Kameltreiber & Mr. Corman

TV

Die Gebrauchtwoche

26. Juli – 1. August

China attackiert westliche Medien, weil sie chinesische Sportler*innen angeblich in ehrverletzender Art zeigen, in der Provinz Zhengzhou werden ausländische Korrespondenten derweil stellvertretend für einen BBC-Kollegen auf offener Straße attackiert, da er „unfair“, ergo: kritisch über dortige Überschwemmungen berichtet haben soll. Währenddessen ist die Pressefreiheit in Japan auf ein Minimum sportlicher Grundversorgung reduziert. Weiterhin schlechte Zeiten für den Journalismus – und das scheint von Fernost nach Weitwest abzufärben.

Als ein deutscher Radfunktionär seinen Schützling vor laufender Kamera auffordert, zwei „Kameltreiber“ vor ihm einzuholen, sagte der ZDF-Reporter, das habe im Sport nichts zu suchen. Andernorts also schon? Alles also sehr aufschlussreich, was abseits der zuschauerlosen Medaillenjagd publizistisch so vor sich geht in Tokio. Aufschlussreicher jedenfalls als ein anderer Trend, der gerade vom Rechteinhaber Eurosport in die Zukunft schwappt.

Nach seinem Gold-Triumph nämlich wurde Alexander Zverev gestern nicht ins Studio nach Deutschland geladen, sondern projiziert und stand – kaum als Illusion erkennbar – zum Gespräch mit den zwei Moderatoren bereit. Noch ist das ebenso eine Spielerei wie Kameras, die um Dreispringer kreisen. In Zeiten von Homeoffice und Videokonferenzen aber dürfte es bald die Regel werden. Und damit ein vermeintlicher Ausnahmefall nicht zur Gewohnheit wird, legt sich auch Scarlett Johansson gerade mit einem mächtigen Gegner an.

Weil der Entertainment-Multi Disney ihren Superheldinnen-Blockbuster Black Widow zeitgleich auf der eigenen Videoplattform mit Plus am Ende streamt, klagt die Schauspielerin auf Umsatzbeteiligung – wenngleich (hoffen wir mal) wohl weniger aus Selbstbereicherungsmotiven, sondern aus Prinzip. Schließlich geht es bei der Parallelprogrammierung, die auch Konkurrenten wie Netflix pflegen, um nicht weniger als die Rettung des alten Kinos vorm neuen Fernsehen.

Die Frischwoche

2. – 8. August

Das natürlich auch die neue Woche gegen das alte Fernsehen dominiert. Netflix etwa startet Dienstag mit dem sehr überraschenden Doku-Prequel Shiny Flakes zur deutschen Erfolgsserie How To Sell Drugs (Fast), Disney+ folgt am Mittwoch mit den ersten zwei Staffeln der unterhaltsamen Twen-Dramedy Good Trouble. Richtig gut ist zeitgleich bei AppleTV+ die Tragikomödie Mr. Corman, in der sich Joseph Gordan-Levitt als einsame Frohnatur, der vergeblich versucht, sich seine Angststörungen schönzulächeln.

Am Donnerstag dann überzeugt Prime Video mit dem zehnteiligen Psychothriller Cruel Summer um eine entführte Highschool-Schönheit der 90er und was ihre missgünstige Mitschülerin damit zu tun haben könnte. Freitag startet die israelische Actionserie Hit and Run bei Netflix. Und Sonntag zeigt Sky, das Donnerstag zuvor die unfassbare Mordserie des Intensivpflegers Niels Högel zur vierteiligen Doku Schwarzer Schatten zusammenfasst, das Neo-Noir-Drama The Burnt Orange Heresy von Giuseppe Capotondi, dessen Kinostart 2020 der Pandemie zum Opfer gefallen war.

Die Öffentlich-Rechtlichen? Tja. Da wechselt der nette Sportmoderator Sven Voss hausintern ins Boom-Genre Tod in… und rollt zunächst in der ZDF-Mediathek uralte Kapitalverbrechen von Ostfrieslang über Wales bis Berlin auf. Spitzenidee. Ähnlich jener, Sabine Heinrich als zweiter Frau neben Barbara Schöneberger eine Samstagabendshow anzuvertrauen, allerdings Das große Deutschland-Quiz, das erstmals auf die 20.15 Uhr springt. Anything else? Die niederländische Kriegsverbrechensfiktion High Flyers tags zuvor auf Neo.

Das war’s.



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