Normfamilienjoghurt

fragezeichen_1_In der Werbung gibt es exakt einen Familientypus: deutsche Eltern, große Tochter, kleiner Bruder. Junge Schwestern, Einzelkinder, Patchwork, gar Ausländer – alles verboten. Merkwürdig.

Es gibt Joghurt zum Wochenende. Glaubt man dieser einen Fernsehreklame, also auch an den Osterhasen, dann reicht der hiesigen Normfamilie ein zuckriges Milchprodukt mit Fakefrüchten fürs selige Weekendfeeling. Glaubt man der Fernsehreklame insgesamt, besteht die Normfamilie zudem aus zwei zielich arischen Eltern einer artigen Tochter mit kleinem Bruder. Ausnahmen? Ausgeschlossen. Einzelkinder, Mischehen, Spätgebärende? Alles undenkbar! Die Normfamilie der Fernsehreklame, ach – im deutschen Fernsehen generell, ist absolut formatiert.

Und das hat strategische Gründe. Wenn die gepriesenen Produkte noch weniger der Realität entsprechen als die Restunterhaltung ringsum, braucht sich die Werbung erst recht nicht um so was Lästiges wie Wirklichkeit zu bemühen. Also bastelt sich das Marketing eine Welt, die nicht nur dem Verkauf förderlich ist, sondern auch der geheimen Sehnsucht des Kernkunden. In deren Traumland geht es nämlich geordnet zu, blutsgruppendynamischer Konsum reicht darin zum Glücklichsein, Ausländer sind nur zu Gast und das Böse vor der Wohnstubentür manifestiert sich bloß in einem 18,4 Monate jüngeren Bruder, der ab und an – quasi als Gipfel deutscher Normfamiliendisharmonie – ein klein bisschen frech ist zu seiner großen Schwester wird. Die Wunschwattewelt der deutschen Mittelschicht, sie liegt halt mittig zwischen Pilcher-Schnulze und Danone-Spot…

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