Daniels Sabber & Dimitrijs Rapper
Posted: February 23, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
16. – 22. Februar
Es gibt angeblich auf jeder Familienfeier diesen unangenehmen Onkel, der rassistische Zoten reißt und fast lieber noch: sexistische. In der ARD scheint das Daniel Weiss zu sein. Als der umgeschulte Eiskunstläufer die winterolympischen Tänze aktiver Kolleginnen kommentierte, dachte er offenbar vor allem an ihre Heiratsfähigkeit. Die Russin Adelija Petrossjan erschien ihm da „jung-fraulich“. Einer Konkurrentin aus Georgien attestierte er, „leider schon vergeben“ zu sein. Überhaupt fiel dem Reporter viel Weiblichkeit an Sportlerinnen auf,
Nun kann man angesichts der 1600 Stunden linearer und digitaler Olympia-Berichterstattung, die angeblich 40 Millionen Bundesbürger:innen erreicht haben, nie alles richtig machen. Wer so viel falsch macht wie der alterssaftige Boomer, benötigt aber dringende Schulungen in Sachen zeitgenössischer Achtsamkeit. Da muss allerdings auch das ZDF noch nachjustieren. Das heute-journal hatte einen Bericht über ICE-Abschiebungen Minderjähriger mit uralten und KI-generierten Bildern illustriert. So was kann sogar passieren.
Das Zaudern aber, mit dem sich die Redaktion entschuldigte und später eine US-Korrespondentin abzog, goss noch mehr Öl ins Feuer rechter ÖRR-Feinde als die – mindestens mal fahrlässige – Manipulation an sich. Julian Reichelts Stürmer 2.0 Nius witterte pflichtschuldig eine „Lügenfabrik“, die der Berliner Zeitung zufolge unseriöser sei als das DDR-Kampforgan Aktuelle Kamera. Und der peinliche FDP-Onkel Wolfgang Kubicki forderte natürlich gleich ganz die Abwicklung des ÖRR.
Dass der privilegienblinde Politgreis ein Social-Media-Verbot für Kinder fordert, ist hingegen nicht überliefert. Dafür lässt sich bei TikTok, Insta, Twitch schlicht zu viel Rendite erwirtschaften. Darüber hinaus aber fällt an der Debatte vor allem eins auf: Betroffene unter 14 werden weit weniger gehört als Beurteilende über 64. Ein bestens Betuchter über 94 rüstet derweil auf: Warren Buffet steigt mit 251 Millionen Dollar bei der NYT ein. Schwer zu sagen, was das für die Pressefreiheit bedeutet; Gutes verheißt kein Kaufrausch der Superreichen und -mächtigen.
Die Frischwoche
23. Februar – 1. März
Ein Glück also, dass Giorgia Meloni anders als ihr Vorvorgänger Silvio Berlusconi immerhin kein Medienimperium besitzt. Ansonsten aber, so zeigt es das zweiteilige Meloni-Porträt Die Macht der Clans ab morgen bei Arte, ist der (post)faschistischen Regierungschefin alles zuzutrauen. Und wozu Menschen fähig sind, wenn zivilisatorische Regeln außer Kraft geraten, lehrt uns seit 1954 William Goldings ja Robinsonade Lord of the Flies.
Morgen gibt es davon die nächste Verfilmung bei Sky/Wow. Vier Teile der BBC, denen Hans Zimmers Soundtrack vermutlich kein Understatement verleiht. Ähnliches gilt für den Piratenfilm The Bluff. Besser: Piratinnenfilm. Denn ab Mittwoch geht es bei Prime Video um eine Freibeuterin (Priyanka Chopra Jonas), die Regisseur Frank E. Flowers aus dem Ruhestand holt. Ebenso bildgewaltig dürfte Kevin Costners nächster Ausflug durch Amerikas Geschichte an gleicher Stelle sein.
In der Historienserie The Grant House, geht es schließlich um den US-Bürgerkrieg. Also den des 19. Jahrhunderts, nicht den anbrechenden von heute. Deutschlands öffentlich-rechtliches Programm dagegen setzt unverdrossen auf die Kripo und schickt gleich drei Beamte online: Heute bereits Fritz Karl im Salzburg-Krimi à la ARD, bevor das ZDF am Freitag Franziska Weisz ans Mordufer am Bodensee schickt und tags drauf einen Garmisch-Krimi mit Lavinia Wilson nachschiebt. Puh.
Dann doch lieber der komplette Aberwitz. Nach Drehbüchern seines großen Bruders Dimitrij hat Alex Schaad die Netflix-Serie Kacken an der Havel inszeniert. Eine Serien-Groteske mit dem sehr realen Rapper Fatoni als surrealer Rapper Toni Fleischer, der in sein Heimatdorf nach Brandenburg zurückkehrt und dort des Provinzwahnsinns fette Beute wird. Ab Donnerstag bei Netflix wird es – versprochen – genauso bescheuert wie der Titel andeutet. Und sehr unterhaltsam.