SANDY Alex G, Battles, Phela

SANDY Alex G

Wahrhaft gelungene Bilder brauchen keine goldenen Rahmen. SANDY Alex G zum Beispiel, ein junger Singer/Songwriter aus Philadelphia, nimmt seine Platten grundsätzliche nie im Studio auf, mit riesigen Soundcomputern und Synthiewänden, sondern zieht sich lieber für kurze Zeit in sein Wohnzimmer zurück und nimmt dort trüb glänzende Perlen zeitlosen Indiepops auf, der so herrlich verschroben ist, so hinreißend verspielt und zeitlos, dass man all den Bombast ringsum tatsächlich mal für eine Weile vergisst. Sechs Alben hat das DIY-Genie mit Nachnamen Giannascoli bereits derart mit viel Liebe zu disharmonischer Eleganz gefüllt, und auch das siebte hat sich seinen Titel verdient.

Es heißt Beach Club, wurde erstmals von einem richtigen Label herausgebracht und entführt uns für eine knappe Dreiviertelstunde unter die schattigen Palmen seiner hintergründig verhallenden Stimme, die von den Belanglosigkeiten des Alltags kündet und dazu Melodien über den Sand schickt, die irgendwo zwischen Weezer, Ween, Beige GT und Beck verwehen. Man kann sich das selbst dann wunderbar durch den Kopf rauschen lassen, wenn es Stücke wie Salt oder Look Out ein wenig übertreiben mit der Selbstverlorenheit des Soundtüftlers; früher oder später holen uns Wandergitarre und Powerpop zurück ins Abendrot. So schön kann Analogie sein, die ein bisschen technisch aufgemöbelt wird.

SANDY Alex G – Beach Music (Domino)

Battles

Eine Art analogen Techno hingegen mach seit nunmehr zwölf Jahren das Mathrock-Trio Battles aus Brooklyn und hat dem Subgenre in dieser Zeit ein Subsubgenre verpasst, dem weiterhin ein griffiges Label fehlt. Man könnte es Dreychno nennen, das alternative Kellerclubkinder wie die OhOhOhs ebenso in die Partyszene gespült hat wie das weltbekannte Safri Duo: Ein treibender Mix aus Schlagzeug und Keyboards, der – bei hier unterstützt vom Gitarrenvirtuosen Dave Konopka – das flächig Verspielte einer multitaskingtauglichen Midi-Orgel mit dem Druck filigraner Drums vereinigt.

http://www.vevo.com/watch/GB5171500250

Für letztere ist auch auf dem dritten Album La Di Da Di Ian Williams zuständig, für ersteres kein Geringerer als John Stanier, einst Taktgeber der Hardcore-Legende Helmet. Seine maschinell präzisen, quicklebenden Beats geben den zwölf instrumentellen Tracks eine Beredsamkeit, die den abgesprungenen Sänger Tyondai Braxtens abermals vergessen macht – scheint das peitschende Tastenstakkato doch förmlich mit Staniers Rhythmik zu reden. Live ist das ein wahres Erdbeben, auf Platte immerhin markerschütternd.

Battles – La Di Da Di (Warp)

Phela

Das exakte Gegenteil von Markerschütterung ist hingegen Phela, der neue Stern am deutschen Pophimmel engelsgleicher Frauenstimmen im Blumenkleid süßen Easy Listenings. Mit streng analogem Instrumentarium, vorwiegend auf selbstgespieltem Klavier beschränkt, haucht das 25-jährige Rehkitz mit den süßen Wuschellocken Alltagspoesie in die Neuköllner Szeneviertelstadtluft, der jeder Protz und Prunk, alles Überflüssige, Aufdringliche, Selbstgefällige grundsätzlich fehlt.

Mit gänzlich ungekünstelter Stimme singt dieses spätgeborene It-Girl der Sarah-Kay-Ära auf ihrem Debütalbum Seite 24 von Farben, die sie sieht, von Schwere, die sie los wird, von Liebe, die mal leiser wird, mal lauter, von Kopf und Bauch, die sich in skeptischer Zuneigung beäugen. Das ist zwar Caféhauspop für Brigitte-Leserinnen ab 40, aber mit der Ausstrahlung eines Duetts von Edith Piaf und Judith Holofernes: bisschen altbacken, stets aufrecht und klug. So oder so klingt das tausendmal ehrlicher als die verlogenen Gefühle der ähnlich mitteilsamen Frida Gold. Hoffentlich klaut sie der was von ihrem Erfolg.

Phela – Seite 24 (Sony)

 

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