Jürgen Vogel: Blochin & The Team II

Sonst stirbt das Gefühl ab

Die internationale Koproduktion The Team (Foto: Quellenangabe: ZDF/Miklos Szabo) geht derzeit auf Arte und im ZDF in die 2. Staffel. Und wieder ist der vierteilige Thriller furchtbar missraten – daran kann auch Jürgen Vogel bei aller Mühe nichts ändern. Ein Gespräch über seine Sehnsucht nach Zuschauern, die Synchronisation der eigenen Figur, Tatort-Pläne und was The Team 2 mit Pilcher zu tun hat.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Jürgen Vogel, wissen Sie wer nächste Woche 25. Geburtstagstag feiert?

Jürgen Vogel: Nee, wer denn?

Die Rosamunde-Pilcher-Reihe im ZDF!

[lacht] Echt, so lang gibt’s die schon?

Seit 1993. Irgendwelche Geburtstagsgrüße nach Mainz und Cornwall?

Dafür weiß ich zu wenig darüber, aber wie kommen Sie jetzt auf Pilcher?

Weil ich Sie fragen wollte, was The Team II wohl mit einer Pilcher-Verfilmung zu tun haben könnte.

Außer, dass wir auf dem gleichen Sender laufen nicht allzu viel, hoffe ich.

Wo auch immer sich die Figuren beider Reihen in der Welt aufhalten – alle sprechen dort absolut akzentfreies Hochdeutsch miteinander…

Na, das macht die Frage jetzt doch mal interessant. Ich musste mich selbst ja für die deutsche Fassung synchronisieren und habe mir da wirklich große Mühe gegeben, ein bisschen weniger künstlich zu klingen und nicht immer alles ganz klar zu prononcieren. Sonst stirbt das Gefühl ab. Trotzdem finde ich es insgesamt furchtbar, alles zu übersetzen. Es läuft in Belgien in Originalfassung…

Also Französisch, Englisch, Deutsch, Dänisch.

Es läuft in Dänemark in Originalfassung. Es läuft zum Glück – bitte schreiben Sie das auf – in der Mediathek in Originalfassung. Wo es nicht in Originalfassung läuft, ist im Zweiten. Dazu muss man allerdings wissen, dass das ZDF zu keinem Thema mehr böse Leserbriefe kriegt als bei schwer verständlichem Ton. Weil das Stammpublikum schon etwas älter ist und daher oft nicht mehr ganz so gut hört, beklagt es sich sehr laut darüber, wenn der Sound nicht supersteril und deutlich ist. Das finde ich okay, aber überhaupt nicht zeitgemäß. Weil es meinen Geschmack nicht trifft, empfehle ich wärmstens die Online-Version mit deutschen Untertiteln.

Vor Ihrer Titelrolle Blochin meinten Sie, der Weltmeister in Sachen Filme zu sein, die gut sind, aber keiner sieht. Sind das dann so die Kompromisse eines Schauspielers, der auch mal von einem Millionenpublikum erlebt werden will?

Ach, jeder macht doch gerne mal was fürs breite Publikum, sofern die Bücher gut sind. Und diese hier sind es, das Thema Kunsthandel und Terrorismus ist spannend, meine Figur darin auch, sämtliche Kollegen inklusive der beiden Hauptdarstellerinnen waren supernett und absolut professionell – all das hatte ich zuvor nicht nur geahnt, sondern gehofft, und wirkte sehr überzeugend auf mich. Es war zwar manchmal harte Arbeit, die Drehbuchsprache so anzupassen, dass sie nicht nach Papier und (lacht) Pilcher klingt, aber sie hat sich gelohnt.

Kannten Sie die erste Staffel denn schon, bevor sie zur zweiten gebeten wurden?

Klar, zumal mit Miriam Stein eine sehr gute Freundin mitgespielt hat. Abgesehen vom Sound fand ich das auch richtig geil. Zum einen wegen der internationalen Koproduktion, zum anderen weil ich diesen „Nordic Noir“ skandinavischer Krimis sehr mag, an denen sich die Reihe orientiert. Aber machen wir uns nichts vor: Das Arthaus-Kino ist komplett im Arsch. Nichts gegen Romantic Comedies von Til Schweiger und Matthias Schweighöfer; die sind toll. Aber weil zusehends Monokultur herrscht, wandern tiefgründig erzählte Figuren von der Leinwand ins Serienfernsehen ab. Nur dort ist noch Kreativität und Vielfalt möglich – scheißegal, ob bei Netflix, Neo, Amazon oder Arte.

Das klingt jetzt eher trotzig als traurig.

Bislang sind die vielschichtigen Charaktere aus Skandinavien, England den USA hierzulande zwar noch selten, weil ARD und ZDF manchmal Angst vor der eigenen Chuzpe haben. Aber in zehn Jahren haben wir das aufgeholt. Und den Weg dahin ebnen – wie zuvor mit „Die Brücke“ – Koproduktionen, in denen das deutsche vom internationalen Fernsehen lernt. Ich sehe das als Chance. Auch für mich.

Ihre Rolle im Team ähnelt Blochin dabei ja insofern, als beide zwar ziemlich physisch und tough sind, zugleich aber äußerst empathisch und familiär.

Wobei letzterer da ständig an seinem Anspruch scheitert, während erstere höchstens ein bisschen in ihrer Patchwork-Situation festhängt.

Aber das Körperliche bleibt Ihren Rollen zueigen. Nutzt sich das nicht irgendwann ab?

Nö, ich bringe das als Typ mit und mag auch als Zuschauer ein paar Actionelemente gern.

Suchen Sie danach gezielt oder freuen sich bloß, wenn sich da was anbietet?

Suchen nicht. In meinem Beruf ist praktisch jeder grundsätzlich daran interessiert, möglichst verschiedenartige Figuren zu spielen. Zugleich hat aber jeder Schauspieler Seiten, die ihm besonders liegen und an ihm gesucht werden. Bei mir ist das neben der körperlichen Ebene eben der Humor, weshalb ich beides ein wenig mehr auslebe als alles andere.

Gibt es einen Charakter, der bislang noch gar nicht dabei war und jetzt endlich mal dran wäre?

Mich interessiert gute, intelligente Comedy, aber da bin ich mir noch nicht so ganz klar, wie ich das unterbringen kann. Ich denke da von Projekt zu Projekt.

Bleibt The Team in diesem Denken eine vierteilige Episode oder ist das auf eine Fortsetzung angelegt?

Ich fände das super und wäre sofort dabei, schon wegen der Möglichkeit, auf Englisch zu drehen. Aber momentan deutet sich da noch nichts an, die Produzenten müssen erstmal schauen, wie es sich international verkauft.

Mit dem Regisseur Matthias Glasner betreiben Sie nebenbei noch die Filmproduktionsfirma Schwarzweiß. Arbeiten Sie selber gerade daran, Ihr Portfolio zu erweitern?

Das haben wir ja mit Blochin versucht, aber wenn man sieht, wie das ZDF abgesprungen ist, zeigt sich: so richtig leicht ist es nicht, das Fernsehen zu verändern. Aber ich entwickle gerade mit Oliver Berben von der Contanstin etwas für die Zukunft.

In Kooperation mit einem Streamingdienst womöglich?

Verraten wird da noch nix.

Wenn man sich die neue deutsche Fernsehvergangenheit ansieht, wo Serien wie KDD oder Im Angesicht des Verbrechens von der Kritik gefeiert, aber vom Publikum verschmäht wurden – wie bringt man Qualität und Quantität denn bloß in Einklang?

Schwer zu sagen, denn selbst die besten US-Serien laufen auf kleinen Sendern wie Vox am Publikum vorbei. Das hat natürlich mit den starren Sendezeiten zu tun, denen die Menschen einfach nicht mehr folgen. Die Zukunft ist daher die Mediathek, wo man so gucken kann, wie es das eigene Zeitbudget erlaubt, nicht die Programmplanung. Darum muss die Einschaltquote auch dringend online gemessen werden.

Zwei Möglichkeiten gäbe es noch, im linearen Programm richtig Quote zu machen.

Na?

Fußball-Profi zu werden oder Tatort-Kommissar. Der erste Zug ist abgefahren, wie ist es mit dem zweiten?

Da gab es immer mal Anfragen, aber die waren mir bislang zu wässrig. Wenn ich den Tatort-Kommissar machen würde, müsste die Figur nach 35 Jahren im Geschäft, wo ich eher für interessante Randfiguren stehe, definitiv besonders sein. Und da rede ich jetzt gar nicht von explodierenden Autos.

Tendenz also eher Verdeckter Ermittler in Hamburg als Currywurstbude in Köln?

Zu ersterem gibt es in der Tat schon Ideen, aber die erzählen wir ein andermal…

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