Aber Mutter!

fragezeichen_1_Wer seine Mutter Mutter nennt und Vati Vater, ist entweder adelig, unterkühlt, Louis van Gaals Tochter – oder im Fernsehen. Mama sagen darin nur Kleinkinder.

Von Jan Freitag

Die ersten Worte sind selbst im Labermedium Fernsehen selten zu hören. Und wenn es doch mal frühkindlicher Artikulationsversuche zeigte – Babys würden nicht Mama sagen, sondern Mutter. Den Eindruck jedenfalls erweckt das aktuelle Programm, wo Kinder, sobald sie flügge sind, sprachliche Distanz zu ihren Erzeugern aufbauen. „Aber Mutter!“, dröhnt es durch Pilcher-Schnulzen, „Vater, bitte!“, durch jeden „Tatort“. Ja, wo leben wir denn?

Antwort: In der Vergangenheit! Denn im Mutter/Vater pflegt der Bildschirm auch als Flatscreen seinen Alterskonservatismus. Wo sich selbst blutjunge Paare, wie in Soaps, beharrlich „Schatz“ nennen; wo grundsätzlich, wie bei Inga Lindström, in weiß geheiratet wird; wo Königshochzeiten, wie in ARZDF, als relevante Ereignisse behandelt werden und das Restprogramm wie der Hausfunk eines Seniorenstifts, da sucht man auch semantisch die Nähe zu den Fünfzigerjahren.

Denn in denen hatte es sich schließlich geziemt, Eltern formal korrekt, emotional aber leicht unterkühlt anzureden. Damals, als das Gras noch grüner war und Vater Herr im Haus. Als Moral, Sitte, Anstand intakt waren und Mütter am Herd einfach glücklicher. Klingt nach Dr. Kleist? Komisch…

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