Das Boot 4: Interview Gansel, Wolfart, Ammon
Posted: September 21, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentWer ist Ihnen denn nicht rechts genug?

Auch die 4. Staffel Das Boot muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass Sky Nationalsozialismus und Kollektivschuld hinter der hochauflösenden Kriegsästhetik mit einer Handvoll Bösewichte versteckt. Dass die Produzenten Marcus Ammon (Bild li, Foto: Rica Reeb/Rosa Merk/Sky) und Fabian Wolfart (2.v.r.) das ebenso wie Regisseur Dennis Gansel (2.v.r.) anders sehen, zeigt ein freitagsmedien-Gespräch mit den drei Machern.
Von Jan Freitag
freitagsmedien: Herr Ammon, Herr Gansel, Herr Wolfart – was fasziniert nicht nur Deutsche seit 1981 so an Soldaten im U-Boot, dass es von der zweiten Serie nun die vierte Staffel gibt?
Marcus Ammon: Das Boot wurde 1981 zum Welterfolg, weil es den Krieg erstmalig aus der Perspektive der Besatzung erzählt und somit für die Zuschauer greifbar macht. 2016 war ich bei Sky für den Bereich Eigenproduktion verantwortlich; als die Bavaria damals mit der Idee auf uns zukam, auf Basis dieser starken IP ein neues Format zu entwickeln, war von Anfang an klar, dass wir kein Remake von Wolfgang Petersens Film produzieren, sondern mit einer High-End-Serie eigenständig und vielschichtiger werden wollen.
Dennis Gansel: Ich habe die ersten zwei Staffeln nur als Zuschauer wahrgenommen, aber aus meiner Sicht hat das Publikum großes Interesse an historischen Stoffen mit aktueller Relevanz, die leider zuletzt wieder aktueller geworden sind. Wenn sich die Protagonisten in der 4. Staffel über den 2. Weltkrieg unterhalten, sagt das teilweise mehr über die Gegenwart als die Vergangenheit.
Fabian Wolfart: Ich glaube, dass Zuschauer oft fasziniert sind von Welten, die sie nicht kennen oder erlebt haben, und wenn sie dann auch noch viele Emotionen abbilden, tauchen sie schnell in diese Welt ein.
Wenn ich Sie richtig verstehe, liegt der Fokus von Das Boot also weniger auf dem Nationalsozialismus als dessen Krieg?
Gansel: Sowohl als auch.
Dieses „als auch“ allerdings muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass der Nationalsozialismus am Guido-Knopp-Syndrom leidet, ein Volk von Widerstandskämpfern zu zeigen, die ein paar fiese Nazis in den Untergang treiben.
Gansel: Also für mich persönlich lasse ich das so wenig gelten wie für die Serie als Ganzes. Dafür hat mich die Herangehensweise von Beginn an zu sehr überzeugt. Wir hatten diverse historische und wissenschaftliche Berater, mit denen jeder Handlungsstrang eng abgestimmt wurde – eben, weil wir hier besonders sorgfältig arbeiten wollten. Die Recherchetiefe ist so großflächig und präzise in die Drehbücher eingeflossen, dass mir der Vorwurf eher fremd erscheint. Worin genau besteht er denn?
Dass es an Bord wie immer exakt einen Nazi gibt, den die Mannschaft hier auch noch als Feind ausfindig macht. Und an Land beschränkt sich die Zahl faschistischer Funktionsträger auf ausgewählte Figuren, was den Eindruck erweckt, sie seien in der Minderheit gewesen. Warum setzt sich die Produktion dem Verdacht aus, durch die Unterschlagung der Kollektivschuld anschlussfähig für revisionistische Sichtweisen zu sein?
Gansel: Ich versuche mich da wirklich in Sie hineinzuversetzen. Wenn ich mir nur die Admiralitäten ansehe, die bereit sind, sämtliche Bootsbesatzungen in aussichtslosen Missionen zu verheizen…
Was wiederum kriegs-, nicht diktaturimmanent ist.
Gansel: Oder nehmen Sie die SS in Berlin. Von der gibt es nicht wenige, und wir haben uns bemüht, sie so zu zeichnen, dass es eben keine schwarz-weißen Bösewichte sind. Dieses Bild entsteht auch, wenn man die Großeltern-Generation betrachtet, obwohl sie ihre eigene Verstrickung teilweise unkorrekt dargestellt haben. Meine eigenen übrigens auch, was meine Eltern als 68er wiederum angeprangert und meinen Opa als Nazi bezeichnet haben. Dabei liegt die Wahrheit doch in der Mitte. Und die versuchen wir in Das Boot darzustellen, etwa in Gestalt von Obersturmbannführer Koch, der als Folterknecht und Familienvater vorkommen darf. So zeichnen wir gerade für jüngere Generationen ein Bild der Zwischentöne. Denn für meinen Sohn ist der 2. Weltkrieg so weit weg wie für mich der 1. Weltkrieg.
Wie alt ist der denn?
Gansel: Der wird sieben, versteht zwar die Zusammenhänge noch nicht, kam aber gerade aus der Schule und meinte an einer Stelle mal, irgendwer sei ja böse wie Putin.
Fabian Wolfart: Mein Sohn ist schon elf, aber weiß noch nicht viel über Weltkrieg und Nazis. Dennoch ist das Thema Ukraine sehr präsent für ihn und es kommen oft Fragen. Und da erscheint mir wichtig, ihn darüber aufzuklären, dass die Einteilung in Gut und Böse nicht so einfach ist, wie es scheint, ohne sich auf eine Seite zu schlagen.
Ammon: Aber wer ist Ihnen denn jetzt nicht „rechts“ genug gezeichnet – die Bootsbesatzungen oder die Serie im Ganzen?
Letzteres, wofür die U-Boote nur exemplarisch stehen. Ich will keineswegs Ihre Integrität anzweifeln, frage mich aber, ob die Serie Film- und Fernsehregeln befolgt, selbst im Nationalsozialismus mehr positive Identifikationsfiguren als Antagonisten darzustellen, an die das Publikum andocken kann?
Ammon: Wir haben die Serie unter der Prämisse produziert, Geschichte in all ihren Schattierungen darzustellen. Und für ideologiekonforme Antagonisten gibt es in den wesentlichen Rollen reihenweise Charaktere. Den Forster, den Schulz, den Koch, den Werner, um nur einige zu nennen. Gleichzeitig wollten wir ein breites Publikum unterhalten.
Wolfart: Was hat Ihnen denn gefallen an der Serie, Herr Freitag?
Wie in den ersten drei Staffeln die klaustrophobische Intensität unter Deck, der Überlebenskampf ungeachtet politischer Prämissen, die schon Wolfgang Petersen genial inszeniert hat. Aber sobald die Kampfhandlung endet, schlagen sich Serie und Film auf die Seite eines Tätervolkes, das eher als Opfervolk zu sehen ist.
Wolfart: Haben Sie konkrete Beispiele, die Ihre These belegen können?
Samuel Greenwood, dessen Name seltsam jüdisch klingt und in der 1. Staffel insinuiert, der Krieg könnte ein kapitalistisches Komplott unter Beteiligung der Amerikaner sein. Oder den englischen Offizier Swinburne, der zu Beginn der 3. Staffel hinterrücks arme Wehrmachtssoldaten abknallt.
Gansel: Unsere Figuren und Handlungen wurden von irischen und englischen Headwritern entwickelt. Beide meinten, Deutsche seien bei der Geschichtsschreibung manchmal ein bisschen übervorsichtig. Und wir wissen ja, dass sich Swinburne bei der Kriegsmarine dafür rächen will, dass deutsche U-Boote völkerrechtswidrig ein Schiff der Handelsmarine angegriffen und dabei seinen Sohn getötet haben. Swinburne handelt im Affekt und aus tiefer Trauer heraus.
Rache also statt Ratio…
Gansel: Aber als inszenierender Regisseur bin ich doch froh, dass die Figur kein strahlender Held ist, nur weil er zu den Alliierten gehört. Interessanterweise fanden die Leute in England Das Boot mehrheitlich fein gezeichnet und ausgewogen. Ich gebe Ihnen Recht, dass wir eine besondere Verantwortung haben, genau hinzuschauen.
Daher nochmals die Frage: versucht die Serie auch den Zuschauern gerecht zu werden, die von der Kollektivschuld nichts mehr hören wollen?
Gansel: Nein, uns geht es um die Banalität des Bösen, die sich jetzt wieder in der Betrachtung einer Figur wie Wladimir Putin findet, den viele trotz allem auch hierzulande verehren.
Die Planungen zur 4. Staffel haben bestimmt lange vor dessen Krieg begonnen, oder?
Wolfart: Natürlich. Die Bücher für diese Staffel waren bereits entwickelt und bei Kriegsbeginn waren wir gerade auf Location-Tour in Prag.
Hat er dennoch Einfluss genommen auf Entstehungsprozess und Dreharbeiten?
Gansel: Ein absolutes Ja. Vor und hinter der Kamera waren alle extrem auf Authentizität des Gezeigten aus. Dafür hatten wir ja unsere internationalen historischen Berater, die darauf geachtet haben.
Mündet diese Authentizitätsbedarf in eine Art Bildungsauftrag, den Formate wie diese womöglich haben?
Ammon: Bildungsaufträge haben eher Dokumentationen als fiktionale Stoffe. Dennoch ist es eine Anti-Kriegsserie mit einer klaren Haltung, die immer wieder deutlich macht, dass Kriege keine Gewinner kennen.
Gansel: Jede Erzählung muss da einen historisch korrekten Kern haben.
Ammon: Wir fühlen uns den Realitäten der deutschen Geschichte verpflichtet, wollen aber ohne erhobenen Zeigefinger unterhalten und sind dafür mit einer Vielzahl an Figuren auf eine lange Reise gegangen.
Kann diese Reise noch weitergehen?
Ammon: Weil Sky keine deutsche Fiktion mehr produziert, wissen wir momentan noch nicht, ob es weitergeht. Aber wir alle wünschen uns eine Fortsetzung, denn unsere Figuren sind noch nicht auserzählt.
Böhse Onkelz & Zamperonis Meloni
Posted: September 18, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
11. – 17. September
Constantin Schreiber hat die Schnauze voll. Weil der Nahostexperte mit Arabisch- und Ortskenntnissen für angeblich muslimfeindliche Äußerungen Shitstorms inklusive Tortenattacke erntet, will er sich in einem Zeit-Interview „zu allem, was mit dem Islam auch nur im Entferntesten zu tun hat, nicht mehr äußern“. Es gibt vom Tagesschau-Sprecher also weder Romane wie seine – auch literarisch kritisierte – Houellebecq-Kopie Die Kandidatin noch Talkshows oder Sachbeiträge.
Da mögen manche „Schampusflaschen aufmachen“, fügt er hinzu, aber ob das jetzt ein „Gewinn ist für Meinungsfreiheit und Journalismus“, sei eine andere Frage. Und um sie zu verneinen, muss man noch nicht mal dem populistischen Comedy-Lager angehören wie Dieter Nuhr, der Donnerstag mal wieder tat, was er humoristisch am besten, nein: als einziges beherrscht: abwärts zu treten wie gegen arbeitsloses Gesindel, dem Nuhr keinen Cent seines öffentlich-rechtlich erworbenen Vermögens gönnt.
Seine reaktionären Fans attackieren mittlerweile übrigens sogar Meteorolog*innen dafür, dass ihre Wettervorhersagen den Klimawandel auch nur erwähnen, wie Constantin Schreibers Redaktion von ARD-aktuell mitteilte. Gegenüber Dustin Röhl hingegen war sie vorigen Dienstag nicht ganz so kritisch. In einem Beitrag über die Bildungsmisere trug der 18-jährige Schüler ein T-Shirt der Neonazi-Band Böhse Onkelz, das die Kamera mehrfach ohne Not ins Bild rückte.
Braunes Abwasser bedarf halt gar nicht der Nuhrs oder Höckes, um in den Mainstream zu sickern. Manchmal reicht Ignoranz achtbarer Medien, die den nächsten Verlust beklagen: das Guerilla-Magazin Vice, einst Revoluzzer des klassischen Journalismus, nun im Besitz eines saudischen Staatsfonds und strikt der Hofberichterstattung verpflichtet. Was wohl der Ethos- und Stilpapst Wolf Schneider dazu sagen würde, den sein Stern als KI aufleben lässt?
Die Frischwoche
18. – 24. September
Er würde sich vermutlich ebenso neutral verhalten wie Ingo Zamperoni, dem wir neben seiner nonchalanten Art, Informationen tagesthementauglich zu machen, kluge Reportagen aus Krisengebieten wie seiner dritten Heimat USA verdanken. Heute zeigt die ARD zur besten Sendezeit eine aus seiner zweiten – und Mein Italien unter Meloni ist erneut auf objektive Art erhellend.
Ein Anspruch, den kein investigativer Journalist weniger an sich hat als Jan Böhmermann. Während sich Politik, Justiz, Querdenkende am haltungsgetriebenen Rotzlöffel reiben, erobert seine Fake-Show Lass dich überwachen am Mittwoch die ZDF-Primetime, um darin digitale Sünden des Saalpublikums aufzudecken. Wenn RTL parallel einen Satz branchenüblicher B- bis D-Promis in die Reality-Crime Die Verräter schickt, dürfte der kulturelle Mehrwert hingegen ins Negative neigen.
Aber gut – ist halt auch einfach nur Unterhaltung wie die harmlose Familienreihe Einspruch, Schatz! (Freitag, 20.15 Uhr, ARD) mit der erstaunlichen ChrisTine Urspruch als liebestolle Scheidungsanwältin. Einfach revisionistische Unterhaltung ist und bleibt auch Staffel 4 der Guido-Knopp-Gedächtnis-Serie Das Boot, die ab Samstag bei Sky statt deutscher Kollektivschuld wie immer nur drei, vier fiese Nazis in eine Seifenopern-Diktatur stellt.
Ähnlich lang und doch um so viel schöner ist da die – zugegeben schwer vergleichbare – Coming-of-Age-Serie Sex Education, die Netflix am Donnerstag endlich, endlich fortsetzt. Und wirklich gelungen ist auch die ARD-Tragikomödie Flunkyball um einen völlig vereinsamten Teenager, der plötzlich seine Traumfrau findet – und bis zum Ende angenehm offenlässt, ob es sie tatsächlich gibt.
Bleibt nur noch Hinweis auf eine Doku-Reihe mit gleich vier Traumfrauen im Fokus: The Supermodels, deutsches Porträt der Laufsteg-Legenden Linda Evangelista, Naomi Campbell, Cindy Crawford und Christy Turlington (Mittwoch, Apple TV+). Von vier Traumboys dagegen erzählt tags drauf die Arte-Doku Toronto 1969 – dem Ereignis, das angeblich zur Trennung der Beatles führte.
Bombino, Captain Planet, Fieh
Posted: September 15, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 5 freitagsmusik | Leave a commentBombino
Schwer zu sagen, was an – einst eurozentristisch als Weltmusik etikettiertem – Ethnosounds aus nordwestlicher Sicht interessanter ist: wenn sie auf vertraute Art fremd klingen, auf fremde Art vertraut oder vielleicht weder fremd noch vertraut, sondern einfach nur irritierend eingängig, ohne aufzuklären, warum. Exakt so vereinigt Bombino aus Niger die Klangwurzeln seiner Heimat mit globalem Rock.
Und wie! Inhaltlich ist Sahel für Menschen ohne deren Sprachkenntnisse zwar ebenso unverständlich wie der arabische Albumtitel ساحل. Klanglich hingegen erschließt sich der krautige Soul sofort. Ein treibender African Folk, der überall und nirgendwo zuhause ist, obwohl der Gitarrenvirtuose mehrheitlich von den Belangen der Tuareg am Wüstenrand erzählt. Das allerdings mit einer Herzenswärme, die eklektisch überwältigt.
Bombino – Sahel (Partisan Records)
Captain Planet
Wenn allerdings irgendwer irgendwas von herzenswarmer Überwältigung im Rockspektrum weiß, dann die Hamburger Emopunk-Band Captain Planet. Seit ihrem, nun ja, Durchbruch mit dem Wechsel zum Label Zeitstrafe und der fabelhaften Großstadtstudie Treibeis, schreit niemand so melodisch schief über die Einsamkeit unter Leuten wie Gitarrist Jan Arne von Twistern. Jetzt ist das fünfte Album raus. Und es macht alles wie immer, nur besser.
Come on, Cat versteht es spielend, Gefühle zu beschleunigen, bis sie in sich ruhen und komplett bei sich bleiben. Die Snare gehetzt, die Vocals gerotzt, die Riffs gescheppert, liefern Captain Planet für alle, die sich – wie es im ergreifenden Halley heißt – “auch nicht mehr ertragen”, weil “wir alle sind doch angezählt seit Jahren”, seelische Erbauung im Moshpit-Modus. Sie belagert das Gemüt wie ein richtig guter Liebesfilm ohne Happyend.
Captain Planet – Come on, Cat (Zeitstrafe)
Fieh
Weil Überwältigung aber kein Selbstzweck ist und Understatement am Ende doch nachhaltiger, wollen wir an dieser Stelle mal eine Band feiern, die beides miteinander verbindet wie jahrelang getrennte Zwillinge. Fieh heißt sie, stammt aus Norwegen und wildert musikalisch in Gehegen, die zwar seltener Menschen aus Skandinavien beherbergen, aber wer den Isländer Junius Meyvant kennt weiß, wie egal das ist.
Auf dem dritten Album stromert das Oktett um Sängerin Sofie Tollefsbøl durch Käfige von HipHop über Jazz bis Psychobeat, kabbelt sich darin mit Anderson .Paak und Todd Terje um den Zugang zur Gittertür und bricht sie mit so wenig Respekt vor den Wächtern abgeriegelter Genres auf, dass der Schlüssel Future-Funk auch wieder eines dieser Quatsch-Label ist, das III zwar nicht gerecht wird. Aber das gilt ja für jede Umschreibung. Fieh sind Fieh und machen auf lässige Art glücklich.
Fieh – III (Jansen Records)
Gebührenverschwendung & Regieren am Limit
Posted: September 11, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
4. – 10. Oktober
Sonntagabend. Weder Olympia noch Fußball-WM. Wenn die Tagesschau da um 20.15 Uhr zwei Sport- zu Spitzenmeldungen macht, muss sich buchstäblich Bemerkenswertes ereignet haben: Der Rauswurf von Bundestrainer Hansi Flick, dessen Rauswurfgrund tags zuvor bei RTL übertragen wurde. Und der deutsche Weltmeistertitel im Basketball, dessen Zustandekommen zuvor wochenlang nur bei Magenta gestreamt wurde.
Interessanterweise wird die Tatsache, dass letzterer im Endspiel öffentlich-rechtlich – beim ZDF – gezeigt wurde, auch von denen kritisiert, die sonst Gebührenverschwendung brüllen. Ob das nur Internet-Trolle tun, die sich hinter Tastaturen verschanzen? Schwer zu sagen. Aber mehrere Studien belegen einem Zeit-Bericht zufolge, dass Social Media zwar die Wut der Hater verstärkt, aber nicht nachweisbar neue erzeugt. Einerseits. Denn andererseits ergeben dieselben Studien folgendes.
Der Facebook-Algorithmus versorgt demokratische Wähler*innen zu gleichen Teilen mit linkem und rechtem Content, republikanische dagegen nahezu ausschließlich mit konservativem. Ungleiche Internet-Waffen also für liberale Einstellungen. Und zudem fand ein Forscherteam um Matthew Hindman heraus, dass rechte Bilder und Texte bei Facebook bis zu achtmal so irreführend, ergo: falsch sind als linke.
Während letztere die medial viral gegangene Augenklappe von Olaf Scholz demnach tendenziell als, nun ja, Augenkappe bezeichnen, war sie für erstere ein reiner PR-Coup. Daran ändert wenig, dass sich Alice Weidel, im ARD-Sommerinterview darauf angesprochen, bloß Besserungswünsche abringen ließ, ansonsten aber süffisant um Bekenntnisse zum völkischen Totalitarismus rumlavierte. Noch weniger ändert daran aber künftig das drohende Aus bedeutender Satire-Institutionen.
Die ältere von beiden, vor 44 Jahren Titanic getauft, ist seit Juli insolvent. Die jüngere namens Katapult dagegen wohl schon länger. Beide arbeiten nahezu frei von Anzeigen. Beide haben sich trotzdem trotzig am Markt gehalten. Beide buhlen verbissen um Solidarität. Beide sind im Zeitalter des Postillon aber auch Anachronismen – wenngleich sehr liebenswerte.
Die Frischwoche
11. – 17. Oktober
Das gilt auch für die Objekte einer gelungenen Doku-Serie. Fünfmal 50 Minuten lang begibt sich Sky ab Sonntag auf eine Zeitreise Inside Greenpeace. Der Umweltorganisation also, die vor 50 Jahren als erste medienwirksam gegen den Klimawandel revoltierte, nun aber durch jüngere, freshere, teils radikalere Epigonen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion in den Schatten gestellt wurde.
Die deutsche Langzeitstudie von Showrunner Florian Nöthe zeigt nun, wie sich Greenpeace dennoch durch die nahende Katastrophe beißt. Ebenfalls ein Jahr lang hat Stephan Lamby die rotgrüngelbe Koalition durch den Ernstfall Dutzender Krisen auf einmal begleitet und zeigt heute um 20.15 Uhr (ARD) drei Teile am Stück, was das Regieren am Limit, so der Untertitel, mit den Regierenden macht – am Ende also mit uns.
Und wo wir bei Dokumentationen sind: Mittwoch startet Netflix Ganz normale Männer um Wehrmachtsoldaten, die im Krieg zu Monstern wurden, was nicht zufällig an Hitlers willige Helfer von Daniel J. Goldhagen erinnert. Passend dazu porträtiert der History Channel produziert von Hollywood-Star Bradley Cooper am Samstag den Kriegspräsidenten Franklin D. Roosevelt, nachdem Disney+ mit Bertie Gregorys Naturfilmreihe Tiere hautnah gezeigt hat, dass Dokus auch soft sein können. Und damit zum Fiktionalen.
Herausragend ist da der Paramount+-Sechsteiler Das Gold, ein extrem konzentriertes Drama um jenen Millionenraub, der vor 40 Jahren die britische Gesellschaft umwälzen half. Weniger realistisch, aber nicht schlecht ist die Universal-Serie Fire Country um einen Häftling, der ab Sonntag bei Sky im Feuerwehrdienst seine Haftstrafe – und die Last der Vergangenheit – mindern will. Die britische Dramedy This is Going to Hurt taucht zugleich in die Gynäkologie ein. Zwei Tage zuvor versucht sich die ARD-Mediathek an der polyamourösen Beziehungsstudie Tod den Lebenden. Und dass Johanna Wokalek in den Münchner Polizeiruf einsteigt, sei da nur am Rande erwähnt.
Elias Nerlich: Eligella & Millionen Follower
Posted: September 10, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentSieben, acht Jahre mach ich noch so weiter

Millionen Fans sehen Elias Nerlich alias Eligella zu, wie er zockt oder das Zocken anderer kommentiert. In Berlin hat der Youtuber jetzt zum dritten Mal ein Fußballturnier voller Ex-Profis und Influencern veranstaltet – vor 16.000 Hallengästen und Hunderttausenden im joyn-Stream. Der Versuch, mit ihm das eigene Phänomen zu ergründen.
Von Jan Freitag
freitagsmedien: Elias Nerlich, als Eligella hast du Millionen Follower und Followerinnen in einem Bereich, der für viele eher Freizeit ist. Wie erklärst du dir dieses Phänomen selber?
Elias Nerlich alias Eligella: Das ist echt ‘ne gute Frage, die ich mir abends manchmal selber im Bett stelle, aber keine richtig gute Antwort finde. Viele Leute folgen mir, glaube ich, weil wir sehr authentisch sind und nicht aufgesetzt wirken. Bei Fußballern ist diese Bindung einfacher zu erklären, weil sie über ihre Außenwirkung hinaus auch noch gut kicken. Aber dass wir, ohne sie persönlich zu kennen, eine Verbindung zu den Leuten herstellen, die aufrichtig wirkt und ist, weil wir das, was wir machen, wirklich ernst meinen – ich glaube, darum geht es.
Was ist dir als Follower von anderen wichtig?
Das Mindset vor allem. Ich bin zum Beispiel ein extremer Fan von Cristiano Ronaldo, weil er einerseits so gut Fußball spielt, aber eben auch, weil er mich abseits davon inspiriert und motiviert. Sein Denken, sein Handeln – das hat großen Einfluss auf mich.
Apropos Einfluss: Wie lautet eigentlich deine Eigenbezeichnung – Influencer?
Das kommt echt auf die Situation. Jüngeren gegenüber bezeichne ich mich in der Regel als Streamer oder Youtuber, damit kann jeder was anfangen. Älteren erkläre ich mich eher als Unternehmer, weil die es womöglich gar nicht verstehen, dass ich mich dabei filme, Playstation zu spielen oder zu kommentieren.
Was sagt deine Oma denn, wenn sie von deinem Beruf spricht?
Das war anfangs schwierig (lacht). Ich habe versucht, es ihr so zu erklären, dass ich quasi meine eigene Fernsehshow im Internet mache.
Welche Rolle spielt so ein Event wie dein „Real Life Eligella Cup III“ in einer so riesigen Halle dabei?
Eine wichtige.
Ist das eher ein sportliches Event oder doch ein PR-Instrument?
Beides, auf jeden Fall. Für die Vermarktung ist das super, eine der größten Hallen in Deutschland voll zu kriegen. Das darf aber nicht davon ablenken, dass es hier auch schon um richtigen Sport geht, den die Spieler alle sehr, sehr ernst nehmen. Das sind schließlich aktuelle Regionalligisten, teilweise Ex-Profis oder Jugendbundesligisten. Das in Kombination mit Influencern ist zwar lustig, aber auch ernst gemeint.
Auch für die ist das aber ein Marketing-Tool.
Klar, das ist auch legitim. Die machen hier eigenen Content oder sind in meinen Streams zu sehen, wollen aber alle gewinnen.
Also trifft hier eSport gewissermaßen auf aSport, also Konsole auf Rasen?
Das ist zumindest ein Teilaspekt. Da treffen zwar zwei Welten aufeinander, aber ich habe ja auch lange eSport gemacht, die Grenzen verschwimmen da seit langem. Das Publikum mag es jedenfalls gern, ihre Streamer beim echten Fußball zuzusehen.
Und gegebenenfalls beim Scheitern?
Auch das kommt immer gut an, klar (lacht).
Was bedeutet es, dass ein Sender wie Joyn als Streamingplattform eines linearen Senders wie ProSieben den „Real Life Eligella Cup III“ live streamt?
Eine Menge. Es ist nicht mein erstes Event mit Joyn und sorgt dafür, dass wir uns über die Verbindung zum Fernsehen neue Zielgruppen auch in Richtung alter Medien, also des Fernsehens erschließen. Das ist eine win-win-Situation für beide Seiten, denn die profitieren ja ebenso von uns.
Aber wer profitiert aktuell noch mehr vom anderen?
Bei der Vermarktung kann eSports definitiv noch vom richtigen Sport lernen. Umgekehrt komme ich aus dem eSport, habe aber mit Delay Sport einen eigenen Verein in Berlin gegründet, der mehr Follower hat als Union und Hertha zusammen. Was Social Media betrifft, kann der richtige Fußball also schon was vom Digitalen lernen, ist aber in Sachen Professionalität und Business noch meilenweit voraus. Beide Seiten lernen voneinander.
Wird das Lernen so weit gehen, dass eSport aSport irgendwann überholt?
Glaube ich nicht, und das ist auch cool so. Richtiger Fußball und Sport im Allgemeinen werden immer die Nr. 1 sein.
Es gibt die Legende, dass junge Fußballer und Fußballerinnen viele ihrer Tricks heute an der Playstation lernen und dann auf dem Rasen anwenden. Ist da was dran?
Na ja, man kann sich da schon was abgucken, nicht nur was Tricks, sondern auch das Spielverständnis betrifft. Aber keinem Spieler gelingt ein Move, nur weil er ihn im Videospiel beherrscht. Rasen ist schon noch mal was anderes.
Wo warst du denn besser?
Im Virtuellen, auf jeden Fall.
Du bist jetzt Mitte 20. Wie lange kannst, wie lange willst du noch auf Plattformen aktiv sein, die ja eher Teil einer Jugendkultur sind?
In diesem Ausmaß? Schwer zu sagen, da können ja auch immer Schicksalsschläge dazwischenkommen oder die Familienplanung. Wenn ich mal ein, zwei, drei Kinder habe, ist dieser Aufwand nicht mehr zu schaffen. Ich würde mal sagen: sieben, acht Jahre mache ich noch weiter und dann bisschen piano.
Klingt ziemlich konkret nach Masterplan?
Da ist was dran.
Julia Becker: Funke-Group & Springer-Shelte
Posted: September 8, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentEs geht mir gar nicht so um Größe

Nicht alle dürften Julia Becker (Foto: Dominik Asbach) kennen, aber als Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Group ist sie eine der mächtigsten Verleger*innen im Land, für Qualitäts- ebenso wie für Gossenpublizistik verantwortlich, legt sich schon mal mit Springer an und will den männlichen Medienzirkus weiblich unterwandern. Zweiter Teil des journalist-Interviews über Journalismus in schwieriger Zeit.
Interview: Jan Freitag
Wo Sie Verantwortung ansprechen: Funke ist in den Top 10 der größten Medien-Unternehmen in Deutschland, als Verlagsgruppe mindestens vierter…
Wer ist denn zweiter?
Nach Axel Springer die Bauer Media Group und bei regionalen Tageszeitungen vermutlich Madsack.
Wissen Sie, es geht mir gar nicht so um Größe. Aufgrund unserer Reichweiten bei den Regionalmedien und den Zeitschriften haben wir zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal. Das müssen und werden wir noch stärker ins Spiel bringen.
Welche Verantwortung, die daraus erwächst, ist denn größer: fürs Unternehmen, sein Publikum, die Tradition, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Demokratie und Zivilgesellschaft?
Spannende Frage. In meiner Position spricht man natürlich öfter mal über Verantwortung, und Sie dürfen mir gern glauben, dass es mein größter Anspruch ist, ihr gerecht zu werden.
Also wem gegenüber?
Dem Gesamtunternehmen inklusive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit die ihre Miete zahlen können und gern für uns arbeiten, muss es allerdings wirtschaftlich sein. Die zweite Verantwortung gilt, wie es unten an der Wand steht, dem Qualitätsjournalismus aus Leidenschaft für unsere Leserinnen und Leser. Er richtet sich, dritte Verantwortung, also an eine Gesellschaft, die sich auch aufgrund unserer gut recherchierten, sachlichen, nicht polarisierenden Inhalte Meinungen bilden kann. Nur eine informierte Gesellschaft kann demokratisch agieren.
Und wie steht es mit der Tradition eines Zeitungshauses im Herzen von Deutschlands größter Metropolregion?
Ich werde häufig gefragt, ob ich die Führung eines solchen Familienunternehmens als Last empfinde, die mich bedrückt.
Im Sinne von erdrückt?
Ja. Riesige Fußstapfen einer publizistisch und wirtschaftlich erfolgreichen Vergangenheit, in denen das Geld nur so sprudelte, manche Gesellschafter aber vor lauter Sprudeln oft ein bisschen zu sehr an die eigene Tasche gedacht haben. Zusammengenommen sorgen diese Verantwortungen für eine Struktur, um das Unternehmen an die künftige Generation weiterzugeben, die ja aus fünf Kindern besteht. Ich mache es aber auch für die nächste Generation Nachrichten- oder Unterhaltungskonsumenten.
Kurzfristig hatten Sie auch Verantwortung für die Branche übernommen, als Funke wegen der ungebrochenen Unterstützung für BDZV-Präsident Mathias Döpfner aus dem wichtigsten Verlagsverband ausgetreten ist.
Wobei es dabei nicht darum ging, mich als „Anti-Döpfner“ zu inszenieren. Den Anfang hatte ja eigentlich die Aufforderung zum Gespräch über einen Springer-Skandal gemacht, den viele im BDZV allerdings als interne Angelegenheit betrachtet hatten. Über diese Doppelrolle von Herrn Döpfner als Verbands- und Springerchef habe ich – übrigens auch mit ihm – diskutiert, welche Konsequenzen es für uns alle hat, wenn wir damit nicht transparent umgehen. Als ich gemerkt habe, dass jede Bereitschaft fehlte, die Strukturen hinterm Skandal zu beseitigen und für Diversität zu sorgen, ohne die uns nicht nur Mitarbeiterinnen, sondern Leserinnen weglaufen, blieb uns nur der Rückzug. Wir haben jetzt schon Schwierigkeiten, junge Menschen für uns zu gewinnen.
Aber ja nicht, weil der BDZV so springerhörig ist?
Nein, das liegt auch an den Einstellungsvoraussetzungen zum Beispiel für ein journalistisches Volontariat: Es ist oft immer noch ein Studium und – ich übertreibe jetzt natürlich – sieben Auslandsaufenthalte und fünf Jahre freie Mitarbeit gefragt. Ein anderes Thema ist die Herausforderung, Redaktionen und Verlag deutlich diverser aufzustellen. Denn misogyne Strukturen schrecken nicht nur Bewerberinnen ab. Außerdem sind wir eine Kommunikationsbranche, die davon lebt, über andere zu berichten. Wenn wir über uns selbst Mäntel des Schweigens hüllen, sobald es schwierig wird, verstärkt es ein Glaubwürdigkeitsproblem, das ohnehin längst schwelt.
Hatten Sie die Erkenntnis schon, bevor das Machtmissbrauchssystem bei Springer publik wurde und der BDZV trotzdem an Döpfner festhielt?
Ja, aber danach habe ich mir umso mehr vorgestellt, eine meiner Töchter wäre davon persönlich betroffen. Ich war nicht damit einverstanden, dass über unsere Reformvorschläge zwar viel diskutiert, jedoch nur sehr wenig davon konstruktiv umgesetzt wurde.
Hat auch der Jahresbeitrag von 700.000 Euro eine Rolle gespielt?
Als ich 2018 Vorstandsvorsitzende wurde, haben wir BDZV und VDZ eingeladen, um zu klären, welchen Mehrwert es für uns hat, zwei Verbänden insgesamt anderthalb Millionen Euro Mitgliedsbeiträge zu zahlen, und einen Reformprozess angeregt, der das in ökonomisch komplizierter Zeit rechtfertigen könnte.
Und?
Der VDZ hat etwas gemacht, der BDZV hat nichts unternommen. Das lag allerdings gar nicht so sehr an Mathias Döpfner, der als Doppelmitglied durchaus Veränderungswillen hat; es lag an einem Verband, für den ich und meine Position aus Sicht der, nun ja, meist älteren Herren, nicht so diskussionswürdig war. Ich bin trotz klarer Haltung zur Gleichbehandlung, Gleichbezahlung, Gleichstellung keine Feministin, die das Matriarchat fordert, aber dass über meine Ideen nicht mal gesprochen wurde, hat mir den Austritt erleichtert.
Zeugt die Tatsache, dass Sie noch nicht wieder eingetreten sind, davon dass weiterhin nicht gesprochen wird?
Wir sprechen auf vielen Ebenen miteinander.
Ebenen, auf denen Sie sich nicht nur in Fragen der Diversität exponieren, sondern Qualitätsmängel und reines Gewinnstreben kritisieren. Wie steht es als Besitzerin eines Verlags, dem zuletzt im Medium-Magazin lautstark Tarifflucht, Personalabbau oder den Betrieb menschenleerer Zombieredaktionen vorgeworfen werden, mit Selbstkritik aus?
Ich schätze den kritischen Blick des Medium-Magazins auf die Branche sehr, muss aber vorweg einwenden, dass meine Geschwister und ich dem Denken, Geschäftsführungen hätten zuerst der Rendite zu dienen, damit am Jahresende Ausschüttungen und Boni stimmen, zumindest bei Funke ein Ende bereitet haben. Damit das angesichts der Übernahme von Gruner + Jahr durch RTL, das selbst funktionierende Titel einstellt, Schule macht, habe ich mich damit so aus dem Fenster gelehnt, und ja auch Lösungsvorschläge angeboten.
Nämlich welche?
Wie wär’s denn mal mit Kreativität? Wie wär’s mit Kooperationen? Wie wär’s mit Synergie? Wie wär’s mit mehr Gemeinsinn einer Branche, die keine Schrauben produziert, sondern Systemrelevanz? Um Auflagenrückgänge abzufedern, muss man vieles neu denken.
Also auch, zurück zur Frage, Entlassungen oder Einkommenseinbußen für Freelancer?
Das sind operative Entscheidungen, die unser Management auf dem Weg zum Spartenkonzern manchmal treffen muss, um den Tanker Funke wirtschaftlich auf Kurs zu halten. Ich würde mir als Freiberuflerin auch keine schlechter dotierten Verträge wünschen. Auf der anderen Seite hat freiberuflicher Content vor zehn Jahren noch ganz andere Wertschätzung und damit Monetarisierung erfahren. Dem muss die Bezahlung Rechnung tragen.
Zu dumm, dass Preise und Mieten dennoch steigen…
Es gibt aber auch Arbeitgeber, die Entlassungen in hoher Zahl vornehmen, ohne sich wie wir heute den Herausforderungen wirklich gestellt zu haben. Ich kann es nicht ändern, was in der Vergangenheit hier falsch gemacht wurde, stehe aber für eine Branche, deren Zukunft von allen schlechtgeredet wird und gerate immer dann in Diskussionen, wenn sich Menschen durch unser Unternehmen schlecht behandelt fühlen. Um die Zukunft von Funke zu sichern, haben wir zum dritten Mal Geld aus dem Familienvermögen in die Gruppe gepumpt.
Wie viel genau?
Meine Mutter hat rund 500 Millionen Euro investiert, um die Brost-Anteile zu übernehmen. Ich kann verstehen, wenn die Menschen besorgt sind, würde mir aber wünschen, dass häufiger mal anerkannt wird, mit welchem Aufwand wir versuchen, Funke eine Zukunft zu geben. . Sicher denken viele, wie gut es uns in der Lounge hoch über den Alltagssorgen anderer geht. Aber die Wahrheit reicht manchmal ein bisschen tiefer. Das Wort „fair“ jedenfalls habe ich aus meinem Wortschatz gestrichen.
Für sich oder andere?
Für Schüler und Senioren zum Beispiel, die sich mit Zeitungsaustragen etwas dazu verdienen wollen, aber nicht dürfen, weil ich ihnen Nachtzuschlag und Mindestlohn zahlen müsste, was sich schlicht nicht rentiert. Natürlich würde ich 80 Prozent gesparter Ausschüttungen, die nun ins Unternehmen fließen, gern vor allem ins Personal stecken, aber wir haben noch ganz andere Veränderungen damit zu schultern. Es ist meine Aufgabe, dieses Unternehmen so nachhaltig aufzustellen, dass Funke auch in zehn Jahren regional präsent und erfolgreich ist.
Und dafür dulden Sie dann eben auch Clickbaiting auf Reichweiteportalen wie derwesten.de oder faktenfreie Mimik-Analysen der Yellowpress?
Genau mit dieser Frage habe ich mich heute Nacht um drei bei Vollmond, der mir stets den Schlaf raubt, auch beschäftigt: Reichweitenjournalismus vs. Qualitätsjournalismus vs. Boulevardjournalismus.
Alles reichlich vertreten im Funke-Portfolio.
Das vergleiche ich mit Fußballmannschaften, wo der Stürmerstar für Aufmerksamkeit, also Reichweite sorgt, während das Mittelfeld spielerische Qualität zur Verfügung stellt und die Abwehr mit gröberen Mitteln dahinter aufräumt. Clickbaiting hingegen besteht, wenn eine Überschrift verspricht, was der Text nicht hält. Als mir bewusstwurde, dass das auf Portalen wie derwesten.de geschieht, hatte ich meine ersten Fremdschäm-Momente im Aufsichtsrat.
Mit welcher Konsequenz?
Mit der Konsequenz, dass sich Bettina Steinke als Chefredakteurin aller Reichweitenportale nun darum kümmert, dass Videos wie jenes, wo eine Frau ihrem Hund brennende Zigaretten in die Augen drückt, nicht mehr viral gehen. Für die Anzeigenabteilung waren Millionen Zugriffe ein Segen, fürs Verlagsrenommee ein Desaster.
Und der Boulevardjournalismus, der Ihnen in Gestalt des nicht als solches gekennzeichneten KI-Interviews mit Michael Schumacher in Die Aktuelle einen Shitstorm plus juristische Konsequenzen eingebracht hat?
Wissen Sie, wie der Boulevard-Journalismus entstanden ist? Ende des 19. Jahrhunderts haben sich William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer, beide später renommierte Persönlichkeiten der amerikanischen Medienlandschaft, einen Wettstreit darüber geliefert, wer die gruseligere Berichterstattung über einen Leichenfund im Hudson River liefert. Ich weiß nicht mehr, wer gewonnen hat, aber beiden war klar, dass mehr emotionale Aufregung mehr verkaufte Zeitungen bedeutet – ein Prinzip, mit dem der Boulevard plus einfache Sprache bis heute funktioniert.
Und damit zurück zum Schumacher-Fake.
Der natürlich nicht ging. Wir haben dafür öffentlich und auch bei der Familie Schumacher um Entschuldigung gebeten und klare personelle Konsequenzen gezogen. Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, auch in einem Regionalmedienhaus wie unseren Boulevardjournalismus mit eigenständigen Vermarktungs- und Erlösregeln zu betreiben, solange er unseren Guidelines entspricht.
Aber wenn Sie jede beliebige Ausgabe vom Goldenen Blatt bis zur Aktuellen lesen, finden sich darin doch Dutzende spekulativer Berichte mit oder ohne Michael Schumacher, die oft schlicht erfunden sind. Wo wären da noch mal die Guidelines?
Wir wollen verantwortungsvollen Boulevardjournalismus mit klarer Grenze. Ob wir das gut genug hinkriegen, darüber lässt sich ja streiten. Aber es ist der eigene Auftrag an uns. Klatsch und Tratsch bilden als Kulturtechniken Kitt, der Gesellschaften in Zeiten von News Fatigue nochmals bessere Halt gibt und darüber hinaus – auch wenn man mit der Vokabel gerade vorsichtig sein sollte: nicht kriegsentscheidend für die Glaubwürdigkeit der Medien insgesamt ist. So gesehen hatte die Sache mit Schumacher auch ihr Gutes.
Nämlich?
Wir haben uns innerhalb einer Viertelstunde zusammengeschaltet und klargemacht, diese Art der respektlosen Herabwürdigung mittels KI künftig gemäß unseren Guidelines nicht wieder vorkommen zu lassen
Hat dieser Sinneswandel auch damit zu tun, dass Sie massiv die Frauenquote aller Führungsbereiche erhöhen, weshalb die Verlagsleitung erstmals zu drei Fünfteln weiblich ist?
Ich finde es interessant, dass Sie mich das als Mann fragen, weil es impliziert, Männer seien zu dieser Art Selbstreflexion weniger tauglich als Frauen. Also nein, es gibt viel zu viele wunderbare Männer, um ihnen generell die Bereitschaft zur moralischen, verlegerischen, journalistischen Leitplanke abzusprechen. Es geht also nicht nur darum, die Frauenquote zu erhöhen, sondern generell diverser zu werden.
Generell heißt?
Mehr Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund zum Beispiel, aber auch alleinerziehende Väter. Ich vergleiche unseren Verlag da gern mit einem Linienbus, in dem unterschiedlichste Menschen mit unterschiedlichsten Geschichten sitzen, die der Fahrer ohne Ansehen ihrer Hintergründe mitnimmt. Also keine Sorge, liebe Männer: ihr fliegt nicht alle bei erster Gelegenheit raus. Wahrer Feminismus bedeutet für mich Gleichbehandlung – egal ob Mann oder Frau oder wie immer man sich definiert.
Söders Nazi & Deutschlands Drags
Posted: September 5, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
28. August – 3. September
Mit Rechten reden, darf man das? Fünf Tage, nachdem sich einige Dutzend jener Querköpfe, die vor zwei Jahren den Reichstag, nun ja, angestürmt haben, auf vier Seiten der Zeit Raum für Erklärungen gewährt wurde, lief bei Arte Reichsbürger – Innenansichten einer extremistischen Bewegung. Und auch, wenn beide Reportagen eher Kuriositätenkabinette durchgeknallter Wohlstandsverlierer*innen sind, ist es diskussionswürdig, politischer Dummheit so viel Platz zu gewähren.
Solche Dummheit hat schließlich nicht selten absurde Folgen, wie die Enthüllung der Süddeutschen Zeitung über Hubert Aiwangers politische Früherziehung zeigt. Ob Markus Söder einen Bierzelt-Propagandisten, der sich – leider, leider – nicht erinnern kann, ob er als Schüler faschistische Flugblätter verteilt und den Hitlergruß gezeigt habe, aus Machtkalkül oder Sympathie im Amt belässt, konnte er gestern auch im Sommerinterview nicht klären.
Aber gut, dass ein Rechtsradikaler Wirtschaftsminister wird, kann man ja weder Gott noch ZDF glaubhaft machen. Es geht aber auch drei reaktionäre Eskalationsebenen tiefer. In Eckart Hirschhausens ARD-Show Was kann der Mensch? saßen Samstag zwei alte weiße Männer (Jochen Llambi, Harald Krassnitzer) neben zwei jungen exotischen Frauen (Vanessa Mai, Jana Ina Zarella) auf der Couch. Umgekehrt? Undenkbar! So geht Fernsehen der Fünfziger 2023, um an Aiwangers Stammtischen keine Quotenpunkte zu verlieren.
Regionalfernsehen der Zehner wird in Berlin künftig von der RBB-Intendantin Ulrike Demmer verantwortet, die am Freitag – was eigentlich genau: vereidigt, geschanghait, inthronisiert wurde? Tennisfernsehen der Zehner muss dagegen ins Pay-TV abwandern, wo die US-Open gerade für 25 Euro beim Streamingportal Sportdeutschland TV übertragen wird, das es allerdings nicht mal schaffte, die Modertoren Thomas Stach und Boris Becker zum Auftakt ins Stadion zu kriegen.
Sportjournalismus wird es auch weiterhin in der 11freunde geben, die der Spiegel dem RTL-Investment Gruner +Jahr abkauft, was abermals zeigt, wes Geistes Kind der Verlagssender ist. Denn verticken wollte er nur den redaktionellen Teil des Fußballmagazins; dessen Vermarktung sollte schön in Köln bleiben. So viel zur journalistischen Verantwortung eines Medienhauses, dass dem Fernsehen aktuell aber mal gar nichts von Belang beisteuert.
Die Frischwoche
4. – 10. September
Sky dagegen startet morgen ein Experiment, dessen Relevanz das Maß des Erträglichen überschreitet. Am 88. Geburtstag begegnet Dieter Hallervorden in Me & Myself seinem 36 jüngeren Avatar, einer Deepfake-Variante vom Klamauk-Didi, den die KI aus Material bis 1987 errechnet. Das Resultat ist beeindruckend. Und furchteinflößend. So glaubhaft, wie Michael Mittermeier ein Gespräch zwischen Original und Kopie moderiert, wird die Beweiskraft der Bilder schließlich ein Stück weiter Richtung Null minimiert.
Ebenfalls ein Abklatsch, aber der realeren Art, ist eine Show, die Paramount+ parallel von MTV übernimmt: Drag Race Germany. Bis aufs turmhohe Kunsthaar der Kandidat:innen von RuPauls US-Vorbild abgekupfert, werden also auch in Deutschland Travestie-Künstler:innen gecastet. Das mag oberflächlich betrachtet ein zwölfteiliger Paradiesvogelflug sein; darunter entfaltet sich ein Panoptikum des Empowerments, das sich Donnerstag bei Neo wohl auch in Riccardo Simonettis Schmink-Casting Glow up finden soll. Na, mal sehen.
Nicht unbedingt sehen muss man das ???-Spin-Off Die drei !!! (Dienstag). Staffel 2. des Disney-Märchens Ich bin Groot (Mittwoch). Die Sky-Fortsetzung des Historienspektakels Domina (Donnerstag). Den Walking-Dead-Ableger Daryl Dixon (Samstag, AMC). Und die Gastronomie-Saga Hotel Barcelona (sonntags, ZDF. Dann doch lieber Dokus wie All or Nothing, in der Prime Video Deutschlands Fußballern Freitag vier Teile durch Katars Hölle Katar folgt. Und zuletzt, aber nicht das Letzte: die hitzige Clubkulturstudie Exzess Berlin, für die das Erste Donnerstag allerdings nur Platz in der Mediathek findet.
Schmidts PoCs & Partners in Drift
Posted: August 28, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen, Uncategorized | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
21. – 27. August
Es war, Padautz, ein echter Paukenschlag fürs öffentlich-rechtliche Programm: Die Gremienaufsicht fordert vom Ersten mehr Talkshow-Vielfalt. Nun muss der ARD nur noch jemand sagen, dass damit nicht mehr Sendungen gemeint sind, sonst schaffen Christine Strobl und Kai Gniffke in Windeseile vier neue mit fünf Stars am Mikro – schon, weil sieben der neun Rundfunkanstalten bereits mit den Proporzhufen scharren.
Dem Vernehmen nach nicht in der engeren Auswahl: Harald Schmidt, dessen Komödienstadl Schmidteinander nun ebenfalls vom WDR mit einem Warnhinweis versehen wird, weil es darin Anfang der hedonistischen Neunziger selten sonderlich woke zuging. Was der sehr alte, sehr weiße, sehr jämmerliche, aber immer noch sehr selbstsichere Ex-Comedian damit kommentierte, er nenne den Schwarzweiß-Karnevalisten Ernst Neger nun Ernst Person of Colour oder so ähnlich.
Darüber lachen dann immerhin noch Schmidts Kamerrrrraden vom neurechten Rand wie Hans-Georg Maaßen und Matthias Matussek. Oder Julian Reichelt und Mathias Döpfner, die sich gerade außergerichtlich zur Entlassung des früheren Bild-Chefs geeinigt haben. Alles Typen, die mit Sicherheit auf Seiten jener streitlustigen Querdenkerin stehen, die wegen „mangelnder Programmvielfalt“ von ARD und ZDF gegen den Rundfunkbeitrag geklagt hatte.
Weil Missfallen kein Zahlungskriterium sei, hat das bayerische Oberverwaltungsgericht die Klage nun abgewiesen. Ob sie mit dem Vorwurf auch Tina Hassel meinte, ist nicht überliefert, aber gestern konnte sie Friedrich Merz im ARD-Sommerinterview nichts Anrüchiges über die AfD entlocken, also keine versteckten Koalitionsangebote. Schon, da sie sich offenbar kritisches Nachhaken untersagt hatte. Am Ende wehte deshalb der unwidersprochene Verdacht durch Berlins Regierungsviertelluft, Merz‘ CDU habe seit 60 Jahren gar nicht mitregiert…
Die Frischwoche
28. August – 3. Dezember
Irgendwie fiktional, was Parteien wie diese da nachrichtlich verbreiten – und damit auch irgendwie empfehlenswerter als hauptamtliche Fiktionen, die irgendwie immer noch tief im Sommerloch stecken. Wirklich bemerkenswert sind bis zum Wochenende daher aktuell nur vier Formate: Die 30639. Staffel der Höhle der Löwen, ab heute bei Vox, ohne die statusbewusste Judith Williams, dafür mit der statusbewussteren Tjena Onaran.
Dazu die zweite Staffel der deutsche Sky-Serie Partners in Drift, einer Streaming-Mischung aus The Fast and the Furious und Alarm für Cobra 11, die sich allerdings spürbar (und manchmal sogar erfolgreich) um Tiefgang bemüht. Außerdem Siehst du mich?, ein neunzigminütiges Porträt von vier deutschen Influencer*innen unterschiedlicher Erfolgsstufen, das der linear-digitalen ARD-Mediathek zeitgleich ab Freitag wirklich gut zu Gesichte steht.
Und dann feiern wie hiermit offiziell und voll aufrichtiger Vorfreude die Fortsetzung der Neo-Serie Loving her um eine Schar junger, meist lesbischer Menschen, die in der deutschen LGBTQ+-Szene nach Liebe, Sex und Zärtlichkeit suchen, gelegentlich sogar finden und dabei ab Sonntag bei ZDFneo ebenso anrührend wie unterhaltsam sind.
Julia Becker: Funke Group & Springer-Schelte
Posted: August 24, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentSowas sollte man eine Mutter nie fragen
Nicht alle dürften Julia Becker (Foto: Dominik Asbach) kennen, aber als Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Group ist sie eine der mächtigsten Verleger*innen im Land, ist für Qualitäts- ebenso wie für Gossenpublizistik verantwortlich, legt sich schon mal mit Springer an und will den Männermedienzirkus überhaupt weiblich unterwandern. Ein journalist-Interview über Journalismus in schwieriger Zeit, wegen der Länge verteilt auf zwei donnerstagsgespräche.
Interview: Jan Freitag
freitagsmedien: Frau Becker, Sie sind Aufsichtsratschefin eines der größten deutschen Medienhäuser. Könnten Sie aus dem Stehgreif sämtliche Titel der Funke-Mediengruppe aufzählen?
Julia Becker: Also bei unseren Yellow-Titeln könnte es sein, dass ich mich mal vertue. Auch die Me-too-Produkte der anderen Verlage wie Lisa, Laura, Lena und wie sie sonst alle heißen bringen einen schon mal durcheinander.
Und die Tageszeitungen?
Könnte ich selbstverständlich alle aufzählen. Wenn ich da keinen konkreten Überblick übers Portfolio meines eigenen Verlages hätte, wäre ich als Aufsichtsratsvorsitzende die Falsche.
Und welche Digital-Portale hat Funke mittlerweile?
Angesichts der Bewegungen am Markt ist es auch da nicht so leicht, alles auseinanderzuhalten. Aber jüngere Akquisitionen wie Musterhaus.net, gofeminin.de oder EDITION F, kenne ich natürlich gut.
Und haben alle gleich lieb?
So was sollte man eine Mutter eigentlich nie fragen (lacht), aber natürlich mag ich alle – auch wenn jedes einzelne sehr eigene Herausforderungen, Bedürfnisse, individuelle Betrachtungsweisen mit sich bringt. Um im Familienbild zu bleiben: das alte Markenportfolio, besonders traditionelle Zeitungs- oder Magazintitel, kann man nicht identisch wie junge Online-Portale behandeln. Da muss man zwischen selbst geboren und adoptiert unterscheiden.
Letzteres gilt fürs Springer-Paket, das Funke vor elf Jahren für annähernd eine Milliarde Euro gekauft hatte.
Großartige Marken, aber am Medienstandort Hamburg sozialisiert, also völlig anders als hier im Ruhrpott. Umso wichtiger ist es für eine Mutter, alle morgens, mittags, abends in Essen an einen Tisch zu holen und ihnen zwar klarzumachen, dass uns zwar an einer abgestimmten, kooperativen Strategie des Miteinanders gelegen ist, am Ende aber das Elternhaus die Entscheidungen trifft.
Können auch zu viele mit am Tisch sitzen? Kann ein Medienunternehmen wie Funke zu diversifiziert für eine erkennbare Verlagsstrategie sein?
Na ja, jedes Unternehmen sollte sich wie jedes Paar bitte vor der Entscheidung überlegen, ob und wie viel Zuwachs es haben will. Also klares nein! Unser Haus lebt im Unterschied zur gewöhnlichen Familie von Diversifikation – und dieser Bedarf ist im Zuge der digitalen Transformation noch größer geworden. Etwa, was technische und personelle Auswirkungen einzelner Marken aufs restliche Unternehmen betrifft. Nehmen Sie Edition F.
Ein feministisches Online-Portal, das Ihre Gleichstellungsoffensive kennzeichnet.
Die haben eine Wahnsinnsreichweite bei Instagram und hohe Social-Media-Kompetenz, davon profitiert das gesamte Haus. Auf analoger Ebene galt das auch für den Springer-Deal, bei dem wir nicht nur ein umfangreiches Portfolio neuer Titel erworben haben, sondern zahlreiche großartige Journalistinnen und Journalisten, die im Digitalen damals teilweise schon weiter waren als wir in Essen. Viele der main claims von 2012 sind 2023 genauso aufgegangen, wie geplant – übrigens auch, was die Unternehmenskulturen angeht.
Sind die schwerer zu vereinbaren als Portfolios?
Natürlich. Zumal wir damals erst seit kurzem nicht mehr WAZ-Gruppe hießen.
Was eine viel stärkere Verwurzelung im regionalen Zeitungsmarkt mit sich brachte.
Ein Jahr zuvor erst hatte unsere Mutter die Anteile der Familie Brost übernommen und Funke in den alleinigen Besitz der Nachfahren von Jakob Funke mit ihr als Mehrheitseignerin gebracht. Darauf folgte im zweiten Schritt die Etablierung des Aufsichtsrats, gefolgt von der Umbenennung und zuletzt dem Springer-Deal, das gehörte alles zusammen. Es waren schwierige, aber wichtige Prozesse, unterschiedliche Persönlichkeiten zu integrieren und damit das bis dahin vorherrschende Verlagsdenken zu überwinden.
Das worin bestand?
Neue Akquisitionen unter den Hut alter Strukturen zu pressen und zu hoffen, alle seien dankbar fürs traditionsreiche Unternehmen, dem man nun angehören darf. Neues Denken versucht Synergie-Effekte dagegen eher durch ein gemeinsames Verständnis dessen zu erlangen, was der eine vom anderen hat. Und dieses Verständnis muss prozesshaft wachsen, weshalb es bis heute noch individueller Nachjustierungen bedarf, um sich wirklich als Teil eines Ganzen zu verstehen. Redakteure und Redakteurinnen des Hamburger Abendblatts fühlen sich ja nicht ausschließlich durch die Besitzverhältnisse einem Essener Unternehmen zugehörig. Das muss man pflegen. Soll ich Ihnen mal eine Geschichte erzählen, die mich bis ans Ende meiner Laufbahn verfolgen wird?
Nur zu!
Wir hatten damals die Idee eines Get-togethers, um das alte mit dem neuen Personal bekannt zu machen, und dafür eine Scheune außerhalb Essens organisiert, die so ein bisschen rustikal-ländlich dekoriert war. Alles sehr unkompliziert. Jeder bekam eine Flasche Bier in die Hand – ehrlich, robust, von Herzen, Ruhrpott eben. Wenn da einer sagt, komm her du Arsch, ist das nett gemeint.
Und dann kamen die Hamburger?
Und dann kamen die Hamburger (lacht)! Wenn denen einer sagt, komm her du Arsch, klingt da halt weniger nett gemeint als hier. Und robustes Bier fanden auch nicht alle so toll. Vorbehalte existierten allerdings auch umgekehrt. Ich erinnere mich, dass meine Mutter gar nicht so sehr beim Kaufpreis geschluckt hatte, sondern weil die Goldene Kamera nun zu uns käme. Rote Teppiche waren so gar nichts für sie.
Aber was ist bei alledem denn nun das wichtigere Motiv der Funke-Gruppe, sich durch Käufe und Neugründungen breiter aufzustellen – Diversifikation, Wachstum, beides?
Der wichtigste Treiber war 2012 – vor der heutigen Aneinanderreihung pausenloser Krisen – ein strategischer. Nämlich Größe am Markt gleich Sicherheit. Funke hatte seinerzeit praktisch nirgendwo Führungsrollen in der deutschen Medienlandschaft. Dennoch folgte die Erweiterung keiner Eitelkeit, sondern dem Bedarf, neben wirtschaftlichen und publizistischen auch unsere Vermarktungs- und Vertriebsmöglichkeiten zu verbessern. Nur so sind wir in eine Liga aufgestiegen, die aus eigener Kraft unerreichbar gewesen wäre. Wissen Sie, was immer das liebste und aus seiner Sicht beste Blatt meines Großvaters Jakob Funke neben der WAZ war?
Es gab für ihn etwas auf Augenhöhe der WAZ?!
Ja, das Hamburger Abendblatt. Er hat es immer als Paradebeispiel für guten Lokaljournalismus hochgehalten und sogar in Essen täglich gelesen. Deshalb hatte es auch so emotionale Bedeutung für den Verlag und mich, da hat sich ein Kreis geschlossen.
Aber haben 920 Millionen Euro für ein Bündel Papiermedien die Digitalisierung des Unternehmens nicht eher gebremst?
Im Gegenteil. Wir haben diese analogen Titel auch und wegen ihrer Online-Expertisen geholt. Damals allerdings weniger im Hinblick auf digitale Abos, sondern technische und personelle Kompetenzen. Denn um ehrlich zu sein, hatten wir in Essen noch aufs Internet geschaut, wie wir es jetzt auf KI tun: alle ahnen, das wird wichtig, aber was genau wir damit anfangen, muss sich erst noch zeigen.
Die seinerzeit auch eher noch in Homepages mit Print-Inhalten bestand als selbstständiger, geschweige denn profitbringenden Online-Auftritten.
Was haben wir da aus dem Gefühl heraus, bisher habe es doch auch analog immer gereicht, an Zeit vertan, um Dinge anzugehen, die eigentlich längst alle auf dem Tisch lagen. Da muss ich allerdings unsere Geschäftsführung in Schutz nehmen; in Unternehmensstrukturen zweier Eigentümer, die sich eher gegenseitig blockieren als sachorientiert unterhalten, war es schwer, grundlegende Innovationen voranzutreiben.
Gibt es auch unter Ihrer Führung, wo Gewinne nicht mehr an die Familie, sondern das Unternehmen ausgeschüttet werden, noch immer eine nostalgische Verbundenheit zum alten Printgeschäft mit der WAZ als Flaggschiff?
Wir feiern bald Free-Funke-Tag, an dem zwei Jahre zuvor die letzten Minderheitsanteile durch die Übernahme durch meine Geschwister und mich – und meine Mutter hält ja auch noch ein Prozent – in den Besitz einer Familie übergegangen sind. Es war ein echter Game Changer, strategische Entscheidungen fortan einvernehmlich treffen und ihre Umsetzung einfordern zu können. Bis 2021, das muss man sich mal vorstellen, gab es wegen der Ausschüttungspraxis nahezu null Spielraum für Digitalstrategien.
Das zu verändern, war Ihre ganz persönliche Entscheidung.
Ja, denn sonst – und damit zurück zu Ihrer Frage – wären wir tatsächlich weiter ein Print-Verlag mit Online-Zweitverwertung geblieben. Das hat sich zum Glück geändert. Aber weil uns klar ist, dass wir die Mittel zur Digitalstrategie unserer jahrzehntelang treuen Magazin- und Zeitungskundschaft verdanken, sind wir alle überzeugt davon, mit beidem in die Zukunft zu gehen. Das Analoge aufzugeben, wäre ebenso falsch wie zuvor die Vernachlässigung des Digitalen war.
Aber wie passt es dazu, dass Sie im Verbreitungsgebiet der Ostthüringer Zeitung, wo die physische Zustellung kaum noch kostendeckend ist, eine Kampagne zur Umwandlung analoger in digitale Abos unternehmen?
Wissen Sie – was wir in dieser logistisch schwierigen Region machen, hat doch bislang noch kein Verlag vor uns getan. Wir nötigen den Menschen, die seit Jahrzehnten OTZ lesen, nichts auf, sondern versuchen sie von unseren digitalen Produkten, vor allem den E-Papern, zu überzeugen.
Mit welchem Ergebnis?
Zugegeben – mit ernüchterndem, aber auch motivierendem. Ein Drittel der Leserinnen und Leser haben Digital-Abos abgeschlossen. Das ist nicht genug, aber ein Anfang, den der Verlag vor Free-Funke wohl nach kühler Kosten-Nutzen-Abwägung kaum fortgesetzt hätte. Wir haben diesen Aufwand trotzdem gerne betrieben, weil wir ihn Marken schuldig sind, die wir den Menschen, aber auch ihrer Region unbedingt erhalten wollen.
In einer ländlichen Region, wo das Durchschnittsalter Ihrer Kundschaft bei 60+ liegt…
Ehrlicherweise liegt es sogar bei 70+ und drüber. Das war eine Erkenntnis unserer Aktionen vor Ort. Aber die gute Nachricht ist, mit welcher Leidenschaft sie erklären, warum ihr Print-Abo so wichtig ist. Solche Basis-Informationen braucht ein Verleger manchmal mehr als so manches Digitalisierungskonzept, in dem die Liebe zur Haptik gedruckter Zeitungen oft gar nicht vorkommt. Wenn das Vorhaben, Journalismus ins Digitale zu transformieren, misslingt, dann liegt die Versuchung oft nahe zu sagen, der Markt, die Technik oder eine Chefredakteurin/ein Chefredakteur ist schuld. Dabei hat es womöglich auch mit dem Bruch des Vertrauens zu tun, das die Leserschaft in uns hatte.
Bleibt Ihr Dilemma, dass diese Leserschaft buchstäblich ausstirbt.
Und eben deshalb ist unser Anspruch, nicht ebenfalls zu sterben, sondern vor Ort mit der und für die Marke im Austausch mit denen, denen sie etwas bedeutet, Überzeugungsarbeit zu leisten. Das Vertrauen derer, die glauben, wir hätten morgens ein Briefing mit der Bundesregierung, um unsere Artikel zu diktierten und der Rest sei gelogen, ist vermutlich längst verloren. Für alle anderen aber müssen wir lernen, auf der Straße für unsere Sache zu kämpfen: verlässlichen Qualitätsjournalismus.
Und wenn der Kampf um den Wechsel ins Digitale misslingt?
Es gibt – und das haben wir bei unserem Pilotprojekt ja gemerkt – Leserinnen und Leser, die aus den verschiedensten Gründen nicht auf digital umstellen wollen oder können. Und dann finden sich auch irgendwie Wege. Die OTZ zum Beispiel stellen wir dort, wo sich Austragen nicht lohnt, auf Wunsch auch später mit der Post zu.
Machen Erstellung, Druck und Vertrieb solche Medien dann zu Zuschussgeschäften?
Wir haben – bedingt auch durch Corona, Krieg, Inflation, Papier- und Energiemangel – sicher Herausforderungen. Aber von Zuschussgeschäften zu reden, von denen wir weit entfernt sind, sendet ein völlig falsches Signal nach außen, als gehe es nur um Anzeigen oder Logistik. Wir müssen über Qualität, Service, Inhalte sprechen und erst dann über Erträge oder Verbindlichkeiten, die wir Banken gegenüber natürlich haben. Dafür benötigen wir intensive Datenauswertungen, um herauszufinden, was die Leute bei uns lesen wollen.
Das wäre allerdings nachfrageorientierter Journalismus.
Nicht, wenn unser Anspruch zugleich lautet, auch dunkle Ecken der Gesellschaft zu beleuchten, auf Missstände aus seriösen Quellen, die vielleicht nicht so gut klicken wie Promi-Geschichten, aber unserem journalistischen Selbstverständnis entsprechen. Darauf konnten wir uns, genauso wie auf die Strategie digital first, trotz aller internen Querelen schon 2018 einigen. Deshalb bin ich auch optimistisch, dass wir unser Ziel erreichen, mit Regionalmedien bis 2025 eine Million Abos zu erreichen, die Hälfte davon digital.
Puh, klingt ehrgeizig…
Aber machbar. Denn es gibt auf dem Weg dorthin ja viele positive Signale. Zuletzt haben wir zum Beispiel das 100.000 ePaper gefeiert.
Im gesamten Portfolio?!
Im gesamten Portfolio der Regionalzeitungen, ja. Aber es ist ein Schritt nach vorn, der undenkbar gewesen wäre, als wir ohne Digitalstrategie auch noch untereinander zerstritten waren. Die Lage war 40 Jahre so verfahren, dass es keine einheitlichen Lösungswege gab. Digital first kam daher spät, aber rechtzeitig genug, um das Ruder noch rumzureißen. Hätten wir es nur unwesentlich verschoben, wäre uns Corona in die Quere gekommen.
Woran genau zum Beispiel?
Nehmen Sie den „Orden wider den tierischen Ernst“ für Marie-Agnes Strack-Zimmermann im letzten Karneval. Früher hätte es von ihrem Dracula-Kostüm ein Bild gegeben, Text dazu, fertig. In den digitalen Produktenkönnen wir jetzt mit Videos zeigen samt Schwenk aufs Gesicht von Friedrich Merz und damit eine Emotionalität erzeugen, die sich dann zusätzlich auch bei Tiktok oder Instagram verwerten lässt. Diese Tools können und müssen wir zwar noch viel besser vermarkten, merken aber schon jetzt, wie sie greifen. Damit werden wir unserer Verantwortung für Personal und Publikum auf zeitgemäße Art und Weise gerecht.
Fortsetzung am 31. August
Ottos Shows & schwule Väter
Posted: August 21, 2023 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
14. – 20. August
Die Printkrise hat mitunter doch auch mal ihr Gutes: G+J stellt demnächst das paläoanthropologische Ego-Fanzine Beef! ein und erspart dem vernunftbegabten Teil der Menschheit damit ein Periodikum für den eleganten Klimafrevel. Die ARD wiederum möchte dem triggeranfälligen Teil der Deutschen derweil Witze aus dem Comedy-Präkambrium ersparen, als N-Worte und ähnliche Diskriminierungen noch Schenkelklopfer waren.
Dass die Bild angesichts von Warnhinweisen auf alten Otto-Shows – bewusst irreführend – von Zensur faselt, ist dabei natürlich schon deshalb eingepreist, weil die Berichterstattung des Boulevards gern Skandale herbeipöbelt, wo gar keine sind. Im Fall von RTL war das diesmal allerdings gar nicht nötig. Weil der News-Reporter Maurice Gajda einen Tweet von Frauke Petry offenbar erfunden hat, wurde er nun freigestellt, wie es aus Köln heißt.
Drollig ist dabei nicht nur, dass die rassistische Bemerkung über einen ESC-Kandidaten exakt dem Denken der früheren AfD-Chefin entspräche, sondern die Erklärung von RTL. Gajdas Fälschung, so ein News-Geschäftsführer, schade „der wichtigen und verantwortungsvollen Arbeit unserer rund 1.300 Journalistinnen und Journalisten“, die „mit ihren Nachrichten und Magazinen tagtäglich für journalistische Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Sorgfalt“ stehen. Selten so gelacht. Und damit zu seriöseren Nachrichten als bei RTL üblich.
Mark Musk und Elon Zuckerberg kämpfen nun offenbar doch nicht den Käfigfight der Tech-Giganten aus, was allerdings nicht an Skrupeln über die archaische Art der Konfliktlösung, sondern Kommunikationspannen liege. Und damit zu etwas wirklich Berichtenswertem: Das Halbfinale der frisch beendeten Frauen-Fußball-WM gegen England, war die meistgesehene Fernsehsendung des australischen Fernsehens aller Zeiten – und auch hierzulande zeigen gut zehn Millionen Zuschauer*innen der Vorrundenpartie Deutschland gegen Kolumbien, dass sich ARZDF nächstes Mal früher die Übertragungsrechte sichern sollten.
Die Frischwoche
21. – 27. August
Und damit zum postsportlichen Geschehen parallel zur Leichtathletik-WM in Victor Orbáns Hauptstadt der faschistischen Bewegung Budapest, für die weder ARD- noch ZDF-Reporter*innen bei ihrer halbtägigen Berichterstattung bislang kritische Worte gefunden haben. Das größte, weil nahezu einzige Highlight der Woche, bietet heute Abend Neo, wo Dienstag um 22.15 Uhr die Instant-Dramedy Ready.Daddy.Go! startet.
Darin kämpft ein Homosexueller Anfang 30 verbissen um seinen Kinderwunsch, was schon für Heterosexuelle ein wilder Ritt durchs Dickicht der Adoptionsriten wäre. Schwule Männer dagegen droht da eine Verzweiflung – die Showrunner Christoph Pilsl allerdings mit feinem Humor, kluger Dialogregie und einem Ensemble von ungeheurer Spielfreude, allen voran Fridolin Sandmeyer als Hauptfigur Michl und seine strenge, aber kluge Freundin Ellie (Maike Jüttendonk).
Was dagegen vom 3893. Star-Wars-Spin-Off Ahsoka um einen der 3894. Jedi-Ritter und -ritterinnen vergangener Folgen zu halten ist, darüber müssen sich alle ab Mittwoch bei Disney+ ein eigenes Bild machen. Optisch opulent und technisch versiert jedenfalls ist die Serie. Objektiv hochinteressant ist demgegenüber das ARD-Experiment Bäm!, ein vollanimiertes Stück über die vollanimierte Comic-Szene, die uns ab Donnerstag in der Mediathek über die Geschichte dieser wirkmächtigen Popkultursparte.

