Blutarmut

fragezeichen_1_Ob Fausthieb, Fußtritt oder Trefferserie – wann immer es in Film und Fernsehen was auf die Nase gibt, blutet sie höchstens einen Tropfen.

Seid Rocky Balboas rechter Klebe und Bud Spencers linkem Pfund dürfte bekannt sein: Fiktional gefilmt klingen Wirkungstreffer gern wie mittlere Bergwerkssprengungen. Umso erstaunlicher, dass sie in der Regel fast folgenlos bleiben. Denn wen auch immer derart zielsichere Dresche am Kopf erwischt, er/sie/es steht bald wieder auf, um sich die nächste Ladung Hiebe abzuholen. Schließlich blutet nach den ersten noch nicht mal anständig die Nase. Ein medizinisches Phänomen.

Wer in seinem Leben schon mal Nasenbluten – ob nun das selbst induzierte vom allzu tiefen Bohren oder das fremd induzierte vom allzu festen Zuschlagen – hatte, der weiß ja, was aus dem Riechorgan für Ströme fließen, wenn sie erst mal entfesselt sind. In Film und Fernsehen dagegen sorgt selbst die satteste Tracht Prügel bestenfalls für eine rasch verkrustende Rottönung über der Oberlippe. Das hat ästhetische Gründe, da echte Blutbäder atmosphärisch den Weg ins Splattergenre weisen; vielleicht sind es aber auch technische. Manche Menschen können schließlich mit den Ohren wackeln, andere ihre Kiefer ausrenken und die nächsten mit Ellenbogengelenken knacken, aber per Nasenflügel die nötige Blutkapsel zu zerdrücken wie beim Bauchschuss, der grundsätzlich Ströme künstlichen Lebenssaftes in Echtzeit aus dem Mundwinkel befördert – wer kann das schon?  Bud Spencer vielleicht. Aber der bringt auch Schädeldecken zum Klatschen.



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