Chrupallas Kontraste & Monks Rückkehr
Posted: January 29, 2024 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen |Leave a commentDie Gebrauchtwoche
22. – 28. Januar
Auch wenn das Medieninteresse leicht nachlässt: Die Großkundgebungen gegen alternative und andere Nazis gingen vorige Woche unverändert weiter – wobei Dunja Hayalis Interview mit dem parlamentarischen Geschäftsführer Bernd Baumann ebenso wie Olaf Sundermeyers Infight mit AfD-Führer Tino Chrupalla bei Maischberger hochinteressante Facetten rechter Reaktionen offenbarte.
Während wutbürgerliche Demonstrationen der Pandemie von pluralistischer Seite abgesprochen wurde, „das Volk“ zu repräsentieren, sprechen Rechte den mutbürgerlichen Demonstrationen dieser Tage ab, überhaupt Demonstrationen zu sein. Und sie beklagen dabei eine Ausgrenzung, die ihrer Politik wesenseigen ist. Am Dienstag zum Beispiel wurde dem ARD-Magazin Kontraste der Zutritt zu einem AfD-Bürgerdialog in Sachsen-Anhalt verweigert. Begründung: man wolle nur „seriöse Medien“ im Saal.
Was das Magdeburger Landgericht per einstweiliger Verfügung untersagte. Der nachfolgende Spießrutenlauf des Reportageteams ist am Donnerstag im Ersten zu sehen. Dort also, wo WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni laut einem Kress-Bericht kurz vorm Ukraine-Überfall ein Interview von Hubert Seipel – möge er in der AfD-Hölle schmoren – mit Wladimir Putin verhindert
Schließlich, so Ehni, habe der korrupte Antijournalist schon 2014 ein liebedienerisches PR-Gespräch mit dem Diktator geführt, als er die Pressefreiheit daheim längst vollumfänglich zerstört hatte. Das allerdings hindert Qualitätsmedien nicht daran, Putins Staatspropaganda wiederzukäuen. Zuletzt etwa, als sie verbreitete, an Bord eines abgeschossenen Flugzeugs saßen 80 ukrainische Kriegsgefangene.
Ob das stimmt, lässt sich nicht unabhängig prüfen. Aber gerade deshalb ist es so fatal, Meldungen wie diese auch nur zu erwähnen. In Russland gibt es keine Fakten, keine Realitäten, keine Wahrheiten mehr, die Putins Weltsicht widersprächen. Und damit zu etwas komplett anderem, sehr erfolgreichen: Mit Das Lehrerzimmer wurde neben Sandra Hüller und Wim Wenders auch eine ZDF-Koproduktion für den Oscar nominiert.
Die Frischwoche
29. Januar – 4. Februar
Während die Verleihung allerdings noch fünf Wochen hin ist, läuft Freitag bei Amazon Prime das Remake eines Hollywood-Blockbusters von 2005, der seinerzeit zu Recht keine Nominierung erhalten hatte, nun aber durchaus Fernsehpreise gewinnen könnte, Kategorie Krimikomödie: Mr. & Mrs. Smith. Anders als Angeline Jolie und Brad Pitt sind Maya Erskine und Donald Glover nämlich mehr als Eye-Candy.
Ihr scheinverheiratetes Auftragskillerpaar Jane und John kriegt acht Folgen lang reichlich Gelegenheit, unterhalb der schicken Oberfläche Untiefen pragmatischer Zwangsvereinigung auszuloten – und nutzt sie überaus ansehnlich. Etwas, das der dritten und letzten Staffel Sløborn parallel dazu in der ZDF-Mediathek für deutsche Katastrophenfilmverhältnisse ebenfalls ganz gut gelingt.
In der ARD-Mediathek macht Kida Khodr Ramadan bald das, was er seit knapp zehn Jahren praktisch unablässig tut: er spielt den Bandenkriminellen einer Serie, die das flutende Männerhormon darin sogar im Titel trägt: TESTO. Als Regisseur, Autor, Hauptdarsteller in Personalunion überfällt sein Gangster Keko darin mit den üblichen Komplizen (Veysel, Lau, Erceg) eine Bank, was sieben Teile à 15 Minuten maximal toxisch eskaliert. Na, ja…
Dann vielleicht doch lieber das sechsteilige Drama Hafen ohne Gnade vom Drogenumschlagsplatz Le Havre, ab Mittwoch in der ARD-Mediathek. Die drollige Cringe-Mockumentary Nathan for You, zeitgleich bei Paramount+ und Comedy Central. Oder ein Leckerli für Nullerjahre-Nostalgiefans: Mr. Monk’s Last Case, eine Art filmischer Abschluss der Comedy um den zwangsneurotischen Mordermittler, mit dem Magenta 14 Jahre nach dem vermeintlichen Serienfinale am Freitag auf Sendung geht.

