Lisa Wagner: Kommissarin Hellers Abschied

Auf keinen Fall 08/15

Am vorigen Samstag hat sich Kommissarin Heller (Foto: Hannes Hubach/ZDF) nach (nur) zehn Folgen vom ZDF verabschiedet – und wie es sich für diese Polizistin gehört, natürlich alles andere als gewöhnlich. Ein Gespräch über Wunschabgänge, Menstruationswitze, Cat-Calling und den Tatort Kaiserslautern.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Frau Wagner, ohne zu viel übers Ende von Kommissarin Heller verraten zu wollen: was für ein Abgang am Ende des zehnten Falls!

Lisa Wagner: Toll, oder? Es war von Anfang an klar, dass ihr Abtritt auf keinen Fall 08/15 sein könne. Deshalb hat unser Autor Mathias Klaschka, der ja fast alle Drehbücher zu Kommissarin Heller geschrieben hat, auf Wunsch der Regisseurin so was wie den umgekehrten Deus ex Machina-Effekt gewählt, als schickte man Winnie Heller ins Märchen zurück, aus dem sie irgendwann mal gekommen war.

Wie sähe denn ihr eigener Wunschabgang aus – mit Knalleffekt oder in aller Stille?

Lieber in aller Stille, und ich muss auch wirklich nicht auf der Bühne sterben. Selbst bei Partys bevorzuge ich schließlich eher den polnischen Abgang, ohne mich von allen groß zu verabschieden.

Würden Sie auf diesen Partys wie Winnie Heller im Serienfinale denn Wildfremden gegenüber Menstruationswitze machen?

Nein! Die Figur ist mit den Jahren zwar immer enger an mich herangewachsen, aber ich versuche ein weniger impulsiver, instinktgeleiteter Mensch als sie zu sein und überlege mir sehr gründlich, das Auto eines Kollegen zu schrotten, nur weil er lügt. Winnie stößt einfach lieber Menschen vor den Kopf, als ich es tue. Wichtiger als die Impulsivität war mir zwar immer ihre Unberechenbarkeit, aber sie ist definitiv kein diplomatischer Typ.

Schon gar nicht im Umgang mit Männern, denen sie die eigene Herrlichkeit schon mal buchstäblich vorn Latz knallt und damit einen sehr robusten Weg der Emanzipation wählt.

Winnie denkt eigentlich gar nicht groß über Emanzipation nach. Ihr ist es echt völlig scheißegal, ob es Frauen oder Männer sind, die sich in ihrem Wertesystem danebenbenehmen. Aber diese Aufhebung der Geschlechtertrennung ist im Grunde ja der Kern aller Emanzipation.

Kennen Sie den Begriff des Cat-Calling, bei dem Männer Frauen sexuelle Belästigungen hinterherrufen?

Klar, jede Frau kennt das, auch wenn ihr der passende Begriff dazu vielleicht fehlt. Und bei Winnie gäbe es dafür je nach Stimmungslage schon mal eine aufs Maul

Von Ihnen auch?

(Überlegt lange) Es gab da schon einige Situationen, in meiner Erinnerung habe ich mich aber eher dazu entschieden, keine Lebensenergie darauf zu verwenden und einfach weiterzugehen. Kann schon sein, dass ich mich mal umdrehe und den Typ zur Rede stelle, aber viele von denen machen das ja genau wegen dieser Reaktion, und die gönne ich ihnen nicht.

Mit der sich drei Jahre nach dem Serienstart auch die #MeToo-Bewegung auseinandergesetzt hatte. War Kommissarin Heller ihrer Zeit so gesehen ein Stück voraus?

Ich glaube, sie ist ihrer Zeit sogar noch immer ein Stück weit voraus. Für Winnie sind Mann und Frau nämlich nicht nur absolut gleichberechtigt, sondern auch gleichverpflichtet.

Umso mehr stellt sich die Frage, warum die Erzählung dieser modernen Figur nach nur zehn Fällen endet?

Weil sie so wahnsinnig extrem ist. Mein Albtraum war immer Zuschauer, die Samstagabend einschalten und sagen, ach nee, der geht’s schon wieder so schlecht… Nach meiner Erfahrung nutzen sich dunklere Figuren ein bisschen schneller ab als hellere. Weil Winnie aber nur begrenzt heller funktioniert, wie wir sie in der vorigen Folge gezeichnet haben, scheint sie sich langsam erschöpft zu haben.

Hat die Figur denn auch Sie erschöpft?

Nicht körperlich, aber wenn ich das Gefühl habe, mich im Kreis zu drehen, springe ich lieber ab vom Karussell. Ich will mich nicht wiederholen. Und genau dieses Gefühl hatte ich schon in ein paar Fällen zuvor. Was aber auch nur auffällt, weil wir so viel Privates von ihr erzählen. Krimis, die sich vor allem mit der Tätersuche befassen, sind da vielleicht etwas genügsamer.

Was mögen Sie als Zuschauerin lieber: puristische Falllösung oder mehr Hintergrundinformationen?

Solange keine der zwei Seiten gewollt wirken und das Drehbuch stimmt, ist mir das eigentlich völlig wurscht.

Gehen Sie jetzt, nach der Trennung von Kommissarin Heller, gezielt auf die Suche nach einer weniger dunklen Filmfigur?

Das klingt mir zu sehr, als hätte sie mir keinen Spaß gemacht. Winnie war toll! Aber fröhliche Figuren sind echt schwer zu spielen. Und wer will schon jemanden sehen, der problemlos gut drauf ist? Das ist schnell langweilig. Deshalb sind gute Komödien hierzulande ja auch so selten.

Würden Sie denn gern mal eine spielen?

Das habe ich ja schon gemacht. Es darf aber liebend gern noch häufiger passieren. Jedenfalls, sofern die Bücher stimmen!

Und Tatort, sagen wir: Team Kaiserslautern?

Ach, ich hatte ja schon ein paarmal die Profilerin in München gespielt, das ist nicht so richtig aufgegangen. Und im Moment gibt es bereits so viele verschiedene Tatorte an verschiedenen Orten – da brauchen wir keine neuen. Außerdem: jetzt gleich wieder eine Kommissarin – das muss ja nun auch nicht sein.


Dr. Mertens & Walther Desiato

Die Gebrauchtwoche

11. – 17. Januar

Vor mehr als einem Monat wurde der erste Impfstoff gegen Covid-19 in Großbritannien verabreicht, und es wäre wirklich mal einer Studie wert, wie oft uns die Nachrichten seither genötigt haben, seiner Injektion zuzusehen – in mancher Tagesschau vermutlich sieben-, achtmal. Welchen Informationswert der kleine Stich mit großer Wirkung hat, sei an diese Stelle dahingestellt. Sie verweist aber auch den Bedarf, Optimismus sichtbar zu machen. Wobei das auch für Pessimismus gilt; dafür steht die Dauerschleife der Bilder vom Sturm aufs Kapitol, zu denen sich grad solche vom Aufmarsch der Sicherheitskräfte an gleicher Stelle gesellen.

Andere Sicherheitskräfte bleiben derweil im Verborgenen. Etwa jene, die zurzeit das mutmaßlich größte De-Platforming der Internet-Historie betreiben. Twitter allein hat 70.000 QAnon-Konten dauerhaft gesperrt, Facebook zugleich das Hosting des Messengers Parler beendet, weshalb sich Donald Trump auf der Suche nach Alt-Tech seiner Hate-Speech wie seine Fans umgewöhnen muss. Die wechseln nämlich gerade massenhaft von Youtube zu Rumble oder von Whatsapp zu Clouthub.

Fast pluralistisch wirkt es da, dass sich die pressefreiheitsfeindliche Berufszynikerin Alice Weidel noch immer den Fragen seriöser Medien wie dem MoMa stellt – wo ihr der Moderator Mitri Sirin entsprechend Kontra gab, ohne sich aufs AfD-Spielchen größtmöglicher Polarisierung einzulassen. Nicht leicht, hier den passenden Übergang zum Heitidei-TV zu finden, deshalb lassen wir’s auch: Während HBO die Fortsetzung von Sex and the City ankündigt, endet Tierärztin Dr. Mertens nach 84 Folgen in 15 Jahren mit der 7. Staffel.

Das reißt ja fast so große Lücken ins ARD-Programm wie der FC Bayern. Weil er zum ersten Mal seit 20 Jahren schon in Rund 2 des DFB-Pokals rausgeflogen ist, wird das Erste vermutlich fortan Münchner Spiele vergangenen Wettbewerbe übertragen; denn Live-Partien ohne Bayern-Beteiligung – soweit kommt’s nochs…

Die Frischwoche

18. – 24. Januar

In einer der vielen englisch genannten Bundesligawochen, an denen nur der Donnerstag spielfrei ist, gibt es vergleichsweise wenig nichtsportlicher Unterhaltung zu empfehlen. Auf Sky gibt es heute ein Wiedersehen mit Bryan Cranston aka Walther White. Wie einst in Breaking Bad spielt er zwar auch in der Showtime-Serie Your Honor einen kriminell gefallenen Spießer – diesmal Richter Michael Desiato in New Orleans, der seinen Sohn illegal aus der Patsche einer tödlichen Fahrerflucht zu retten versucht.

Auch, wenn das eine Art thematischer Stagnation zu sein scheint, ist der Zehnteiler jedoch von so bildgewaltiger Zurückhaltung, dass es jeder Moment der Stille mehr scheppert als 100 Actionthriller zusammen. Dieses athmosphärische Niveau erreicht allerdings auch Bjarne Mädels herausragendes Regiedebüt Sörensen hat Angst. Mit sich selber als Kommissar, der Mittwoch im Ersten vor seinen Neurosen nach Friesland flieht, zählt dieses düster-leichte Provinzdrama schon jetzt zum Besten des Jahres.

Auf völlig andere Art unterhaltsam ist hingegen der SciFi-Spaß Moonbase 8 um drei Astronauten, die im Trainingszentrum darum kämpfen, auf den Mond zu fliegen. Hier regiert ab morgen auf Sky aber doch eher die geschriebene Pointe als Situationskomik. Wem die genannten Formate übrigens nicht genug weibliche Hauptrollen enthalten, die den Bechdel-Test bestehen, der sollte am Mittwoch vielleicht ausnahmsweise mal zu Prime wechseln.

Die Coming-of-Age-Komödie Yes, God, Yes, beispiellos bescheuert mit Böse Mädchen beichten nicht übersetzt, handelt von katholischen Teenagern auf der Suche nach weltlicher, nun ja, Entspannung. Amüsant, wenngleich mit etwas viel Attraktivität im Cast. Weil sich das französische Lustspiel Forte davon emanzipiert, ist es allerdings doch empfehlenswerter. Weil die korpulente Buchhalterin Nour (Melha Bedia) in ihrem Pariser Fitnessstudio bei der Männersuche nicht weiterkommt, nimmt sie an einem Pole-Dance-Kursus teil.


Sleaford Mods, Pom Poko, Buck Meek

Sleaford Mods

2021. Die Welt liegt in Scherben. Corona mutiert, der Klimawandel entgleist, Amerika steht vor einer faschistischen Revolution, Deutschland könnte von Friedrich Merz regiert werden und England igelt sich endgültig im Brexit ein. Jason Williamson und Andrew Feanr hätten also allen Grund, ihren Furor noch weiter zu radikalisieren als zuvor. Was aber machen die derbsten Systemkritiker des alternativen Politpop? Sie klingen zu Beginn ihres neuen Albums fast schon lieblich.

Doch keine Angst – das tun die Sleaford Mods nur im Prolog von Spare Ribs. Gleich danach schnoddern sie die Verhältnisse gewohnt zu Klump, reimen Uber auf new Computer, sezieren zwölf Tracks lang den globalen Aberwitz rechtspopulistischer Ultrakapitalisten und schaffen damit etwas Erstaunliches: Obwohl auch das elfte Album vom Duo aus Nottingham ähnlich klingt wie das erste, sechste oder neunte, entfaltet es in jeder bassgesättigten Elektropunkkonvulsion innovative Kraft, als wäre es ganz neu im Wutgeschäft. Grrrrr…

Sleaford Mods – Spare Ribs (Rough Trade Records)

Pom Poko

Und wo wir gerade beim Thema musikalischer Konventionsbruch sind: auch das norwegische Quartett Pom Poko sägt mit großer Hingabe an Hörgewohnheiten. Nichts an ihrer zweiten Platte Cheater klingt aufs erste Hören hin eingängig. Im Gegenteil: ab und zu muss man überschüssige Extrabässe reindrehen, damit einem das punkavantgardistische Gitarrengeschepper nicht die Trommelfelle perforiert. Gerade in diesem Too Much allerdings besteht auch das Alleinstellungsmerkmal.

Die meisten der zehn neuen Stücke sind horizontale Überlappungen vertikaler Klangvielfalten, als würden sich die Stile darin selbst potenzieren. Das famose Danger Baby zum Beispiel ist eine Art polarjapanisch-texanischer Mambometal-Easylistening-Noise, an dem das feministische Gesangschaos noch am eingängigsten ist. Klingt wirr? Ist wilder! Und dennoch mit einer so detailveressenenen Liebe zum kosmopolitischen Allerlei, dass der zwischenzeitliche Tinnitus eher stimulierend als nervig wirkt.

Pom Poko – Cheater (Bella Union)

Buck Meek

Und allein schon, um nach so viel Lärm und Wut und Durcheinander ein bisschen  runterzuregeln, runterzukommen, rumzuhängen, sei an dieser Stelle etwas gänzlich anderes empfohlen: Tow Saviors, das zweite Album des Leadgitarristen der New Yorker Indierock-Perle Big Chief. Gemeinsam mit einer Bande Bekannter wie seinem Bruder am den Keyboards oder dem Instrumentalwizzard Mat Davidson, reduziert er den Sound seiner Stammformation nicht nur um ein paar Dutzend Dezibel; er verzaubert die Ruhe in orchestrale Vielfalt.

Ohrenscheinlich tief im Produktionsort am Mississippie verwurzelt, schimmert durch das hintergründe Countrypop-Gewimmel eine Gelassenheit von so großer Vielfalt, dass man vielleicht doch kurz daran glauben möchte, mit guter Musik sei das Schlechte der Welt besiegbar – und sei es nur für die Dauer von der elf alternativen Southern-Rockstücke, in die sich permanent urbaner Größenwahn von Austin bis L.A. mischt. Das perfekte Album für linke Rednecks, falls es die gibt.

Buck Meek – Tow Saviors (Keeled Scales)


Nina Gummich: Charité & Knopp

Ich bin Bauchschauspielerin

Wenn die Charité ab heute den Mauerbau erlebt, bleibt alles in der ARD beim Alten: fiktionale Frau sucht unter realen Ärzten mit Pathos und Politik die Liebe. Den Unterschied macht ihre Darstellerin: Nina Gummich (Foto: ARD/Honzik). Ein Gespräch mit der 29-jährigern Leipzigerin über Filmblut, Ostbiografien, Serienkrankenhäuser und Erschöpfungszustände

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Nina Gummich, nach Ansicht der ersten paar Folgen Charité, scheint die dritte Staffel eine besonders blutige zu sein.

Nina Gummich: (lacht) Und dabei haben Sie die späteren paar Folgen noch gar nicht gesehen, in denen das Blut nicht nur analysiert wird, sondern auch mal in Strömen fließt.

Hat das auch symbolische Bedeutung oder handelt die neue Staffel nun mal viel von blutiger Forschung?

Klar geht es an der „Charité“ auch immer ums Innerste der Protagonisten oder wenn wir bei ihrer Metapher bleiben wollen, vielleicht das Ausbluten der DDR jener Tage.

Was auf die zweite Symbolik deutscher Fiktionen zur deutsch-deutschen Teilung hinweist: Die DDR ist darin vollumfänglich furchtbar!

Der Eindruck wird tatsächlich oft erweckt, soll hier aber gar nicht im Vordergrund stehen. In der kurzen Zeit, die der Serie bleibt, um den Mauerbau zu erzählen, muss viel zugespitzt werden. Aber zwischendurch geht’s auch darum, dass – schon wieder! – frisches Blut in die Charité kommt, junge Ärzte wie ich, mit medizinischen, nicht politischen Ambitionen.

Dennoch ist die Atmosphäre so trist und böse, wie sie schon Guido Knopp ständig betonen musste, um das Böse Ost vom Guten West abzugrenzen. Wäre es nicht interessanter, die DDR mal ohne Mauer und Stasi zu erzählen, einfach nur menschlich?

Darüber habe ich auch zuhause viel geredet. Besonders meine Mutter war stets der Meinung, dass nicht alles schlecht gewesen sei im Osten. Unsere Regisseurin Christine Hartmann hat ebenfalls darauf geachtet, nicht alles schlecht und grau zu erzählen. So haben wir bewusst für meine Figur schöne und auch farbig strahlende Kleider ausgewählt. Ein Mittel, um eben nicht nur die schon oft in Filmen gesehene DDR-Klischee-Tristesse zu zeigen.

Steht Ihre Ella in einer geraden Linie zu den zwei Hauptfiguren der ersten zwei Staffeln, die ebenfalls fiktive Frauen im Umfeld realer Persönlichkeiten waren?

Die Konstellation der Hauptfigur ist in der Tat ähnlich wie in den anderen Staffeln, wobei

Nina Kunzendorfs Kinderärztin auch als Hauptstrang erzählt wird und wir damit zum ersten Mal in der Geschichte der Charité zwei weibliche Hauptfiguren haben. Das zeigt, wie ernst Ärztinnen in dieser Zeit anders als zuvor an der Charité genommen wurden. Meine Figur der Ella wächst vom jungen Hüpfer in sechs Folgen zur sehr ernsthaften Frau.

Wenn man Ihnen dabei so zusieht, erscheint es erneut, als würden Sie diese Entwicklung wie in so vielen Filmen zuvor eher aus dem Bauch heraus, als nach Drehbuch spielen.

Witzig, dass Sie das sagen, freut mich sehr. Ich bin ja wirklich absolute Bauchschauspielerin. Erst kürzlich kam eine Regieassistentin zu mir und fragte, ob ich jetzt gerade privat war oder die Rolle. Ich verlasse mich zu 100 Prozent auf den Moment.

Text lernen Sie gar nicht?

Doch (lacht). Sehr genau sogar. Aber um aus dem Bauch heraus zu spielen, versuche ich mir für eine Szene nie allzu viel vorzunehmen. Dem besten Plan kommt am Ende stets das Leben dazwischen und macht ihn zunichte. Natürlich sind 40 Drehtage Charité von morgens um fünf bis zur Badewanne am Abend und gute Nacht so durchgetaktet, dass der Text die Grundlage ist, um so einen Dreh überhaupt stemmen zu können. Aber ich bewahre mir dabei mein gutes Gefühl für die Situation. Zum Leidwesen meiner Mitmenschen zuhause, schotte ich mich in solchen Zeiten so ab, dass ich fast ein bisschen asozial werde.

Hat das damit zu tun, dass Sie einem sehr künstlerischen Haushalt entsprungen sind?

Mein Stiefvater hat mich zu Beginn sehr viel gecoacht und dabei eine Mischung aus eigenem Leben und Technik vermittelt. Damals hab‘ ich mir angewöhnt, Texte nicht bloß stur zu lernen und aufzusagen. Das Leben ist halt im Augenblick am erfülltesten.

Sind Sie deshalb, ohne Ihnen Honig um den Bart zu schmieren…

Doch, bitte! Nur zu!

… so oft die authentischste Figur in manchmal artifiziellen Geschichten?

Das wäre jedenfalls schön.

Sind Sie von Ihren Eltern ins Schauspiel gedrängt worden oder zumindest gelotst?

Im Gegenteil. Wie viele künstlerische Eltern wollten auch meine eher verhindern, dass ich ihren Beruf ergreife. Schließlich kennen Sie nicht nur die guten, sondern auch schlechten Seiten daran. Meine Mutter ist Regisseurin und ihr Mann freier Filmschauspieler, mein Vater ist Regisseur und seine Frau Theaterschauspielerin. Ich hatte also Anschauungsmaterial aus allen Bereichen der Kunst und habe mich aus freien Stücken dazu entschieden.

Mit welcher Konsequenz?

Dass meine Eltern mich nach meiner ersten Rolle in einem Weihnachtsfilm erst mal aufbauen mussten, so fertig war ich, dass diese tolle Zeit vorbei sein sollte. Ich war, ehrlich gesagt, auch total angefixt, wie viel Lob man als Zehnjährige von allen kriegt. Deshalb war der Stein schon da so unaufhaltsam ins Rollen geraten, dass meine Eltern mich vor mir schützen mussten, damit ich nur einen Film im Jahr mache und auch keine Leiche im Tatort, sondern was Ordentliches, und nach dem Drehen nicht mit den anderen noch ewig in die Bar. Als Teenager fand ich das zum Kotzen, im Nachhinein bin ich ihnen dankbar. Bedingung war ja, dass mein Schulnotenschnitt immer eine 1 vom Komma hatte.

Und das hatte er?

So gerade eben, Abi 1,9. Aber wenn er noch besser gewesen wäre, hätte ich vielleicht Medizin studiert und würde jetzt mein künstlerisches Blut erforschen (lacht).

Stattdessen stehen Sie mit 29 Jahren zwei Drittel ihres Lebens vor der Kamera. Gibt es da schon Momente der Erschöpfung?

Weil ich durch meine Familie früh gelernt habe, auf mich zu achten, eher nicht. Andererseits habe ich im Shutdown gemerkt, wie wichtig auch mal drei Monate Auszeit sind; die hätte ich mir andernfalls nicht genommen, habe aber gemerkt, wie nötig sie waren. Schon, weil Schauspieler nur dann gute Geschichten erzählen können, wenn sie das Leben daneben noch sehen.

Was wäre das zum Beispiel bei Ihnen?

Als allererstes bedeutet das für mich immer, nach so einem langen Dreh wieder im normalen Leben anzukommen. Herauszufinden, was ich gern erleben möchte, ohne dass mir jemand einen straffen Zeitplan vorgibt. Dann gehe ich in die Natur, um Stress abzubauen, schlafe viel und ernähre mich gut. Wenn die erste Erschöpfungsphase vorbei ist, treffe ich mich viel mit Freunden, die überhaupt nichts mit Schauspiel zu tun haben und nehme an deren Leben Teil.

Ist dieser Außenkontakt üblich in Ihrer Branche?

Nein, eher ungewöhnlich. Wir Schauspieler neigen dazu, privat gern in der eigenen Suppe zu schwimmen. Am Anfang meines Schauspielstudiums habe ich sogar parallel in einer Eventfirma als Kellnerin gearbeitet, auch um zu erfahren, wie es in diesem Beruf ist, um Geschichten zu sammeln, zu beobachten. Beobachtungen ansammeln ist ein großer Teil meiner Figuren-Arbeit.


US-Putsch & DDR-Charité

Die Gebrauchtwoche

4. – 10. Januar

Unter den Bildern aus Washington, die seit Mittwoch alle Welt verstören, war eins besonders spektakulär, aber seltsam unterrepräsentiert: der Berg erbeuteter Kameras und Mikrofone, auf dem Donald Trumps Putschisten vorm Kapitol herumgetrampelt sind. Jene Patrioten also, die den 1. Verfassungszusatz (Meinungsfreiheit) im Pulverdampf des 2. (Waffenbesitz) vernichtet haben. Mit welcher Wut ringsum auch deutsche Reporter attackiert wurden, dürfte daher zum fatalsten Erbe dieser Präsidentschaft werden.

Dass Facebook dessen Account kurz– und Twitter langfristig sperren, dass Reddit, Snapchat, Discord, Twitch, selbst Spoftify nachziehen und dem dunklen Lord demnach bald nur noch das Darknet dient, ist angesichts der permanenten Aufrufe zum Umsturz seit zwei Monaten zwar folgerichtig, aber zu spät. Und weil er seine Fanatiker dort seither allenfalls vom Zusatz ergänzt, seine verlogenen Tweets würden diskutiert, bis zum Blutrausch manipulieren konnte, treibt sie der Wirrkopf im Weißen Haus am Ende auch nur radikaleren Meinungsfabriken wie OANN und Parlor zu. CNN dagegen konnte – anders als die ARD, der viele vorwerfen, fürs „Kapitolverbrechen“ (Süddeutsche) das Abendprogramm nicht unterbrochen zu haben – sein Profil als Notreserve journalistischer Anteilnahme weiter schärfen.

Dennoch ist die Pressefreiheit selbst in Demokratien längst so unter Beschuss, dass sich Despoten von Putin über Erdogan bis Xi Jinping genüsslich die blutigen Hände reiben. Dazu passt, dass ein englisches Gericht die Auslieferung von Julian Assange kurz vor der amerikanischen Katastrophe aus medizinischen, nicht juristischen Gründen abgelehnt hatte. Und das, wo ihm in den USA wegen seiner Arbeit als Journalist 150 Jahre Haft drohen. Es war also ein denkwürdiger Arbeitsauftakt von Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber, der am Montag mit Turner-Kreuz und Schwiegersohn-Lächeln in die Hauptnachrichten wechselte.

Das rückt einen etwas anderen Wechsel zu Recht in den Hintergrund: die unterhaltsame Collien Ulmen-Fernandes verkauft einen Teil ihrer Seele und checkt (ohne finanzielle Not) auf dem Traumschiff ein, während sich RTL nach einem wenig überraschenden Corona-KZ-Vergleich von Michael Wendler trennt, genauer: seinem Bild bei DSDS. Vorgedrehte Passagen mit ihm werden nun gepixelt. Und nur der Vollständigkeit halber: Ferdinand von Schirachs ARD-Experiment Feinde erzielte vor acht Tagen gut zehn Millionen Zuschauer auf elf Sendern.

Die Frischwoche

11. – 17. Januar

Nicht ganz so frisch, aber wegen der Freitagsmontagpause nachzureichen: Magenta TV macht den Mythos den Rom-Gründers Romulus zum Objekt einer altlateinischen Politthrillerserie. In der ZDF-Mediathek ist noch die Langzeit-Doku Höllental übers ungeklärte Verschwinden von Peggy Knobloch vor 20 Jahren zu empfehlen. Und auf SyFy läuft die 4. Staffel der wundervollen Cowboyzombiejägerin Wynonna Earp.

Irgendwie untot ist auch das Prinzip Charité. Wenn morgen die 3 Staffel startet, geht es wieder um ein medizinisches Fantasiemädchen im Kreis männlicher Realkoryphäen. Weil es diesmal von der wunderbaren Nina Gummich gespielt wird, übersehen wir mal die billigen Klischees über böse Kommunisten am Vorabend des Mauerbaus. Mit Emma Thompson als britische Populisten der digitalen Nahzukunftsvision Years and Years könnte die Neo-Serie ab Donnerstag toll sein; dummerweise wurde es von Deutschen synchronisiert. Und das ist fast so furchtbar wie der bescheuerte RTL-Einfall, das Dschungelcamp 2021 ab Freitag als Casting fürs Dschungelcamp 2022 downzugraden.

Anything else? Heute startet bei Prime Video die 3. Staffel des Superhelden-Coming-of-Age-Unsinns Young Gods und Mittwoch bei Disney+ Elizabeth Olsens Sitcom Wand Vision, während Cobra Kai auf Netflix in die 4. Staffel geht. Sonntag beginnt bei 13th Street der skandinavische Krimiachtteiler Verdacht/Mord, abends zuvor geht Kommissarin Heller im ZDF letztmals auf Mörderjagd. Und zum Schluss zwei Filmtipps: Mittwoch um 20.15 Uhr zeigt Arte das Nachkriegsdrama Die Unschuldigen um ein polnisches Kloster, in dem die rote Armee wütet. Und der norwegische Oscar-Kandidat Thelma über eine Frau mit Epilepsie wurde leider ins Spätprogramm (23.30 Uhr) des WDR am Donnerstag abgeschoben.


Rückblick 2: Das Fernsehjahr 2020

Best- & Worst-of Vintage TV 2

Serien, das ist die Erkenntnis des Fernsehjahrs 2020, waren nie wichtiger als im Seuchenjahr 2020. Mangels Alternative bestand die Unterhaltung nicht nur für Couch-Potatoes schließlich vorwiegend aus dem Angebot der Streaming-Portale und TV-Sender. Unter den prägendsten (wenn auch nicht unbedingt besten) Formaten finden sich daher natürlich auch horizontale Erzählungen. Bewegt haben aber auch Dokus, Filme, Reportagen, News. Manchmal sogar ein bisschen mehr als das neue Kino Serie. Zweiter Teil der Retrospektive.

Von Jan Freitag

7. Unorthodox, Netflix

Dass eine Jüdin nach, nicht aus Deutschland flieht, ist ja schon mal bemerkenswert. Weil der Netflix-Vierteiler Unorthodox die Flucht von Esthy Shapira, literarisches Pendant der real existierenden Bestseller-Autorin Deborah Feldman, aus dem Gefängnis ihrer chassidischen Gemeinschaft in New York so unbefangen schildert, dass alle Beteiligen darin Opfer ihrer Konventionen sind, erhielt Maria Schrader dafür fast zwangsläufig den Emmy.

8. Das Unwort, ZDF

Über Antisemitismus zu lachen, ist im Land der Shoah (völlig zu Recht) schwierig. Es sei denn, die israelaffine Iris Berben sorgt dafür in der hinreißenden, bitterblösen ZDF-Tragikomödie Das Unwort, wo sie eine Schulrätin im Streit um judenfeindliche Schüler, deren Opfer und die Eltern aller spielt. Toll war der Film aber auch, weil er nur einer von vier Spätwerken war, die das Fernsehen Iris Berben zum 70. Geburtstag schenkte.

9. Nuhr im Ersten, ARD

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, lautet ein rechtspopulistisches Mantra der Querdenkerstunde – also auch jenes von Dieter Nuhr. Kein Comedian, der – pardon – Mainstreammedien – schießt seine Pointen schließlich beherzter auf Grüne, Frauen, political correctness. Und keiner beklagt dabei kläglicher, dafür kritisiert zu werden. So wurde Nuhr im Ersten – ob gewollt oder nicht – zur satirischen ARD-Zweigstelle der AfD.

10. Fox News Sunday, Fox News

Klar, CNN und NBC sind seriösere Stimmen des US-Journalismus, während QANN oder Fox News in der Regel bloß Donald Trumps Speichel lecken. Aber wie das seriöse Fox-Feigenblatt Chris Wallace den US-Präsidenten beim Sommerinterview an einem heißen Julisonntag grillte, wie er nachhakte, bloßstellte, in aller Seelenruhe sperrfeuerte, war auch wegen der fanatischen Voreingenommenheit seines Senders das politische Streitgespräch des Jahres.  

11. Fritzi, ZDF

Was wahre Siege wert sind, hängt immer auch von der Startposition ab. Als das ZDF ausgerechnet Tanja Wedhorn zur krebskranken Hauptfigur der Dramaserie Fritzi machte, ging die chronisch unterforderte Telenovela-Prinzessin aus der für Feuilletonverhältnisse allerletzten Startreihe ins Rennen – und machte aus dem Familienmelodram dennoch ein leichtfüßiges Manifest der Beharrlichkeit, das nicht nur in der Publikumsgunst weit vorn lag.


Oliver Maurmann alias Olifr M. Guz

Rückbesinnung klingt so retro

Im Schreckensjahr 2020 ist einer von uns gegangen, der dem deutschsprachigen Pop mehr gegeben hat, als sein klitzekleines Herkunftsland vermuten ließe: Oliver Maurmann alias Guz (Foto: Facebook/Guz), Sänger der Aeronauten. Vor gut einem Jahr ist der große Alltagspoet aus Schaffhausen in Zürich gestorben. freitagsmedien dokumentiert deshalb hier noch mal ihr liebgewonnenes Interview mit ihm von 2006.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Oliver, wollen wir über die Schweiz reden?

Oliver Maurmann: (lacht) Oh, so viel Spannendes gibt es darüber nicht zu erzählen.

Was gibt es denn zumindest Wissenswertes über die Schweizer Musikszene zu berichten?

Hm, in der Schweiz wird halt ziemlich viel in Dialekt gesungen, das interessiert schon per se außerhalb nicht recht, weil es einfach niemand versteht. Unter den Dialekt singenden Bands gibt es zwar ein paar sehr gute. Ansonsten gibt es wie anderswo ne Million Bands und Leute, die irgendwas machen, aber fällt mir leider nichts Gescheites ein, was hängen geblieben wäre. Nimm eine Britpopband, fahr 30 Kilometer weiter und du findest die nächste Britpopband, die genauso klingt.

Also wird die Schweiz völlig zu Recht im Ausland nicht wahrgenommen.

Das ist schon so.

Wie ist es mit euch?

Da gehen auch nur Deutschland und Österreich, aber wie bekannt wir da sind, kann ich gar nicht richtig einschätzen. Ich merke nur an unseren Konzerten, dass da im Schnitt so um die 200 Leute kommen und in Deutschland kann ein guter Teil davon unsere Texte auswendig. Irgendwie hat schon jeder von uns gehört. Platten haben dagegen nicht so viele von uns, weil wir ja anscheinend als Liveband gelten. Aber wir sind ja auch faul geworden die letzten Jahre.

Im Studio?

Da waren wir früher fleißiger, aber jetzt haben wir endlich mal wieder eine neue CD gemacht, auf die Schnelle.

Könnt ihr davon leben?

Die meisten von uns haben beruflich irgendwie mit Musik zu tun, aber von den Aeronauten leben kann eigentlich keiner. Wir haben’s mal ein paar Jahre probiert, Ende der 90er, aber es ist mit fünf Leuten auch richtig schwierig, dass es mal lukrativ wird. Und dafür sind wir auch einfach ein bisschen zu schrullig.

Ihr müsst eure T-Shirts nach dem Konzert selber verkaufen.

Manchmal haben wir einen Kollegen dabei, der uns hilft, aber man kann es schon so sagen.

Seid ihr für den Durchbruch mittlerweile auch ein wenig zu alt?

Kann man so sagen. Wenn wir jetzt 21 wären, würde da vielleicht noch was gehen. Aber dann würden wir sicherlich auch andere Musik machen.

Also keinen Punkrock, zu dem ihr euch gerade zurückbesonnen habt.

Rückbesinnung klingt so retro. Wenn, dann Rückbesinnung auf unser Kerngeschäft. Da kommen wir her, das liegt uns. Wir haben zwischendrin was anderes ausgedacht, aber weil wir uns auf Hier nicht viel ausgedacht haben, ist eben Punkrock raus gekommen. Wir haben uns auch nicht mehr gefragt, ob man das im Radio spielen kann, sondern frei nach unserem Sinn gehandelt. Deswegen hat es aber auch sehr viel Spaß gemacht. Früher haben wir noch alles Mögliche ausprobiert, Computer, Stilwechsel, aber das ist alles in Arbeit ausgeartet, und richtig gebracht hat’s das nicht. Auf Hier sind alle Texte ziemlich direkt und dazu gehört eine direkte Musik.

Direkt heißt?

Punkrock eben, als große Klammer. Da ist natürlich auch Rhythm’n’Blues drauf, etwas Ska, so eine Art Folk, aber mit Punkrock beschreibe ich eher, dass die Aeronauten wirklich keine Profis sind und nicht dort mitspielen, weil sie ihr Instrument so toll beherrschen, sondern weil das hier eine Kumpelband ist, die hauptsächlich auf Spaß aus ist.

Der Punkrock daran ist also nicht Tempo und Geradlinigkeit.

Nein, Punkrock heißt, eine schnelle Idee, schnell gemacht, nicht viel überlegt und Spaß dabei. Was natürlich nicht heißt, dass wir nur eine Funpunkband wären, was hoffentlich aus den Texten ersichtlich wird, in denen immer ein gewisser fröhlicher Pessimismus steckt.

Heißt das, ernste Aussagen lieber humoristisch zu verpacken?

Für mich ja. Wenn ich Musik höre, habe ich immer gern eine gewissen Leichtigkeit und die geht nicht ohne ein gerüttelt Maß an Humor. Aber die Aussage ist mir wichtiger; Humor ist nur ihr Träger, der dazu einlädt, sich auf die Aussage einzulassen. Meine Idee dabei ist, dass es alle anders verstehen, was ich singe, jeder interpretiert es für sich. Das finde ich so okay. Ein Stück wie Hey Ozonloch kann mal als elende Zustandsbeschreibung unserer schlechten Welt betrachten, oder als Angstliste von Schisshasen.

Zieht man die Sorge ums Ozonloch damit nicht durch den Kakao?

Nicht das Ozonloch, sondern eher der Alarmismus um all diese Sachen, von denen sich einige als null und nichtig entpuppt haben. Wenn ein konkretes Problem da ist, nehme ich es ernst, aber ich bin als großer Zeitungsleser misstrauisch geworden gegenüber dem, was geschrieben wird. Deswegen möchte ich es durch den Kakao ziehen. Obwohl – das ist eigentlich ein doofes Wort; das meint eher Verarschung und die will ich vermeiden. Wenn zum Beispiel bei Punks nicht tot, Männer oder Frauen Leute vorgestellt werden, sind das immer vermeintlich andere Leute, aber am Ende bin es immer auch ein Stück weit ich selbst, die Idioten sind immer auch wir. Es hat eine gewissen Ironie oder Lakonie, keine Verarschung.

In eurem berühmtesten Lied Freundin schwingt ein Alarmismus gegen Naziskins mit, der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt.

Schon, aber dass Naziskins blöd, schlimm und scheiße sind, wissen wir doch alle. Das müssen wir unseren Hörern nicht neu erzählen. Was wir machen, richtet sich immer an alle, die uns hören wollen, nicht von denen da drüben, den Nazis und Spießern, sondern von allen, die uns ähnlich sind. Aber auch über Freundin lacht man sich nicht nur einen ab, denn das Problem…

Nazis im Nacken, aber Single.

… haben alle im Hinterkopf. Aber es ist eben auf eine unterhaltsame Form gebracht. Viele kennen die Situation, im besetzten Haus rumzulungern und auf die Scheißnazis zu warten, damit endlich mal was los ist?

Seid ihr eine politische Band.

Tja, hm… Politische Band ist zu eng und zu weit gefasst in einem. Da denke ich an bots oder so. Ich denke, es wird klar, dass da ein paar Leute sind, die mit sich und ihrer Umwelt beschäftigen, aber nicht im Sinne einer Politik des Mach-dies-mach-das. Das muss jeder für sich rausziehen.

Du bist aber schon politisiert. In deiner Biografie steht: interessiert sich für linksextremen Politrock und Nazi-UFOs.

Ach, das ist Teil der Populärkultur. Da geht es bei mir eher um Flow de Cologne oder Cochise, also um Hippiekram. Natürlich kommt es aus einer politischen Ecke, hat aber letztlich nichts zu sagen.

Ist euch der Punkrock insgesamt zu humorlos?

Sicher, da hat sich eine große Witzlosigkeit eingeschlichen. Ich bin mit ihm in den Achtzigern aufgewachsen und es hat mich ziemlich schnell nicht mehr interessiert und als Ende Achtziger dann dieser Polithardcore, Amihardcore, Dingsbumshardcore aufgekommen ist wurde es mir echt zu ernst und Funkpunk war mir zu blöd. Natürlich gibt es immer wieder welche, die das zu durchbrechen versuchen, da hat mich lange nichts gepackt.Moderne Sachen hör ich mir eigentlich gar nicht mehr an. Zuhause hör ich Blues und…

Country.

Nein, das nicht, auch wenn wir es auf Jetzt Musik gesungen haben. Eine schöne Metapher, mehr nicht. Ich höre ältere Musik. Bei uns in der Band war Manu Chao mal ne große Nummer. Und was hier in der Schweiz an moderner Musik los ist, kriege ich dadurch mit, dass ich in einem Tonstudio arbeite, wo natürlich dieses und jenes durchgeht. Das war’s. Privat höre ich, was möglichst weit weg ist von dem, was ich selber mache.

Gibt es etwas Neues aus der Schweiz, das es bis nach Deutschland bringen könnte?

Hm. Es gibt die Low Income Entertainment Group, von der ich allerdings nicht glaube, dass sie es besonders weit bringen wird, schrammeliger Rock’n’Roll mit schönen Melodien und ich wünsche ihnen ganz viel Erfolg. Kann aber sein, dass es zu merkwürdig ist.

Seid ihr selbst in der Schweiz Stars?

Nein, das kann man sich so vorstellen, wie wenn die Schweiz ein deutsches Bundesland wäre. In Schaffhausen und Zürich haben wir Heimspiele, da kommen 400 Leute. Weil deutsch singen in der Schweiz auch nicht sehr verbreitet ist; das ist für viele eine eher blöde Sprache, die man halt in der Schule lernen muss. So redet der Nachrichtensprecher, aber nicht normale Leute. Da existiert also ein gewisses Ressentiment. Man wird nicht angefeindet, aber es liegt vielen nicht auf der Zunge. Wir reden Schweizerdeutsch.

Das würde ich vermutlich nicht verstehen.

(sagt etwas wie jafarachtirizien) Man kann sich da nach einer Weile reinhören.


Rückblick: Das Fernsehjahr 2020

Best- & worst-of Vintage TV

Serien, das ist die Erkenntnis des Fernsehjahrs 2020, waren nie wichtiger als im Seuchenjahr 2020. Mangels Alternative bestand die Unterhaltung nicht nur für Couch-Potatoes schließlich vorwiegend aus dem Angebot der Streaming-Portale und TV-Sender. Unter den prägendsten (wenn auch nicht unbedingt besten) Formaten finden sich daher natürlich auch horizontale Erzählungen. Bewegt haben aber auch Dokus, Filme, Reportagen, News. Manchmal sogar ein bisschen mehr als das neue Kino Serie.

Von Jan Freitag

1. ARZDF Extraspezial

Nachrichten sind ein alltägliches Geschäft, das selbst den Ausnahmefall versachlicht. Weil 2020 allerdings ein 365-tägiger Ausnahmefall war, hat die ARD im Anschluss der Tagesschau allein 73 Brennpunkte mit Corona-Fokus gebracht und das ZDF 60 Spezial genannte Sendungen. Bei aller Kritik an Verlautbarungsjournalismus, Redundanz und Panikmache: das war öffentlich-rechtliche Staatsvertragserfüllung in Bestform.

2. Tiger King, Netflix

Exzentrische Großkatzen-Halter mit bizarren Privatzoos, die Tierschützern Killer auf den Hals hetzen – wenn die Wirklichkeit auf Wahnsinn trifft und realistische True Crime am Rande des Denkbaren erschafft, war man 2020 garantiert bei der Netflix-Serie Tiger King. Acht Folgen lang hat sie Abermillionen Zuschauern in aller Welt dabei geholfen, den Lockdown besser zu ertragen und stand dafür wochenlang auf Platz 1.

3. Warten auf’n Bus, RBB

Entertainment setzt oft auf Spezialeffekte, Stars und Sensationen. Manchmal reicht aber auch ein offener Unterstand in der ostdeutschen Pampa, in dem herausragende Schauspieler wie Ronald Zehrfeld und Felix Kramer das Leben Langzeitarbeitsloser nach Oliver Bukowskis grandiosem Drehbuch zum Serienmanifest trotziger Beharrlichkeit adeln. Selten war so wenig so viel mehr als der aufgeblasene Rest.

4. Bridgerton, Netflix

Alle Sender aufgepasst: Historytainment mit Niveau ist möglich! Die Netflix-Serie Bridgerton handelt fast nur vom Heiraten in Londons Hochadel anno 1813 und überzuckert das saftige Kostümfest auch noch in dicken Pilcher-Farben. Süßstoff fürs Gemüt also. Da es Showrunner Chris van Dusen gelingt, den misogynen Snobismus nicht nur unterhaltsam, sondern sozialkritisch zu machen, aber auch fürs Gehirn.

5. Oktoberfest 1900, ARD

Dem Geschichtsschinken Oktoberfest 1900 dagegen sind Inhalte wie üblich im deutschen Reenactment völlig egal, solange die Kulisse glänzt. Das tut sie noch nicht mal, im pathetischen Kirmes-Krimi der ARD; schließlich geht es vor allem um Äußerlichkeiten. Aber die einen den opulenten Mehrteiler ja mit öffentlich-rechtlichem History-Mumpitz wie Unsere wunderbaren Jahre oder Club der singenden Metzger. Auweia.

6. Rechts.Deutsch.Radikal, ProSieben

Nein, Thilo Mischke ist beileibe nicht der beste Investigativ-Journalist im Fernsehland – dafür gibt sich der nette Pro7-Reporter schlicht zu naiv. Dass seine Doku Rechts.Deutsch.Radikal dennoch die wichtigste ihrer Art anno 2020 war, liegt daran, wie furchtlos, unvoreingenommen und doch haltungsstark sich der rehäugige Frontberichterstatter unter Demokratiefeinde von Querdenker bis Neonazis gemischt hat.


taz: journalist-Interview Winkelmann/Junge

Profitabel klingt toll

Seit August führen Ulrike Winkelmann und Barbara Junge (Foto: Conrad Bauer/journalist) die trotzige kleine, verblüffend erfolgreiche taz in Berlin als erste weibliche Doppelspitze einer deutschen Tageszeitung – und damit einem Leitmedium im Umbruch. Das ausführliche Interview des Medienmagazins journalist, hier in voller Länge.

Von Jan Freitag

freitagmsmedien: Ulrike Winkelmann, Barbara Junge, wie ist es, die Leitung eines chronisch schlingernden Schiffes wie die taz zu übernehmen?

Barbara Junge: Entschuldigung, die taz ist kein schlingerndes Schiff.

Aber seit Anbeginn ihrer Existenz finanziell auf Kante genäht.

Junge: Das mag sein, aber durch die Corona-Krise sind wir bislang deutlich besser gekommen als viele andere Medienhäuser.

Ulrike Winkelmann: Natürlich verzeichnen auch wir wie die gesamte Branche werktags rückläufige Abo-Zahlen im Printbereich, aber sie liegen immer noch überm Soll. Als ich die taz vor sechs Jahren verlassen hatte, war sie jedenfalls in viel schwererem Fahrwasser. Jetzt bin ich auch mit der Ansage zurückgekehrt, uns gehe es gut.

Junge: Wir haben dieses Jahr sogar erstmals allen MitarbeiterInnen einen Bonus ausgezahlt.

Liegt das ausschließlich an der Tatsache, dass die taz von Anzeigenerlösen unabhängiger ist als vergleichbare Medien?

Winkelmann: Zunächst mal lag es daran, dass die Corona-Berichterstattung sehr gut angenommen wurde und wird.

Junge: Und neben Werbeeinnahmen sind der Konkurrenz noch andere Ertragsfelder weggebrochen, die uns nicht betreffen, wie Kongresse, Luxusreisen oder Advertorials. Wir hatten also gute Startbedingungen.

Gab es dennoch Grundlegendes an der Arbeit Ihres Vorgängers Georg Löwisch zu verändern?

Winkelmann: Nein. Wichtige Weichen in Vorbereitung auf die anstehende Digitalisierung von Montag bis Freitag sind schon gestellt. Umso mehr denken wir, dass es jetzt wieder Zeit wird, die fachlich-inhaltliche Seite zu betonen und das linke, ökosoziale Profil zu stärken.

War beides zuvor geschwächt?

Winkelmann: Erst einmal sind alle traditionellen Medien durch die Konkurrenz aus dem Internet dazu gezwungen worden, ihre Profile zu stärken – wir auch. Durch die politische Situation ist außerdem das taz-typische Profil praktisch wie von selbst wieder mehr hervorgetreten; die taz glänzt seit jeher etwa durch starke Klima-Berichterstattung – ein Thema, das nun auch andernorts ernster genommen wird. Zu uns kommen außerdem viele junge Leute, die andere Ansprüche an Journalismus haben als ältere – mit stärkerer Betonung auf Antirassismus zum Beispiel. Wir wollen nun die ökologischen wie die sozialen Themen noch hervortreten lassen.

Wir, das heißt in diesem Fall zwei Chefredakteurinnen, was es in einer deutschen Tageszeitung noch nie gab. War das eine genderpolitische oder rein fachliche Entscheidung?

Junge: Die taz ist jedenfalls sehr stolz, eine rein weibliche Doppelspitze installiert zu haben. Das war einfach mal dran.

Winkelmann: Weil es nun wirklich genug Männer in den Chefredaktionen gibt, war es aber definitiv auch als politisches Signal gedacht, dass die taz auch in der Geschlechterfrage ganz vorn dabei ist.

Führen Männer Medien nur häufiger oder auch anders?

Junge: Frauen führen in der Tendenz anders als Männer, egal ob Medien oder andere Branchen. Ihr Führungsstil ist teamorientierter, also weniger von oben nach unten.

Winkelmann: Es gibt natürlich auch tolle männliche und nicht so tolle weibliche Führungskräfte. Wir reden daher nur von Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten. Aber Frauen sind im Allgemeinen schon kooperativer, moderierender, also moderner.

Das gilt gemeinhin auch für Doppelspitzen, die sich langsam branchenweit durchsetzen.

Junge: Sich die Arbeit zu teilen, ist allein schon aus zeitlicher Sicht ein großer Vorteil. Über den ständigen Austausch hinaus bietet die Doppelspitze aber auch Raum für persönliche Stärken und Schwächen.

Winkelmann: Wir haben halt auch unterschiedliche Autorität in unterschiedlichen Themengebieten. Ich zum Beispiel komme aus der Innen- und Sozialpolitik, Babs aus der Außenpolitik, vor allem der transatlantischen.

Junge: Was den ökosozialen Kern der taz betrifft, sorge ich für den ersten Teil und Ulrike für den zweiten, wir teilen uns da bestens auf.

Das wäre inhaltlich. Und praktisch?

Junge: Kümmert sich Ulrike ums Juristische, ich ums Finanzielle und Personelle.

Winkelmann: Wobei sich auch unser Tonfall ergänzt. Babs drückt sich viel diplomatischer aus als ich.

Junge: Und Ulrike geht klarer geradeaus.

Winkelmann: Ein Laden wie die taz will sich nicht so einfach führen lassen – oder zumindest lieber nur dann, wenn die Situation grad besonders schwierig oder unangenehm ist. Für so ein Team ist das Konzept der fluiden Führung geeigneter als das der hierarchischen.

Junge: Wobei mich mein Sohn schon manchmal fragt, warum ich der Redaktion immer nur Vorschläge mache, anstatt mal zu sagen, wie es laufen soll.

Die Streitkultur der taz-Redaktion ist also kein Mythos, sondern Realität?

Winkelmann: Im Vergleich zum sehr disziplinierten Umgang beim Deutschlandfunk jedenfalls, wo ich die letzten Jahre gearbeitet habe, kann man das genauso feststellen.

Junge: Weil die taz recht paritätisch besetzt ist, bleibt der Umgangston aber dennoch vermutlich ein anderer als in männlich dominierten Medienhäusern.

Es gab auch bei der taz den Fall eines Bewerbers, der sich wegen einer divers-weiblichen Stellenausschreibung diskriminiert fühlte. Wie gehen die Männer mit der Situation um, dass hier mehr Frauen als andernorts den Ton angeben?

Winkelmann: Kann ich nicht beantworten, habe bislang aber nicht den Eindruck, dass sich die Männer in der taz diskriminiert fühlen.

Junge: Wüsste ich auch nicht.

Gibt es, einen Schritt weitergedacht, auch in den Räumen der taz Sexismus, Rassismus, Homophobie oder Neoliberalismus?

Winkelmann: Da hat Hengameh Yaghoobifarahs Polizeikolumne durchaus etwas angeschoben beziehungsweise wiedererweckt. Nämlich die Diskussion, ob es hausinternen Rassismus gibt und wir uns selbst dahingehend ausreichend überprüfen. Der Ruf nach check your privilege wurde auch bei uns laut und hat zu einer sehr intensiven Debatte und der Gründung von Arbeitsgruppen und Workshops geführt.

War das ein Selbstreinigungsprozess oder von oben dekretiert?

Junge: Den Begriff der Selbstreinigung finde ich schwierig, aber ja – wir diskutieren quer zu allen Hierarchien leidenschaftlich, bisweilen auch heftig, und hinterfragen dabei nicht nur die Inhalte, sondern auch unsere Rollen darin ständig. Unsere Funktion ist es da, fehlende Rücksichtnahme auszutarieren, wenn der Tonfall mal härter wird.

Entsteht dieser Tonfall automatisch, wenn sich eine Zeitung wie die taz auch journalistisch so sehr über ihre Haltung definiert?

Junge: Weil jede und jeder den Mund aufmachen darf, gehört das schlichtweg dazu. Bei der taz wird eben nicht abgewartet, bis die Ressortleitungen Platz nehmen.

Ist sie im Jahr 2020 nach außen hin noch die tägliche Dosis Gegengift aus den Gründungsjahren der Siebziger und Achtziger?

Junge: Die Verhältnisse sind doch ganz andere.

Winkelmann: In Abgrenzung zu anderen Zeitungen funktioniert das schon noch gelegentlich. Aber auch dort finden sich, wie in allen Gesellschaftsbereichen, längst traditionelle taz-Themen von Feminismus über Rassismus bis hin zur Ökologie. Natürlich sind wir oft noch ein wenig radikaler.

Junge: In der Diskussion um Privilegien und Rassismus fiel im Sommer schon auf, dass die Konkurrenz sehr genau darauf geschaut hat, wie wir damit umgehen. Wir sind definitiv in vielerlei Hinsicht Vorreiterin.

Führt das dazu, dass sich die taz wie Fridays for Future oder Viva con Aqua überflüssig macht, sobald ihre Forderungen erfüllt sind, oder wird sie ihrerseits Mainstream sein?

Junge: Also, wenn das Klima gerettet, Diskriminierung abgeschafft, und die Welt gerecht ist, können wir uns gern noch mal darüber unterhalten. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Wie hoch darf denn die Giftdosis auf diesem Weg angesichts der veränderten Verhältnisse mit Blick aufs eigene Stammpublikum sein?

Winkelmann: Mir scheint, sie könnte sogar noch höher sein als bisher. Wenn ich Briefe der Leserinnen und Leser öffne oder mit GenossenschaftlerInnen rede, höre ich oft von der Forderung, die taz solle sich noch stärker als kritische Stimme einer Medienlandschaft positionieren, in der die Konkurrenz auf der anderen Seite steht. Während sich die taz selbst noch eher als Teil eines Konzerts sieht, in dem man etwa den freundlichen Kolleginnen und Kollegen von der FAZ bei aller Differenz nicht zu nah treten will, fordern viele da mehr Radikalität.

Genau die hat Hengameh Yaghoobifarah mit ihrer Polizeientsorgungskolumne geliefert. Passt sich die redaktionelle Radikalität darin gewissermaßen der des Publikums an?

Junge: Nein, denn es gab dazu weder im Haus noch beim Publikum auch nur annähernd eine einheitliche Meinung. Schon wegen der unterschiedlichen Perspektiven musste das Thema diskutiert werden. Also haben wir in aller Öffentlichkeit eine Debatte von gesellschaftlicher Bedeutung geführt – und zwar intern wie extern, mit hoher Einschaltquote. Eine der internen Aussprachen hatte bei Zoom 140 Teilnehmer. Wobei sich Kritik und Zuspruch sowohl bei Leserinnen und Lesern als auch in der Genossenschaft die Waage hielten.

Winkelmann: Ich war zu der Zeit noch gar nicht hier, habe aber auch von außen mitgekriegt, wie sich die Ereignisse überstürzen. Angesichts der Heftigkeit vieler Vorwürfe und Bedrohungen, musste sich die Redaktion da vor Hengameh stellen, auch wenn es in der Redaktion Kritik an Sprache und Stil ihres Textes gab.

Beim Satiremagazin Titanic heißt es, wenn mal wieder jemand Prominentes Strafanzeige erstattet, knallen in der Redaktion die Sektkorken, weil es so gute Werbung sei. War die taz entsprechend in Feierlaune, als Horst Seehofer damit drohte?

Junge: Wir führen solche Debatten nicht strategisch und holen auch keinen Schampus aus dem Keller. Aber klar – ist doch toll, wenn die taz öffentliche Diskussionen antreibt und dafür im Blickpunkt steht. Bei der Diskussion über Polizeigewalt war das zwar unfreiwillig, aber eben auch überfällig und damit gerechtfertigt.

Haben Sie als haltungsorientiertes Medium den PR-Gedanken wirklich nie im Hinterkopf, wenn taz-Schlagzeilen wie so oft stark polarisieren?

Junge: Welche Zeitung versucht noch mal nicht, sich bei Gelegenheit auch zum Wohle der Auflage zu profilieren?

Winkelmann: Es hat in der Tat oft genug Titel und Texte gegeben, wo die zuständige Person mutwillig die Provokation gewählt hat. Ich erinnere nur an den Balkensepp zum Kruzifixverbot, bei dem die Redaktion natürlich darauf spekuliert hatte, was die Kirche wohl dazu sagt.

Junge: Das ist in der Regel aber Lust an der Provokation, kein betriebswirtschaftliches Kalkül.

Winkelmann: Ein Mitarbeiter hat die Selbstbezeichnung „Redakteur für Krawall und Remmidemmi“, und das zielt natürlich nicht nur auf den Berichtsgegenstand ab. Provokation gehört zur taz dazu, das macht auch den Abenteueraspekt beim Arbeiten aus.

Ist es die Aufgabe der Chefredaktion, das eher zu mäßigen oder anzufachen?

Winkelmann: Bislang nicht.

Hat die die taz, abgesehen von der Debatte an sich, denn journalistische und betriebliche Konsequenzen aus der Debatte um die Polizei-Kolumne gezogen?

Junge: Ja, und zwar auf unterschiedlichen Ebenen. Wir haben zum Beispiel gelernt, wie man im rechten Shitstorm besteht, oder generell externe Einflussnahmen moderieren und interne Diskussionen strukturieren muss.

Winkelmann: Die Abstimmung von Social Media und dem Rest der Redaktion wurde verfeinert. Vor allem ist die Sensibilität gewachsen, Dissens und Diversität noch stärker zu reflektieren, um uns beim nächsten Mal nicht derart schmerzhaft zu streiten.

Junge: Trotzdem soll und wird nie der Anspruch herrschen, über Kolumnen Konsens herzustellen. Wir als Chefredaktion können da allenfalls vermittelnd eingreifen. Unsere Aufgabe ist es nicht, irgendwelche Texte zu unterdrücken. Den Rest regelt unser Redaktionsstatut schon sehr genau.

Winkelmann: Darüber hinaus ist wichtig, dass sich im Sprachgebrauch ein Sprachverständnis über unterschiedliche Wahrnehmungen geschichtlicher Ereignisse widerspiegelt. Man merkt zum Beispiel bei den Älteren in der Redaktion, dass die Shoah bei ihnen eine zentrale Rolle spielt. Jüngere dagegen beziehen sich zunehmend auf die Diskussion des Postkolonialismus. Das beeinflusst die politische Haltung, das beeinflusst das jeweilige Wert- und Sprachempfinden.

Für Außenstehende klingen solche Debatten schnell akademisch verkopft. Wie vermeidet man als linkes Medium moralisierenden Zeigefinger-Journalismus?

Winkelmann: Das beste Mittel dagegen ist Selbstironie.

Junge: Hier herrscht eine Kultur des Humors, die sich Neulinge fast automatisch aneignen.

Winkelmann: Natürlich gibt es auch, ich nenne es mal: Stunden des puren Idealismus, in denen die Leute mit äußerstem Engagement, größter Leidenschaft, aber auch Ernsthaftigkeit diskutieren. Humor ist kein Allheilmittel, aber bisweilen ein Rettungsanker.

Junge: Als Zeitung, die mit so großer Intensität substanzielle Sachen behandelt, muss man den gelegentlich werfen.

Auch, um eine Desillusionierung wegzulachen, dass die taz seit Jahrzehnten Dinge predigt, die zwar mittlerweile im Mainstream angekommen sind, aber das Alltagshandeln – Stichwort Klimawandel – dennoch zu langsam verändern?

Junge: Nein, trotz allem berichten wir ja, was ist, nicht was wir gerne hätten. Wir sind immer noch eine Zeitung, keine NGO. Außerdem ist es kein Anlass zur Desillusionierung, Erkenntnisse über späteres Allgemeingut früher als andere gewonnen zu haben. Darauf können wir im Gegenteil bei aller Enttäuschung übers Tempo der Veränderung stolz sein.

Erfordert die taz angesichts der Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln dennoch höhere Stress-Resilienz, um den Kopf so hoch zu halten wie das Kollegium der FAZ, wo eher ein fortschrittsgläubiges Weiter-so vorherrscht?

Winkelmann: Erneut möchte ich den Kolleginnen und Kollegen der FAZ nicht zu nahetreten. Aber uns JournalistInnen rettet ja auch der tägliche Nachrichtenfluss, in dem durchaus Veränderungen zum Guten zutage treten. Das schützt mich anders als in mancher NGO gut vor Depressionen.

Sie haben unlängst einer sozialen Bewegung, nämlich Fridays for Future, wie bereits den Feinden der taz oder ProQuote für einen Tag die Redaktion überlassen. 

Junge: Wobei das nicht Fridays for Future, sondern KlimaaktivistInnen aller Richtungen waren.

Ist es also, um mit Hanns Joachim Friedrichs zu sprechen, doch richtig, sich mit einer Sache gemein zu machen, wenn es eine gute ist?

Winkelmann: Ich bin mir gar nicht so sicher, ob er da richtig zitiert wurde, oder noch schlimmer: ob er nicht schon lange strategisch fehlinterpretiert wird.

Junge: Dass die taz mit Haltung arbeitet, leugnet sie nicht. Aber wo die Grenze zwischen Aktivismus und Journalismus verläuft, muss in allen Themenfeldern ständig neu verhandelt werden. Und hier diskutieren wir gerade intensiv, ob die Klimakrise so existenziell ist, dass sie journalistische Regeln verändert.

Winkelmann: Wenn man das transparent macht, wird dadurch im Zweifel die Objektivitätsillusion der anderen deutlich. Schließlich ist allein schon die Themenauswahl aller Medien vorsortiert und haltungsgesteuert.

Überparteilichkeit hat also ihre Grenzen?

Junge: Selbstverständlich. Aber auch diese Grenzen sind Gegenstand permanenter Aushandlungen. Mit den KlimaaktivistInnen zum Beispiel haben wir hart über eine RWE-Anzeige diskutiert.

Mit dem Ergebnis, sie nicht zu drucken. Ist die Grenze zwischen Redaktion und Verlag da nicht gefährlich weit überschritten?

Winkelmann: In den Debatten hat sich jedenfalls gezeigt, dass man von einer sozialen Bewegung nicht erwarten kann, jahrzehntelang eingespielte Regeln und Gebräuche zur Trennung von Redaktion und Verlag zu kennen oder verstehen.

Junge: Ich würde sogar noch weitergehen. Weil es an diesem Tag nun mal deren Zeitung war, konnten wir den AktivistInnen offenkundig nicht zumuten, darin eine Anzeige eines Energiekonzerns wie RWE zu drucken.

Winkelmann: Davon abgesehen, dass Anzeigen in der taz ohnehin nur eine untergeordnete Ertragsquelle bilden – was uns traditionell freier macht von wirtschaftlichen Zwängen.

Hat es nur inhaltlich-publizistische Gründe, die Redaktion ab und zu anderen zu überlassen, oder ist das auch ein Stück weit PR?

Winkelmann: Teils teils. Als die Springer-Delegation hier mit Kai Diekmann an der Spitze für die „Feindes-taz“ den Laden übernommen hat, war sicher allen klar, dass es nicht ideologisch-publizistisch war, sondern eine Mischung aus Ironie und Werbe-Effekt.

Junge: Die Klima-taz ist anders entstanden. Wir haben voriges Jahr den Klima-Hub jüngerer KollegInnen gegründet, die außerhalb der Redaktion herausarbeiten, wie man Ziele der Bewegung noch stärker in die Gesellschaft tragen kann. Daraus ist eine größere Klima-Offensive der taz entstanden. Dieses Verständnis von diskursivem Journalismus gehört seit jeher zu uns.

Was lernt dieser diskursive Journalismus denn fachlich durch solche Kooperationen?

Winkelmann: Einiges. Zum Beispiel interessengruppenübergreifende Themenvielfalt. Eine türkisch-deutsche NGO zu porträtieren, die migrantisch geprägte Communitys an Umweltdebatten heranführt, fand ich sehr beeindruckend. Das hatten wir ebenso wenig wie die Idee der „U-30“-taz, manche Ressortgrenzen einfach zu sprengen.

Junge: Am nächsten Tag entsteht ja stets wieder die ganz normale taz, aber den Schwung solcher Projekte nehmen wir mit hinein, das wirkt sehr belebend und stärkt uns auf unserem weiteren Weg.

Ein Weg, der ja in absehbarer Zeit weg vom Papier führt. Wann genau ist es soweit?

Winkelmann: Das Szenario war mal 2022, aber ob wir die Zahl halten, steht dahin. Der aktuelle Produktentwicklungsprozess sieht verschiedene Stadien vor.

Welche Ertragsmöglichkeiten sind in diesem Prozess enthalten, um die taz auch mit nur einer gedruckten Wochenendausgabe profitabel zu halten?

Winkelmann: Profitabel klingt toll (lacht).

Junge: Bei uns macht das jedenfalls nicht McKinsey, sondern ein Team aus dem Haus, das grad erhebliche Fortschritte mit unserer App erzielt. Die Community wird weiter ausgebaut, bei der taz im Netz stehen wir vor wichtigen Entscheidungen, das gleiche gilt für die Print-Ausgabe am Wochenende. Welches Produkt in dem Mix das profitabelste wird, muss die Zukunft zeigen. Aber wir planen keine Paywall.

Winkelmann: Das freiwillige System „taz zahl ich“ hat sich erstaunlich gut bewährt.

Junge: Es sind etwa 24.000 Leserinnen und Leser, die regelmäßig zahlen.

Damit müssen Sie aber auch weiterhin auf die finanzielle Einsatzbereitschaft ihrer Klientel hoffen.

Junge: Und da der Großteil unserer Einnahmen nach wie vor über Abonnements der gedruckten Tageszeitung kommt, investieren wir in der Tat viel Gehirnschmalz, um diese Einsatzbereitschaft hoch zu halten. Und wir müssen auch alle jene mitnehmen, die bislang ihre Zeitung auch werktags auf Papier lesen wollen.

Winkelmann: Für diesen Prozess sind unsere Genossenschaftsversammlungen wie Thermometer. Da haben besonders langjährige AbonnentInnen zuletzt etwas weniger als früher aufs raschelnde Papier bestanden.

Sind für Print-Traditionalist*innen individualisierte Druckausgaben denkbar?

Junge: In der Herstellung vielleicht rein theoretisch schon, in der Vertriebskette allerdings nicht.

Winkelmann: Schon jetzt werden viele Tageszeitungen in abgelegeneren Regionen per Post geliefert, was mit dem Anspruch der Aktualität schwer vereinbar ist.

Junge: Alternativ könnten wir die taz höchstens noch persönlich vorbeibringen, aber das ist kaum finanzierbar.

Wo wir beim Thema Geld sind…

(beide stöhnen lächelnd)

Wie verträgt sich die chronische Unterbezahlung der taz-Belegschaft weit unter Tarif eigentlich mit dem sozialen Gewissen der Redaktion?

Winkelmann: Es gibt die taz nur, weil die Leute unter Tarif verdienen. Das war schon immer die Existenzbedingung. Problematischer als unser Gehaltsgefüge, das wurde mir nach meiner Rückkehr aus Köln auch persönlich schnell klar, sind hingegen die Mieten. Nachdem sich der Verdienst dem Berliner Durchschnitt zwischenzeitlich eher angenähert hatte, entfernt er sich gerade wieder – auch weil die Wohnkosten so explodiert sind. Darauf müssen wir Antworten finden.

Junge: Es laufen Gespräche darüber, die Gehälter etwas anzuheben. Aber selbst das wird mit der Mietentwicklung nicht schritthalten. Es ist auf der Basis auch nicht einfach, Externe für Leitungspositionen zu gewinnen. Hier ist der Unterschied zu anderen Häusern eklatant.

Zusammengefasst heißt das, die taz bleibt Talentschmiede und Ausbildungsbetrieb der besser zahlenden Konkurrenz, sowas wie der SC Freiburg für den FC Bayern?

Junge: Es gibt auch Talente, die nicht nur gern zu uns kommen, sondern die sogar wieder zurückkommen. Und wenn welche gehen und woanders ihren Weg machen, ist das auch okay.

Winkelmann: Die Tatsache allerdings, dass viele talentierte Menschen schon so lange bei uns sind, zeigt dass man in der taz auch etwas bekommt, was sich nicht mit Geld aufwiegen lässt.

War es davon unabhängig schwer zu vermitteln, dass die taz 20 Millionen Euro für ein neues Redaktionsgebäude ausgibt, aber zu wenig für die nächste Mieterhöhung zahlt?

Junge: Auch wenn es nicht der allgemeinen Stimmung entsprach, gab es diese Stimmen. Natürlich. Zugleich aber war allen klar, dass die Genossenschaft anstelle der Baukosten nicht die Gehälter erhöhen kann, das sind zwei verschiedene Baustellen.

Wie lautet Ihre Prognose: entsteht in diesem Missverhältnis 2040 noch die taz?

Winkelmann: Ich denke ja. Man wünscht niemandem was Schlechtes, weshalb ich jetzt nicht sage, die und die Zeitung wird es nicht so lange geben. Aber von den Überregionalen hat die taz besonders gute Aussichten, auch in 20 Jahren noch zu existieren.

Junge: Die taz hat einen harten Umbau vor sich, aber wenn es jemand schafft, dann wir.

Sind Sie dann noch dabei?

Junge: In 20 Jahren? Nein!

Winkelmann: Nett, dass Sie mich für so jung halten, aber auch ich bin da schon zu alt.

VITAE

Ulrike Winkelmann
Geboren 1971 in Wiesbaden, wächst Ulrike Winkelmann bei Paderborn auf, studiert in Hamburg und London Germanistik, Politologie, Staatsrecht und volontiert bei der taz, wo sie ab 1999 über Inland und Gesundheit schreibt. 2010 wechselt sie als Politikchefin zum Freitag und 2014 zum Deutschlandfunk. Im August kehrt sie als Chefredakteurin zurück.

Barbara Junge
Barbara Junge, geboren 1968 in Stuttgart, beginnt ihre berufliche Laufbahn bei der taz. 1996 wird sie Redakteurin, dann Ressortleiterin des Berlinteils. 2001 wechselt sie als US-Korrespondentin zum Tagesspiegel. 2016 kehrte sie als stellvertretende Chefredakteurin in die taz zurück und übernimmt dort im August eine Hälfte der Chefredakteurin.


Aggregat, Other Lives, Louis Philippe

Aggregat

Wer glaubt, Techno brauche zwingend binäre Codes, kennt die Segnungen analoger Electronica noch nicht. Doch während sich das handelsübliche Schlagzeug seit längerem schon an der Seite künstlich erzeugter Beats ausbreitet, fügt ihnen die norddeutsche Band Aggregat etwas hinzu, was nun wirklich niemand im Umfeld repetitiver Synthesizer-Flächen vermuten würde: Ein Cello nämlich – auch wenn das norddeutsche Trio das klassische Instrument so drastisch verfremdet, dass man schon vom Fach sein muss, um es herauszuhören.

Im Zusammenspiel jedenfalls erzeugt das Debütalbum mit dem schlichten Titel 1 einen synkopisch-wuchtigen Sound, der dank seiner analogen Synths gleichermaßen warum und zappelig klingt, irgendwie auf bassige Art schrill, also nichts für schlichte Gemüter, aber doch äußerst eingängig – als hätte das Electric Light Orchestra ein gedimmtes Mash-up mit Skrillex aufgenommen. Fehlt bloß noch die Möglichkeit, das Ganze live zu hören. Wir warten halt nicht aufs Christkind, sondern Festivals.

Aggregat – 1 (Best’s Friends)

Other Lives

Other Lives gehen da sogar noch einen Schritt weiter, obgleich ihre Musik mit der von Aggregat nahezu nichts zu tun hat: das Quintett aus dem Cowboystaat Oklahoma hat bereits mehrere Platten mit ihrer Mischung aus Americana, Folk und Postrock gefüllt; jetzt dickt es einige ihrer existierenden Tracks mit experimentellen Streichern an, streicht allerdings zugleich die Drums, bis daraus ein fast schon sinfonisches Werk der aufgeblasenen Zurückhaltung geworden ist.

Weil Frontmann Jesse Tabish die zehn alten neuen Stücke gemeinsam mit seiner Frau Kim in Süditalien ersonnen hat, hat er sie unter Sicily Sessions kompiliert. Das klingt zwar einerseits unfertig und roh, wirkt andererseits aber dank Tabishs melancholischem Gesang darüber auch so tiefschürfend schön, als hätte er Monate über jedem Wort gebrütet. Weil Weihnachtsmusik einfach immer ein bisschen scheiße ist, wäre das demnach der perfekte Festtagssoundtrack: wohlig und herzergreifend, ohne pathetisch zu sein.

Other Lives – Sicily Sessions (PIAS)

Louis Philippe & The Night Mail

Und wenn wir schon ins Dickicht abseits der ausgetretenen Pfade des Mainstreams vordringen, dürfen wir an dieser Stelle von Louis Philippe nicht schweigen. Der französische Produzent, seit Jahrzehnten bereits in den Grenzregionen von Pop und Jazz, E und U, Avantgarde und Hitparaden unterwegs, hat sich mit der Band The Night Mail um Paul Wellers früheren Bassisten Andy Lewis zusammengetan, um etwas zu kollaborieren, das – tja, was eigentlich ist?

Wer sich die 13 hinreißend verkopften Klangkaskaden aus kammermuskalischem Big Beat und nostalgischem Futurepop anhört, gräbt Stück für Stück vergeblicher im eigenen Erinnerungsfundus, um dafür Begriffe zu finden. Das liegt vor allem auch an Louis Philippes Kreuzfahrtbarpianostimme, die sich selbst viel zu ernst zu nehmen scheint und gerade dadurch unterhaltsame Ironie verbreitet. Vor allem aber liegt es an der Fähigkeit, mit großer Leichtigkeit dick aufzutragen.

Louis Philippe & The Night Mail – Thunderclouds (Tapete)