7 Fragen an … FDF-Sprecher Joachim v. Gottberg

Logo_der_FSF“Geschlechtsteile in erregter Aktion”

Joachim v. Gottberg, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF), über pornografisches Fernsehen und sexistische Topmodelsuchen

Fragen: Jan Freitag

freitagsmedien: Gab es in früheren Jahren mehr oder weniger Beanstandungen von Programmen mit vermeintlich pornografischem oder anders jugendgefährdendem Inhalt als im Jahrzehnt zuvor?

Joachim von Gottwald: Es gab Ende der 90er Jahre ca. fünf Beanstandungen bei Premiere und drei bei DF 1. Es ging dabei darum, dass nach Ansicht der damaligen HAM die FSF bei ihrer Freigabe zu großzügig gewesen sei.

Welche Sender verbuchen diesbezüglich die meisten Beanstandungen bzw. Publikumsklagen?

Das Publikum beschwert sich bei expliziten Sexfilmen selten. Zu Beate Uhse TV bekommen wir eher Beschwerden, warum so viel geschnitten ist und nicht mehr gezeigt werden darf. Aber insgesamt sind die Sexprogramme sehr viel weniger geworden. Beschwerden gibt es es eher bei normalen Spielfilmen oder bei Serien, in denen Geschlechtsverkehr in der dort üblichen Form gezeigt wird, vor allem im Tagesprogramm oder Hauptabendprogramm.

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Veränderung im Programmangebot – wird weniger expliziter Sex gezeigt?

Es wird insgesamt weniger gezeigt, was aber an der Spezifizierung der Programme liegt. Wer viel sehen will, der bekommt im Internet alles geboten. Das hat Rückwirkungen auf das Fernsehen.

Ab welchem Grad sexueller Darstellung wird ein Format sendeuntauglich oder beanstandenswert?

Wenn es die Grenze zur Pornographie überschreitet. Die Definition ist nicht ganz einfach. Praktisch spielt eine Rolle, wie weit die Kamera geht – also ob sie den Sex nur andeutet oder ob die Geschlechtsteile  groß in erregter Aktion gezeigt werden. Letztlich geht es aber um das Bild von zwischenmenschlicher Sexualität.

Inwiefern?

Wenn Sex verabsolutiert wird und der Lustgewinn zwischenmenschliche Beziehungen dominiert, der Mensch also völlig austauschbar ist, dann spricht man von Pornographie.

Welche Formate wurden diesbezüglich zuletzt beanstandet?

Das waren Softsexfilme, die so an der Grenze waren.

Wie verhält es sich mit subtileren Formen sexueller Zurschaustellung wie Germanys Next Topmodel. Schreiten Sie in solchen Fällen ein, falls ja: warum, falls nein: warum nicht?

In der Tat sind solche Formen unter den Gesichtspunkten des Egos und des Weltbildes relevanter. Allerdings bewegen sie sich in einem gesellschaftlich adäquaten Rahmen, so dass wir wenig damit erreichen würden, gegen ein Format vorzugehen, das letztlich im Mainstream liegt. Das kann man mögen oder nicht, aber Jugendschutz darf keine Geschmackszensur ausüben.



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