Dschungelkönig & Oderbruch

Die Gebrauchtwoche

9. – 15. Februar

Gil Ofarim, darüber hat er bei Ich bin ein Star, holt mich hier raus! gute zwei Wochen lang letztgültig Zeugnis abgelegt, ist nicht in erster Linie Rockstar, Promikind und C-Celebrity, geschweige denn Jude. Erhärtet von einem Zeit-Interview mit seinem Verleumdungsopfer Markus W. wird deutlich: Gil Ofarim ist vor allem ein fürchterlich toxisches Mängelexemplar der Gattung Mann mit Cäsarensyndrom und Impulskontrolldefiziten. Das könnte man nun so stehenlassen; Menschen sind Menschen und als solche halt fehlbar.

Weil ihn das Publikum offenbar genau deshalb vor einer Woche zum Dschungelkönig gekürt hat, wird es für RTL nun allerdings unangenehm. Nicht nur, dass er das IBIS-Prinzip der Katharsis als Siegesvoraussetzung ins Gegenteil verkehrte; diverse Zuschauer:innen taten in den Kommentarspalten kund, wegen dieser Sittenverrohung ihr Plus-Abo zu kündigen. Damit täten sie einer Reihe wirklich gelungener Serien zwar Unrecht, aber irgendwie ist es auch nachvollziehbar.

Zumindest bis zum nächsten Superbowl, den RTL 2027 wohl wieder übertragen darf. Was der uns dieses Jahr für Diskussionsmaterial beschert hat – toll! Und zugeschaut hat offenbar, wenngleich eher nicht beim deutschen Streamingdienst, auch Donald Trump. Sonst hätte er die Halbzeitshow mit Bad Bunny im Kreis von 700 Statist:innen kaum als die „schlechteste der Geschichte“ beurteilt.

Was sonst noch passiert ist? In einem Opt-Out-Modell hat sich die Bundesregierung zur lang diskutierten Investitionsverpflichtung durchgerungen. Danach müssen Sender und Streamer künftig mindestens acht Prozent ihrer in Deutschland erzielten Umsätze reinvestieren – auch, wenn sich die Unternehmenszentrale nicht hier befindet. Und weniger positiv: der Verleger Jimmy Lai wurde in Hongkong zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er seine Aufgaben erledigt hat.

Die Frischwoche

16. – 22. Februar

Dafür sorgen diese Woche gleich vier bemerkenswerte Serien für Aufmerksamkeit. Bei Prime Video startet am Dienstag der achtteilige Erotikthriller 56 Days. Und wer dabei an den Netflix-Softporno Fall for Me oder ähnlich lächerliche Saftpressen denkt – keine Angst. Lisa Zwerings und Karin Ushers Vexierspiel um ein Liebespaar, deren Vergangenheiten ineinander geraten, ist ziemlich fesselnd. Das dauernde Matratzengerangel jedenfalls wirkt dabei eher nebensächlich.

In der ersten deutschen HBO-Serie Banksters darf man sich ab Freitag auf den großartigen Eren M. Güvencin freuen, der nach Druck und Euphorie diesmal nicht die eigene Generation verkörpert, sondern einen Millennial, der sich in einer Reihe Banküberfälle verheddert, seine Komplizen preisgeben soll. Und dagegen wehr er sich nach Bernd Langes Drehbüchern sehr unterhaltsam. Gewürzt obendrein mit einer Spur Sozialkritik am Alltagsrassismus der frühen Nullerjahre.

Fortgesetzt wird zeitgleich die sensationell erfolgreiche Horror-Serie Oderbruch von 2024 im Ersten, bei der man endlich nicht mehr mit dem Spoiler hinterm Berg halten muss, dass die Hauptfiguren mehrheitlich Vampire sind. Interessanterweise aber solche, die wie Karoline Schuch ihr eigenes Geschlecht vernichten wollen, um Schaden von der Menschheit abzuwenden. Blutrünstig wie in der ersten Staffel, allerdings mit etwa weniger Suspense.

Und dann wird ebenfalls am Freitag die Apple-Serie Beschütze sie! mit dem GoT-Star Nicolaj Coster-Waldau als verschollener Ehemann von Jennifer Garner fortgesetzt, die sich fünf Jahre nach den Ereignissen der ersten Staffel ein neues Leben an der Seite ihrer Tochter aufgebaut hat – das natürlich jetzt kollabieren muss.



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