DWDLs Scoop & Dyrholms Dänin
Posted: January 26, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
19. – 25. Januar
Gewiss, Russlands Rückzug aus der Ukraine als erstes Medium zu vermelden oder fast noch besser: Donald Trumps Rückzug aus der Politik – das wären mal Scoops von weltbewegender Dringlichkeit. Trotzdem war die Meldung des Branchenportals DWDL, im Dezember würden Bill und Tom Kaulitz die 219. Folge Wetten, dass…? moderieren, nicht nur exklusiv, sondern schon auch ein bisschen sensationell.
Weit weniger überraschend ist da die Nachricht, dass mit dem ehemals bissigen, mittlerweile aber eher bemitleidenswerten Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein der nächste alte Mann aus der Straßenmitte nach ganz rechts wechselt. Unterm Titel Mail von Martenstein wird er bei der Bild künftig auf alles Woke und was ihm sonst noch weiße Privilegien verhagelt schimpfen. Als verbitterter AfD-Wahlkampfhelfer könnte er also irgendwann auch im Dschungelcamp landen.
Dort also, wo der gefallene Hotelrezeptionslügner Gil Ofarim angeblich die bislang höchste Antrittsprämie einstreicht – und dennoch ausgerechnet über jenen Fall von gefaktem Antisemitismus schweigt, der ihn als Madenfresser für RTL so verteuert. Ansonsten ist neu, dass es heuer auch räumlich zwei konkurrierende Lager gibt und mit Hardy Krüger Jr. zumindest ein berühmter Name dabei ist.
Noch zwei Fakten vom Wahrnehmungsrand obendrauf. Bei der Übertragung des Hahnenkammrennens aka Streif von Kitzbühel hat ARD-Reporter Bernd Schmelzer am Samstag über einen leichtbekleideten IT-Boy im Schnee den der wunderbaren Satz „Influencer auf dem Weg zur Influenza“ gesagt. Und wie es aussieht, schafft Tschechiens rechtspopulistischer Regierungschef Andrej Babiš kurzfristig den Rundfunkbeitrag ab, also langfristig den liberalen Pluralismus.
Die Frischwoche
26. Januar – 1. Februar
Ein Tiefschlag für vielfältige Berichterstattung jenseits vom Quotendruck. Ereignisse wie den 81. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung am 27. Januar jedenfalls interessieren private Sender dummerweise nicht die Bohne. Hierzulande dagegen stellt das Öffentlich-Rechtliche ein vielfältiges Sonderprogramm auf die Beine – darunter ein ARD extra: Antisemitismus in Deutschland gleich nach der Tagesschau. Das Einzige, was kommerzielle Plattformen zum Holocaust-Gedenktag beitragen, läuft im Grunde bei Sky.
Ab Freitag beleuchtet Elon Musk Uncovered das faschistoide Wirken des Hitlergruß-Fanatikers dokumentarisch. Ansonsten gibt es diese Woche eher leichte Unterhaltung. Allen voran natürlich die vierte (und hoffentlich endlich mal letzte) Staffel Bridgerton, an der sich verglichen mit den ersten drei vermutlich nichts Substanzielles ändern wird. Sonntag dann springt MagentaTV auf den Zug in die Baker Street 221b auf.
In Sherlock & Daughter ermittelt der berühmteste Detektiv aller Filmzeiten acht Folgen lang gemeinsam mit einer jungen Frau (Blu Hunt), die sich als seine amerikanische Tochter zu erkennen gibt. Interessant ist nebenbei, dass Holmes diesmal nicht vom Sexsymbol Benedict Cumberbatch, sondern dem sehr gewöhnlichen David Thewlis verkörpert wird. Ein Weltstar spielt dagegen The Danish Woman.
Trine Dyrholm, 1998 durch Thomas Vinterbergs allerersten Dogma-Film Das Fest berühmt geworden, ist ab Freitag auf Arte eine Dänin namens Ditte, die in einer isländischen Wohnsiedlung den Kontrollfreak gibt und ein Geheimnis mit sich herumträgt: Vor ihrem Umzug nach Reykjavík war sie nämlich eine Elitesoldatin mit Geheimdienstqualifikationen und kriegt es nun nicht so richtig hin, ein gewöhnliches Leben unter gewöhnlichen Nachbarn zu führen. Was auf skurrile Art sehr, sehr amüsant ist.