Ofarims Schweigen & Pastewkas Rätseln

Die Gebrauchtwoche

26. Januar – 1. Februar

Reden, so heißt es, sei Silber und Schweigen Gold. Nun hat Donald Trumos erratische Zollpolitik zuletzt zwar den Preis beider Edelmetalle emporgetrieben, aber wenn letzteres irgendwo bestenfalls Blech wert ist, dann im Dschungelcamp. Dass der Starcamper Gil Ofarim trotz sechsstelliger Einzugsprämie beharrlich über den Grund seiner Verpflichtung in einem Leipziger Hotel schweigt, statt es am Lagerfeuer breitzutreten, ist für RTL demnach geradezu rufschädigend.

Reden wir also über Stefan Raab, dessen sinnlose IBIS After Hour ohnehin schon einer Bewerbung fürs Madenmenü 2027 gleicht. Wenn er dem wortkargen Ofarim dort ein „Betrüger-Gen“ attestiert, das auch dessen Onkel Samuel habe, käut die Redaktion so offensichtlich antisemitische Stereotypen gegen jüdische Menschen wieder, dass ein Zufall schlicht auszuschließen ist. Das dürfte RTL allerdings herzlich egal sein, solange die Quoten stimmen.

Eher jedenfalls als die Besuchszahlen von Amazons Lobhudelei von Melania Trump. Die Premiere des liebedienerischen Gefälligkeitsporträts vom #MeToo-Täter Brett Ratner haben vielerorts nur eine Handvoll zahlender Gäste besucht. Dafür wollten offenbar zwei Drittel der Crew nicht in den Credits auftauchen. Mit Elon Musks X dagegen möchte eigentlich niemand mehr namentlich in Verbindung stehen.

Daran ändern 120 Millionen Euro Bußgeld der EU-Kommission wegen fortgesetzter Transparenzdefizite eher wenig, während eine US-Bürgerin aus Kalifornien gerade die Konkurrenz von Meta über Google bis TikTok verklagt, deren Portale und Messenger hätten sie süchtig gemacht. Ein Grund mehr, warum Frankreich Social Media gerade für Jugendliche verbietet. Und damit zur vermasselten Pointe des Wochenendes.

Der Komiker Maximilian Schafroth hat im Auftrag des NDR-Satiremagazins extra3 eine US-Flagge auf Grönland gehisst. Wo da der Witz ist, bleibt da ihr Geheimnis. Zumal es wirklich lustiger, vor allem jedoch couragierter gewesen wäre, Grönlands Fahne vorm Weißen Haus zu hissen. Noch mutloser ist da eigentlich nur die Reaktion der ARD, sich vorauseilend zu entschuldigen.

Die Frischwoche

2. – 8. Februar

Das sind gleich zwei merkwürdige Pointen eines vergeigten Gags – damit aber drei mehr als Amazon Primes missratene Crime-Mystery-Ulk Fabian und Die mörderische Hochzeit hat. Geplant als deutsche Variante einer Leiche zum Dessert, kopiert sich Bastian Pastewka darin ab Freitag knappe zwei Stunden lang selbst, ersetzt wie sein gesamtes Ensemble also Scherze durch Grimassen. Und das ist sogar noch geistloser als der Neo Social Club.

Die ziemlich erfolgreiche Standup-Newcomerin Laura Larssen lädt pro Ausgabe drei socialmedia-affine Gäste zu einer Art Lass dich überwachen in eigener Sache ein. Fragt sich nur, wer das ab Mittwoch in der ZDF-Mediathek sehen oder gar unterhaltsam genug für acht Folgen finden soll? Da hat die Netflix-Serie Unfamiliar deutlich mehr zu bieten. Allen voran: Susanne Wolff und Felix Kramer als untergetauchte BND-Agent:innen, die ein Spionage-Fall tief in ihre Vergangenheit führt.

Das ist zwar mitunter vorurteilsbeladen, aber ziemlich virtuos inszeniert, durchaus fesselnd – und zumindest darin mit der Seriensensation dieser Tage vergleichbar: Heated Rivalry. Daheim in Kanada sorgt das Drama um schwule Eishockeyspieler seit Tagen für Furore. Hier startet es Freitag bei HBO Max. Was sonst noch passiert? Bei Neo beginnt Dienstag die sehr interessante norwegische Influencerinnen-Saga Requiem for Selina.

ARD und ZDF übertragen ab Freitag die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina. Sonntag geht – aller Voraussicht nach zwar mit Stefan Raab, aber nicht Gil Ofarim – Ich bin ein Star – holt mich hier raus! ins Staffelfinale. Und bei Audible startet Donnerstag der geschlechterpsychologische Laberpodcast Bin ich jetzt das Problem mit Anika Decker und Miriam Junge.