Was flimmert, was rauschte: 4.-17. Februar

Rücksichtnahme

Die Fernsehwoche die war, 4.-10. Februar 2013

Die gute News der 6. Woche vorweg: Nach 18 Jahren schließt Hani Hinterseer sein volksmusikalisches Fernsehhospiz und wird Friseur in Schladming, wo grad die unbewaffnete zweier Weltmeisterschaften auf Skiern stattfindet, deren Übertragung höchstens mal von Breaking News wie Annette Schavans Rücktritt via Tagesschau extra und an Umfang nur von Fußball übertroffen wird, der uns bei aller Gewöhnung mit einer Neuigkeit versorgte: Mehmet Scholl, verriet er vorm Länderspiel gegen Frankreich, ist erst mit 12 in die 1. Klasse gekommen. Das setzt die Einstellungskriterien für ARD-Moderatoren doch in ein völlig anderes Licht. Darauf n’ Narrhallamarsch. Der wird mittlerweile ja auch auf der Großen TV Total Prunksitzung geblasen, mit der Stefan Raab den Faschingsoverkill Samstag um satte drei Stunden erweitert hat. Zeitgleich lief zwar noch eine brillante Dokumentation von 1927. Doch Berlin, die Sinfonie einer Großstadt dürfte auf Arte weniger Publikum gehabt haben, als DGTVTPS Zuschauer mit Literatur im Regal – oder Arte auf der Fernbedienung. Und so dürften sie dort Donnerstag die einzig nennenswerte Innovation der Woche verpasst haben: Injustice, eine britische Anwaltsserie, die nicht bloß Krimi + Gesetzbuch ist, sondern die Fehlbarkeit der Justiz am Beispiel eines mitschuldigen Strafverteidigers skizziert.

Aussichtsplattform

Die Fernsehwoche, die wird, 11.-17. Februar 2013

Während Injustice Donnerstag zum Finale recht reale Gerichtsbarkeit mit eher fiktiven Mitteln bietet, bittet Alexander Hold seit zwölf Jahren fast täglich zu sehr fiktiver Gerichtsbarkeit mit, nun ja: realen Mitteln. Alexander wer?, dürfte da fragen, wer sonst nur Arte sieht. Richter Alexander Hold, letzter Vertreter einer Spezies, die Ende den Bildschirm Ende der 90er mit Barbara Saleschs in Reihe geflutet hat. Dienstag fällt der echte Amtsrichter sein letztes Fernsehurteil, das nach 60 Minuten kollektiven Gekeifes wie üblich per Überraschungszeuge zustande kommen wird. Danach gibt’s nur noch Wiederholungen. Um den Übergang Richtung rechtsfreier Raum zu erleichtern, kann man aber noch bis Mittwoch Karneval kucken. Oder Biathlon, diese kleinbürgerliche Großsause, deren Bengalos im Publikum von schlichten Reportern nicht wie im Fußball zu Massenvernichtungswaffen erklärt werden, sondern zu Freudenfeuern. Im Fasching ist halt alles erlaubt. Alles erlaubt ist längst auch Jan Fedder, der nicht mehr nur als schnodderiger Streifenbulle geht, sondern als selbstgerechter Startalker wie im ARD-Drama „Stille“ (Mittwoch), der allerdings so lausig ist, dass man Fedder flink ins Großstadtrevier wünscht. Oder zum Vorentscheid des ESC vulgo Grand Prix, dessen Vorentscheid Donnerstag läuft. Nichts für akustische Ästheten, aber vielleicht gewinnt ja La Brass Banda… Und für Ästheten jeder Sensorik gibt’s am selben Abend ja auf ZDFneo gleich nach Sarah Kuttners wunderbarem Magazin Bambule das noch wunderbarere Reportageformat Wild Germany mit dem nun wirklich allerwunderbarsten Moderator Manuel Möglich, der sich zum Auftakt der 4. Staffel dem Thema Schamanismus widmet, ohne zu werten.

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