Daniels Sabber & Dimitrijs Rapper
Posted: February 23, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
16. – 22. Februar
Es gibt angeblich auf jeder Familienfeier diesen unangenehmen Onkel, der rassistische Zoten reißt und fast lieber noch: sexistische. In der ARD scheint das Daniel Weiss zu sein. Als der umgeschulte Eiskunstläufer die winterolympischen Tänze aktiver Kolleginnen kommentierte, dachte er offenbar vor allem an ihre Heiratsfähigkeit. Die Russin Adelija Petrossjan erschien ihm da „jung-fraulich“. Einer Konkurrentin aus Georgien attestierte er, „leider schon vergeben“ zu sein. Überhaupt fiel dem Reporter viel Weiblichkeit an Sportlerinnen auf,
Nun kann man angesichts der 1600 Stunden linearer und digitaler Olympia-Berichterstattung, die angeblich 40 Millionen Bundesbürger:innen erreicht haben, nie alles richtig machen. Wer so viel falsch macht wie der alterssaftige Boomer, benötigt aber dringende Schulungen in Sachen zeitgenössischer Achtsamkeit. Da muss allerdings auch das ZDF noch nachjustieren. Das heute-journal hatte einen Bericht über ICE-Abschiebungen Minderjähriger mit uralten und KI-generierten Bildern illustriert. So was kann sogar passieren.
Das Zaudern aber, mit dem sich die Redaktion entschuldigte und später eine US-Korrespondentin abzog, goss noch mehr Öl ins Feuer rechter ÖRR-Feinde als die – mindestens mal fahrlässige – Manipulation an sich. Julian Reichelts Stürmer 2.0 Nius witterte pflichtschuldig eine „Lügenfabrik“, die der Berliner Zeitung zufolge unseriöser sei als das DDR-Kampforgan Aktuelle Kamera. Und der peinliche FDP-Onkel Wolfgang Kubicki forderte natürlich gleich ganz die Abwicklung des ÖRR.
Dass der privilegienblinde Politgreis ein Social-Media-Verbot für Kinder fordert, ist hingegen nicht überliefert. Dafür lässt sich bei TikTok, Insta, Twitch schlicht zu viel Rendite erwirtschaften. Darüber hinaus aber fällt an der Debatte vor allem eins auf: Betroffene unter 14 werden weit weniger gehört als Beurteilende über 64. Ein bestens Betuchter über 94 rüstet derweil auf: Warren Buffet steigt mit 251 Millionen Dollar bei der NYT ein. Schwer zu sagen, was das für die Pressefreiheit bedeutet; Gutes verheißt kein Kaufrausch der Superreichen und -mächtigen.
Die Frischwoche
23. Februar – 1. März
Ein Glück also, dass Giorgia Meloni anders als ihr Vorvorgänger Silvio Berlusconi immerhin kein Medienimperium besitzt. Ansonsten aber, so zeigt es das zweiteilige Meloni-Porträt Die Macht der Clans ab morgen bei Arte, ist der (post)faschistischen Regierungschefin alles zuzutrauen. Und wozu Menschen fähig sind, wenn zivilisatorische Regeln außer Kraft geraten, lehrt uns seit 1954 William Goldings ja Robinsonade Lord of the Flies.
Morgen gibt es davon die nächste Verfilmung bei Sky/Wow. Vier Teile der BBC, denen Hans Zimmers Soundtrack vermutlich kein Understatement verleiht. Ähnliches gilt für den Piratenfilm The Bluff. Besser: Piratinnenfilm. Denn ab Mittwoch geht es bei Prime Video um eine Freibeuterin (Priyanka Chopra Jonas), die Regisseur Frank E. Flowers aus dem Ruhestand holt. Ebenso bildgewaltig dürfte Kevin Costners nächster Ausflug durch Amerikas Geschichte an gleicher Stelle sein.
In der Historienserie The Grant House, geht es schließlich um den US-Bürgerkrieg. Also den des 19. Jahrhunderts, nicht den anbrechenden von heute. Deutschlands öffentlich-rechtliches Programm dagegen setzt unverdrossen auf die Kripo und schickt gleich drei Beamte online: Heute bereits Fritz Karl im Salzburg-Krimi à la ARD, bevor das ZDF am Freitag Franziska Weisz ans Mordufer am Bodensee schickt und tags drauf einen Garmisch-Krimi mit Lavinia Wilson nachschiebt. Puh.
Dann doch lieber der komplette Aberwitz. Nach Drehbüchern seines großen Bruders Dimitrij hat Alex Schaad die Netflix-Serie Kacken an der Havel inszeniert. Eine Serien-Groteske mit dem sehr realen Rapper Fatoni als surrealer Rapper Toni Fleischer, der in sein Heimatdorf nach Brandenburg zurückkehrt und dort des Provinzwahnsinns fette Beute wird. Ab Donnerstag bei Netflix wird es – versprochen – genauso bescheuert wie der Titel andeutet. Und sehr unterhaltsam.
Dschungelkönig & Oderbruch
Posted: February 16, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
9. – 15. Februar
Gil Ofarim, darüber hat er bei Ich bin ein Star, holt mich hier raus! gute zwei Wochen lang letztgültig Zeugnis abgelegt, ist nicht in erster Linie Rockstar, Promikind und C-Celebrity, geschweige denn Jude. Erhärtet von einem Zeit-Interview mit seinem Verleumdungsopfer Markus W. wird deutlich: Gil Ofarim ist vor allem ein fürchterlich toxisches Mängelexemplar der Gattung Mann mit Cäsarensyndrom und Impulskontrolldefiziten. Das könnte man nun so stehenlassen; Menschen sind Menschen und als solche halt fehlbar.
Weil ihn das Publikum offenbar genau deshalb vor einer Woche zum Dschungelkönig gekürt hat, wird es für RTL nun allerdings unangenehm. Nicht nur, dass er das IBIS-Prinzip der Katharsis als Siegesvoraussetzung ins Gegenteil verkehrte; diverse Zuschauer:innen taten in den Kommentarspalten kund, wegen dieser Sittenverrohung ihr Plus-Abo zu kündigen. Damit täten sie einer Reihe wirklich gelungener Serien zwar Unrecht, aber irgendwie ist es auch nachvollziehbar.
Zumindest bis zum nächsten Superbowl, den RTL 2027 wohl wieder übertragen darf. Was der uns dieses Jahr für Diskussionsmaterial beschert hat – toll! Und zugeschaut hat offenbar, wenngleich eher nicht beim deutschen Streamingdienst, auch Donald Trump. Sonst hätte er die Halbzeitshow mit Bad Bunny im Kreis von 700 Statist:innen kaum als die „schlechteste der Geschichte“ beurteilt.
Was sonst noch passiert ist? In einem Opt-Out-Modell hat sich die Bundesregierung zur lang diskutierten Investitionsverpflichtung durchgerungen. Danach müssen Sender und Streamer künftig mindestens acht Prozent ihrer in Deutschland erzielten Umsätze reinvestieren – auch, wenn sich die Unternehmenszentrale nicht hier befindet. Und weniger positiv: der Verleger Jimmy Lai wurde in Hongkong zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er seine Aufgaben erledigt hat.
Die Frischwoche
16. – 22. Februar
Dafür sorgen diese Woche gleich vier bemerkenswerte Serien für Aufmerksamkeit. Bei Prime Video startet am Dienstag der achtteilige Erotikthriller 56 Days. Und wer dabei an den Netflix-Softporno Fall for Me oder ähnlich lächerliche Saftpressen denkt – keine Angst. Lisa Zwerings und Karin Ushers Vexierspiel um ein Liebespaar, deren Vergangenheiten ineinander geraten, ist ziemlich fesselnd. Das dauernde Matratzengerangel jedenfalls wirkt dabei eher nebensächlich.
In der ersten deutschen HBO-Serie Banksters darf man sich ab Freitag auf den großartigen Eren M. Güvencin freuen, der nach Druck und Euphorie diesmal nicht die eigene Generation verkörpert, sondern einen Millennial, der sich in einer Reihe Banküberfälle verheddert, seine Komplizen preisgeben soll. Und dagegen wehr er sich nach Bernd Langes Drehbüchern sehr unterhaltsam. Gewürzt obendrein mit einer Spur Sozialkritik am Alltagsrassismus der frühen Nullerjahre.
Fortgesetzt wird zeitgleich die sensationell erfolgreiche Horror-Serie Oderbruch von 2024 im Ersten, bei der man endlich nicht mehr mit dem Spoiler hinterm Berg halten muss, dass die Hauptfiguren mehrheitlich Vampire sind. Interessanterweise aber solche, die wie Karoline Schuch ihr eigenes Geschlecht vernichten wollen, um Schaden von der Menschheit abzuwenden. Blutrünstig wie in der ersten Staffel, allerdings mit etwa weniger Suspense.
Und dann wird ebenfalls am Freitag die Apple-Serie Beschütze sie! mit dem GoT-Star Nicolaj Coster-Waldau als verschollener Ehemann von Jennifer Garner fortgesetzt, die sich fünf Jahre nach den Ereignissen der ersten Staffel ein neues Leben an der Seite ihrer Tochter aufgebaut hat – das natürlich jetzt kollabieren muss.
Bezos’ Post & Artes Sins
Posted: February 9, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
2. – 8. Februar
Von all den Ereignissen, die das frühere Land der Freiheit gerade schnurstracks Richtung Faschismus treiben, könnte eines irgendwann mal als besonders schicksalhaft gelten: Jeff Bezos‘ Entscheidung, die Washington Post zu zerstören. Mehr als ein Drittel der 800 Angestellten, unzählige davon im redaktionellen Betrieb, wurden Ende voriger Woche entlassen – woraufhin am Samstag auch Geschäftsführer Will Lewis das frühere Flaggschiff der Demokratie verließ.
Ob der Amazon-Chef einfach ein Feigling ist oder doch ein Faschist, wird die Zukunft vermutlich schneller klären, als uns allen lieb ist. Aber nachdem er die Wahlempfehlung für Kamala Harris untersagt hatte und dann Kommentare gegen die liberale Marktwirtschaft, liegt letzteres ein bisschen näher. Und damit eine Gleichschaltung, der Donald Trump das nächste Mosaiksteinchen hinzufügte. Nach einem völlig unspezifischen Witz über Epsteins Insel bei der Grammy-Verleihung, verklagt der US-Präsident Trevor Noah auf Schadenersatz.
Dass er so die Paramount Skydance Corporation trifft, muss da übrigens kein Widerspruch sein; deren Geschäftsführer David Ellison könnte es mit einer Milliardenklage im Nacken leichter fallen, missliebige Komiker wie Noah mundtot zu machen. Das öffnet dann wiederum den Aufmerksamkeitskorridor für Belanglosigkeiten à la Melania. Während wirklich niemand links der Rechtsextremen ein gutes Wort darüber verliert, kriegt sie nun unerwartetes Lob aus Deutschland.
Die Welt hat das PR-Porträt eines mutmaßlichen #MeToo-Täters nicht nur vergleichsweise positiv besprochen; das Springer-Blatt verunglimpft jede Kritik daran auch als politisch (also links-grün-woke) motiviert und zieht damit ideologisch langsam an rechtsextremen AfD-Fanzines von Nius bis Junge Freiheit vorbei. Wem das hier alles zu dystopisch ist: Gute Nachrichten gab es in den vergangen acht Tagen leider keine.
Die Frischwoche
9. – 15. Februar
Aber immerhin: das Streamingprogramm hat zwei positive Kleinigkeiten zu bieten. Und nein, damit ist weder explizit das Dschungelcamp gemeint, dessen Finale der am Ende doch noch überraschend redselige Gil Ofarim gewonnen hat, noch die Olympischen Winterspiele, deren Atmosphäre im Angesicht ihres demokratischen Austragungsort angemessen angenehm ausfällt bislang.
Auf arte.tv startet am Donnerstag die wirklich sehenswerte Thriller-Serie All the Sins. Unweit des finnischen Polarkreises suchen der hüftsteife Kommissar Lauri und seine lebenslustige Kollegin Sanna einen Ritualmörder. Das klingt zwar nach der üblichen Krimisoße; die Showrunner Mika Ronkainen und Merja Aakko machen daraus allerdings eine Milieustudie im evangelikalen Umfeld, der man auch die nächsten, zeitgleich verabreichten zwei Staffeln gerne abkauft.
Gleiches gilt für die großartige FX-Reihe Love Story, einer Anthology-Fiktionalisierung berühmter Liebesgeschichten, deren erste Staffel am Freitag bei Disney+ von John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette handelt. Mit Paul Anthony Kelly und Sarah Pidgeon als New Yorks lukrativstes Glamour-Paar der Neunzigerjahre, macht Showrunner Ryan Murphy Elizabeth Bellers Novelle Once Upon a Time aber nicht nur zu einer bewegenden Affäre im Lichte ihrer Zeit.
Neunmal 50 Minuten lang erklärt sie auch passgenau, wie der analoge Boulevard ein paar Jahre vor Lady Dianas Tod bereits mit Vollgas auf den digitalen Pfad der Aufmerksamkeitsindustrie zusteuerte. Wie die Paparazzi hier gleichermaßen Täter und Opfer eines Systems informationeller Ausbeutung werden – das ist sogar noch stärker inszeniert als das weibliche Empowerment der Hauptfigur.
Jochen Breyer: Diktaturen & Winterspiele
Posted: February 7, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentDirektiven gibt es nicht
Jochen Breyer (Foto: ZDF/Nadine Rupp) berichtet schon fast die Hälfte seiner 43 Jahre von großen Sportevents – nicht wenige davon in Diktaturen. Ein Gespräch über die demokratischen Winterspiele von Mailand, was ihn dabei zu Tränen rühren könne und sein Bauchweh als junger Sportfan.
Von Jan Freitag
Herr Breyer, während Sie bereits mehrere Fußballwelt- und Europameisterschaften moderiert haben, sind Ihre Erfahrungen mit Olympischen Spielen noch geringer, oder?
Jochen Breyer: Als Moderator sind die Spiele in Mailand und Cortina nach Paris erst meine zweiten, ja. Als Reporter durfte ich aber zuvor schon einige erleben, von Vancouver 2010 bis Tokio 2021.
Während die Weltmeisterschaften zuletzt in Diktaturen wie Russland und Katar stattfanden, beschränkt sich ihre olympische Erfahrung damit bislang auf Demokratien.
Nicht ganz, ich war 2008 bereits in Peking dabei. Wenn Sie meine olympische Erfahrung als Moderator meinen, haben Sie aber natürlich Recht.
Macht das politische System, in dem solche Sportevents stattfinden, bei der Vorbereitung einen Unterschied?
Auf jeden Fall. Sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele sind immer auch politisch, sodass ich mich nicht nur darauf vorbereite, was mich sportlich erwartet, sondern auch, was die politischen Rahmenbedingungen angeht. Wie beispielsweise bei der Fußball-WM in Russland 2018 oder Katar 2022. Auch in Paris und Mailand gibt es natürlich Themen abseits des Sports, aber nicht in dem Ausmaß. Und das empfinde ich ehrlich gesagt als wohltuend.
Weil Sie einfach Ihre Arbeit als Sportjournalist machen können?
Nein, weil der Sport im Vordergrund stehen kann und damit die Athletinnen und Athleten. Die Bühne Olympia sollte ihnen gehören, nicht den politisch Handelnden. Sie haben vier Jahre auf diesen Moment hintrainiert, stehen jetzt endlich im Rampenlicht, sie haben jede Aufmerksamkeit verdient.
Ist das Ihre Dienstleistung am Sport?
Bitte nicht falsch verstehen, natürlich schauen wir als Journalisten auch über den sportlichen Tellerrand hinaus und besonders bei Doping oder Korruption sehr genau hin. Aber das Tolle an Olympia sind für mich die menschlichen Geschichten. Sportlerinnen und Sportler, die sich ihre Träume erfüllen, die uns mit Ihren Leistungen faszinieren, die uns teilweise sogar zu Tränen rühren.
Sie auch?
Mich auch. Bei Olympa gehen mir viele Momente unter die Haut. Überraschungserfolge oder dramatische Niederlagen. In Paris zum Beispiel die Goldmedaille des besten deutschen Ruderers Oliver Zeidler. Vier Jahre zuvor in Tokio war er auf tragische Art gescheitert und als großer Favorit im Halbfinale ausgeschieden. Er hatte gar überlegt aufzuhören, weil ihn diese Niederlagen fast gebrochen hätte. Doch er ist wieder aufgestanden, hat nochmals vier Jahre alles reingehauen – und in Paris endlich Gold geholt. Das hat mich emotional sehr gepackt. Diesen Zauber von Olympia meinte ich.
Dann entzaubern wir die anstehenden Winterspiele doch mal ein wenig. Waren Sie unlängst an den Wettkampfstätten von Turin 2006?
Nein.
20 Jahre später ist das Gelände voll weißer Elefanten, also Bauwerken, die seither nutzlos in der Gegend verrotten.
Ich habe die Doku von Felix Neureuther darüber gesehen. Das ist schon deshalb wirklich bitter, weil sich das IOC ja auf die Fahnen geschrieben hat, viel strenger auf Nachhaltigkeit zu achten als damals. Das gelingt sicher partiell. Doch auch für die aktuellen Spiele wurde zum Beispiel ein neuer teurer Eiskanal gebaut, obwohl das nicht notwendig gewesen wäre.
Von den Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro fließen außerdem drei Viertel in den Straßenverkehr, und zwar teilweise erst nach den Spielen. Haben Sie analog zu ihrer Reportage Geheimsache Katar vor vier Jahren schon Geheimsache Mailand im Kasten?
(lacht) Nein, habe ich nicht, aber das Thema Nachhaltigkeit wird ganz sicher bei uns in den Olympia-Sendungen zur Sprache kommen.
Gibt es Direktiven seitens der Sender, in ihrem Fall des ZDF, ein bestimmtes Level sportferner Berichterstattung weder zu über- noch zu unterschreiten?
Nein, Direktiven gibt es nicht. Letztlich reagieren wir als Berichterstatter ja auf das, was passiert. Sollte es einen großen Dopingfall geben, müssen und werden wir darüber natürlich intensiv reden. Es wird aber nicht so sein, dass wir krampfhaft sportferne Themen suchen, die wir zwischen dem ersten und zweiten Slalom-Durchgang noch schnell einweben können. Der Sport steht im Vordergrund.
Nimmt diese Moderation angesichts der wachsenden Zahl großer Sportveranstaltungen in Autokratien und Diktaturen automatisch an Bedeutung zu?
Das ist schon seit einiger Zeit so, denken Sie an die Winterspiele in Sotschi 2014, als der gigantische russische Dopingskandal erst durch ARD-Recherchen publik geworden ist.
Namentlich Hajo Seppelt.
Genau. Oder Peking 2008, meine ersten Spiele als junger Reporter. Da haben wir auch viel über die Unterdrückung Tibets durch China berichtet.
Besonders in Ihrer Brust schlagen zwei Herzen, nachdem sie vor zehn Jahren erstmals auch sportferne Reportagen gedreht haben. Wer darf da im Stockbett oben schlafen: der gesellschaftspolitische Journalist Jochen Breyer oder der wintersportliche?
Es ist kein Stockbett, sondern ein Doppelbett, und die beiden liegen schön nebeneinander. Ich interessiere mich sehr für tiefgründige Recherchen relevanter politischer Themen, bin aber genauso gerne einfach Sportfan, der die sportlichen Höchstleistungen bewundert, ohne immer einen Haken daran zu suchen.
War es ein Hauptgrund für Sie, in den Sportjournalismus zu gehen, weil man einer idealerweise objektiven, aber parteiisch-emotionalen Distanzlosigkeit dort freien Lauf lassen darf, ja mitunter muss?
Nein, der Hauptgrund war, dass ich schon sehr früh quasi zum Sportfan erzogen wurde. Ich habe mit meinem Vater, der selbst aktiver Sportler war und ist, ganze Wochenenden Wintersport geschaut. Und jeden Samstag das aktuelle sportstudio“. Während der Olympischen Spiele hätte ich gern zwei Wochen Schule geschwänzt, so wichtig war es mir, nichts zu verpassen.
Hätten oder haben?
(lacht) Kann schon sein, dass ich zufälligerweise während der zwei Wochen öfter mal Bauchweh hatte und nicht gehen konnte.
Worauf freuen Sie sich in Mailand und Cortina als Erwachsener am meisten?
Da die Spiele sehr dezentral stattfinden, in Cortina, Mailand, Antholz und ein paar weiteren Orten, haben wir uns dafür entschieden, unser Studio in Mainz aufzuschlagen. Am meisten freue ich mich dort auf die Schalten zu den Sportlerinnen und Sportlern, die den olympischen Geist zu uns transportieren werden.
Und welche Sportarten?
Da kann ich mich gar nicht entscheiden. Eishockey wird ganz besonders toll, weil die NHL-Cracks dabei sind. Biathlon ist schon immer eine meiner Lieblingssportarten. Aber genauso gerne schaue ich, kein Witz, Curling. Das wird ja gerne mal belächelt, aber ich kann jedem nur empfehlen, sich darauf mal einzulassen, Curling wird sehr unterschätzt.
Ofarims Schweigen & Pastewkas Rätseln
Posted: February 2, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
26. Januar – 1. Februar
Reden, so heißt es, sei Silber und Schweigen Gold. Nun hat Donald Trumos erratische Zollpolitik zuletzt zwar den Preis beider Edelmetalle emporgetrieben, aber wenn letzteres irgendwo bestenfalls Blech wert ist, dann im Dschungelcamp. Dass der Starcamper Gil Ofarim trotz sechsstelliger Einzugsprämie beharrlich über den Grund seiner Verpflichtung in einem Leipziger Hotel schweigt, statt es am Lagerfeuer breitzutreten, ist für RTL demnach geradezu rufschädigend.
Reden wir also über Stefan Raab, dessen sinnlose IBIS After Hour ohnehin schon einer Bewerbung fürs Madenmenü 2027 gleicht. Wenn er dem wortkargen Ofarim dort ein „Betrüger-Gen“ attestiert, das auch dessen Onkel Samuel habe, käut die Redaktion so offensichtlich antisemitische Stereotypen gegen jüdische Menschen wieder, dass ein Zufall schlicht auszuschließen ist. Das dürfte RTL allerdings herzlich egal sein, solange die Quoten stimmen.
Eher jedenfalls als die Besuchszahlen von Amazons Lobhudelei von Melania Trump. Die Premiere des liebedienerischen Gefälligkeitsporträts vom #MeToo-Täter Brett Ratner haben vielerorts nur eine Handvoll zahlender Gäste besucht. Dafür wollten offenbar zwei Drittel der Crew nicht in den Credits auftauchen. Mit Elon Musks X dagegen möchte eigentlich niemand mehr namentlich in Verbindung stehen.
Daran ändern 120 Millionen Euro Bußgeld der EU-Kommission wegen fortgesetzter Transparenzdefizite eher wenig, während eine US-Bürgerin aus Kalifornien gerade die Konkurrenz von Meta über Google bis TikTok verklagt, deren Portale und Messenger hätten sie süchtig gemacht. Ein Grund mehr, warum Frankreich Social Media gerade für Jugendliche verbietet. Und damit zur vermasselten Pointe des Wochenendes.
Der Komiker Maximilian Schafroth hat im Auftrag des NDR-Satiremagazins extra3 eine US-Flagge auf Grönland gehisst. Wo da der Witz ist, bleibt da ihr Geheimnis. Zumal es wirklich lustiger, vor allem jedoch couragierter gewesen wäre, Grönlands Fahne vorm Weißen Haus zu hissen. Noch mutloser ist da eigentlich nur die Reaktion der ARD, sich vorauseilend zu entschuldigen.
Die Frischwoche
2. – 8. Februar
Das sind gleich zwei merkwürdige Pointen eines vergeigten Gags – damit aber drei mehr als Amazon Primes missratene Crime-Mystery-Ulk Fabian und Die mörderische Hochzeit hat. Geplant als deutsche Variante einer Leiche zum Dessert, kopiert sich Bastian Pastewka darin ab Freitag knappe zwei Stunden lang selbst, ersetzt wie sein gesamtes Ensemble also Scherze durch Grimassen. Und das ist sogar noch geistloser als der Neo Social Club.
Die ziemlich erfolgreiche Standup-Newcomerin Laura Larssen lädt pro Ausgabe drei socialmedia-affine Gäste zu einer Art Lass dich überwachen in eigener Sache ein. Fragt sich nur, wer das ab Mittwoch in der ZDF-Mediathek sehen oder gar unterhaltsam genug für acht Folgen finden soll? Da hat die Netflix-Serie Unfamiliar deutlich mehr zu bieten. Allen voran: Susanne Wolff und Felix Kramer als untergetauchte BND-Agent:innen, die ein Spionage-Fall tief in ihre Vergangenheit führt.
Das ist zwar mitunter vorurteilsbeladen, aber ziemlich virtuos inszeniert, durchaus fesselnd – und zumindest darin mit der Seriensensation dieser Tage vergleichbar: Heated Rivalry. Daheim in Kanada sorgt das Drama um schwule Eishockeyspieler seit Tagen für Furore. Hier startet es Freitag bei HBO Max. Was sonst noch passiert? Bei Neo beginnt Dienstag die sehr interessante norwegische Influencerinnen-Saga Requiem for Selina.
ARD und ZDF übertragen ab Freitag die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina. Sonntag geht – aller Voraussicht nach zwar mit Stefan Raab, aber nicht Gil Ofarim – Ich bin ein Star – holt mich hier raus! ins Staffelfinale. Und bei Audible startet Donnerstag der geschlechterpsychologische Laberpodcast Bin ich jetzt das Problem mit Anika Decker und Miriam Junge.
Wolfgang Bahro: GZSZ & Potsdam-Krimie
Posted: January 30, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentIch wollte mich wirklich von Jo Gerner lösen
Wolfgang Bahro, seit 32 Jahren der Bösewicht von GZSZ, wechselt die Seiten und ermittelt nun im Potsdam-Krimi: Haveltod von RTL. Der 65-jährige Schauspieler und Kabarettist aus Berlin über Befreiungsschläge, Vorbilder und warum er als Profiler kein Oberhemd tragen wollte.
Von Jan Freitag
Herr Bahro, dass Sie in einem Interview über etwas anderes als GZSZ auch auf Dr. Jo Gerner angesprochen werden, kennen Sie sicher bereits.
Wolfgang Bahro: Daran bin ich gewöhnt, ja.
Sie selbst haben die Messlatte diesbezüglich mit Ihrem Buch Immer wieder Gerner – Mein Leben als Bösewicht der Nation aber auch selber hochgelegt. Wer hatte da die Idee zum Rollenwechsel als Fallanalytiker Armin Weber – RTL oder Sie?
Also ich war es nicht. Aber nachdem Nico Hofmann den Vorstandsvorsitz der Ufa an Sascha Schwingel übergeben hatte, wollte der die Menschen seiner Produktionen mal kennenlernen und hat sich auch mit mir getroffen. Das fand ich sehr nett. Besonders, als er mich fragte, was ich mir für meine Zukunft bei der Ufa wünschen würde. Da meinte ich, dass sie über Dailys wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten hinaus auch Formate wie Charité oder Faking Hitler macht und ich gerne mal Spielfilme oder Reihen drehen würde.
Und seine Antwort?
War, dass er genau diese Frage an mich im Kopf gehabt hatte. Ob es schon konkretere Ideen für den Potsdam-Krimi gab, weiß ich nicht. Aber bald darauf ging das Projekt in die Planung. Und hier bin ich als Profiler. Schließlich bin ich Schauspieler geworden, um möglichst viele verschiedene Charaktere verkörpern zu können. Im Theater gelingt mir das auch relativ häufig. Besonders mein Freund Dieter Hallervorden tritt da regelmäßig mit Ideen auf mich zu.
Zum Beispiel?
An schönsten war, bei ihm das Leben von Charles Spencer Chaplin, kurz Charly, spielen zu dürfen. Im Fernsehen sind solche Angebote eher selten. Deshalb habe ich auch sofort zugesagt, als man mir Armin Weber angeboten hat.
Haben Sie das als Befreiungsschlag empfunden?
Als verspäteten, ja. Denn zunächst mal sollte sich Weber exakt so kleiden wie Jo Gerner.
Also Zwei- oder Dreiteiler.
Sowohl als auch. Jedenfalls immer so businessmäßig. Deshalb habe ich hart um den Mittelweg gekämpft, dass er wenigstens T-Shirt unterm Jackett trägt. Ich wollte mich wirklich von Jo Gerner lösen. Äußerlich und innerlich.
Und wie fühlt es sich jetzt an, auf der anderen Seite des Gesetzes zu stehen?
Na ja, Gerner ist ja auch kein Krimineller, geschweige denn Verbrecher.
Zum 25. GZSZ-Geburtstag hatte mal jemand durchschnittlich eine Straftat in 132 Folgen ausfindig gemacht, für die er insgesamt fast 200 Jahre Knast gekriegt hätte.
Meistens aber hat er als Rechtsanwalt doch eher Gesetzeslücken ausgenutzt, um daraus seinen Vorteil zu wahren. Ich würde ihn deshalb trotz meines eigenen Buchtitels eher Antagonist als Bösewicht nennen.
Was er definitiv ist: Ein berechnender Typ, während Weber eher analytisch tickt. Welcher von beiden kommt Ihnen als Mensch näher?
Ich schöpfe emotional oder intellektuell natürlich bei beiden gelegentlich aus mir selber, um sie darzustellen. Aber am Ende bleiben es Abstraktionen. Ich bin meine Rollen also nicht, ich spiele sie nur. Wenn ich allerdings mit einem von ihnen befreundet sein könnte, wäre es der emotionalere Armin Weber. Auch Jo Gerner zeigt zwar durchaus mal Empathie, aber eher mit denen, die ihm nahestehen, vor allem seiner Familie. Trotzdem hätte ich mit ihm lieber dann zu tun, wenn es um juristische Fragen oder Geschäftsinteressen ginge. Essen ginge ich lieber mit Weber.
Ist Blut auch bei Ihnen dicker als Wasser?
Definitiv. Familie steht bei mir über allem.
Würden Sie da auch mit ihrem Sohn zusammenarbeiten, wie Armin Weber es in Haveltod tut?
Anders als ich es mir anfangs gewünscht hätte, ist er ja nicht Schauspieler geworden (lacht). Andernfalls hätte ich liebend gern an seiner Seite gespielt.
Woran liegt es denn aus Ihrer Sicht, dass er damit tendenziell an der Seite eines Antagonisten stünde – sind deutsche Fernsehschubladen besonders tief?
Da ich international keine Erfahrung habe, kann ich das persönlich schlecht vergleichen. Ich glaube aber schon, dass die Schubladentiefe ein sehr deutsches Problem ist. Wann immer ich mit Kollegen spreche, wird mir versichert, wer mehrfach Ärzte spielt, spielt weiterhin Ärzte. Kurz vor GZSZ zum Beispiel habe ich im ZDF-Sechsteiler Durchreise zur Geschichte einer jüdischen Modefirma von 1931 bis 1991 den schwulen Designer gespielt. Und jetzt raten Sie mal, was mir danach ständig angeboten wurde.
Ich ahne es. Haben Sie es da als Fortschritt empfunden, Jo Gerner spielen zu können? Immerhin gelten Typen wie er verglichen mit sympathischen als spannendere Figuren…
Absolut. Die Facetten von Antagonisten sind einfach vielfältiger; deshalb spiele ich Jo Gerner auch schon so lange so gerne. Er ist wie ein Blumenstrauß, in dem bei allem Anmut auch ein paar stachlige und stinkende Pflanzen sind.
Sie beide werden dieses Jahr 66 – hierzulande dank Udo Jürgens fast schon ein mystisches Alter. Fängt Ihr Leben auch gerade an?
Es gewinnt auf jeden Fall gerade ganz neue Facetten hinzu. Zu Ende geht es jedenfalls noch lange nicht. Mein großes Vorbild ist diesbezüglich Dieter Hallervorden, bei dem mit 90 noch nicht mal daran zu denken ist, aufzuhören. Als wir kürzlich bei Roncalli waren, hat er mir schon wieder von neuen Projekten erzählt. Und mit meiner Freundin Brigitte Grothum…
Die kaum jünger als Dieter Hallervorden sein dürfte.
… mache ich gerade Live-Hörspiele nach alten Edgar-Wallace-Filmen. Wie fit die ist – super! In diesem noch so aktiv zu sein, ist auch mein Ziel.
Drehen Sie vorerst noch mehr Potsdam-Krimis? RTL hat das ja als Reihe angekündigt.
Bislang gibt es nur den einen, alles weitere wird sein Erfolg zeigen. Ich würde aber noch gern viele andere Sachen machen.
Wie wäre es für Sie als ausgewiesener Star Trek-Fan mit Science-Fiction?
Natürlich würde ich auch da mitspielen. Ich hatte vor einigen Jahren sogar schon mal an einer Next Generation von Raumpatrouille Orion geschrieben, aber leider war das Interesse an einer solchen Serie in der deutschen Medienlandschaft nicht so groß. Wichtiger wäre mir aber auch, wie am Theater auch im Fernsehen öfter meine komödiantische Seite zeigen zu dürfen. In meinem Bühnenprogramm Berliner Zeitensprünge gehe ich zum Beispiel gerade durch 100 Jahre Humor meiner Heimatstadt seit 1912 und mache mich darin auch über die Politiker verschiedener Epochen lustig.
Fast Kabarett also.
Mit Referenzen an große Vorgänger wie Wolfgang Neuß oder Werner Finck. Sowas würde ich wahnsinnig gerne mal am Bildschirm präsentieren. Aber wie gesagt – bis ich so alt wie Dieter Hallervorden bin, habe ich ja noch ein paar Jahre. Ich bin guter Dinge.
GoT: A Knight of the Seven Kingdoms
Posted: January 28, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 3 mittwochsporträt | Leave a commentRutsch ins Ritterbiz
A Knight of the Seven Kingdoms, nach House of the Dragon das zweite Prequel des Game of Thrones, macht vieles anders als im Original und dabei viel richtig. Neben zwei außergewöhnlichen Hauptfiguren ist das vor allem sein Humor. Und ein erfrischender Mangel an Heldentum.
Von Jan Freitag
Und dann wallt sie auf, die Titelmelodie, eher schon ein Choral: Ramin Djawadis Soundtrack, der Game of Thrones zur Serienlegende machen half. Nur wenige Minuten ist das zweite Prequel nach House of the Dragon dabei, die Vorgeschichte der Drachensaga zu erkunden, als sich das weltberühmte Cello durchs Fantasy-Szenario von A Knight of the Seven Kingdoms wühlt – und dann? Bricht es abrupt ab. Denn Ser Duncan muss erstmal, pardon: scheißen. Sittsamere Umschreibungen wie „auf Klo“ wären angesichts der unverblümten Art, wie sich der Ritter unter einem Baum erleichtert, einfach unangemessen.
Soweit also alles ähnlich explizit wie im Original der Showrunner David Benioff und D. B. Weiss. Nie zuvor und nur selten danach ging es in einer Blockbuster-Serie vulgärer zu. Getötet, gelitten, gehurt, gestorben, gefoltert, gedemütigt, geschändet, gequält – was immer Menschen miteinander anstellen: GoT hat es in so drastische Bilder gepackt, dass man mitunter kaum hinsehen konnte – und es doch 73 Folgen fast zwanghaft tat. Wenn die Geschichte nun rund 90 Jahre rückwärts zu George R.R. Martins dreiteiligem Spin-off Tales of Dunk and Egg reist, bleibt also einiges beim Alten. Wenngleich nicht mal annähernd alles.
Das beginnt bereits bei Djawadis ikonischer Musik, die nach dem Stuhlgang-Auftakt nicht mehr zu hören sein wird. Es geht aber auf nahezu jeder Handlungsebene weiter. Anders als House of the Dragon nämlich, mit dem Benioff und Weiss ihr Game of Thrones 200 Jahre zuvor historisch hergeleitet hatten, erzählt A Knight of the Seven Kingdoms eine weitestgehend autarke Story abseits vom dynastischen Intrigantenstadl der Lennisters und Starks. Mit einer Hauptfigur, die deren Armee elitärer Superkämpfer ferner kaum sein könnte.
Dem Serientitel nach mag Ser Duncan (Peter Claffey) zu einer Zeit, da die Sieben Königreiche noch vom Drachengeschlecht Targaryon regiert werden, ein Mann von edler Geburt sein. Schon die Eingangssequenz aber belegt, dass er ins Ritterbusiness eher so reinrutscht als hineinzugehören. Kurz nachdem der Knappe des altersschwachen Ser Arlen seinen langjährigen Meister bei Nacht und Nebel begraben muss, versucht er dessen Erbe anzutreten. Mehr als Schild plus Schwert und drei Pferde weisen „Ser Duncan the Tall“, wie sich der zerlumpte Koloss fortan nennt, zwar nicht als Aristokrat aus. Dafür ist sein Streben nach Anerkennung fast ebenso unerschütterlich wie seine Bescheidenheit.
Damit haben Owen Harris und Sarah Adina Smith nach Drehbüchern des GoT-erfahrenen Hauptautors Ira Parker einen Charakter kreiert, der vom Gardemaß handelsüblicher Fantasy-Helden fast noch weiter abweicht als Peter Dinklages kleinwüchsiger Tyrion Lennister im Original. Schließlich ist Ser Duncan selbstkritisch, zuvorkommend, rechtschaffen, anständig, ein bisschen schlicht gestrickt vielleicht, aber auf grobschlächtige Art bauernschlau, dabei sehr sympathisch und damit das genaue Gegenteil von, sagen wir: Tyrions Bruder Jamie.
Beim Versuch, am Ritterturnier von Ashford teilzunehmen, sind das allerdings definitiv keine Eigenschaften, die einen Krieger im Hauen und Stechen mittelalterlicher Riten und Gebräuche sonderlich voranbrächten – hätte er keinen Wegbegleiter von noch eigentümlicherer Gestalt: ein kahler Neunmalklug von vielleicht zwölf Jahren namens Egg (Dexter Sol Ansell), den – natürlich – ein biografisches Rätsel umweht. Sechs halbe Stunden lang weicht er Ser Duncan nach kurzer Kennenlernphase nicht mehr von der Seite und sorgt dabei für etwas, das im „GoT“-Imperium bislang bestenfalls Nebenrollen spielte: Heiterkeit.
Allein schon die Vielzahl alltagsphilosophischer Dialoge, in denen sich das ungleiche Gespann näherkommt, hat in jeder Episode mehr Humor als ganze „Game of Thrones“-Staffeln. „Ich bin sogar klein für mein Alter“, sagt Egg einmal auf seinen Wuchs angesprochen. „Früher sagten alle, ich sei dumm“, entgegnet Dunk daraufhin. Pause. „Und?“, fragt Egg. So debattiert das originellste Odd-Couple seit langem ständig. Und kriegt dabei scherzhaftes Geleit von Lynoel Baratheon. Wie bereits in Guy Ritchies Ganoven-Groteske „The Gentlemen“ spielt Daniel Ings das schwarze Schaf seines Adelsgeschlechts auf so impertinente Art megalomanisch, dass man aus dieser Figur glatt ein eigenes Spin-off machen könnte.
All das macht A Knight of the Seven Kingdoms zur amüsanten Weitererzählung eines eigentlich längst auserzählten Stoffes. Mit etwas Wohlwollen könnte man ihn gar als kleinen Kommentar auf eine Klassen- und Statusgesellschaft sehen, gegen die sich Dunk and Egg couragiert auflehnen. Vor allem aber gelingt es der Serie, den strukturellen Heroismus von George R.R. Martin in Gestalt benachteiligter, verwundeter, zerkratzter, aber angenehm resilienter Protagonisten zu brechen. Wie Ser Duncan mit jedem Schritt auf seinem Weg zur Standesmäßigkeit ein wenig versehrter aussieht und dennoch immer ganz bei sich bleibt – das ist schließlich nicht nur herzzerreißend, sondern ungeheuer empathisch.
„Müsst ihr mich verspotten?“, fragt er einmal zwei Prostituierte, die sich über sein Erscheinungsbild lustig machen. „Ich wollte doch nur Hilfe.“ So viel menschliche Größe abseits testosterongesättigter Kampfkraft sucht man in Martins Song of Ice and Fire sonst ebenso vergeblich wie Zurückhaltung beim Zeigen kriegerischer Gemetzel. Hier besteht die härteste Schlacht eigentlich in einem Tauziehen. Schon deshalb wäre eine Fortsetzung der Fortsetzung unbedingt wünschenswert – und alles andere als unwahrscheinlich.
DWDLs Scoop & Dyrholms Dänin
Posted: January 26, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
19. – 25. Januar
Gewiss, Russlands Rückzug aus der Ukraine als erstes Medium zu vermelden oder fast noch besser: Donald Trumps Rückzug aus der Politik – das wären mal Scoops von weltbewegender Dringlichkeit. Trotzdem war die Meldung des Branchenportals DWDL, im Dezember würden Bill und Tom Kaulitz die 219. Folge Wetten, dass…? moderieren, nicht nur exklusiv, sondern schon auch ein bisschen sensationell.
Weit weniger überraschend ist da die Nachricht, dass mit dem ehemals bissigen, mittlerweile aber eher bemitleidenswerten Zeit-Kolumnisten Harald Martenstein der nächste alte Mann aus der Straßenmitte nach ganz rechts wechselt. Unterm Titel Mail von Martenstein wird er bei der Bild künftig auf alles Woke und was ihm sonst noch weiße Privilegien verhagelt schimpfen. Als verbitterter AfD-Wahlkampfhelfer könnte er also irgendwann auch im Dschungelcamp landen.
Dort also, wo der gefallene Hotelrezeptionslügner Gil Ofarim angeblich die bislang höchste Antrittsprämie einstreicht – und dennoch ausgerechnet über jenen Fall von gefaktem Antisemitismus schweigt, der ihn als Madenfresser für RTL so verteuert. Ansonsten ist neu, dass es heuer auch räumlich zwei konkurrierende Lager gibt und mit Hardy Krüger Jr. zumindest ein berühmter Name dabei ist.
Noch zwei Fakten vom Wahrnehmungsrand obendrauf. Bei der Übertragung des Hahnenkammrennens aka Streif von Kitzbühel hat ARD-Reporter Bernd Schmelzer am Samstag über einen leichtbekleideten IT-Boy im Schnee den der wunderbaren Satz „Influencer auf dem Weg zur Influenza“ gesagt. Und wie es aussieht, schafft Tschechiens rechtspopulistischer Regierungschef Andrej Babiš kurzfristig den Rundfunkbeitrag ab, also langfristig den liberalen Pluralismus.
Die Frischwoche
26. Januar – 1. Februar
Ein Tiefschlag für vielfältige Berichterstattung jenseits vom Quotendruck. Ereignisse wie den 81. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung am 27. Januar jedenfalls interessieren private Sender dummerweise nicht die Bohne. Hierzulande dagegen stellt das Öffentlich-Rechtliche ein vielfältiges Sonderprogramm auf die Beine – darunter ein ARD extra: Antisemitismus in Deutschland gleich nach der Tagesschau. Das Einzige, was kommerzielle Plattformen zum Holocaust-Gedenktag beitragen, läuft im Grunde bei Sky.
Ab Freitag beleuchtet Elon Musk Uncovered das faschistoide Wirken des Hitlergruß-Fanatikers dokumentarisch. Ansonsten gibt es diese Woche eher leichte Unterhaltung. Allen voran natürlich die vierte (und hoffentlich endlich mal letzte) Staffel Bridgerton, an der sich verglichen mit den ersten drei vermutlich nichts Substanzielles ändern wird. Sonntag dann springt MagentaTV auf den Zug in die Baker Street 221b auf.
In Sherlock & Daughter ermittelt der berühmteste Detektiv aller Filmzeiten acht Folgen lang gemeinsam mit einer jungen Frau (Blu Hunt), die sich als seine amerikanische Tochter zu erkennen gibt. Interessant ist nebenbei, dass Holmes diesmal nicht vom Sexsymbol Benedict Cumberbatch, sondern dem sehr gewöhnlichen David Thewlis verkörpert wird. Ein Weltstar spielt dagegen The Danish Woman.
Trine Dyrholm, 1998 durch Thomas Vinterbergs allerersten Dogma-Film Das Fest berühmt geworden, ist ab Freitag auf Arte eine Dänin namens Ditte, die in einer isländischen Wohnsiedlung den Kontrollfreak gibt und ein Geheimnis mit sich herumträgt: Vor ihrem Umzug nach Reykjavík war sie nämlich eine Elitesoldatin mit Geheimdienstqualifikationen und kriegt es nun nicht so richtig hin, ein gewöhnliches Leben unter gewöhnlichen Nachbarn zu führen. Was auf skurrile Art sehr, sehr amüsant ist.
Andreas & Daniel Prochaska
Posted: January 22, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 4 donnerstagsgespräch | Leave a commentNepotismus funktioniert nur bedingt
Mit 18 ist Daniel Prochaska in die Fußstapfen des berühmten Vaters Andreas getreten. Sein Landkrimi Bis in die Seele ist mir kalt (Foto: ORF) zeigt aktuell in der ZDF-Mediathek, wie sich die beiden Regisseure unterscheiden – und was sie teilen. Ein Doppel-Interview über Verwandtschaft am Set, amerikanisches Casting und die Arbeitsweisen zweier Generationen.
Von Jan Freitag
freitagsmedien: Andreas Prochaska, wo er nicht zuhört, können Sie es ja sagen – war Daniel, als Sie ihn mit gerade mal 19 Jahren gekriegt haben, ein Wunschkind?
Andreas Prochaska: Ich war sogar erst 18. Das Leben hat einfach zugeschlagen und das war gut so.
Wann ist Daniel denn dann ein Wunschkollege geworden, der ihnen in den Beruf folgt?
Andreas Prochaska: Als er nach der Schule gejobbt hat, hab‘ ich ihn als Video-Operator ans Set von Kommissar Rex genommen. Kurz darauf hat er das Making-of zu „In drei Tagen bist du tot“ übernommen und sein Schnitt-Talent gezeigt. Als drei Jahre später die Editorin meiner Komödie Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott ausgefallen ist, hab‘ ich Daniel den Schnitt angeboten.
Daniel Prochaska: Das waren alles eher glückliche Zufälle so wie das Leben halt oft spielt. Bis dahin hatte ich nur Musikvideos gedreht und wusste, dass ich nicht am Set mehr machen wollte, als den Kamerawagen zu schieben. Da ich auf keiner Filmakademie war und mein Vater bereits bekannt, habe ich ein bisschen länger für meine Entscheidungsfindung gebraucht. Aber als dann wie aus dem Nichts sein Anruf für Elfriede Ott kam, habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir das macht.
Andreas Prochaska: Es war der Beginn einer langen, beglückenden Zusammenarbeit.
War der Name dabei eher Bürde oder Stütze Ihrer Laufbahn?
Daniel Prochaska: Weder noch. Ich habe viel von ihm gelernt und wurde durch ihn geprägt.
Andreas Prochaska: Daniel ist im Gegensatz zu mir Musiker. Ich bin über ein paar Stunden Blockflöte nie hinausgekommen; er hatte schon früh eigene Bands und ließ dieses Talent einfließen. Der Soundtrack zu Elfriede Ott würde ohne Daniels Kontakte in die österreichische Musikszene so nicht existieren.
Daniel Prochaska: Anfangs wurde ich öfters mal als „Sohn von“ betitelt, aber das bin ich ja auch. Und es kann sein, dass besonders im Schnitt Leute glaubten, der Papa schaut noch mal drüber; aber ehrlich: das macht jeder Regisseur beim eigenen Film, unabhängig vom Verhältnis zum Editor.
Andreas Prochaska: Nepotismus funktioniert in unserm Beruf eh nur bedingt. Man kann seinem Sohn als Vater schon ein Projekt vermitteln, aber wenn es in die Hose geht, war‘s das.
Daniel Prochaska: Wir gehören auch unterschiedlichen Generationen mit unterschiedlichen Herangehensweisen an. Und ich bin mit anderen Filmen groß geworden als mein Vater.
Trotzdem haben sie jeweils zwei Landkrimis in Kärnten gedreht. Würde man in einer Blindverkostung merken, welcher von wem stammt?
Andreas Prochaska: Schwer zu sagen. Im Zentrum steht die Geschichte, an die jeder mit eigenem Blickwinkel rangeht. Mir war schon wichtig, dass der Spirit von Daniels Landkrimis erhalten bleibt.
Daniel Prochaska: Kann sein, dass sich meine Arbeit in Nuancen sichtbar unterscheidet. Ich erzähle gern verschiedene Zeitebenen gleichzeitig und mag grafische Bilder. Aber im Zentrum aller Bemühungen steht immer die Geschichte, nicht mein Anteil daran. Was unsere Arbeiten verbindet, ist aber der Humor; dadurch haben wir einen ähnlichen Zugang zu Pia Hierzeggers Figuren und Dialogen gefunden.
Andreas Prochaska: Ich hatte das Vergnügen, den ersten Kärntner Landkrimi mit Gerhard Liebmann in der Hauptrolle zu drehen, bin dann durch einen glücklichen Zufall neu dazugestoßen und konnte mit Daniels Cast zusammenarbeiten. Als Regisseur bist du neben anderen Dingen der erste Zuhörer, und mir hat niemand beigebracht wie man Schauspieler*innen inszeniert. Ich habe da offenbar keinen ganz schlechten Instinkt, und den hat Daniel auch.
Haben Schauspielerführung und Instinkte auch mit der Alterskohorte zu tun? Jüngere Regisseure gelten verglichen mit früheren Alphatieren am Set als achtsamer.
Andreas Prochaska: Was Daniel und mich altersunabhängig verbindet: Es geht uns nie ums Ego, sondern den Film. Wir wollen beide ein Umfeld schaffen, in dem sich alle sicher fühlen, nur so bekommt man das Beste aus Cast und Crew. Aber wenn Männer meiner Generation unter Generalverdacht stehen, finde ich das schon bedenklich. Ich bin seit 1998 Regisseur, und bei mir gab’s nie Geschrei oder Respektlosigkeiten am Set. Respektvolles Benehmen hat dort grundsätzlich weniger mit Alter als mit Charakter und guter Kinderstube zu tun. Bei zweifelhaften Charakteren hilft auch kein Code of Conduct, und das ist geschlechtsunabhängig.
Daniel Prochaska: Es gibt auch in meiner Generation schwarze Schafe, die nicht wissen, wie man sich benimmt. Dabei muss man aber auch berücksichtigen, dass Regisseure am Ende die Verantwortung fürs Ganze tragen; da sind gewisse Hierarchien unerlässlich. Nur wie man die auslebt, hängt eher mit der Persönlichkeit als Geschlecht und Alter zusammen.
Andreas Prochaska: Ich finde es wichtig, dass sich die Strukturen im Hinblick auf Gleichberechtigung, Achtsamkeit, Arbeitsbedingungen ändern. In meinen Anfängen waren Drehtage mit 14 bis 16 Stunden nicht ungewöhnlich. Wenn so viele Leute für mehrere Wochen in einem hochintensiven Arbeitsprozess involviert sind, muss jeder aufpassen, dass sich keine Grenzen verschieben. Das ist auch in den Verträgen mittlerweile ganz klar geregelt.
Daniel Prochaska: Ich bin dabei, seit ich 18 bin, und selbst in dieser kürzeren Zeitspanne hat sich viel verändert, das meiste zum Positiven. Trotzdem plädiere ich ebenfalls für Geduld bei der Anpassung neuer Entwicklungen.
Sind Sie bei all den Gemeinsamkeiten eigentlich nur Kollegen oder auch Konkurrenten?
Andreas Prochaska: Auf jeden Fall Kollegen. Daniel ist sehr erfolgreich mit seinen Projekten und das freut mich sehr.
Daniel Prochaska: Ich empfinde die Filme vieler Kollegen – ob es mein Vater ist oder Hollywood-Stars wie Martin Scorcese – generell eher als Inspiration.
Regisseure werden anders als Schauspieler ja auch nicht gecastet, oder?
Daniel Prochaska: Früher nicht. Aber das hat sich mit den Streamingdiensten ein wenig geändert. Da habe ich noch mal neu mit den Schauspielern gefühlt, so hart war es, von anderen bewertet zu werden.
Andreas Prochaska: Ich mache diese Erfahrung besonders international. Für ein amerikanisches Projekt saßen wir mal zu acht im Raum, und ich habe zum ersten Mal eine Ahnung davon bekommen wie sich Schauspieler*innen nach einem Casting fühlen, wenn du weißt, dass jedes deiner Worte analysiert wird. Das nimmt auch im deutschsprachigen Raum zu, was aber grundsätzlich auch okay ist. Irgendwie muss man ja herausfinden, ob man sich auf das Abenteuer einer gemeinsamen Produktion einlassen will.
Können Sie von den bisherigen Filmen oder Serien des jeweils anderen sagen, welche sie besonders mögen?
Andreas Prochaska: Also bei mir ist es sein erster Film. Als er mir den Schnitt von „Geschenkt“ gezeigt hat, war ich beglückt, weil er mich der Film wirklich berührt hat und ich wusste, dass Daniel seinen Weg machen wird. Das war schon ein besonderer Moment.
Daniel Prochaska: Schwierig. Ich war ja bei vielen dabei und möchte mich nicht loben. Deshalb nehme ich einen kleinen Film, den viele vermutlich gar nicht kennen: Die Hunde sind schuld. Da hat er bereits einen Humor angedeutet, mit dem er seither viele Filme versieht.
Andreas Prochaska: Barbara Valentins letzter Film übrigens, Sendetermin war der 12. September 2001 und der Film ist im Strudel von 9/11 untergegangen.
Kolumnen & Kingdoms
Posted: January 19, 2026 | Author: Jan Freitag | Filed under: 1 montagsfernsehen | Leave a commentDie Gebrauchtwoche
12. – 18. Januar
Wie sehr sich die Macht der Bilder mittlerweile von der Macht der Mächtigen entkoppelt hat, war nirgendwo eindrücklicher zu erleben als beim mutmaßlichen ICE-Mord in Minnessota. Obwohl keine Kameraperspektive etwas anderes als eine Exekution zeigt, behaupten die politisch Verantwortlichen um Donald Trump seit der Tat das Gegenteil behauptet und lassen sich davon auch durch Beweise aller Art nicht abbringen.
Diese Umdeutung sämtlicher Fakten ist der nächste Schritt zur Demontage von Demokratie und Rechtstaat, den noch selbst Pessimisten so konsequent kaum für möglich gehalten hätten. Immerhin scheinen die rechtsextremen Kräfte (vorerst) keinen Zugriff auf Nachrichteninhalte von Warner Bros. Discovery zu kriegen – das aktuelle Angebot der Trump-Jünger Ellison war offenbar so schlecht durchfinanziert, dass Netflix als Käufer wahrscheinlicher wird.
Hierzulande machen mäßig begabte, aber sendungsbewusste, nun ja: Journalist:innen derweil das, was sie auf der rechten Seite immer tun, wenn sich ihre Ertragsmöglichkeiten als unzureichend erweisen: Sie gehen wie Julia Ruhs als Kolumnistin zur Bild. Das war abzusehen. Ganz im Gegensatz zum Wechsel des Tagesthemen-Leiters Helge Fuhst zu Springer. Jener angesehene Medienplayer also, der vor gar nicht allzu langer Zeit als ZDF-Intendant im Gespräch war.
Glück gehabt, wird man da in Mainz vermutlich denken und den Gedanken mit Fuhst teilen, der zwar künftig stechend nach Schwefel stinkt, aber sehr viel mehr Mittel als zuvor in die Reinigung seiner kontaminierten Karriere investieren kann. Geld macht halt nicht satt, sondern hungrig. Und damit zum Wetter: Elli, darauf kann man sich trotz aller Unbill einigen, war ein Low-Performer.
Tagelang befand sich das halbe Land angesichts des Schneesturmtiefs in kollektiver Schockstarre, und dann? Zog es eigentlich nur ziemlich jahreszeitgemäße Witterungsbedingungen nach sich, mit denen süddeutsche Berggemeinden noch immer relativ regelmäßig zurechtkommen müssen. Winter is coming gilt also auch weiterhin eher für Game of Thrones als norddeutsche Tiefebenen. Wobei selbst in Westeros aktuell besseres Wetter herrscht.
Die Frischwoche
19. – 25. Januar
Zum Start des hauseigenen Streamingportals launcht HBO Max heute ein weiteres Prequel. Und in Ira Parkers sechsteiligem A Knight of the Seven Kingdoms herrscht eigentlich ganz gutes Wetter, wenn Ser Duncan (Peter Claffey) versucht, sich mithilfe seines Knappen Egg 90 Jahre vorm Original in der rauen Fantasywelt als Ritter zu etablieren. Nicht nur der Sonnenschein macht den Sechsteiler allerdings zur Ausnahme im GoT-Kosmos; es ist vor allem sein Humor.
Den sucht man in der zweiten großen HBO-Premiere zwar vergeblich. Dennoch ist R. Scott Gemmills Medical-Serie The Pitt mit Noah Wyle („Emergency Room“) als Schichtleiter einer radikal realistischen Notaufnahme in Pittsburgh so unfassbar unterhaltsam, dass man sich zum Start beide Staffeln lang körperlich inmitten des permanenten Ausnahmezustands wähnt – und dabei unglaublich viel über alle Beteiligten erfährt.
Damit stünden die großen Formate knapp hinterm Making of von Stranger Things bei Netflix bereits ganz vorne. Fehlt noch die sehr bunte Thriller-Serie Ponies mit der Got-Ikone Emilia Clarke als Spionin im Moskau der 70er Jahre. Auch Sophie Turner, Hauptfigur des sechsteiligen Heist-Dramas Steal stammt ab Mittwoch bei Prime aus dem Game of Thrones. Im ZDF ist zwischendurch die – vermutlich letzte – Fortsetzung der Ku’damm-Sage ins Jahr ’77 vorgestoßen.
An gleicher Stelle recherchiert The Kollective wahrheitsliebender Journalist:innen ab Freitag in einem weltpolitisch verstrickten Fall am Rande des 3. Weltkriegs. Den Schuldigen des 2. plus Shoah widmet sich Thilo Mischkes dreiteilige Doku German Guilt ab Mittwoch ebenfalls im Zweiten. Und dann wäre da noch die nette Idee, einer Quizshow mit zwei Antwortmöglichkeiten. Schade, dass die Yes or No Games bei Prime laufen, wo das alles nicht nur dank einer gigantischen LED-Installation mal wieder viel zu aufgeblasen wirkt.