Kolumnen & Kingdoms

Die Gebrauchtwoche

12. – 18. Januar

Wie sehr sich die Macht der Bilder mittlerweile von der Macht der Mächtigen entkoppelt hat, war nirgendwo eindrücklicher zu erleben als beim mutmaßlichen ICE-Mord in Minnessota. Obwohl keine Kameraperspektive etwas anderes als eine Exekution zeigt, behaupten die politisch Verantwortlichen um Donald Trump seit der Tat das Gegenteil behauptet und lassen sich davon auch durch Beweise aller Art nicht abbringen.

Diese Umdeutung sämtlicher Fakten ist der nächste Schritt zur Demontage von Demokratie und Rechtstaat, den noch selbst Pessimisten so konsequent kaum für möglich gehalten hätten. Immerhin scheinen die rechtsextremen Kräfte (vorerst) keinen Zugriff auf Nachrichteninhalte von Warner Bros. Discovery zu kriegen – das aktuelle Angebot der Trump-Jünger Ellison war offenbar so schlecht durchfinanziert, dass Netflix als Käufer wahrscheinlicher wird.

Hierzulande machen mäßig begabte, aber sendungsbewusste, nun ja: Journalist:innen derweil das, was sie auf der rechten Seite immer tun, wenn sich ihre Ertragsmöglichkeiten als unzureichend erweisen: Sie gehen wie Julia Ruhs als Kolumnistin zur Bild. Das war abzusehen. Ganz im Gegensatz zum Wechsel des Tagesthemen-Leiters Helge Fuhst zu Springer. Jener angesehene Medienplayer also, der vor gar nicht allzu langer Zeit als ZDF-Intendant im Gespräch war.

Glück gehabt, wird man da in Mainz vermutlich denken und den Gedanken mit Fuhst teilen, der zwar künftig stechend nach Schwefel stinkt, aber sehr viel mehr Mittel als zuvor in die Reinigung seiner kontaminierten Karriere investieren kann. Geld macht halt nicht satt, sondern hungrig. Und damit zum Wetter: Elli, darauf kann man sich trotz aller Unbill einigen, war ein Low-Performer.

Tagelang befand sich das halbe Land angesichts des Schneesturmtiefs in kollektiver Schockstarre, und dann? Zog es eigentlich nur ziemlich jahreszeitgemäße Witterungsbedingungen nach sich, mit denen süddeutsche Berggemeinden noch immer relativ regelmäßig zurechtkommen müssen. Winter is coming gilt also auch weiterhin eher für Game of Thrones als norddeutsche Tiefebenen. Wobei selbst in Westeros aktuell besseres Wetter herrscht.

Die Frischwoche

19. – 25. Januar

Zum Start des hauseigenen Streamingportals launcht HBO Max heute ein weiteres Prequel. Und in Ira Parkers sechsteiligem A Knight of the Seven Kingdoms herrscht eigentlich ganz gutes Wetter, wenn Ser Duncan (Peter Claffey) versucht, sich mithilfe seines Knappen Egg 90 Jahre vorm Original in der rauen Fantasywelt als Ritter zu etablieren. Nicht nur der Sonnenschein macht den Sechsteiler allerdings zur Ausnahme im GoT-Kosmos; es ist vor allem sein Humor.

Den sucht man in der zweiten großen HBO-Premiere zwar vergeblich. Dennoch ist R. Scott Gemmills Medical-Serie The Pitt mit Noah Wyle („Emergency Room“) als Schichtleiter einer radikal realistischen Notaufnahme in Pittsburgh so unfassbar unterhaltsam, dass man sich zum Start beide Staffeln lang körperlich inmitten des permanenten Ausnahmezustands wähnt – und dabei unglaublich viel über alle Beteiligten erfährt.

Damit stünden die großen Formate knapp hinterm Making of von Stranger Things bei Netflix bereits ganz vorne. Fehlt noch die sehr bunte Thriller-Serie Ponies mit der Got-Ikone Emilia Clarke als Spionin im Moskau der 70er Jahre. Auch Sophie Turner, Hauptfigur des sechsteiligen Heist-Dramas Steal stammt ab Mittwoch bei Prime aus dem Game of Thrones. Im ZDF ist zwischendurch die – vermutlich letzte – Fortsetzung der Ku’damm-Sage ins Jahr ’77 vorgestoßen.

An gleicher Stelle recherchiert The Kollective wahrheitsliebender Journalist:innen ab Freitag in einem weltpolitisch verstrickten Fall am Rande des 3. Weltkriegs. Den Schuldigen des 2. plus Shoah widmet sich Thilo Mischkes dreiteilige Doku German Guilt ab Mittwoch ebenfalls im Zweiten. Und dann wäre da noch die nette Idee, einer Quizshow mit zwei Antwortmöglichkeiten. Schade, dass die Yes or No Games bei Prime laufen, wo das alles nicht nur dank einer gigantischen LED-Installation mal wieder viel zu aufgeblasen wirkt.



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