Falscher Schnitt & rechter Marshall

Die Gebrauchtwoche

23. Februar – 1. März

Jetzt also auch die ARD. Im Bericht aus Berlin wurde am Sonntagabend ein Beitrag falsch zusammengeschnitten. Nach der Wahl von Friedrich Merz zum CDU-Vorsitzenden, applaudierte plötzlich Angela Merkel – was sie zwar getan hatte, allerdings an einer anderen Stelle des Parteitags. Ist das bloß Fahrlässigkeit, schon Methode oder einfach nur dumm? Die Antwort geben leider keine nüchternen Analytiker, sondern reaktionäre Hetzer.

Im neuen AfD-Fanzine Welt zum Beispiel, wo der ehemals hochangesehen Journalist Hans-Ulrich Jörges als erster auf den falschen Schnitt hingewiesen hatte. Dass sein eigenes Blatt mittlerweile mehrheitlich mit Agenda-Setting, Manipulation oder schlicht rechter Hetze arbeitet, vergaß er da wohl einfach zu erwähnen. Aber mal ehrlich: dieser kleine Zank unter Medienmenschen in Deutschland bleibt angesichts der weltbewegenden Umwälzung von voriger Woche bestenfalls regional.

Nachdem Netflix sein Angebot zur Übernahme von Warner Bros. zurückgezogen hat, griff nämlich die Paramount Skydance Corporation zu. Die Verträge sollen angeblich schon unterschrieben sein. Und damit wäre dann womöglich auch das Schicksal seriöser Fernsehberichterstattung in den USA besiegelt. Denn PSC-Chef David Ellison zählt nicht nur zu einer Familie glühender Trump-Fans; er hat bereits Umbaumaßnahmen angedeutet.

Betroffen davon wäre vor allem das journalistische Flaggschiff CNN, das zur Manövriermasse des Multimilliarden-Deals gehört. Niemand im politischen Washington glaubt noch ernsthaft, dass dort fortan noch ernsthaft regierungskritisch informiert werde – zumindest, solange die Regierung aus Republikanern besteht. Nach dem Einknicken der Washington Post wäre das der nächste Schlag für den amerikanischen Pluralismus. Und womöglich der tödlichste.

Die Frischwoche

2. – 8. März

Schwer von hier aus ins Unterhaltungsprogramm zu schalten. Erst recht zum Yellowstone-Ableger Marshalls um den nahezu letzten Dutton Kayce (Luke Grimes) – schließlich wirkt es irgendwie ambivalent, gerade jetzt ein Format von Paramount+ zu empfehlen. Dann also lieber die volle Seifenbreitseite in Gestalt der südkoreanischen Liebesthriller-Serie Siren’s Kiss, seit Montag bei Prime. Oder noch öliger: die obstbäuerliche Sat1-Daily Ein Hof zum Verlieben, die genauso aussieht, wie sich ihr Titel anhört.

Gehaltvoller wäre da die tragikomische HBO-Serie DTF St. Louis mit Jason Bateman und David Harbour als Männer am Rande der Midlife-Crisis, aktuell bei HBO Max, das allerdings ja auch demnächst in Ellisons rechte Hände fällt. Oder die Prime-Serie Young Sherlock, in der kein Geringerer als Guy Ritchie die Jugend des Meisterdetektivs erzählt. Wobei auch Jeff Bezos ja eher gestern also heute die Demokratie einstampfen würde. Es ist kompliziert.

Letzter Versuch: die Drama-Serie Vladimir mit dem zuckersüßem Leo Woodall als Universitätsdozent, dem eine Englischprofessorin (Rachel Weisz) verfällt und dabei ihre Ehe aufs Spiel setzt. Sicher kein Arthaus-Streaming, aber immerhin vom Warner-Deal-Verlierer Netflix. Und mit dem spanischen Steuerbetrugsthriller Celeste macht man ab Freitag bei Arte schon mal gar nichts falsch. Vielleicht solle man sich aber gleich ganz sedieren. Mit zwei Medicals, ab Donnerstag in der ZDF-Mediathek. Sie heißen Einfach Elli und Die Maiwald. Inhalt egal. Einfach nur weg aus dieser sognannten Realität.