Hagels Schmutz & Benjamins Tod
Posted: March 17, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
9. – 15. März
Keine drei Monate ist 2026 alt, da hat es schon sein Unwort des Jahres: Schmutzkampagne. Die nämlich haben Grüne aus Sicht ihrer Unterlegenen der Baden-Württembergischen Landtagswahl gegen den armen CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel geführt. Ein linksgrünversiffter Feldzug, befanden frühvergreiste Männer von Richard David Precht bis Jens Spahn bei Pinar Atalay oder Hart aber fair, die es in der bürgerlichen Mitte so nun wirklich noch nie zuvor gegeben habe.
Bis auf den linksgrünversifften Feldzug gegen die christdemokratische Verfassungsgerichtskandidatin Frauke Brosius-Gersdorf mithilfe rechter Medien natürlich oder Robert Habecks Schmutzkampagne gegen Robert Habecks Heizungsgesetz. Und dann erdreistet sich der linksgrünversiffte Feminist Felix Banaczek auch noch, von einer Verschiebung der Debatte zu sprechen, nur weil erwachsene Männer wie Hagel im Angesicht minderjähriger Mädchen offenbar Beulen in der Hose kriegen.
Schmutzig, schmutzig, schmutzig. Wie gut, dass Wolfram Weimer dem grünen Kommunismus Kontra gibt. Nach zehn Monaten im Amt war der Kulturstaatsminister schon so einiges: eleganter Grüßaugust der neurechen Avantgarde, Steigbügelhalter wirtschaftlicher Eigen- und Partikularinteressen, Zwangsgebührenpopulist mit taz-Allergie, also eine Art Arno Breker des pangermanischen Kunstbetriebs. Aber ein jämmerlicher Feigling und Lügner?
Als solcher zeigte sich Weimer, als er den Verfassungsschutz auf drei wohlverdiente, aber missliebige Kandidaten des deutschen Buchhandlungspreises angesetzt, die linken Läden darüber belogen und danach noch nicht mal den Mumm besessen hat, sich einer öffentlichen Debatte auf der Leipziger Buchmesse zu stellen. Wenn uns Weimers kulturkonservativer Kult nicht flugs den Staatsschutz auf die Volksverräter-Hälse hetzen würde, müsste man glatt sagen: Leck Eier, Wolfram!
Das möchte man auch der Grimme-Jury für die Wahl der ebenso geist- wie anstandslosen Prime-Serie Gerry Star zur besten Unterhaltungsserie oder des sehr bedenklichen Haftbefehl-Porträts Babo zurufen. Stichhaltiger dagegen sind Trophäen für Tschappel, die Affäre Cum-Ex oder Golineh Atai. Und noch ein Hinweis an Tagesschau-Sprecherin Romy Hiller: dass Marine Le Pens Partei als „rechtspopulistisch bis rechtsextrem“ nur „eingestuft“ werde, ist weder neutral noch objektiv, sondern falsch. Der Rassemblement National ist von Herzen radikal.
Die Frischwoche
16. – 22. März
Und damit Teil jener Nazi-Internationalen, die der pluralistischen Demokratie spätestens seit 9/11 den Garaus macht. Neun Monate zuvor gab es einen Mord, der seinerzeit nicht nur Norwegen, sondern die halbe Welt erschütterte. Von ihm erzählt die ZDF-Serie After Benjamin ab Freitag. Es geht darin allerdings nicht sechs Teile lang um Real Crime zweier Neonazis, die den schwarzen Teenager Benjamin Hermanson umgebracht hatten; Mikael Diseth schildert die Ereignisse strikt aus Sicht der Hinterbliebenen im Osloer Vorort Holmlia.
Und das ist nicht nur ein wichtiger Perspektivwechsel zugunsten der Opfer. Der Sechsteiler ist auch eine Ode an die Freund- und Nachbarschaft, ohne jemals seifig zu werden. Thematisch verwandt damit ist die dreiteilige Doku Zu Gast bei Freunden?, in der die ZDF-Mediathek Aufstieg, Ankunft, Abschied von Mesut Özil schildert – und damit viel über eine Gesellschaft, in der Ausländer nur dann Deutsche sind, wenn sie angepasst, still und demütig bleiben.
Ansonsten gibt es diese Woche wenig Weltbewegendes zu empfehlen. Die Apple-Serie Imperfect Woman über drei amerikanische Freundinnen, von denen eine ermordet wird, was die anderen in Gewissensnöte bringt, klingt schon wegen Hauptdarstellerin Elisabeth Moss niveauvoll. Sie ist allerdings trotz hohen Production Values eher konventionell geraten. Sonst noch erwähnenswert? Ein Serienremake des 80er-Blockbusters Meine teuflischen Nachbarn, ab Mittwoch bei Sky. Das sechsteilige Biopic X-rated Queen über den Pornostar Teresa Orlowski, zwei Tage drauf bei HBO Max. Und Dienstag bereits das Magenta-Drama Der Salzpfad mit Gillian Andersen auf ehelichem Selbsterfahrungstrip.