Angriffskriege & Panzerspiele

Die Gebrauchtwoche

29. Dezember – 4. Januar

Schon interessant: Praktisch jedes erdenkliche Medium hat sich (und damit uns) an Silvester gefragt, ob das neue Jahr erstmals seit gefühlt 2001 endlich mal besser werden würde als das vorangegangene. Und dann? Überfällt Donald Trump das ölreiche Nachbarland Venezuela, ohne dass ihm irgendwer Paroli böte. Auch die Redaktionen deutscher Qualitätsmedien nicht, wo stets von Konflikt statt Angriffskrieg die Rede war, in dem Präsident Maduro festgenommen oder im Bild-Duktus geschnappt wurde statt gekidnappt.

Für Optimismus, das haut 2026 der Welt schon nach Stunden vors Schienbein, besteht da wenig Anlass. Und das gilt auch für die Branche selbst, wo der Beutezug rechtspopulistischer Medienhäuser ebenso weitergeht wie die Konzentration. Ob Comcast, Skydance, Warner, Paramount, Netflix auf absehbare Zeit noch Konkurrenten oder Teil allmächtiger Mega-Konzerne von Disney bis Meta bleiben, ist schon deshalb offen, da der amerikanische Autoritarismus auch die Kartellbehörden längst auf Linie bringt.

Weil Pessimismus aber ähnlich wie Angst ein verzagender Ratgeber ist, empfehlen wir den Mittelweg namens Possibilismus, also die Orientierung am Möglichen, nicht Optimalen. In diesem Licht erscheint die geplante Fusion von Sky und RTL hierzulande schon als Hoffnungsschimmer des Pragmatischen, um im Kampf gegen US-Konglomerate nicht unterzugehen. Ein Kampf, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk heuer auch unterm Druck anstehender Wahlen führt.

Siege der – wie würde die Tagesschau hier hasenfüßig untertreiben: „in Teilen rechtsextremen“ AfD Sachsen-Anhalts könnte zur höckefreundlichen Umgestaltung des MDR führen, wenn nicht gar zur regionalen Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags. Da ist es wenig hilfreich, was dieser Tage publik wurde: Laut Spiegel wusste die ARD vom Sturm der Entrüstung, den ihre Gefälligkeitsdokumentation Being Jerome Boateng nach sich ziehen könnte. Reaktion wie so oft: abwiegeln, aussitzen, beschwichtigen, leugnen.

Die Frischwoche

5. – 11. Januar

Ein Muster, dem auch ein paar Fiktionen von Dennis Gansel folgen. Wie in seiner Prime-Serie Das Boot befreit nun das nächste Kriegsgerät des Regisseurs die Ahnen seiner Landsleute von ihrer Kollektivschuld. Nach kurzer Kinoauswertung fährt Der Tiger seit Freitag bei Netflix auf Wehrmachtsmission ostwärts. Und so unpolitisch, wie er die fünfköpfige Panzerbesatzung nach eigenem Drehbuch zeigt, ist das überraschende Filmfinale eher zweitrangig. Was nach zwei Stunden Kammerspiel in Publikumsköpfen hängenbleibt: am Ende waren Deutsche halt doch Hitlers erste Opfer.

Wohin diese Form der unterhaltsamen Geschichtsklitterung führen kann, ist nächsten Samstag in der hochinteressanten ARD-Doku Trump & Us über den faschistoiden US-Präsidenten und seine Wirkung auf Europa zu sehen. Eines seiner bevorzugten Machtinstrumente ist übrigens Krypto-Währung. Also jenes demokratie- und klimagefährdende Zahlungsmittel, das Ruja Ignatova erst reich, dann zur weltweit meistgesuchten Frau der Welt gemacht hat.

In der sechsteiligen Real-Crime-Fiction Take the Money and Run zeichnet das ZDF ab heute Aufstieg und Fall dieser deutsch-bulgarischen Jan-Marsalek-Version nach, die Tausende von Anlegern um Milliarden Euro betrogen hat. Und Nilam Farooq verleiht ihr das plakative, aber plausible Gesicht einer Selbstermächtigungsstory, die viel über den Raubierkapitalismus nach der Dotcom-Blase aussagt.

Nur Tage nach dem Serienfinale von Stranger Things gibt es aber eher Fantasieformate zu sehen. Bei MagentaTV läuft die zehnteilige Grisham-Verfilmung The Rainmaker. Netflix zeigt den schwedischen Verschwörungsthriller Land der Sünde in fünf Akten. Auf Arte geht der irische Cold Case Boglands in Serie. Paramount+ sucht ab Donnerstag ein Girl Taken. Parallel wird eine Frau aus Alabama in der Netflix-Serie His & Hers zur Hobby-Detektivin. Ein Job, den Ethan Hawke drei Südstaaten weiter westlich bei Disney+ in The Lowdown mit grandioser Schnodderigkeit erledigt.