Fai Baba, Mondo Fumatore, Jay Daniel

tt16-babaFai Baba

Wer ihn bis jetzt noch nicht kannte, wird ihn auch hiermit nicht ganz kennenlernen. Aus seinen wahren Namen macht Fai Baba nämlich ein ähnlich großes Geheimnis wie aus seiner sonderbar künstlichen Erscheinung. Und natürlich seiner noch viel seltsameren Musik. Sie entsteht, so viel scheint klar, in seiner Heimatstadt Zürich. Ansonsten aber bleibt dieser schmalbrüstig breitangelegte Psychopop auch auf der neuen Platte so rätselhaft wie auf den vier zuvor. Verschroben vor allem, ambivalent und nie vorhersehbar. Das Tempo ist stets getragen, wirkt aber trotzdem nie träge und so geht es sechs ausgedehnte Tracks weiter.

Die Gitarren sind verwaschen, aber vielfach von pointierter Klarheit. Das Schlagzeug seines Duett-Partners Domi Chansorm, angeblich der beste Drummer in ganz Zürich und überhaupt, scheppert rhythmusfest und zugleich fröhlich verspielt. Nichts kann sich wirklich je für eine einzelne Atmosphäre entscheiden und wirkt daher oftmals, als wäre da Roy Orbison versehentlich mit Franz Ferdinand im gleichen Proberaum gelandet. In diesen diffusen Zeiten klingt das Resultat jedoch nicht willkürlich, sondern angemessen durcheinander. Bisschen Berauschen wäre dazu aber schon besser, nur so als gut gemeinter Rat…

Fai Baba – Sad and Horny (A Tree In A Field Records)

tt16-monodMondo Fumatore

Wie lange darf man sich eigentlich mit Fug und Recht Garagenband nennen – solange man noch wirklich in Mamas und Papas Garage Gitarre, Schlagzeug, Bass malträtiert? Bis zum ersten Gig vor mehr als 20 Zuschauern? Mit einem Plattenvertrag in der Tasche? Bei einem Majorlabel gar? Oder doch nach einem Jahr? 5? 20? Beinahe so lang existieren nämlich mittlerweile die Berliner Mondo Fumatore und klingen im Kern doch noch immer ein bisschen wie 1998, als Rock noch als tot galt und allenfalls mit “Post” davor und möglichst vielen Samples darin einigermaßen akzeptabel war. Das ist nun zwei, drei Rockrevivals her, aber Mondo Fumatore sind immer noch da.

Und zwar unverdrossen, genau: garagig. Das belegt ihr erstes Album seit acht Jahren. Es trägt den hinreißenden, wenn auch leicht anbiedernd poppigen Titel The Yeah, The Yeah And The Yeah, der allerdings perfekt passt: als lägen immer noch die abgeranzten Perserteppiche unterm durchgedroschenen Schlagzeug, wenn sich Mondomarc und Gwendoline zwischen Wagenheber und Bierdosenstaplen treffen, um ihren alternativ verzerrten, amerikanisch intonierten Powerpunkpop mit mal weiblicher, mal männlicher Hallstimme rauszurotzen, dem sogar Mundharmonikas nie peinlich sind. Nicht mehr anders, immer noch schön.

Mondo Fumatore – The Yeah, The Yeah And The Yeah (Rewika)

tt16-jayJay Daniel

Electronica gleich welcher Art steht normalerweise nicht im Verdacht, sonderlich organisch zu klingen. So naturnah Musik mittlerweile auch am Rechner generierbar ist – das grundlegend Artifizielle am synthetisch erzeugten Sound lässt sich partout nicht ganz raus digitalisieren. Was allerdings kein Grund ist, es nicht immer und immer wieder zu versuchen. So wie Jay Daniel. Das – mit 25 Jahren ebenso junge wie erfahrene – Eigengewächs der Detroiter Elektroszene versucht sich unermüdlich an einer Neudefinition des Artifiziellen und hat daraus nach einer Reihe EPs und Kompilationen jetzt ein Debütalbum gebastelt, dass es durchaus in sich hat, besser sie: Die Natur.

Mit handwerklich eingespielten Drumsequenzen sorgt Broken Knowz für eine Tiefe im Multitrack-Mixing, für Wärme in der Kälte binärer Codes, für Leben, das so bei aller Unmöglichkeit, in diesem Genre den Überblick zu bewahren, selten ist. Das liegt vor allem am polyrhythmischen Ansatz der neun Tracks, die oft fast ethnologisch daherkommen, wie von der Straße gesammelt oder im Grünen. Es hat aber auch mit einem sehr feinen, oft bloß unterschwellig spürbaren Funk zu tun, den der weltweit gebuchte Live-Artist über die manchmal fast wavig klingenden Klanggespinste legt. Das klingt dann oft, als würde man normalen Songs die Gesangsspur herausschneiden. Meistens aber klingt es einfach toll.

Jay Daniel – Broken Knowz (Technicolour)

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