Schaumdusche

fragezeichen_1_Dass bei feierlichen Filmanlässen gern mal die Korken knallen, ist ja dramaturgisch durchaus nachvollziehbar. Aber warum bitteschön muss es dabei immer so schäumen? Merkwürdig

Es gibt Verbote des Alltags, die kriegt man schon als kleines Kind unablässig eingebimst: Kau nicht an den Fingernägeln! Füße runter vom Tisch! Weg mit dem Draht von der Steckdose! Sprich nicht beim Essen! Iss nicht beim Sprechen! Oder das hier: Öffne keine Brause, die zuvor geschüttelt wurde! Zu dumm, dass sich auf Bildschirm und Leinwand niemand daran hält. Zumindest, wenn die Brause Wein enthält und feuchtfröhlich prickelt. Denn wann immer es was zu Feiern gibt – irgendjemand muss den Champagner vorm Entkorken noch kurz in die Zentrifuge gesteckt haben, so sehr spritzt es grundsätzlich aus der Buddel.

Das könnte zunächst mal anlassbezogen sein. Es geht ja beim Schampus in der Regel ums Feiern, und weil Film wie Fernsehen nun mal sehr visuelle, also eher plakative Medien sind, müssen sich knallende Korken irgendwie auch optisch manifestieren. Warum aber müssen gleich riesige Fontänen aus dem Flaschenhals schießen, die zudem grundsätzlich durch den ganzen Raum verteilt werden? Ganz einfach: dann darf der begleitende Akustik-Overkill noch um das übliche Gieksen, Kreischen, wowowow-Gerufe der eingenässten Partygäste erweitert werden. Denn merke: im Fiktionalen hat jede Handlung alle Beteiligten aufs Höchste zu erregen. Wie soll es andernfalls genau das mit Zuschauern machen, die es seit Einführung der Privatsender nicht mehr gewohnt sind, Gefühle ohne Bildunterstützung zu registrieren. Also: Schütteln, Öffnen, Trallala – Verbote sind zum Brechen da.



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