2 Bier – 1 Platte

Marthe-SarahSarajane – India.Arie

So manch musikalische Karriere begann im Backround bekannter Kollegen und Kolleginnen. Auch Sarajane sammelte in der Band von Ina Müller erste Bühnenerfahrungen. Als die Wahl-Hamburgerin mit der auffallenden Frisur dann ihr eigenes Album veröffentlichen wollte, gründete sie mit McNificent Music dafür kurzerhand ein eigenes Label. Ihr Debüt #Step One erschien im März. Welches Album sie auch bei diesem Schritt stets begleitete, erzählt Sarajane im Interview.

Von Marthe Ruddat

Marthe: Sarajane, wir sprechen heute über die Musik, die Dich in besonderem Maße geprägt und begleitet hat. Fällt Dir die Auswahl schwer?

Sarajane: Nein, überhaupt nicht. Das muss einfach die Acoustic Soul von India.Arie sein.

Acoustic Soulist das 2001 erschienene Debutalbum von India.Arie. Es wurde für 7 Grammys nominiert. Mit ihrem Mix aus Soul, Blues und Hip Hop hat die Amerikanerin eine Art neues Genre mittig zwischen Singer/Songwriting und Nu Soul geschaffen.

Das ging schnell! Warum ist die Platte für Dich so besonders?

Weil sie mir meine musikalische Karriere eröffnet hat. Ich habe schon immer heimlich in meinem Zimmer gesungen und auch Gesangsunterricht genommen. Es war aber nie so, dass ich vor Publikum, geschweige denn vor meiner Familie gesungen habe. In der 12. Klasse gab es in der Schule dann ein Projekt. Jeder durfte sich aussuchen, welches Thema er bearbeiten möchte. Man musste einen kleinen schriftlichen Text verfassen, das Projekt endete aber mit einer großen Aufführung in der Aula. Ich habe mich ganz blauäugig für das Thema Soulmusik entschieden. Mir ist erst später klar geworden, dass das bedeutet, dass ich vor Menschen singen muss. Und da war es schon zu spät.

Du hast Deinen Auftritt also durchgezogen?

Ja, ich hab’s durchgezogen! Ich hatte mir noch einige Leute für einen Chor gesucht. Die haben aber alle nacheinander wieder abgesagt und so stand ich am Tag des Auftritts alleine da. Ich war so nervös. Ich wusste, ich kann nicht anfangen zu singen, wenn ich die ganzen Menschen sehe. Deshalb ist der Vorhang erst hoch gegangen, als ich schon angefangen hatte. Mein erster Song war dann von India.Aries Acoustic Soul.Marte-Sarahcover

Welches Lied war das genau?

Das war Brown Skin. Es ist ein sehr emotionales Liebeslied mit wunderschönem Text und toller Gesangsmelodie. Es hat mich aber auch aus anderen Gründen sehr bewegt. Wir hatten damals ein afrikanisches Flüchtlingsmädchen in unsere Familie aufgenommen. Wir haben uns damals tatsächlich sofort verschwestert, wenn man das so sagen kann. Und auch die ganze Musik, die ich damals gehört habe, war von schwarzen Soulmusikern aus Amerika oder England. Ich habe mich damals immer schon als Teil dieser Szene und als Schwester dieses Mädchens gefühlt, obwohl ich ja ein englisch-schottisches Milchbrötchen bin.

 

Where are your people from? / Maybe Mississippi or an Island.

Apparently your skin has been kissed by the sun.

You make me want a Hershey’s kiss, your licorice.

Every time I see your lips / it makes me think of honey-coated chocolate.

Your kisses are worth more than gold to me.

I’ll be your almond joy / you’ll be my sugar daddy.

Brown skin, you know / I love your brown skin.

I can’t tell where yours begins / I can’t tell where mine ends.

Brown skin, up against my brown skin.

Need some every now and then:oh hey.

 

Seither ist ja nun einige Zeit vergangen. Ist die Platte mittlerweile aus dem Plattenregal verschwunden?

Nein, absolut nicht. India.Arie höre ich immer noch sehr viel. Ich habe selber gedacht, dass so eine Platte irgendwann an Wirkung verliert, aber sie packt mich noch immer. Als wir auf Tour gegangen sind, habe ich mir die Acoustic Soul noch einmal als Mp3 gekauft. Die CD ist einfach schon sehr zerkratzt und fällt auseinander. Als ich sie dann gehört habe, kamen tatsächlich wieder genau die selben Gefühle hervor wie damals.

Und wie fühlen die sich ungefähr an? 

India.Arie hat eine sehr weiche, tiefe Stimme. Die bringt mich irgendwie immer wieder runter. Als Künstler befallen einen manchmal Ängste, davor bin auch ich nicht gefeit. Das Leben als Freiberufler bringt einfach aus Sorgen mit sich und manchmal bekomme ich Existenzängste. Auf die Songs von India.Arie greife ich zurück, wenn ich mal denke, dass jetzt alles ganz bestimmt ganz schlimm wird. Ihre Musik holt mich dann wieder in die Realität zurück. Irgendwie ist sie dann so etwas wie eine Motivatorin direkt in meinem Ohr.

Marthe1Sarajane steckt voller Energie. In jeder Antwort wird ihre positive und emotionale Art deutlich.  Dabei wirkt sie nie abgehoben oder unecht, sondern stets aufgeweckt und ziemlich pfiffig.

Ist India.Arie damit mehr als ein musikalisches Vorbild für Dich?

Auf jeden Fall. Als Künstlerin ist sie ein Vorbild, weil sie einfach so erfolgreich ist. Sie hat Grammys erhalten und ist unter anderem auch als Kulturbotschafterin aktiv. Aber auch als Mensch habe ich das Gefühl, dass sie eine authentische und warme Persönlichkeit ist. Es gibt ja oft berühmte Persönlichkeiten, von denen alle Welt denkt, dass sie ganz liebe Menschen sind. Und wenn man sie dann mal trifft, wird man eventuell enttäuscht. Bei India.Arie ist das, glaube ich, nicht so. Es gab zum Beispiel in Amerika mal diese I am not my Hair-Debatte. Es ging darum, dass afroamerikanische Mädchen nur über ihre Haare definiert werden und sich deshalb oft bemühen, ihre Haare wie weiße Mädchen zu stylen. India.Arie hat deshalb das Lied I am not my Hair geschrieben und sich einfach die Haare abrasiert. Das hat mich beeindruckt. Sie wirkt einfach wie eine coole Frau mit der richtigen Einstellung. Und ich glaube wenn man sie treffen würde, dann würde sie einem ein gutes Gefühl vermitteln. Auch wenn ich vor Aufregung total durchdrehen würde…

Wer Sarajane vor ihrer kurzen Sommerpause noch einmal live erleben möchte, hat am 7. August auf der Hansesail in Rostock und einen Tag später dem Beckstrassen Festiv in Hamburg noch die Gelegenheit dazu.

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