Claus Kleber: heute-journal & Entertainment

Wer langweilt, informiert nicht

Claus Kleber (Foto: Bernd Arnold/journalist) ist Nachrichtenmoderator und Schwiegermuttertraum, Korrespondent und Anchor, gutes und schlechtes Gewissen der deutsche Medienlandschaft schlechthin. Ein Gespräch mit dem 63-jährigen Gesicht des heute-journal über Eye-Candy am Bildschirm, die Tücken der Haltung und warum er sich andauernd nach Feldarbeit sehnt.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Claus Kleber, wenn das Thema auf Ihre Person fällt, ist schnell auch von der Augenfarbe die Rede. Stört es Sie, so auf Äußerlichkeiten reduziert zu werden?

Claus Kleber: wie kommen Sie darauf – hat Ihre Erkenntnis empirische Grundlagen?

Abgesehen von meiner eigenen Mutter, die ständig von Ihren Augen schwärmt, sind es allein 88.000 Google-Treffer, die „Blaue Augen“ plus „Claus Kleber“ ergeben.

Das ist wirklich interessant, weil ich persönlich eigentlich nie darauf angesprochen werde und ehrlich auch meinen Namen nie in Kombination mit anderen Begriffen google.

Sie fühlen sich also nie auf Äußerlichkeiten reduziert?

Nein. Ich erinnere mich allerdings daran, dass mir ein Pharma-Konzern ganz am Anfang meiner Zeit beim heute-journal ein irrsinniges Honorar dafür geboten hat, meine Augen für irgendwelche Tropfen fotografieren zu lassen. Völlig absurd!

Und?

Hab‘ ich nie drauf reagiert. Ansonsten kommt zwar ab und zu mal jemand an und bezeichnet sich mit Verweis auf irgendetwas Optisches an mir als mein größter Fan. Das war’s. Was ich hingegen öfter höre, ist „der Typ mit dem schiefen Gesicht“, was ja nicht nur schmeichelhaft ist. Soll ich mich über die Frage mit den Augen eigentlich freuen, ärgern oder worauf zielt sie ab?

Darauf, wie viel Emotionalität, Entertainment, Eye-Candy seriöse Nachrichten und Magazine im öffentlich-rechtlichen Programm vertragen?

Verglichen damit, wie wichtig Themen, Auswahl, Präsentation und Zuschnitt der Informationen sind, nicht viel. Wenn die Form wichtiger als der Inhalt, ist das alles irrelevant. Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass der Erfolg von Nachrichten mit dem Look zusammenhängt. Ich erinnere mich gut an einige der ganz großen Reporter-Gestalten wie Walter Cronkite, die okay aussahen, aber doch nicht wie Models. Gilt genauso für Friedrich Nowottny, Ernst Dieter Lueg oder Peter Scholl-Latour die gewiss keine Dressmen waren, sondern ihren Appeal aus der Sache zogen. Gehen Sie deutschsprachige Moderatoren doch mal durch.

Nehmen wir Peter Kloeppel.

Zum Beispiel. Wirklich jeder und jede strahlt da Seriosität aus. Dennoch käme ich nie auf die Idee, sie nach Poster-Kriterien zu bewerten. Wichtiger als Verpackung ist das Geschick, dem Publikum die Bedeutung des Inhalts zu vermitteln.

Was sind diesbezüglich Kriterien, dass Nachrichten für glaubwürdig, gar wahrhaftig gehalten werden?

Werden sie das? Ich habe den Eindruck, dass das immer schwieriger wird. Was den Auftritt von Moderatoren angeht, deckt die Kamera Fakes erbarmungslos auf. Wir sind keine Schauspieler. Wenn wir Banalitäten mit künstlicher Empathie oder Begeisterung vermitteln, spürt das Publikum sehr schnell, dass da ein Missverhältnis besteht. Deshalb provoziere ich in unserer Konferenz, die wie vorhin ganz schön kontrovers ablaufen kann, gerne mal den Widerspruch der Redaktion.

Das Kontroverse war allerdings am Rande des Streits.

Weil in einer engagierten Debatte am besten rauskommt, wo der interessante Kern einer Geschichte liegt. Wenn es keinen gibt, schmeißen wir sie raus. Ich hoffe, es hat nichts mit Nabelschau zu tun: Nach meiner Erfahrung ist es ganz gut, danach zu fragen, was wir als Redakteure eigentlich selbst am Abend sehen wollten, wenn wir heute frei hätten. Was mich nicht interessiert, kann ich auch nicht als interessant verkaufen.

Heißt das, Sie haben eine Art Vetorecht?

Das ist nirgendwo geregelt. Es gibt aber so was wie ein unausgesprochenes Vorrecht des Moderators notfalls „nein“ zu sagen. Ich habe noch keinen Beitrag moderiert, den ich nicht senden wollte. Wesentlich schwieriger ist es, etwas unbedingt in der Sendung haben zu wollen. Dafür muss man  ja auch jemanden finden, der oder die den Beitrag macht. Aber auch wenn unsere Konferenzen diskursiv bis streitbar sind – am Ende finden wir immer einen Konsens.

Heißt das sogar, dass redaktioneller Streit zur besseren Sendung führt?

Ja! Wenn alle nur dasitzen und nicken, würde der Job erstens keinen Spaß machen, weil zweitens Langeweile entsteht. Wir fetzen uns gerne und oft. Aber sachlich.

Ist das das Wesen von Journalismus mit Haltung?

Ich habe Schwierigkeiten mit dem Begriff, weil Haltung oft als Feigenblatt für Denkfaulheit dient, das Mittreiben im Mainstream: Trump ist blöd, die Rüstungsindustrie kriminell, Autoindustrie neuerdings auch, die Politik verlogen – wer in diesem bequemen Korridor deftige Formulierungen findet, darf sich einbilden, eine Haltung zu haben, ohne sich mit der Sache wirklich zu befassen.

Zum Beispiel?

Besteht der Diesel-Skandal wirklich nur aus einer Branche, die betrogen hat, und dem CSU-Minister, der das deckt? Nein! Die Geschichte geht tiefer. Um dahin vorzudringen, muss man allerdings tief graben, was sich manche Journalisten durch Haltung ersparen. Wenn ich auf VW oder Herrn Scheuer herumhacke, darf ich mir breiter Zustimmung gewiss sein. Nur, wer  mit tiefergehender Recherche auch mal gegen den Strom schwimmt, riskiert Widerspruch.

Aber war es nicht Ausdruck einer solchen Mainstream-Haltung, im August 2016 Zweifler an der Willkommenskultur mit Nationalisten gleichzusetzen, wofür Sie der Spiegel damals heftig kritisiert hat?

In der Tat. Damit hat der Kollege Fleischhauer einen Punkt gemacht. Der Vergleich war von meiner Seite so zwar nicht gemeint, aber missverständlich formuliert. Die Kritik des Spiegelwar berechtigt. „Touchè“, wie der Fechter sagt. Ich glaube, das habe ich ihm damals auch geschrieben.

Teilen Sie denn die Meinung vieler Beobachter, klassische Medien hätten im Kampf mit den digitalen nur dann eine Überlebenschance, wenn Sie meinungsstark sind?

Nochmal: ich sehe das nur, wenn die meinungsstarke Haltung Ergebnis offener Recherche ist. Natürlich gibt es Themen, die dieser Prüfung nicht mehr bedürfen. Menschenrechte zum Beispiel, damit treibt man keine Scherze. Darüber hinaus aber macht es mir viel Spaß, Gegenpositionen einzunehmen – da kommt vielleicht meine juristische Ausbildung durch. Das macht die Sendung lebendig, damit sehenswert, also konkurrenzfähig.

Was heißt lebendig in diesem Fall?

Als die Berichterstattung nach den mutmaßlichen Mord eines Flüchtlings reflexartig schrieb, um Gottes Willen nicht zu verallgemeinern und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, begrüßte ich mit „Guten Abend. Was wir zu berichten haben, begann mit einem Mord. Ein Mensch ist tot, weil ein anderer ihn umgebracht hat“. Dafür gab es natürlich auch Beifall von der falschen Seite, aber mir war es wichtig, nicht aus Abneigung gegen die „Ausländer-raus-Brüller“ auf Klartext zur ursprünglichen Tat zu verzichten.

Könnte man dieser Anmoderation nicht vorhalten, effekthascherisch zu dramatisieren?

Bei oberflächlicher Betrachtung vielleicht. Einen Schritt weiter gedacht, fällt Wohlmeinenden hoffentlich auf, dass hier Dinge ins Lot gebracht werden. Mit Effekthascherei hatte das nichts zu tun.

Ersetzen wir Effekt durch Entertainment: Wie viel Unterhaltsamkeit vertragen seriöse Nachrichten, ohne an Seriosität zu verlieren?

Wer langweilt, kann nicht informieren. Das macht unterhaltsame Nachrichten aber noch nicht zu Infotainment, sondern verpackt Fakten auf eingängige Art. Trotzdem geht es uns nicht um Unterhaltung, sondern darum Informationen zu gewichten, sortieren, verständlich zu machen. Das macht 80 Prozent unserer Arbeit aus und ist anstrengend. Über den Tag hinweg werden viele Nachrichten ja einfach von Leuten wiedergekäut, die sich keinen Kopf über die Zusammenhänge machen. Die Welt ist zu kompliziert für einfache Lösungen.

Ist die Ansprache abgesehen von der Auswahl seit Ihrem Einstieg im heute-journal vor 16 Jahren dennoch lockerer geworden, weniger staatstragend?

Hab‘ ich nicht das Gefühl. So zu reden, wie die Menschen auch vor den Bildschirmen reden, war ein Gründungsimpuls des heute-journals, aber auch der Tagesthemen, also nicht so verschraubt wie es in den Nachrichten damals üblich war. Weil ich zu Schachtelsätzen neige und meine Wortkaskaden oftmals zu kompliziert sind, muss da permanent an mir arbeiten.

War das 15-minütige heute-journal am Wochenende da womöglich ein gutes Training, schneller auf den Punkt zu kommen als alltags auf doppelter Länge?

Nicht unbedingt, schon weil die Soll-Länge meiner Moderation in der Woche im Schnitt 50 Sekunden beträgt und am Wochenende 40. Der Unterschied ist nicht so grausam.

Zumal die Sendezeit am sonntags künftig so lang ist wie werktags. Warum?

Weil wir das Gefühl hatten, dass wir ausgerechnet am Sonntag, wo man die Dinge mal etwas ruhiger Revue passieren lassen und sortieren kann, am wenigsten „Journal“ waren. Sogar die Hauptnachrichten sind da ja länger. Unser aller Ziel in der Redaktion ist es, aus der Sonntagsausgabe fortan eine besonders abwechslungsreiche, wenn Sie so wollen: interessantere zu machen. Eine, die nicht unbedingt am Tag klebt. Das Geschehen mit mehr Ruhe zuzubereiten, heißt aber nicht, dass es langsamer werden muss. Im Gegenteil.

Ist die Erweiterung auch ein Signal an die Branche, seriöser Information im Getöse von Netz und Populisten mehr Raum zu geben?

Unbedingt, das ist eine Entscheidung – da haben wir’s wieder – gegen den Strom. Und wir belegen, dass das Gerede vom absteigenden Ast, auf dem sich öffentlich-rechtliche Medien angeblich befinden, nicht stimmt. Im Gegenteil. Das heute-journal ist erfolgreich wie seit 25 Jahren nicht mehr. Da ist die Erweiterung ein ermutigendes Signal in die Medienlandschaft. Ich bilde mir nicht ein, dafür verantwortlich zu sein, werbe dafür aber seit meinem ersten Tag beim ZDF.

Ist das dennoch auch als Signal an die Gegner der freien Presse zu verstehen, jetzt erst recht!

Das würde ich bei bislang drei Stunden heute-journal pro Woche angesichts von 15 Minuten mehr nicht überschätzen. Ich freue mich über die zusätzliche Spielfläche an diesem wichtigen Tag, aber wir lassen die Kirche im Dorf. Viel mehr würde ich mir wünschen, dass unsere Ressourcen wachsen, denn wir stoßen hier jeden Tag an die Grenzen des Möglichen. Sie kennen das ja…

Sparzwänge.

Genau. Die ARD hat mit 18.000 Mitarbeitern weit größere Ressourcen als wir mit 3000. Das ZDF durfte ja fünf Jahre de facto niemanden einstellen. Uli Gack, unser Reporter in Kairo, berichtet daher im Moment über vier Kriege einer riesigen Region. Aber bei unvorhergesehenen Ereignissen wie in Chemnitz wünsche ich mir auch hier mehr Personal vor Ort, und zwar nicht nur, wenn’s brennt, sondern auf Dauer.

Das kostet natürlich.

Aber der finanzielle Druck ist nicht heilsam, der personelle schon gar nicht. Ich bin zwar jeden Tag dankbar, dass mir hier niemand in den Nacken atmet und sagt, wir sollen mehr Quote machen. Aber wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es nicht nur mehr Sendezeit, sondern vor allem mehr Reporter.

Sind es demnach harte Zeiten für Journalisten oder im Gegenteil besonders spannende, weil sie sowohl personell als auch inhaltlich besonders gefordert werden?

Eindeutig spannendere. Fordernde sind gute Zeiten. Zumal sich nichts mehr versendet, wie man früher sagte. Weil alles, was wir zeigen, im Netz verfügbar bleibt, ist unsere Arbeit für die Ewigkeit. Das gilt auch im Negativen. Wenn ich Fehler mache, bleibt das viel länger im Gedächtnis als früher. Dass uns ständig Menschen über die Schulter blicken hat die Anspannung erhöht, aber ohne dieses Feedback könnte man vom Studio aus den Eindruck gewinnen, nur für uns zu arbeiten. In Wirklichkeit sind wir für vier Millionen Menschen Tag für Tag womöglich die wichtigste Informationsquelle. Nehmen wir diese Verantwortung nicht im Dienst der Zuschauer wahr, wird  uns das von um die Ohren gehauen. Mit Recht.

Reagieren Sie auf solche Kritik im Zweifel persönlich?

Soweit es mir möglich ist, schon – sofern es in anständigem Tonfall erfolgt, der gerne scharf, aber nicht beleidigend sein darf. Anders verhält es sich, wenn wir mit Dreck beworfen werden, denn das hat nichts mit konstruktiver Kritik zu tun. Darauf reagiere ich nicht. Wobei ich da gewiss nicht das bevorzugte Opfer bin; das betrifft Kolleginnen wie Dunja Hayali wesentlich stärker als mich.

Sie haben annähernd 20 Jahren in den USA gearbeitet.

17, um genau zu sein.

Und dabei vier Präsidenten erlebt.

Angefangen noch bei Ronald Reagan, dann Bush Senior, Clinton, Bush Junior. Und Obama habe ich immerhin bei Wahlsendungen erlebt und später – im NSA-Skandal – interviewt.

Wäre es aus journalistischer Sicht verlockend, im Amerika Donald Trumps zu arbeiten, der den Dreck von höchster Stelle wirft und die Presse regierungsamtlich angreift?

Verlockend ja. Aber Trump ist der erste US-Präsident, den zu interviewen mich nicht interessiert. Weil er im Grunde nur Selbstgespräche führt, kann man ihn ja nur vor sich hin plaudern lassen und erhält dabei die gleichen Antworten, als würde man ihn herausfordern. Im Gegensatz dazu hatte ich bei all seinen Vorgängern wirklich gute Zeiten. Dass es für freie Medien schwieriger, ja unerfreulich geworden ist, in den USA tätig zu sein, liegt allerdings nicht an Trump allein, sondern dem Wandel der gesamten Diskussionskultur. Schon vor der letzten Präsidentschaftswahl bröckelte dieser unausgesprochene Konsens, dass Politiker und Journalisten zwar bisweilen scharf, aber nie feindselig miteinander umgehen.

Das war schon unter Obama der Fall?

Ja, aber nicht mit Obama. Als ich ihm mal die Frage gestellt habe, wieso seine Amtszeit nach der anfänglichen Euphorie zu solch einer Enttäuschung werden konnte, hat er offen und ehrlich geantwortet. Das wäre im Interview mit deutschen Spitzenpolitikern kaum denkbar. Diese Art harten Respekts voreinander habe ich aus den USA mit nach Deutschland genommen.

Was haben Sie beruflich noch von dort mit heimgebracht?

Eine gewisse Gelassenheit. Und die Wertschätzung fürs Reporting, das, was wir Recherche nennen, aber nicht am Schreibtisch erfolgt, sondern am Ort des Geschehens. Ich habe mein Handwerk als Lokalreporter gelernt. Immer noch die beste Schule. Wir alle gehen zu wenig dorthin, wo Geschichte wirklich stattfindet. Das Internet hat alle, auch uns Journalisten, dazu verführt, die Welt vom Computer aus verstehen zu wollen. Als Reporter an Ort und Stelle zu sein, wird – jedenfalls dem Anspruch nach – im amerikanischen Fernsehen weit höher gehalten als im deutschen. Das habe ich mir bewahrt. Und ich merke es auch Kolleginnen und Kollegen an, die ein paar Monate oder länger in den USA sind, dass sie diesbezüglich verändert nach Deutschland zurückkehren. Meist sind sie begeistert.

Sehnen Sie sich manchmal ein wenig nach echter Feldarbeit, wenn Sie die Welt so vom Mainzer Lerchenberg aus betrachten?

Nicht nur manchmal. Deswegen ist es für mich so wichtig, für unsere Dokumentationen raus zu gehen. Aber in den 16 Jahren beim heute-journal konnte ich das so regelmäßig tun, dass ich sogar mehr von der Welt gesehen habe als in den Korrespondentenzeiten zuvor. Die Arbeit daran ist zwar mörderisch, da mir zum Drehen immer nur das Zeitfenster zwischen zwei Moderationswochen bleibt. Sieben Tage bis Sonntag moderieren, Montag früh in den Flieger, Samstag zurück und aufs journal vorbereiten – da arbeitet man schnell mal sieben Wochen ohne freien Tag durch.

Immerhin gelten Sie dafür als bestbezahlter Fernsehjournalist Deutschlands…

Das glaube ich nicht. Das hat irgendwann mal jemand behauptet und seitdem schreibt es jeder vom anderen ab. Ich werde gut bezahlt, aber das ZDF schmeißt kein Geld raus.

Können Sie sich vorstellen, das Studio irgendwann wieder ganz gegen die Welt freiberuflicher Recherche-Reporter zu tauschen, wie es viele ihrer Kollegen von Jens Jessen bis Georg Mascolo getan haben?

Als Korrespondent? Ja! Aber ich fürchte, es bietet mir keiner an. Das ZDF will wohl, dass ich den Job hier noch weitermache. Solange ich außerdem Dokus machen kann, sind alle meine Wünsche erfüllt.

Vor zehn Jahren haben Sie Ihre Festanstellung beim ZDF in Freiberuflichkeit verwandelt, nachdem es zuvor nicht mit der Chefredaktion des Spiegel geklappt hatte.

Was heißt nicht geklappt? Es war zwar ein sehr verlockendes Angebot, aber das vom ZDF war es ebenfalls.

Wenn man das Nachrichtenmagazin jetzt betrachtet: sind Sie angesichts der Affäre um Claas Relotius froh, es heute nicht zu leiten?

Nein. Man denkt schon darüber nach, was sich im Leben geändert hätte, wäre man irgendwo anders abgebogen. Aber ohne jede Wehmut. Jedenfalls werde ich mich hüten, zu behaupten, unter meiner Leitung könnte es einen Fall Relotius nicht geben.

Wie wappnet sich das heute-journal dagegen, Lügen oder auch nur unsauberen Recherchen seiner Mitarbeiter aufzuliegen?

Unsere Sinne sind geschärft. Aber ich kann mir von keinem meiner Kollegen vorstellen, dass er oder sie dazu in der Lage wäre.

So wie es sich niemand von Claas Relotius vorstellen konnte.

Von dem wohl sogar am wenigsten! Wir fragen selbst verlässliche, altgediente Korrespondenten schon mal, ob alles wirklich genauso vorgefallen ist, aber ohne Argwohn. Es geht nicht ohne Vertrauen. In einer tagesaktuellen Sendung wie unserer greifen Kontrollmechanismen aber schon deshalb weniger, weil viele Stücke erst kurz vorm Beginn reinkommen. Das kriegt oft nicht mal die Schlussredaktion zu sehen.

Als die Verhandlungen der Jamaika-Koalition geplatzt sind, ging das heute-journal sogar mal länger live auf Sendung…

Live sind wir immer! Außer, wir können einen Gesprächspartner nicht überreden, zu unserer späten Zeit zu kommen oder es ist ein besonders komplexer Erklär-Raum mit 3D-Elementen. Beim End of Jamaica haben wir gesendet, bis alles im Bett war. Aber es war aus journalistischer Sicht ein großartiger Abend.

Wie groß schätzen Sie als eine der prominentesten Figuren der deutschen Medienlandschaft Ihren Einfluss aufs Metier ein?

Als weit überschätzt. Das habe ich früh gelernt. Als ich noch ARD-Studioleiter in Washington wurde, kam gerade die Affäre Bill Clintons mit Monica Lewinsky hoch. Es gab dazu anfangs fast täglich einen Brennpunkt, und ich hatte Abend für Abend dieselbe Botschaft: Das ist weit mehr als Wühlen im Privaten! Der amerikanische Präsident ist nicht nur der leitende Angestellte eines Landes, wie sich Helmut Schmidt genannt hat, sondern dicht hinter Patriotismus, Dollar und American Dream der integrierende Bestandteil dieser diversen Nation!

Und das heißt?

Wenn er sich mit Dreck besudelt, ist das demnach nicht privat, sondern öffentlich. Und das habe ich durchs denkbar größte Megafon – die Tageschau mit zehn Millionen Zuschauern – in die Republik gerufen. Jeden Tag. Doch dann komme ich zurück nach Deutschland, und was passiert? Alle, wirklich alle sagen mir: Tolle Berichte machst du! Hab ich alles gesehen. Aber die Amis spinnen doch. Dieses irre Rumwühlen in einer Privat-Affäre… Seither weiß ich: Mein Einfluss ist minimal.

Gibt es da kein Gegenbeispiel?

Nö. Wenn ich was über Menschenrechte mache, höre ich schon mal, dass den Zuschauern ein Licht über deren Bedeutung aufgegangen sei. Aber ich habe nie jemanden erlebt, der meinte, ich hätte seine Weltsicht verändert oder auch nur die meiner Branche.

Reicht Ihre Eitelkeit aus, sich das Gegenteil zu wünschen und ihr Metier verändern, also aktiv gestalten zu können?

Das überlasse ich den Politikern, und zwar gern. Ich fühle mich als kritischer Beobachter am besten eingesetzt.

Der Text ist vorab im Medienmagazin journalist erschienen
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Alexa Assange & Beyoncé Kalkofe

Die Gebrauchtwoche

8. – 14. April

Ob du Journalismus hast oder nicht, sagt dir gleich das (Rampen-)Licht. Als würde Michael Schanze noch immer Plopp machen, poppten am vorigen Donnerstag Bekundungen am Bildschirm auf, die wie so oft Frage aufwerfen, wo denn nun die Politik endet und wo Berichterstattung beginnt. Nach der überraschenden Festnahme von Julian Assange zum Beispiel versicherte sein Chefredakteur Kristinn Hrafnsson vor Ecuadors Londoner Botschaft, „it’s journalism“, der den Wikileaks-Gründer 2012 ins politische Asyl getrieben hätte – und das, obwohl die Plattform Nachrichten nicht wie klassische Medien kuratiert, sondern lückenlos raushaut.

Nur wenig später dann kürte die World Press Photo Association ein Pressefoto als bestes der vergangenen zwölf Monate, das ein weinendes Mädchen aus Honduras zeigt, dem Donald Trump gerade an der mexikanischen Grenze die Mutter nimmt. Auch da fragt sich, ob die Jury wirklich John Moores spannend verschatteten Schnappschuss prämiert oder doch die soziokulturelle, Spötter könnten meinen: melodramatische Metaebene? Heulende Kinder gehen schließlich immer, so wie das Leid seit Jahrzehnten die Wahl zum Weltpressefoto ebenso dominiert wie die Arbeit einer wichtigen – aber auch journalistischen? – Plattform wie Wikileaks. An einem eiskalten Apriltag des Jahres 2019 merkte man also aufs Neue, wie schwierig es ist, die Gegenwart in Bilder, geschweige denn Worte zu fassen.

Ob Amazons maximal invasive Sprachassistentin Alexa ein Modulationssystem digitaler Codes ist oder doch bereits Big Sister 4.0 – diese Frage beginnt sich währenddessen Richtung Antwort b) zu klären. Denn wie jetzt bekannt wurde, hören nicht nur Algorithmen mit, wenn wir unseren Alltag sprachorganisieren, sondern Jeff Bezos’ Angestellte, also echte Menschen. China, so zeigt sich, sitzt auch ein bisschen an der amerikanischen Ostküste. Na ja, wenigstens dem abgewrackten Bay Watch-Star David Hasselhoff dürfte Alexa Neugierde egal sein – so lange sie ihm andauernd auf die Nennung seines Namens hin versichert, „David Hasselhoff ist ein Superstar“, wie Boulevardmedien melden, lässt er sich gewiss gern aushorchen.


Die Frischwoche

15. – 21. April

Beyoncé Knowles dagegen dürfte ihren Namen nicht in irgendwas hineinsprechen, um sich ihrer Superstarhaftigkeit zu versichern. Das haben ihr schließlich bereits die Macher des kalifornischen Coachella-Festivals hinlänglich bewiesen, wo sie 2018 der erste farbige Headliner überhaupt war – woraus die geschäftstüchtige Sängerin dann flugs eine Dokumentation gemacht hat. Mittwoch hat Homecoming auf Netflix Premiere und nicht viel mehr Inhalt als Beyoncé beim Beyoncésein, was trotzdem sehenswert ist. Gleiches gilt für eine Doku, in der es um noch mehr nackte Haut geht, als die freizügige Künstlerin sie zu zeigen bereit ist: Ab heute zeigt Sky die – Zufall? – sechsteilige Dokumentation Porn Culture über Sex & Erotik in Film & Fernsehen der vergangenen 70 Jahre.

Um jetzt einfach mal den größtmöglichen Kontrast dazu zu finden, empfehlen wir an dieser Stelle mal Tele 5, das Donnerstag von 22.10 Uhr bis – kein Scherz! – Samstagfrüh um 1.15 Uhr zum 25. Geburtstag Kalkofes Mattscheibe wiederholt, nur unterbrochen von einer großen Primetime-Gala für den Moderator. Wem das dann doch zu viel Gaga-Betankung ist, kann sich Montag um 22.45 Uhr mit einer ernsten ARD-Doku übers Schicksal des deutsch-türkischen Reporters Deniz Yücel versachlichen und das tags drauf beim Arte-Themenabend USA – Rassekrieg und Waffenwahn noch nüchterner werden.

Alternativ kann er auch den dritten Teil der Herr-Lehmann-Reihe am Mittwoch auf gleichem Kanal sehen, wobei Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt zwar ohne Herrn Lehmann, aber mit Charly Hübner stattfindet, was dank Arne Feldhusens Regie  schlichtweg brillant ist. Dessen langjähriger Chefautor Ralf Husmann hat derweil die Bücher zum vierteiligen Rosenkrieg Merz gegen Merz geschrieben, wofür er ab Donnerstag (22.15 Uhr, ZDF) erstmals seit Stromberg mit seiner männlichen Muse Christoph Maria Herbst (und Annette Frier) arbeitet. Mit einem Zauberer als FBI-Ermittler arbeitet indessen die Prime-Serie Deception ab Samstag, nachdem Arte zwei Tage zuvor die HipHop-Abende mit dem Klassiker Boyz n the Hood von 1991 und anschließendem Konzertfilm von Rappern wie Snoop Dogg, Eminem, Dr. Dre oder Ice Cube (2001) fortgesetzt haben wird.

Was wiederum umstandslos zu den Wiederholungen der Woche überleitet, die am Montag mit Ein süßer Fratz (Montag, 20.15 Uhr, Arte) starten, wo Audrey Hepburn 1957 das Tanzbein mit Fred Astaire schwang, gefolgt vom fünf Jahre älteren Schwarzweißtipp Die Wahrheit über unsere Ehe an gleicher Stelle mit Jean Gabin, der einer Giftmörderin zum Opfer fällt und im Sterben sein Leben resümiert. Bleibt noch die Tatort-Empfehlung, diesmal das selige Frankfurt-Team Kunzendorf/Król in Es ist böse von 2012, was am Dienstag um 22 Uhr im BR schwer unter die Haut geht.


Fontaines D.C., Chemical Brothers

Fontaines D.C.

Ob Punk’s so rein popkulturell musikalisch betrachtet wirklich dead is, ist schon längst keine rein quantitative Fragen des physischen Überlebens einer antiquierten Stilrichtung mehr, sondern eine eher eine qualitative der Definition. So unterhaltsam, ausgefuchst und rüde zeitgenössischer Hardcore oftmals sein mag – mit dem Label Punkrock, der ihm oft übergestülpt wird, hat er in der Regel wenig zu tun. Dafür ist er schlichtweg oft zu virtuos. Im Grunde gilt das auch für Fountaines D.C., die fünf Dubliner haben jedoch etwas, das andere nicht haben: Grian Chatten.

Der Sänger und Songwriter des Quintetts aus dem Arbeiterviertel The Liberties legt ein so wunderbar monochromes Nölen übers Debütalbum Dogrel, dass die elf Stücke scheinbar alle gleich klingen – gleich angepisst, gleich gelangweilt, gleich aufmüpfig. Durchs Gitarrengeschredder von Conor Curley und Carlos O’Connell zu Tom Colls geradlinigen Tempodrums wirken die Kommentare auf Gentrifizierung, Katholizismus, Bigotterie und den Versuch, in diesem Meer der Ignoranz zu schwimmen, allerdings wie Schnappatemübungen des Durchhaltevermögens. Endlich ein Punkrock, der diese Bezeichnung verdient.

Fontaines D.C. – Dogrel (Partisan Records)

Hype der Woche

Chemical Brothers

Sie sind noch da, unverwüstlich, unverdrossen energisch, einfach nicht totzukriegen: The Chemical Brothers. Dabei hatte ihr technoider Breakbeat-Hardcore die eurodancesedierte Welt bereits Mitte der Neunziger so brachial tanzbar auf kommende Verwerfungen vorbereitet, dass die Twin Towers scheinbar im Sound der Block Rockin’ Beats eingestürzt sind. Heute nun erscheint ihr neuntes Album, und wie einst auf Exit Planet Dust oder Dig Your Own Hole entfachen Stücke von Gravity Drops bis Mad As Hell bereits im Titel das Feuer früherer Tage. Die Tonlage legt aber doch eher Eve of Destruction fest. Der Opener überzieht den gewohnten Drum’n’Bass mit einem Schmelz von fast housiger Lässigkeit und auch sonst schalten Tom Rowlands und Ed Simons auf No Geography (Universal) zwei Gänge zurück auf Big Beat mit vielfach fast melodischer Tiefenschärfe. Trotzdem bleibt auch das siebte Nummer-1-Album in spe die Antwort der Disco aufs Chaos vor der Clubtür: tanzt die Katastrophe einfach weg! Für ein paar Stunden wirkt das bestens.


G. Rubenbauer: Lebenswerk & Reporterpreis

Das Zumüllen mit Zahlen nervt

Ehrungen fürs Lebenswerk fühlen sich oft nach Ende an. Weil Gerd Rubenbauer (Foto: firo sportphoto/Augenklick) schon zehn Jahre im Ruhestand ist, nahm er den Sportjournalistenpreis zuletzt in Hamburg jedoch gelassen zur Kenntnis. Ein Interview mit dem Münchner Veteranen des Fernsehsport (vorab auf DWDL) über alte Hasen und junge Hüpfer, die Liebe zum Radio und den Hass auf Statistik.

Interview: Jan Freitag

freitagsmedien: Herr Rubenbauer, Sie haben 40 Jahre das Sportgeschehen in aller Welt kommentiert.

Gerd Rubenbauer: Das kommt hin.

Und im Anschluss die vergangenen zehn Jahre zumindest aufmerksam beobachtet.

Eine ziemlich lange Zeit.

Was machen Sportberichterstatter im Fernsehen heute anders als zu Ihrer Zeit?

Ach, es hat früher schon solche und solche gegeben und gibt heute solche und solche. Interessanterweise kann ich meinen Beruf aber jetzt viel besser beurteilen als in meiner aktiven Zeit. Wenn ich vor zehn Jahren über Olympische Spiele berichtet habe, kriegte ich mit viel Mühe ein wenig von anderen Kernsportarten mit, war aber ansonsten auf das fixiert, worüber ich berichte. So gefangen wie damals in meiner Disziplin bin ich heute zum Glück nicht mehr.

Mit welcher Folge?

Alles zu sehen, was öffentlich-rechtlich, privat oder kostenpflichtig gezeigt wird. Ich bin vom eingeengt begeisterten Kommentator zum uneingeschränkt begeisterten Zuschauer geworden. Wenn ich sehe, wie das Produkt Fußball von Sky inszeniert oder wie man in unserer Sprache sagt: verkauft wird, ist das super.

Gilt das für alle Sportarten?

Leider nein. Wer wie Sky Geld verdienen muss, interessiert sich naturgemäß stärker für Fußball, während das olympische Gesamtpaketweiter bei ARD, ZDF und Eurosport landet. Wer wie ich dort hineingeboren wurde, hat sich daher nie nur als Fußballreporter verstanden. Wir waren Sportreporter. Alle. Diese Breite vermisse ich heute manchmal bei den Jüngeren. Was aber noch einen anderen Grund hat.

Welchen?

Die Ausbildung. Aus meiner Sicht sollte jeder Fernsehsportreporter beim Radio begonnen haben, es ist das Nonplusultra. Nichts schult die Augen besser als fürs Hören zu kommentieren. Du musst in Windeseile aus Worten Bilder machen, die alle auch ohne selbst zu sehen verstehen. Deshalb habe ich mich mein Leben lang immer am meisten über die Reaktionen von Blinden gefreut, denen ich das Spiel ohne überflüssige Sprüche, nur dank präziser Beschreibungen nähergebracht habe.

Aber sind am Bildschirm nicht eher Sprüche als Beschreibungen gefragt?

Absolut. Umso mehr stört es mich senderübergreifend, wenn mir als Zuschauer das erklärt wird, was ohnehin zu sehen ist.

Aber genau das tun jüngere Kollegen doch, indem sie das reine Beschreiben von Spielzügen durch Emotionen ersetzen.

Das war zu meiner Zeit nicht anders, ich habe mich auch dank meines süddeutschen Naturells emotional anstecken lassen und wurde für meine Begeisterung nicht selten kritisiert.

Aber es gab doch auch Kommentatoren, die in sonorem Tonfall geschildert haben, wer gerade wem den Ball zuspielt, und wenn ein Tor fiel, klang das wie ein Amtsvermerk.

Da haben Sie Recht, aber nochmals: es gibt und gab solche wie solche. So gesehen hat sich im Grunde nur eins an meinem Beruf grundlegend verändert, und ich beklage das sehr: ein Übermaß an Statistik. Dieses Zumüllen mit Zahlen nervt mich unglaublich, manchmal mitten im Spielzug. Furchtbar!

Ist das auch Geschmackssache?

Nein, das Publikum teilt zu großen Teilen diese Kritik, das weiß ich aus vielen Reaktionen. Fragen Sie mal, wer sich am Tag nach dem Spiel an Statistiken erinnert und wer an Analysen? Ich kenne niemanden, der ersteres im Gedächtnis behält. Interessiert abgesehen von seltenen Ausnahmen halt kein Schwein.

Aber welche Motivation steckt denn aus Ihrer Sicht hinter dieser Zahlenwut?

Vielleicht der Wunsch, als besonders fachkundig zu gelten. Aber das kommt kaum mal rüber. Ich wünsche mir da den Mut, das Live-Erlebnis plastisch zu machen. Ein guter Kommentator muss engagiert, kompetent und emotional sein, aber auch so kritisch, dass er sein Temperament zügelt, sobald es der Wettkampf nicht wert ist.

Dummerweise würde das bedeuten, dass man im Milliardengeschäft Profisport sein teuer bezahltes Produkt schlechtredet…

In der Tat, das ist ein echtes Problem. Ich war früher ja genauso gefährdet, in die eine oder die andere Richtung zu überspannen. Trotzdem denke ich, dass man zwar auch zu euphorisch sein kann, aber zu kritisch, geht den Zuschauern mehr auf die Nerven.

Parteilichkeit ist also erlaubt?

In der Bundesliga auf keinen Fall, und auch bei einem Länderspiel sollte die Bewertung sachlich bleiben. Trotzdem darf und soll man seine Freude über ein gutes Spiel der eigenen Mannschaft zeigen. Wichtig ist, dass die Gratwanderung zwischen eigener Zuneigung und objektiver Einschätzung gelingt.

Ist Ihnen diese Objektivität je komplett flöten gegangen?

Ja, aber es ist dann meist gelungen, mir innerlich auf die Zunge zu beißen. Beim WM-Finale in Italien 1990 habe ich 90 Minuten lang gedacht, wenn die Argentinier, die meist nur durch Fouls aufgefallen sind, jetzt durch irgend so einen Glückstreffer gewinnen, beiß ich mir, pardon, in den Arsch. Aus Angst vor solcher Ungerechtigkeit macht man das Spiel vielleicht hier und da etwas besser, als es tatsächlich ist, das hat es gewiss gegeben. Aber auch als Reporter fiebert man mit, ist doch logisch.

Hören Sie sich manchmal alte Rubenbauer-Kommentare an?

Höchstens zufällig.

Und sagen Sie dann tendenziell, gut gemacht oder um Gottes Willen?

Teils, teils. Wie jeder Mensch, der sich in früherer Vergangenheit sieht. Aber selbst, wenn etwas misslungen war: Der Zuschauer verzeiht dir einiges, sofern du mit Herz, Hirn, Sachverstand dabei warst.

Wie lautet da denn der Ratschlag des alten Hasen an junge Hüpfer, objektive Euphorie nicht in kritikloses Hochjubeln abgleiten zu lassen?

Genau über dieses Abgleiten nicht nachzudenken, also freien Lauf lassen. Je mehr Erfahrung man gerade im Alter hat, desto natürlicher klingt es dann.

Kann man sich nach 50 Jahren intensiver Sportbeschäftigung eigentlich einfach vor den Fernseher setzen und das Ereignis genießen oder beginnt man da automatisch Inszenierung, Technik, Kollegen zu bewerten?

In keiner Weise, denn erstens weiß ich, wie schwer der Job für alle ist, und finde zweitens, dass ihn die meisten wirklich gut machen.

Gibt es jemanden von den jüngeren, den Sie besonders wertschätzen?

Natürlich, etliche. Einige davon habe ich ja selbst als Coach geschult, aber ich werde den Teufel tun, einzelne herauszuheben.

Sie selbst erhalten in ein paar Stunden den Sportjournalistenpreis fürs Lebenswerk. Fühlt man sich da wirklich geehrt oder auch ein wenig beerdigt?

Ich fühle mich durchaus geehrt, aber mein großartiger Kollege Harry Valérien hat mal zu mir gesagt, Bursch, wennst Preise fürs Lebenswerk kriegst, weißt du, jetzt geht’s nimmer lang. Da fragst du dich schon: nutzen sie da nur die Chance, bevor du geistig und körperlich gebrechlich wirst, oder meinen die das ernst? Andererseits ist so ein Preis auch Anlass, diese 40 Jahre in dem Beruf mal Revue passieren zu lassen. Die meisten davon fand ich ja schon faszinierend und viele Momente unvergesslich.

Zum Beispiel?

Ach, da gab es so viele. Als ich den Abfahrer Franz Klammer mal heulend in der Wachshütte getroffen habe oder erlebt, wie aggressiv, aufbrausend, jähzornig Franz Beckenbauer bei seiner ersten WM als Trainer 1986 zu Journalisten war und wie gelassen, umgänglich, nett vier Jahre später beim Sieg in Italien. Das bleibt ebenso haften wie die wunderbaren Winterspiele von Lillehammer 1994, als die Olympische Bewegung zum vielleicht letzten Mal für Sportler, Publikum und Journalisten ganz bei sich selbst war.

Haben Sie Hoffnung, dass sich das nochmals wiederholen kann?

Ich bin da eher skeptisch.


Sturm der Liebe & Schwarzwaldniveau

Die Gebrauchtwoche

1. – 7. April

Wer je bei Galileo miterleben musste, wie ProSieben-Moderator Aiman Abdallah gewissenlose Sauereien wie Billigfernflüge oder Wintererdbeeren als good news gepriesen hat, müsste zwar vorsichtig sein, wenn es gute Nachrichten im leichten Fach gibt, aber diese hier sind echt bemerkenswert: Das ZDF stellt nach 109 Folgen in 14 Jahren Der Kriminalist ein und die Jugendabteilung Neo nach 6.042.924 Folgen in 140 Jahren Inspector Barneby. Das Erste dagegen kippt bedenkenlos den soziokulturell bedeutsamen Dauerbrenner Lindenstraße vom Sender, gibt aber 400 neue Folgen Rote Rosen und Sturm der Liebe in Auftrag, was ungefähr so deprimierend ist wie die Tatsache, dass der Bauer-Verlag ein Rätselmagazin namens PILAWA mit richtig großen Buchstaben herausbringt.

Aber all dies wäre kaum der Rede wert, hätte sich das Massenfernsehen nicht so willenlos der Lächerlichkeit preisgegeben, als es Greta Thunberg zuvor eine Goldene Kamera für Klimaschutz verliehen hat. Klingt nobel. Doch wie die Schülerin der anwesenden Filmbranche auf dem Podium eigenes Versagen vorwarf und dafür aasigen Applaus erntete, wie sie das Ende fossiler Vergeudung auch im Showbiz forderte und später zusehen musste, wie – kein Witz – ein SUV als Goodie verschenkt wurde, wie sich die ganze Veranstaltung somit in zynischem Irrsinn auflöste, das brachte die Verlogenheit der vielfliegenden, designtragenden, ressourcenintensiven Branche gut auf den Punkt.

Vielleicht ist es da doch keine so schlechte Idee, dass Facebook den Platzhirschen mit der angekündigten Eröffnung eines Nachrichtenkanals weiter Dampf macht. Von den Privatsendern ist diesbezüglich weniger zu erwarten; schon, weil die sich lieber mit Streamingportalen messen wollen, wie der neue RTL-Chef Thomas Rabe nach dem angeblich freiwilligen Rückzug von Gruppen-CEO Bert Habets – als erste Amtshandlung verkünden ließ.

Die Frischwoche

8. – 14. April

Ob das was nützt, wenn selbst schwedische Netflix-Eigenproduktionen wie das sechsteilige Amoklauf-Psychogramm Quicksand ganz ohne Nordic Noir-Sterotypen fesseln oder die amerikanische Dramedy Ein besonderes Leben ab Freitag einen schwulen Behinderten jenseits aller Klischees zur Hauptfigur macht? Im ZDF läuft dagegen ein Zweiteiler mit – steht zu befürchten: Reihenpotenzial. Vor lauter Suspense heißt er Schwarzwaldkrimi und schafft es Montag plus Mittwoch, selbst gute Schauspielerinnen wie Jessica Schwarz dank des bescheuerten Drehbuchs auf Seifenoperniveau zu drücken.

Parallel dazu gelingt es Sat1 heute um 20.15 Uhr unverhofft gehaltvoll, die weit weniger begabte Sonja Gerhardt als Staatsanwältin im Justizdrama Ein ganz normaler Tag gegen jugendliche Gewaltkriminalität kämpfen zu lassen. Und wo wir vorhin schon kurz beim Thema Nordic Noir waren: Das schwedische Gesellschaftsdrama Stockholm Requiem spielt am Sonntag (22.15 Uhr, ZDF) im jüdischen Viertel der Hauptstadt und ist nicht nur sehr dicht, sondern unter Lisa Ohlins Regie sehr weiblich inszeniert, ohne von Liebe, Lifestyle, Trallala zu handeln.

Doch was immer die Woche von Ranga Yogeshwars extrem lehrreicher KI-Reportage Der große Umbruch (Montag, 22.45 Uhr, ARD) über Shahak Shapiras achtteilige Stand-up-Premiere Shapira Shapira (Dienstag, 23.15 Uhr, Neo) und Joachim Gaucks Spurensuche 30 Jahre Mauerfall drei Stunden zuvor im ZDF bis hin zum mehrtägigen Arte-Schwerpunkt zur HipHop-Kultur ab Freitag, 21.45 Uhr, mit der US-Doku Rize und N.E.R.D. in Concert prägt: es steht im Schatten von – nein, nicht Mario Barth, der Mittwoch auf RTL diesmal unter anderem Jürgen Vogel und Dieter Nuhr dazu bringt, ihre Seele an den populistischen Brachialkomiker zu verlieren; alles spitzt sich auf Game of Thrones zu, dessen letzte Staffel von Sonntag um drei Uhr an scheibchenweise auf Sky verabreicht wird.

Gegen das Finale der erfolgreichsten Serie von heute verblassen sogar die Wiederholungen der Woche wie die erfolgreichste Serie der Neunziger Bay Watch, deren 243 Folgen ab Mittwoch um 15.55 Uhr mit 350 neuen Songs bei Nitro laufen. Oder Franics Ford Coppolas Director’s Cut von Apocalypse Now Redux, der Freitag um 22 Uhr auf 3sat mit 190 Minuten fast so lang ist wie Harry Potters Stein der Weisen bei Sat1. Wobei davon natürlich fast eine Stunde auf Werbung entfällt. Reklamefrei ist dagegen der Zeuge der Anklage (Montag, 20.15 Uhr, Arte) in Schwarzweiß von 1942 mit Cary Grant als Ex-Sträfling in einer stilbildenden Ménage à Trois mit einem Jura-Professor und der schönen Nora (Jean Arthur). Buchstäblich ohne Unterbrechung läuft natürlich auch der Tatort, in diesem Fall Fall Nr. 999 Borowski und das gefallene Mädchen von 2016 (Freitag, 22 Uhr, ARD), als Axel Milberg noch mit der wunderbaren Sibel Kekilli in Kiel ermittelte.


L’Impératrice, Shana Cleveland, Ratso

L’Impératrice

Wer sich wirklich hingebungsvoll mit Musik beschäftigt, sei es als Fan, sei es als Experte, der träumt ja eigentlich immerzu von diesem einen Moment, in dem ein Debütalbum die allerersten Töne verbreitet und sofort im Herzen andockt, ohne melodramatisch zu sein, und im Hirn, ohne verkopft. Dem französischen Sextett L’Impératrice gelingt genau dies mit dem erstaunlichen Opener von Matahari, einem furiosen Erstlingswerk, das hoffentlich Zweit- bis Xlingswerke nach sich zieht.

Wie Regentropfen plöddert ein repititives Elektro-Geklimper darin über einen Air-artigen Bass, bevor hinterm Vorhang sphärischer Jarre-Avancen Todd Terje aus der Synthie-Disco blinzelt. Und auch die elf Stücke danach sind so hinreißende Avancen an den Frenchpop der frühen Neunziger mit funkigen Siebzigereinsprengseln, dass nicht mal die englischen Übersetzungen von Flore Benguiguis ursprünglich französischem Vanessa-Paradis-Gesang stört. L’Impératrice heißt übrigens Herrscherin. Wir sind bereit zur Unterwerfung!

L’Impératrice – Matahari (microqlima)

Shana Cleveland

Shana Cleveland dagegen will offenbar nichts und niemand beherrschen. Dafür verhallt ihr Gesang viel zu fragil im Wüstensand, den das Solodebüt des Gitarren-Genies aufwirbelt. Wer es nicht weiß, würde demnach kaum ahnen, dass die Kalifornierin nebenbei den rauen Ton der Surfpunkband La Luz angibt. Zwischen psychedelischen Lagerfeuerriffs und einem seltsam verträumten Grundraunen unterm irisierenden Westernsound scheint Shana Cleveland förmlich zu verschwinden.

Tatsächlich aber bleiben die schüchternen, leicht mondsüchtigen Berichte aus dem Innersten ihrer Seele und dem Äußeren der Welt ringsum von so unüberhörbarer Präsenz, dass selbst die vielen grandiosen Gastmusiker auf Night of the Worm Moon wie Will Sprott, Abbey Blackwell und Kristian Garrard scheinbar ergriffen in den Hintergrund treten, während sich im Vordergrund eine neue Welt im gleißenden Licht von Amerikas Süden eröffnet.

Shanna Cleveland – Night of the Worm Moon (Sub Pop)

Ratso

Kann es für den Durchbruch je zu spät sein, sagen wir – knietief im Rentenalter, also jenseits der 66? Wer sich das erstaunlicherweise wirklich allererste Solo-Album des erfahrenen Studiomusikers Larry Sloman anhört, dürfte seinen Jugendwahn diesbezüglich kurz überdenken. Mit stolzen 70 Jahren hat der frühere Kollaborateur großer Legenden von Bob Dylan über Leonard Cohen bis Lou Reed sein eigenes Debüt erstellt und durchaus altersgerecht Stubborn Heart genannt. Eine gewisse Sturheit im Herzen ist schließlich unerlässlich, wenn man sich vom Schaukelstuhl nochmals in den Pop-Zirkus wagt.

Doch was heißt hier Pop?! Weil juvenile Musik für einen Mann dieser Reife gewiss würdelos wäre, hat Ratso, wie er sich nennt, eine Art existenzialistischen Kaffeehaus-Soul entwickelt, der zwar durch und durch nostalgisch ist, aber nie rückwärtsgewandt. Ein bisschen im Stile von Nick Cave, der im wunderbar geschmeidigen Our Lady Of The Night die Vocals beisteuert, erzählt Sloman mit Märchenonkelstimme vom Leben der letzten sieben Jahrzehnte und unterlegt es mit dem reduzierten Großstadtfolk seiner New Yorker Heimat, in der sogar mal die E-Gitarre jault. Nicht modern, aber zeitlos schön.

Ratso – Stubborn Heart (Lucky Number)


Patrick Dempsey: Dr. Shepherd & H. Quebert

Ich bin glücklich, aber hungrig

Obwohl er mehr als zwei Drittel seines Lebens vor Kameras steht, wird Patrick Dempsey (Foto: MGM) auf Dr. Shepherd in Grey’s Anatomy reduziert. Da könnte Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert auf der RTL-Plattform TVNow für Abhilfe sorgen. Ein Gespräch mit dem 53-jährigen Schauspieler aus Maine über Selbstwahrnehmung, Äußerlichkeiten, Achtsamkeit und was er vom Autorennen fürs Leben lernt.

Von Jan Freitag

freitagsmedien: Mr. Dempsey, Sie spielen Ihre Serien-Figur Harry Quebert mit Mitte 30 und Ende 60. Ist das nicht ein etwas großer Zeitsprung für ein und denselben Schauspieler?

Jack Dempsey: (lacht) Es war anfangs auch für mich überraschend, dass Jean-Jacques Annaud dieses Wagnis eingehen wollte. Andererseits macht gerade der Zeitsprung die Wirkung des Charakters aus. Zumal die Leute von der Maske einen sehr guten Job gemacht haben, der für mich zwar ein Experiment war, aber auch eine ganz neue Erfahrung für meine Selbstwahrnehmung. Außerdem ist die Aussicht, mit so einem Regisseur zu drehen, viel zu verlockend, um wegen Äußerlichkeiten abzusagen.

Und es hat sich gelohnt?

Unbedingt! Unter Jean-Jacques muss man praktisch nicht proben. Wurde eine Szene doch mal wiederholt, dann wegen technischer Gründe. Mit ihm zu arbeiten ist gleichermaßen spontan und effizient. Mit so viel Raum zur Improvisation habe ich noch nie gearbeitet. Auch die intensiven Gespräche mit einem Regisseur waren mir neu. Und zwar nicht nur übers Drehbuch, sondern das Leben insgesamt, seine Dynamik, wie wichtig es beim Blick nach vorn ist, auch mal zurückzublicken. Das hat meine Altersspanne seltsam natürlich erscheinen lassen.

Wo Sie mit Anfang 50 exakt in der Mitte beider Charaktere stehen – was war herausfordernder: den älteren oder den jüngeren Harry Quebert zu spielen?

Den jüngeren. Es dauerte zwar viel länger, als mich älter zu machen (lacht), aber ich hatte so mehr Zeit, mich damit auseinanderzusetzen. Außerdem lieb ich es, mich hinterm Makeup zu verstecken. Wohler gefühlt habe ich mich allerdings als älterer Harry, weil sich erst da zeigt, dass er sein Leben lang Geheimnisse mit sich herumträgt. Komplexe Charaktere zu spielen ist anspruchsvoller als nur romantische Figuren. Die waren bei mir zwar auch selten anspruchslos, aber dieser macht schon deshalb mehr Spaß, weil unklar bleibt, ob er Täter oder Opfer ist.

Mögen Sie die Figur unabhängig von der Frage auch persönlich?

Sonst würde ich ihn nicht spielen! Man muss Figuren moralisch verteidigen können, um sie glaubhaft zu machen. Mitgefühl und Sympathie sind da unerlässlich. Aber das fiel mir in diesem Fall auch wirklich leicht. Ich verrate angesichts des enormen Erfolgs, den die Romanvorlage auch in Europa hatte, nicht zu viel, wenn ich sage, dass er bei all seinen Fehlern zu Unrecht beschuldigt wird. Diesen Kampf ums eigene Bild in der Öffentlichkeit kann ich gut nachvollziehen.

Weil auch ihr eigenes Bild umkämpft ist?

Wie meinen Sie das?

Ihr Management bat vorm Gespräch, keine Fragen über Grey’s Anatomy oder Ihre Karriere als Rennfahrer zu stellen. Das klingt, als wäre Ihnen beides unangenehm…

Ach, das meinten die nur, weil es vor allem um die Serie gehen soll. Denn ehrlich: Wie kann ich nicht über Dinge sprechen, die mich so prägen wie Grey’s Anatomy und besonders Autorennen. Teamwork, Vertrauen, dieses Miteinander hat mein gesamtes Leben positiv verändert und mich damit zu einem besseren Vater, Menschen, Mann und Künstler gemacht. Ich hatte lustigerweise grad heute Morgen ein Gespräch mit meiner Frau, in dem klar wurde, wie viel von dem, was ich von meinen Mechanikern lerne, sich aufs alltägliche Leben anwenden lässt. Dafür bin ich ungeheuer dankbar.

Haben Rennfahrer und Schauspieler generell oder nur in Ihrem Fall Schnittstellen?

Weil sich beide mental extrem auf den Punkt konzentrieren müssen, gilt das grundsätzlich. So wie der Schauspieler lernen muss, im öffentlichen Raum privat zu agieren, ist jeder Meter auf der Rennstrecke wie ein Take, den es exakt in diesem einen Moment unter Druck zu bewältigen gilt.

Es geht Ihnen auf dem Asphalt also gar nicht um den Kick der Beschleunigung?

Wichtiger ist mir die Achtsamkeit im Auftrag eines Teams.

Wer Sie so übers Rennen reden hört, könnte meinen, nach fast 40 Jahren als Schauspieler seien Ihnen längst andere Dinge wichtiger.

Schauspielen ist mir immer noch ungemein wichtig, ich lege nur mehr als früher Wert darauf, was genau ich mit wem mache. Auch deshalb wende ich mich zusehends dem Produzieren zu.

Zum Beispiel?

Unter anderem eine Dokumentation über den amerikanischen Rennfahrer Hurley Haywood, die nächste Woche rauskommt. Darüber hinaus genieße ich es aber mit zunehmendem Alter, Zeit mit meiner Familie zu verbringen, und investiere viel davon in meine Krebsstiftung. Je älter ich werde, desto wichtiger ist es mir, nicht nur gesund zu bleiben, sondern multidimensional zu denken.

Bezieht sich das auch darauf, im Schauspiel variabler zu werden, womöglich mehr Komödien oder Bad Guys zu spielen?

Dummerweise hängt das immer stark von den Büchern und Regisseuren ab. Ich suche allerdings mehr als früher Aufgaben, die mich herausfordern. Ich bin zwar glücklich, aber immer noch hungrig.