kein Gegockel, um erfolgreich zu sein“, sagt sie mit Blick auf den Ministerpräsidenten, dessen Name auf ihrer Siegestrophäe steht. Wer künftig noch eine davon im Regal stehen hat: Leroy Lamin Gibba (Schwarze Früchte), Marie Lina Smyreks (smypathisch) oder Pia Strietmann (Herrhausen).

Die Frischwoche

27. Oktober – 2. November

Seit fünf Jahren hat auch Thilo Mischke einen davon in der Vitrine. Jetzt ist er Teil einer Reportage-Reihe auf Pro7, die heute mit LINDA ZERVAKIS in Großbuchstaben und journalistischer Mission ihre Fortsetzung findet. Erster Einsatz um 20.15 Uhr: Under Attack, eine Reise durch die Wehrhaftigkeit der Demokratie zwischen Trump und Putin. Parallel geht das ZDF in seiner Mediathek auf die Suche nach dem Orgasmus-Gap von Mann und Frau, bevor es Samstag das Teenstar-Dilemma der gereiften Internet-Gören Die Lochis beleuchtet.

Hochinteressant könnte zeitgleich der ARD-Dokudreiteiler RuhrBeat um die Anfänge des HipHop in Westdeutschland sein. Noch interessanter sind allerdings die Fiktionen der Woche, angefangen mit dem Serien-Prequel von Steven Kings Horrorclown Es: Welcome to Derry. Ziemlich unverdaulicher Body-Horror, der gewiss sein Publikum findet, dramaturgisch aber eher belanglos ist. Ähnliches gilt für die Magenta-Serie Talamasca mit Elizabeth McGovern als Leiterin eines magischen Geheimzirkels zivilisierter Hexen, ab heute bei MagentaTV.

Aufsehenerregend ist dagegen der neue Netflix-Film von Edward Berger. In der Roman-Adaption Ballad of a Small Player begleitet er Colin Farrell als Spielsüchtigen durch Macao, was der Oscar-Gewinner so wuchtig in Szene setzt, dass die aufgeblasene Melodramatik nicht weiter stört. Zumindest herausragend besetzt ist derweil die Apple-Serie Down Cemetry Road mit Emma Thompson als Privatdetektivin Zoë, die mit Ruth Wilson eine Verschwörung aufdeckt.



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